Das Große Finale – Teil 4

Gespannt beobachtete Teddy die Bühne. Er stand ganz vorne am Gitter der Empore und hatte Tessa an seiner linken Seite und Lilly an seiner Rechten. Beide Mädchen hatten sich jeweils in seinen Arm gekuschelt und betrachteten ebenfalls das Geschehen auf der Bühne. Während Musik vom Band aus den Lautsprechern lief, wurde die Bühne für die letzten drei Kandidaten vorbereitet.
Teddy war gespannt, was Marc-André zu bieten hatte. Da sie die „Screaming Overlords“ vor ihrem Gang zum hinteren Bühnenbereich nicht mehr gesehen hatten, wusste Teddy nichts über ihr Line-Up oder ihr Bühnenoutfit. Es blieb alles spannend. Überraschenderweise sah er Paddy, der gerade aus der Richtung des Bühnenaufgangs zurück kam.
Natürlich fragte sich Teddy, was es damit auf sich hatte, aber als Paddy mit einem Getränk in der Hand zu ihnen kam, betrat auch gerade der Moderator die Bühne, so dass Teddy keine Zeit blieb, unauffällig nachzufragen.

Nach einer ausführlichen Anmoderation, bei der der Moderator, der scheinbar ein Mitarbeiter des Radiosenders war und unter den Anwesenden deutlich eine gewisse Form von Anerkennung genoss, erneut ausführlich die Regeln des Wettbewerbes erklärte hatte, kündigte er die „Screaming Overlords“ an. Die Menge tobte.

Marc-André und Adolpho kamen zuerst auf die Bühne und zeigten ein erstaunlich arrogantes Selbstbewusstsein in ihrem Auftreten, das selbst für ihre Verhältnisse herausragend war. Ihre Kostüme waren durchaus weniger aufwendig als die ihrer Konkurrenten, aber trotzdem zeugten sie von einem gewissen Stil, der dem Anlass angemessen war.
Der optische Star der Formation waren aber die drei Background-Sängerinnen, in Gestalt von Benediktina, Lauretta und einem attraktiven Mädchen, welches Teddy nicht bekannt war, die in stark körperbetonten schwarzen Kleidchen durchaus zu überzeugen wussten.
Der Möchtegernschläger von Adolpho posierte mit freiem Oberkörper hinter dem Schlagzeug und Teddy vermutete stark, dass eine ganze Familienpackung Babyöl für den „natürlichen“ Glanz seiner Muskeln verantwortlich war. Ganz der Rockstar, zählte er unter dem Zusammenschlagen seiner Sticks den Takt an und begann dann, intensiv und engagiert das Schlagzeug zu traktieren, während Marc-André und Adolpho mit ihren E-Gitarren ein „volles Brett in den Raum stellten“, wie es in der Rockszene hieß.
Allerdings war, außer dem Umstand, dass sich die beiden Egozentriker eindeutig nicht darauf einigen konnten, wer der Leadsänger und noch viel mehr, wer der Lead-Gitarrist war und so eher gegeneinander, als miteinander spielten, war von Teddys Seite aus nichts gegen den Song zu sagen. Der Rhythmus stimmte und der Bass harmonierte gut mit dem Schlagzeug. Die Mädels bewegten sich elegant und boten echt etwas für das Auge der zumeist männlichen Zuschauer und scheinbar eignete sich der Song auch gut für das „Headbangen“ und für „Pogo“, wie die ersten Reihen vor der Bühne dezent demonstrierten.
Trotz aller Vorbehalte stellte Teddy fest, dass gerade Marc-André sein Publikum gut im Griff hatte, daher war er auch fair genug, nach dem Auftritt im richtigen Moment mit zu applaudieren. Auch wenn es Konkurrenz war, war der Auftritt einfach einen Applaus wert.

Teddy wollte sich als Sportsmann zeigen, also entschuldigte er sich bei den Mädchen und fing die von der Bühne kommenden Konkurrenten an geeigneter Stelle ab, um ihnen zu gratulieren.
Zu seiner Überraschung schlug Marc-André in die angebotene Hand ein und gab auch ein Kompliment zurück. Auch die meisten anderen Bandmitglieder zeigten sich entsprechend sportlich. Nur Adolpho und sein Muskelmann ließen Teddy unbeachtet stehen. Auch Sunny schloss sich an und gratulierte den „Screaming Overlords“ mit ehrlicher Begeisterung.

Die Wertung des Konkurrenten war nicht weit von dem eigenen Ergebnis entfernt. So blieb es spannend, denn das Internet und die Künste der letzten beiden Bands würden entscheiden, ob sich „Cauldron of Medea“ und die „Screaming Overlords“ einen Platz im Finale erobert hatten. Und dann waren da ja auch noch die „Creatures from Abyss“, wie sich die Band von Adrian und Marion nannte, denen Teddy auch einen Platz im Finale gönnte.

Zurück an seinem Platz verfolgte er die letzten beiden Kandidaten, die noch auf dem Programm standen. Beide hatten starke Fangruppen und waren auch sehr professionell von der Performance, erzeugten aber bei Teddy keine große Begeisterung. Eine relativ hohe Punktwertung hatten beide eher aufgrund ihrer mitgebrachten Unterstützer, als durch neugewonnene Fans.
Als Teddy erneut im Kopf nachrechnete, stellte er fest, dass es rein von den Leuten im Internet abhing, wer ins Finale kommen würde, denn die Messwerte der Zuschauerbegeisterung von allen fünf Bands waren so dicht beieinander, dass alles offen war.
Während das Preiskomitee mit der Auswertung begann, wurde jetzt das Programm der versprochenen regionalen Metalband begonnen und die hiesigen Fans feierten „Sissy’s Top“ entsprechend. Teddy hörte eine Zeit zu, beschloss dann aber, sich ein wenig zurückzuziehen, um sich für einen eventuellen zweiten Auftritt vorzubereiten. Als er Tessa und Lilly kurz darauf hinwies, hakten sich die beiden Mädchen bei ihm unter und begleiteten ihn fröhlich.

In der Umkleide trafen sie Alise und Sunny, die sich gerade in inniger Umarmung im gleichzeitig gegenseitigen Abtasten ihrer Zunge übten. Teddy entschied nach kurzer Beobachtung des fleißigen Engagements der beiden, dass er auch noch ein wenig Übung in dieser diffizilen Disziplin benötigen konnte und fand sowohl in Lilly, als auch in Tessa bereitwillige Übungspartnerinnen, die ihn ziemlich geschickt von dem aktuellen Geschehen abzulenken wussten.
Daher war Teddy durchaus erstaunt, wie weit die Zeit schon fortgeschritten war, als sich Paddy zu ihnen gesellte und darauf hinwies, dass gleich das Ergebnis verkündet werden würde. Gemeinsam wanderten sie zur Empore und erfuhren, dass sie alle auf die Bühne gehen sollten.
Die Mitglieder aller zehn teilnehmenden Bands drängelten sich auf die dadurch doch plötzlich recht klein wirkende Bühne.
Der Moderator hatte zwei Assistenten, die T-Shirts mit dem Logo des Radiosenders trugen und fleißig mit weiteren Assistenten hinter der Bühne kommunizierten.

Unter Einhaltung der typischen Spannungselemente, begann der Moderator mit der Vorstellung der Wertung. Natürlich fing er mit der am niedrigst bewerteten Band an, den ehemaligen Umkleidegenossen, die scheinbar schon ziemlich angeheitert waren. Sie bekamen einen mäßigen Applaus und ihre Geschenktüten mit den Trostpreisen, die die beiden Assistenten an die Jungs verteilten, um sie dann hilfsbereit von der Bühne zu leiten.
Auf die selbe Art ging es weiter und obwohl der Moderator versuchte, Spannung zu erzeugen und jede Band gebührend gefeiert und mit Preisen ausgestattet wurde, waren die letzten fünf Plätze für Teddy weder überraschend noch spannend.
Erst als die Band, die tatsächlich als letztes gespielt hatte, ihren fünften Platz entgegennahmen, fing Teddy an, wieder aufgeregt zu werden. Innerlich rechnete er damit, jetzt als nächstes den verdienten vierten Platz in Empfang zu nehmen.

Zu seiner Überraschung waren es weder die „Screaming Overlords“ noch „Medeas Cauldron“ und auch nicht die „Creatures from the Abyss“ die nach vorne gebeten wurden, sondern die andere Band, die letztes Jahr noch erfolgreich den zweiten Platz gestürmt hatte.
Teddy konnte den Jungs die Enttäuschung förmlich ansehen, aber dennoch fiel ihm ein Stein vom Herzen, als der Moderator noch einmal bestätigte, dass das Finale von Teddys Wunschkandidaten bestritten würde.
Es wurde jeweils ein Repräsentant der drei Bands nach vorne gerufen, die jetzt ihren Startplatz im Finale auslosen sollten. Zu Teddys Erleichterung sicherte ihre Bandleaderin Alise ihnen den mittleren Platz. Nicht das Beste, aber auch nicht die Ersten.
Das harte Los fiel den „Screaming Overlords“ zu.
Es wurden noch Tüten mit den Preisen für die Finalisten verteilt und dann wurden alle wieder hinter die Bühne gebeten, um sich vorzubereiten.

Nachdem sie die Geschenktüten in der Umkleide abgelegt, ihr Outfit erneut überprüft hatten, zogen die Bandmitglieder mit mulmigem, aber auch aufgeregtem Gefühl mit ihrem Equipment zurück hinter die Bühne, wo sie auf die anderen beiden Bands trafen.
Die Mitglieder von den „Creatures from the Abyss“ scherzten fröhlich herum und steckten Teddy mit guter Laune an. Er bemerkte auch, dass sich die Anspannung der anderen löste, so dass es für Teddy schon ein Gewinn war, mit den netten Bandmitgliedern der Konkurrenz in Kontakt gekommen zu sein.
Auch ein paar Mitglieder der „Screaming Overlords“ zeigten sich erstaunlich solidarisch und ließen sich auf kleine Gespräche und Scherze ein. Es fand schon fast so etwas wie eine kleine Verbrüderung hinter der Bühne statt, die Teddy sehr froh stimmte.
Seine Nervosität fiel von ihm ab und es blieb nur der Spaß an dem gemeinsamen Erlebnis.

Erneut lieferten die „Screaming Overlords“ eine gute Show ab, auch wenn ihr Song sich nicht wirklich stark von ihrem ersten unterschied. Dennoch erzeugten sie einen lauten Schwall von Begeisterung.
Selbstbewusst stolzierten Marc-André und Adolpho von der Bühne und zogen sich mit ihren Sängerinnen nebst Schlagzeuger zurück, während der Rest noch hinter der Bühne blieb, um mit ihren Konkurrenten „mitzufiebern“.

Der Moderator kündigte die zweiten Kandidaten an und Teddy enterte mit seinen Freunden die Bühne. Mit viel Spaß und Spielfreude lieferten sie ihren zweiten Song ab.
Mittlerweile war es Teddy auch egal. Er hatte einfach Spaß und spürte die Freude, die ihm das gemeinsame Spielen mit seinen besten Freunden machte. Strahlend verließ er die Bühne und kümmerte sich nicht um die Höhe des Applauses.
Die Bestätigungen der anderen Musiker, die ihnen auf die Schultern klopften, waren ihm in dem Moment weitaus mehr wert.

Natürlich blieb er, wie der Rest seiner Freunde, hinter der Bühne, um den „Creatures from the Abyss“ zuhören und sie zu unterstützen und er wurde mit einer tollen Show belohnt. Der Song war großartig.
Gemeinsam gingen die Mitglieder der drei Bands nach oben auf die Empore, nachdem auch dieser Song gespielt war, um sich zu erfrischen und auf das Endergebnis zu warten.

Fortsetzung folgt…

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