Der Rest vom (Schützen-) Fest – Teil 1

Sunny war ein wenig verwirrt. Während er mit Teddy und Paddy auf dem Weg zum heimatlichen Sonnenbergerhof war, ließ er den Tag erneut Revue passieren. Da sich Teddy und Paddy gerade unterhielten, hatte er die Zeit, sich ganz seinen Gedanken hinzugeben.
Sie wanderten gerade die kurze Strecke vom Hof der Zapfenstreichs nach Hause und der Regen, der sie den ganzen Tag verfolgt hatte, war seltsamerweise zu dem Zeitpunkt, als sie, wie versprochen, Benediktina zuhause ablieferten, zum Erliegen gekommen.
Der Nachthimmel war nach wie vor bewölkt, doch seit sie den Hof der Zapfenstreichs verlassen hatten, war kein weiterer Schauer auf die kleine Gruppe herunter geregnet.
Sowohl Teddy, als auch Paddy hatten dazu spitze Bemerkungen gemacht, daher hatte sich Sunny ein wenig aus dem Gespräch ausgeklinkt und hing nun seinen Gedanken nach.

Der Tag hatte viel zu bieten, darunter auch vier Highlights der seltsamen Art, die Sunny noch berührten, weswegen er jedem dieser Momente eine kurze Aufmerksamkeit schenkte.
Da war natürlich der seltsame „Scherz“ samt „Unfall“ auf dem Marktplatz gewesen. Teddy hatte sich noch nicht genau dazu geäußert, aber er war länger abwesend und seitdem schien er immer noch etwas zu verdauen. Sunny wollte Teddy zwar ausreichend Zeit lassen und ihn nicht drängen, seine Erfahrungen zu teilen, aber die Neugier nagte schon an ihm.
Bis jetzt hatte Sunny nicht mehr gehört als jeder andere informierte Mitbürger, der sich auf den örtlichen Tratsch verließ. Scheinbar hatte Teddy den Scherzbold mit den Böllern gestellt und sich mit ihm geprügelt und das Ganze musste auf der Polizeistation dann geklärt werden. Einige behaupteten auch, dass die beiden Beteiligten an der Schlägerei mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren wurden und danach zum Verhör auf die Wache.
Sunny störte sich daran, dass weder Teddy so aussah, als wäre er im Krankenhaus gewesen, noch wusste jemand, wer der andere Beteiligte war. Das war alles sehr vage und passte auch nicht zusammen.
Er hoffte, vor dem Einschlafen noch mehr über die Situation zu erfahren, denn sonst würde ihn dieses Geheimnis bestimmt bis in seine Träume verfolgen. Er schob diesen Gedanken vorerst zur Seite, in der Hoffnung, Teddy noch die eine oder andere Information aus der Nase ziehen zu können.

Auch die neue Bekanntschaft von Alise und Tessa verwirrte ihn. Über den Nachmittag und frühen Abend war ihm langsam klar geworden, dass er Lilly aus der Schule kannte. Sie war eine Mitschülerin aus einer Parallelklasse, doch er wunderte sich, dass er so wenig über sie wusste.
Sie war ein hübsches Mädchen und ihm doch in den letzten Jahren nicht aufgefallen, dabei hatte er sich, bevor sein Herz an Alise kleben geblieben war, sehr gründlich alle Mädchen aus der Mittelstufe angesehen. Seltsam war das auf jeden Fall, wie auch der Umstand, dass sie so ausgezeichnet schießen konnte. Normalerweise war der Schießsport in Freudental ein absolut männliches Hobby, welches das Engagement von Mädchen nicht gerade begrüßte. Scheinbar war sie auch nicht an den Schützenverein angebunden.
Seltsam war das Ganze auf jeden Fall, obwohl es Sunny doch zu schätzen wusste, wie Marc-André von ihr vorgeführt wurde. Das war ihm auch den Kuss wert, den er Lilly noch schuldete.
Ansonsten schien sie trotz ihres wilden Stils eher ein wenig schüchtern zu sein, aber das lag wahrscheinlich daran, dass sie die kleine Gruppe noch nicht richtig kannte. Das wollte Alise scheinbar durchaus ändern und Sunny war von ganzem Herzen damit einverstanden, auch darin seine Freundin liebevoll zu unterstützen.
Benediktina schien ihrerseits Lilly gar nicht zu mögen und Sunny fragte sich, was zwischen den beiden Mädchen vorgefallen war. Beide hatten eine Haltung gegenüber der jeweiligen Anderen, welche Sunny davon überzeugte, dass er sich maximal an einem sehr heißen Sommertag zwischen die beiden Damen stellen würde, um die eisige Atmosphäre zu genießen.
Ein wenig störte diese unterkühlte Ignoranz zwischen den Beiden Sunnys Harmoniebedürfnis. Er hoffte, dass sich diese Situation am morgigen, zweiten Tag des Schützenfestes etwas aufklären würde, denn immerhin hatten sie ja Benediktina Geleit über alle Tage des Festes versprochen.

Obwohl sich Sunny nicht wundern würde, wenn Benediktina das versprochene Geleit wieder absagte, denn als sie sich vorhin dem Hof der Zapfenstreichs genähert hatten, hatte Sunny seinen Mut zusammengenommen und, gegen den Rat von Teddy und Alise, Benediktina seine Schandtat gestanden.
Er wollte einfach sein Gewissen beruhigen und auch fair zu Benediktina sein. Er hatte die beiden Jungs gebeten, sie kurz alleine zu lassen und dann mit möglichst einfühlsamen Worten Benediktina sein Vergehen gestanden.
Zugewandt war Benediktina seinem Geständnis gefolgt und hatte dann auf nette und beunruhigend ruhige Art einige verwirrende Fragen gestellt. Sunny versuchte alles nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten, denn darauf hatte Benediktina ja ein Anrecht.
Zu seiner Freude schien sie mit den Antworten zufrieden und gab ihm sogar einen sanften Kuss auf die Wange, um sich für seine Ehrlichkeit zu bedanken. Scheinbar hatte sie seine Entschuldigung akzeptiert und trotz der verwirrenden Fragen, war alles einfacher gelaufen, als er befürchtet hatte. Daher wunderte er sich noch immer über Teddys und Paddys Bedenken und Alises Befürchtungen. Zumindest die Jungs konnte er gleich noch deswegen befragen, aber Alise hatte auch sehr seltsam reagiert.

Natürlich hatte er seiner Freundin seine Verfehlung als erstes gestanden. Und da war er gedanklich sogleich bei dem vierten Punkt.
Nachdem er ihr ein speziell für sie angefertigtes Lebkuchenherz geschenkt hatte, war der Nachmittag einfach himmlisch gewesen. Sie hatten gemeinsam die Kirmes erkundet und viele Küsse getauscht. Der Übergang zwischen zärtlicher Zweisamkeit und Spaß mit den gemeinsamen Freunden war sehr angenehm gewesen und sein dunkles Geheimnis war das einzige, was Sunny quer im Magen gelegen hatte.
Als der Abend anbrach, hatte er Alise an einen ruhigeren Ort gebeten, um das schwierige Geständnis loszuwerden. Sie trennten sich von den Anderen und gingen ein wenig Abseits vom Festgelände in eine kleine Gasse. In einem überdachten Torbogen fanden sie einen ruhigen und trockenen Ort und Alise blickte ihn, mit einer Mischung aus Neugier, Sorge und vielen anderen Emotionen, die Sunny nicht einzuschätzen wusste an, obwohl sie alles hinter einem Lächeln zu verbergen suchte.
Sunny hatte sofort eine Kloß in seinem Hals und alles, was er sich im Kopf zurechtgelegt hatte, war plötzlich verschwunden. Er versuchte, das Gespräch irgendwie zu beginnen, denn er konnte den verzweifelt vielsagenden Blick aus Alises wunderschönen grünen Augen kaum ertragen. Er fürchtete sich vor der Verachtung, die nach seinem Geständnis aus diesen geliebten Augen vernichtend auf ihn blicken würde.

Zögernd begann Sunny mit seiner Erzählung und beschrieb ihr genau, was passiert war. Er erklärte, warum sie sich, mit Benediktinas Einverständnis, auf die Lauer gelegt hatten.
Etwas zögerlicher, aber trotzdem gewissenhaft, berichtete er dann von den Ereignissen, die sich unter den Rhododendren abgespielt hatten. Er gestand, was er gesehen hatte und dass er seinen Blick nicht abgewendet hatte. Er musste sogar zugeben, dass er deswegen fast seinen Einsatzbefehl verpasst hatte und ihnen deshalb der nächtliche „Besucher“ entkommen war.
Interessiert fragte Alise nach und bekam die ganze Geschichte der Verfolgungsjagd genau beschrieben. Er vertraute ihr sogar ausführlich sein schlechtes Gewissen an, was er sich gegenüber seinen Freunden nicht eingestand zu erwähnen, aber er war der festen Meinung, dass ein schnelleres Eingreifen von seiner Seite aus ihnen nicht nur den verlorenen Jagderfolg gebracht, sondern Teddy und Paddy auch jede Menge Schrammen und blaue Flecken erspart hätte.
Alise teilte da seine Meinung nicht, denn so wie sie die Situation verstand, war der Unbekannte ja nicht unbedingt in seiner Reichweite gewesen.
Dann schwenkte sie aber noch einmal, zu Sunny Schrecken, auf das eigentliche Geständnis zurück.

Haargenau musste er ihr alles beschreiben und zu seiner Verwunderung war sie genauso detailbesessen, wie Teddy und Paddy. Zu seiner Verwirrung bemerkte er eine Art amüsiertes Lächeln auf ihrem Gesicht, bevor sie ihm die schlimmste Frage stellte.
Und, hat es Dir gefallen?
Sunny war verwirrt und antwortete stockend: „Naja, was heißt gefallen, es war schon anziehend, weißt Du,aber…“, Alise unterbrach seine stammelnde Erklärung.
Was war es, ihre Brüste, oder der Spitzen-BH?
Verwirrt fragte Sunny: „Wie meinst Du das?
Naja, was war für dich wichtiger, die Verpackung, oder der Inhalt?
Naja, ich habe in dem Sinn ihre Brüste ja gar nicht so wirklich gesehen, also so ganz“, antwortete Sunny verdutzt.
Du lenkst ab, das war nicht meine Frage“, antworte Alise.
Ich glaube, ich verstehe die Frage nicht ganz“, gestand Sunny.

Alise blickte ihn kurz grübelnd an und knabberte leicht auf ihrer Unterlippe. Dann zog sie plötzlich spontan den vorderen Teil ihres T-Shirts hoch. Überrascht blickte Sunny auf ihre Unterwäsche, die ihre ansehnliche Oberweite auf anregende Art bedeckte.
Sie trug einfache, bunt bedruckte Stoff-Unterwäsche, in der Art eines Sport-Büstenhalters, allerdings mit einem bunten Aufdruck von einem bekannten amerikanischen Comic-Merchandise. Der in dem All-Over-Print dargestellte Comic-Held war vor allem in grünen Farben gehalten, dessen Ton sehr gut zu ihrem roten Haar und ihren grünen Augen passte.
Sunny konnte die Augen nicht abwenden, sein Atem stockte und das Blut schoss ihm in diverse Körperregionen, um sich dort anzustauen. Alise gönnte ihm einen ausführlichen Blick, bevor sie ihr T-Shirt wieder herunter gleiten ließ und zurecht zog.
Und?“, fragte sie.
Und was?“, stammelte Sunny, noch immer ein wenig überrascht von der ganzen Aktion.
Welcher Anblick hat Dir mehr gefallen?
Sunny schaffte es, seinen Blick wieder in ihr Gesicht zu richten.
Das kann ich doch gar nicht vergleichen“, antwortete Sunny.
Wieso nicht?“, wollte Alise wissen.
Weil der Vergleich unfair wäre, denn Du hast die coolere Unterwäsche und überhaupt…
Überhaupt was?“, forderte Alise eine Antwort.
Du bist einfach ein ganz anderer Typ als Benediktina, das will ich überhaupt nicht vergleichen, denn Du bist auf so vielen Arten der Typ Mädchen, der mir mehr gefällt, darum bin ich doch so glücklich, dass Du meine Freundin bist!“
Er wunderte sich, dass Alise ihm plötzlich um den Hals fiel und ihn stürmisch küsste.

Nachdem sie sich so lange küssend in den Armen gehalten hatten, bis Sunny sich sicher war, dass Alise weiterhin seine Freundin war, erklärte er, dass er sich noch bei Benediktina entschuldigen wollte. Alise fand die Idee eher schlecht.
Gemeinsam wanderten sie zurück zu den anderen und Alise hielt seine Hand fest in der Ihren.

Fortsetzung folgt…

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