Der Rest vom (Schützen-) Fest – Teil 2

Der nächste Tag brachte die Sonne wieder zurück in das beschauliche Tal. Die dichten Wolken hatten sich in der Nacht verzogen und der neue Tag strahlte sonnig in die Freudentaler Innenstadt.
Alise hatte gute Laune und summte fröhlich vor sich hin, als sie den Frühstückstisch deckte. Sie hatte sich schon einige Zeit in der Küche aufgehalten und einige Leckereien gezaubert, um ihre Männer zu verwöhnen. Da besonders ihre Brüder heute ausschlafen würden, war sie sehr zufrieden, dass sie ihrem Vater das Büffet-Geschirr abgeschwatzt hatte, welches ihre Leckerbissen eine geraume Zeit frisch und warm halten würde. Sie hatte keine Lust, die Bewohnerschaft des Hauses am Wochenende zu wecken.
Kurz blickte sie zur Uhr und dann aus dem Fenster. Tessa erschien pünktlich, stellte sie zufrieden fest und ging zur Tür, um ihrer Freundin zu öffnen.

Wie sie schon erwartet hatte, war Tessa ohne ein Frühstück einzunehmen losmarschiert und wurde dafür jetzt von Alise mit sanfter Gewalt an ihren Frühstückstisch gedrängt. In weiser Voraussicht hatte sie für Tessa mit gedeckt. Tessa protestierte zwar leicht, aber ihr Protest erstarb unter dem Anblick des leckeren Frühstücksbuffets, das Alise vorbereitet hatte.
Alise freute sich, dass Tessa mit großem Appetit zu griff und sich durch ihr Werk durchprobierte.
Freut mich, dass es Dir schmeckt“, stellte sie zufrieden fest.
Wäre ich ein Mann, würde ich Dir einen Heiratsantrag machen, jetzt, hier, auf der Stelle!“, stellte Tessa fest.
Ich hoffe, mein Freund hat da etwas gegen, denn ansonsten ist das doch heutzutage nicht mehr so das Problem. Ich meine mit dem Geschlecht.
Da hast Du recht. Also, wenn Du die Nase von deinem Freund voll hast und ich auch Single bin, melde ich hiermit Interesse an.“
Du bist leicht zu haben“, stellte Alise trocken fest, um gleich in ein schallendes Lachen auszubrechen.
Wieso?
Naja, wenn du mich nur auf Grund meiner Kochkunst haben willst…“, antwortete Alise.
Na, die ist ja auch ausgezeichnet, allerdings hast Du ja noch mehr zu bieten.
So?“, fragte Alise neugierig.
Ja sicher. Du bist sehr schön, mit einer tollen Figur, kannst gut küssen und man kann sich toll mit Dir unterhalten. Und klug bist Du auch.
Alise wunderte sich ein wenig über das warme, kribbelnde Gefühl im Bauch, genoss aber ansonsten die Schmeicheleien. Sie mochte Tessa mittlerweile sehr gern und freute sich, dass ihre Gefühle scheinbar auf Gegenseitigkeit beruhten.
Und? Hältst Du mich jetzt immer noch für ein leichtes Mädchen?“, fragte Tessa und nahm einen Schluck von dem leckeren warmen Kakao, den Alise ihr hingestellt hatte.
Ein wenig, aber immerhin mein leichtes Mädchen!“, entgegnete Alise mit säuselnder Stimme, worauf Beide in ein Lachen ausbrachen.

Gemeinsam genossen sie das Frühstück und plauderten über die Erlebnisse des letzten Tages. Alise erzählte auch von Sunnys Geständnis und ihrer Reaktion darauf.
Krass, einfach so das T-Shirt hochzuziehen“, meinte Tessa beeindruckt.
Ach wieso, da sieht man doch auch nicht mehr als im Schwimmbad.“, stellte Alise trocken fest.
Außerdem musste ich einen Punkt setzen. Das hat die Schlampe doch mit Absicht gemacht.“
„Ich denke, Du meinst die holde Prinzessin, die sich an unsere Jungs gehängt hat?“, stellte Tessa fest.
Jupp, sie möchte sich meinen Sunny schnappen!“
„Bist Du Dir da sicher?“ fragte Tessa nach.
Alise erzählte ihr ausführlich von dem Gespräch zwischen Benediktina und Lauretta, das sie gehört hatte.
Du hast Dir also Sunny geschnappt, damit Benediktina ihn nicht bekommt?“ fragte Tessa nachdenklich.
Ja, aber das ist nur fair. Und ich wollte ihn nur retten, bevor er in der Falle sitzt. Und überhaupt…“
„Ja?“, fragte Tessa fordernd nach.
Ich habe mich dann irgendwie, naja, in ihn verknallt und…
Tessa blickte sie neugierig an.
Er hat mir gesagt, dass er in mich verliebt ist!“
„Und, glaubst Du dass es wahr ist?“
„Ich hoffe es“, seufzte Alise.
Tessa streichelte leicht über ihre Schulter.
Was ist eigentlich zwischen Teddy und Dir?“, fragte Alise plötzlich neugierig.
Naja, das ist schwer zu erklären“, antwortete Tessa.
„Warum?“, wollte Alise wissen.

Also“ , holte Tessa aus, „am Anfang, als ich ihn gesehen habe, wie er so im Imbiss saß, dachte ich mir, dass er schon ziemlich gut aussah und mich ein wenig scharf gemacht. Ich habe ihn angesprochen, um abzuchecken, ob er für eine heiße Affäre taugen würde.
Und, was kam dabei heraus?“, wollte Alise neugierig wissen.
Als ich mit ihm sprach, stellte ich schnell fest, dass ich ihn nicht nur körperlich anziehend fand, sondern auch interessant und irgendwie charmant. Und dann fingen wir an zu flirten und es fühlte sich gut an. Und dann fing es an, kompliziert zu werden, weil er für einen Urlaubsflirt einfach zu gut ist.
Alise blickte sie interessiert an. Sie versuchte, es zu verstehen.
Du bist also in Teddy verschossen?“
„Ich fürchte ja.“
„Warum fürchten?“
„Ich hatte noch nie einen festen Freund über längere Zeit und es wundert mich, dass ich es plötzlich möchte.“
„Mir geht es da ähnlich“, seufzte Alise.
Du bist zusätzlich auch in Teddy verschossen?“, stichelte Tessa leicht.
Ehrlich gesagt“, gestand Alise, “ja! Aber…“
„Aber was?“, fragte Tessa überrascht.
Es ist mehr etwas körperliches“, erklärte Alise und berichtete ihr ausführlich von dem Anblick der halbnackten Jungen nach dem Aufstehen und ihren merkwürdigen, aber doch anregenden Träumen.

Ehrlich gesagt, finde ich Sunny auch irgendwie niedlich“, gestand Tessa.
Dann können wir im Zweifelsfall ja irgendwann Partnertausch machen, um unser Liebesleben aufzufrischen“, schlug Alise mit einem zynischem Tonfall vor.
Von mir aus“, kam es trocken von Tessa, „ich hätte weniger Probleme damit, wenn Du mit Teddy schläfst, als wenn diese Lauretta ihre Krallen in ihn schlagen würde
Meinst Du das ernst?
Ich habe nicht gerade viele Freundinnen und möchte mir die Freundschaft mit Dir nicht wegen eines Typen ruinieren

Geht mir ähnlich“, stellte Alise nach kurzem Grübeln fest.
Na, dann beschützen wir unsere Kerle heute im Team vor den fiesen Miststücken“, schlug Tessa vor.
Alise strahlte sie an. Gerade fühlte sie sich sehr glücklich, denn sie hatte einen tollen festen Freund, eine neue beste Freundin und auch eine ganze Truppe neuer Freunde zusätzlich.
Fröhlich schwatzend brachen die beiden frischgebackenen besten Freundinnen auf, um Lilly abzuholen.

Lilly wartete schon am Hintereingang auf die beiden Mädchen und alle drei begrüßten sich fröhlich. Sie hatten noch genug Zeit, um ein wenig stehen zu bleiben und sich zu unterhalten, bevor sie zum Treffpunkt wanderten, den sie gestern mit den Jungen verabredet hatten.
Auf dem Weg erfuhr Tessa auch davon, wie sich Benediktina und in gewisser Weise auch Lauretta normalerweise gegenüber Lilly benahmen.
Naja“, erklärte Tessa, „Mitleid bekommt man umsonst, Neid muss man sich verdienen. Blöder Spruch, aber hier passt er mal.
Am Treffpunkt warteten schon die drei Jungen samt Benediktina auf die Mädchengruppe.
Alise sah gleich, dass Benediktina schon wieder versuchte, ihren Sunny anzuflirten. Ein kurzer Blick zu den beiden Mädchen an ihrer Seite versicherte sie ihrer Rückendeckung und mit siegessicherem Lächeln ging sie zum Angriff über.

Zu Benediktinas Missgunst und Alises daraus resultierender Freude, schlugen die Jungen vor, einige der Fahrgeschäfte auszuprobieren.
Ohne Rückendeckung durch Lauretta konnte sich Benediktina nicht wirklich aus der Affäre ziehen und begleitet den Trupp über den Platz, wo alle zusammen, diesmal im Sonnenschein, die Attraktionen in Augenschein nahmen.
Sie holten sich Naschkram, der geteilt wurde und suchten sich die spannendsten Fahrgeschäfte aus.

Auch wenn sie sich für die Bösartigkeit ein wenig schämte, war es ein besonderes Highlight für Alise, dass sie es nicht nur schafften, Benediktina zu einer Fahrt mit einer besonders wilden Attraktion zu überreden, sondern Benediktina sich danach auch schwungvoll übergab.
Fürsorglich halfen die Mädchen Benediktina und schotteten sie gleichzeitig von der Fürsorge der Jungen ab.
Alise wusste zwar, dass dieser Umstand Benediktina nur umso mehr reizte und der kleine Sieg mitnichten den Krieg beendete, aber es machte sie dennoch fröhlich.

Gegen Abend hatten sie tatsächlich alles Interessante ausprobiert und, trotz Benediktinas Einwänden, sich für eine Stelle in einem nahegelegenem Grünstreifen entschieden, um sich mit einem gekauften Abendessen und gemeinsamer Unterhaltung zu befassen.
Trotz Benediktinas Vorschlag waren dem Rest der Gruppe die Festzelte zu laut und zu teuer, um sich dort hinzusetzen. Auch die Musik war nicht nach ihrem Geschmack.

Sunny schlug vor, den morgigen Tag abseits vom Schützenfest, auf der Heide zu verbringen. Er kannte eine gute Stelle für ein Picknick, von dem man auch Abends das Feuerwerk sehen konnte, ohne sich mit dem Gedränge und dem lauten Knallen auseinandersetzen zu müssen. Das es morgen, laut der Wettervorhersage, eine wolkenlose Nacht werden würde, würde das Feuerwerk aus der Entfernung noch besser wirken.
Man könnte Decken und Essen mitnehmen, seine eigene Musik mitbringen und mit den Pferden dort bequem hin reiten.
Erstaunlicherweise stellte sich heraus, dass weder Tessa noch Lilly jemals auf einem Pferd gesessen hatten und Paddy auch nur zwei-dreimal die Welt von einem Pferderücken aus betrachtet hatte.
Sunny schlug spontan vor, dass sich die beiden Mädchen morgen, möglichst vormittags, auf dem Hof einfinden sollten, um dort von Teddy und ihm das Reiten zu lernen. Wenn alles klappen würde, könnte man am frühen Abend somit den ersten Reitausflug machen und wenn nicht, sich eine Alternative überlegen.
Alise mochte die Idee, denn der Hof der Sonnenbergers war ihr irgendwie angenehmer, als die Stadt im Rausche des Schützenfestes. Sie bot an, ein wenig Picknick vorzubereiten.

Benediktina entschuldigte sich, da sie morgen auf jeden Fall ihre Eltern zum Abschlussdinner des Schützenfestes begleiten musste und dann würde sie sich mit ihrer Familie das Feuerwerk ansehen. Auch den Vormittag würde sie gerne ein wenig Ruhe haben und daher auf einen Besuch auf dem Sonnenbergerhof verzichten.
Alise war mit dieser Nachricht mehr als zufrieden.

Fortsetzung folgt…

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