Epilog

Der nächste Tag fing wiederum mit ein wenig Arbeit an, denn Teddy und Sunny verstauten die Ausrüstung, die sie für das Konzert gebraucht hatten, ordentlich im Proberaum.
Am gestrigen Abend hatten sie nur die Taschen und Kisten ausgepackt und in die Scheune gestellt, bevor Alises Vater ihre Brüder und die Mädchen nach Hause gefahren hatte.
Da alle von dem Erlebnis sehr mitgenommen waren und der eine oder andere schon im Auto gähnte, wurde beschlossen, die Siegesfeier zu vertagen. Abgesehen davon waren sie ja heute sowieso von den Bandmitgliedern der „Creatures from the Abyss“ zum Grillen eingeladen worden. Eigentlich waren sie für den Nachmittag verabredet, um erst gemeinsam aufzuräumen und dann mit den Fahrrädern zu dem in etwa zehn Kilometer entfernten Bauernhof zu fahren, wo die Party stattfinden sollte.
Schon am Morgen hatte ihnen, wie Teddy bemerkt hatte, Adrian eine Nachricht geschrieben, um die Einladung noch einmal zu wiederholen und eine Wegbeschreibung samt Adresse zur Verfügung zu stellen.
Nachdem Teddy, der wieder der erste war, der aus dem Bett gekrochen kam, sein Training absolviert und bei einer kleinen Laufeinheit seinen Kopf frei bekommen hatte, zum Hof zurückgekehrt war, hatte er beschlossen, mit den Aufräumarbeiten bereits zu beginnen, um die Zeit mit seinen Freunden für angenehmere Sache zu nutzen.
Er dachte da nicht zuletzt an Zärtlichkeiten mit seiner festen Freundin Tessa und auch mit seiner Lilly, deren gemeinsamen Beziehungsstatus er immer noch nicht durchschaute, aber hoffnungsvoll einfach mal genoss. Es war noch nicht zu einem klärenden Gespräch gekommen, obwohl ihn immer mehr das Gefühl beschlich, dass die beiden Mädchen sich bereits irgendwie geeinigt hatten. Aber solang es keinen Ärger gab, wollte er diese komische Beziehung auch nicht in Frage stellen.

Kurz nachdem er angefangen hatte, sämtliche Sachen von gestern die schmale Stiege hinauf zu transportieren, war Sunny angekommen, der ihn schon gesucht hatte. Da Paddy, wie immer, noch im Reich der Träume weilte, hatte sich Sunny nach dem Aufstehen gelangweilt und seinen besten Freund vermisst. Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, gleich mit anzupacken.
Nachdem alles in ihrem Hauptquartier und gleichzeitigem Proberaum war, begannen sie die Sachen auszupacken und zu sortieren.
Sunny brachte die Lederklamotten nach unten, um sie in dem herrlichen Sonnenschein auf die Wäscheleine zu hängen, damit sie ausdünsten konnten. Alle anderen Textilien landeten in der Waschmaschine der Sonnenbergers, wo sie sich durchdrehenderweise auf den gleichen Aufenthaltsort freuen durften. Die Instrumente wurden sorgsam von Teddy gereinigt und liebevoll verstaut. Auch das Equipment der letzten Tage fand einen Platz in einigen Regalen, die die beiden Jungen zurechtrückten.
Natürlich erhielten die Einrichtung ihres Hauptquartiers als optionalen Proberaum, denn das gemeinsame Spielen hatte unheimlich Spaß gemacht und warum sollte man daher die Möglichkeit nicht weiter nutzen.
Auch die Decken auf den alten Sofas wurden ausgeschlagen und die beiden Jungen holten jede Menge Putzzeug, um ihren gemeinsamen Raum einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Das Entfernen von Müll und Leergut stand ebenso auf ihrem Programm, wie das wieder Auffüllen ihrer Vorräte.

Als Paddy zu den Beiden stieß, war das meiste bereits erledigt und nachdem er mit zupackte, waren sie im Handumdrehen fertig. Die Tüten mit den Preisen wurden auf einem aufgestellten Klapptisch angeordnet, denn sie wollten erst in Gegenwart ihrer anderen Freunde die Preise gemeinsam bestaunen. So blieb noch genügend Zeit, sich zu dritt in den Stall zu begeben, wo Paddy von seinen beiden Freunden in die Kunst der Pferdepflege eingewiesen wurde. Schließlich hatte Sunny sich den festen Vorsatz gestellt und auch verkündet, ihren Feriengast Paddy bis zum Ende des Sommers ebenfalls zu einem Reiter zu konvertieren. Paddy nahm diesen Vorsatz mit ruhigem Gleichmut auf, schien aber nichtsdestotrotz Spaß an der Stallarbeit zu haben.

Als am Nachmittag die Mädchen gemeinsam auf ihren Fahrrädern ankamen, waren die Jungen schon mit ihren Arbeiten fertig und hatten sich bereits für die Party vorbereitet. Alise hatte einige der selbstgemachten Singles, die Bruder gemacht hatte, mitgebracht, damit alle darauf unterschreiben konnten und sie diese als Gastgeschenk für ihre neuen Bekannten mitnehmen konnten.
Gemeinsam erkundeten sie den großzügigen Inhalt der Präsenttüten und überlegten, was man mit den Sachen alles so anfangen konnte. Es wurde natürlich viel gelacht und herumgealbert. Die Anspannung der letzten Tage war von allen abgefallen. Und so fuhren sie bald darauf gemeinsam auf ihren Fahrrädern über den in der Sonne glitzernden Fahrradweg durch die sommerliche Heide.

Auf dem Bauernhof, der Adrians Familie gehörte, wurden sie freudig empfangen. Das Lagerfeuer zum Grillen brannte bereits und Musik drang aus großen Boxen, die an der Scheune standen. Es waren schon einige Gäste anwesend und Teddy erkannte manche der Leute, die er gestern beim Wettbewerb gesehen hatte. Zu seiner Überraschung waren auch drei Mitglieder der „Screaming Overlords“ anwesend. Unvorhergesehenerweise hatte sich Marc-André eingefunden, der noch ein wenig ramponiert von dem gestrigen Schlag aussah, was allerdings seiner guten Laune keinen Abbruch tat.
Auch der Junge, mit dem sich Paddy gestern unterhalten hatte, sowie ein weiteres Mitglied von Adolphos Truppe waren gekommen. Zu Teddys Erleichterung glänzten aber sowohl Adolpho, als auch sein Schläger durch Abwesenheit.

Teddy war mit der Party zufrieden. Das Essen war gut, die Musik stimmungsvoll und die Gäste hatten gute Laune. Er hatte ein gutes Gleichgewicht gefunden, zwischen dem Kennenlernen und Gespräch mit den anderen Partygästen und kleinen zärtlichen Intermezzos mit Tessa oder Lilly.
Jetzt da es langsam dunkler wurde und sich die Gäste an verschiedenen Stellen zu kleinen Gruppen zusammendrängten, fand er die Zeit, ein wenig abseits des Geschehens einen nachdenklichen Blick auf den Sternenhimmel zu werfen. Es war viel passiert.
Die Ferien näherten sich langsam dem Ende der ersten Hälfte zu und trotzdem reichten seine Abenteuer doch schon für eine gesamte Sommerzeit. Er fragte sich, was noch alles vor ihm lag.
Wahrscheinlich würde es weiter aufregend bleiben mit seinen Freunden.

Er blickte zu den feiernden Partygästen und ließ seinen Blick schweifen. Er sah Sunny am Lagerfeuer zwischen Marion und Adrian sitzen, mit einer akustischen Gitarre auf den Oberschenkeln, der gerade herzhaft lachte. Am Eingang der Scheune standen Tessa und Lilly, mit Bechern in der Hand, die gerade mit Marc-André redeten, oder besser gesagt, redete Marc-André auf die Beiden ein. Er blickte weiter und sah an einem Baum gelehnt Paddy, der an diesem stillen Ort gerade mit dem Bandmitglied der „Screaming Overlords“ knutschte, was Teddy erklärte, warum Paddy sich so intensiv mit ihm unterhalten hatte.
Von der Seite trat Alise an ihn heran.
Na, alles in Ordnung?“, fragte sie mit sanfter Stimme.
Ja“, antwortete Teddy, „es ist alles in Ordnung.
Er lächelte sie an und bemerkte zu seinem Erstaunen, dass Alise leicht errötete.
Du weißt, ich schulde Dir noch etwas, wegen der Wette…“, begann sie zögerlich und blickte ihn von unten an.
Ja, ich weiß“, nickte Teddy. „Ich habe einen Wunsch frei und ich werde davon Gebrauch machen. Rücksichtslos, denn es gibt etwas, was ich von Dir begehre!
Alise starrte ihn gleichzeitig erschrocken und fasziniert an und fragte schüchtern: „Und was ist das?
Ich möchte endlich wissen, woher der Spitzname Möhrchen kommt“, erklärte Teddy lächelnd.
In Alises Augen blitze gleichzeitig Erleichterung und Enttäuschung auf.
Na gut! Wettschulden sind ja bekanntlich Ehrenschulden. Alles begann damit…

Der alte Wanderer strich sich erneut durch den grauen, langen Bart und griff zu einer weiteren Zigarette.
Er stand am Fenster und blickte zum klaren Sternenhimmel, während er sein Smartphone vor sich hielt. Er wartete auf eine Antwort. „Okay, Du hast recht, dass Material ist erstklassig“, kam es aus dem Lautsprecher des Telefons.
Ja“, antwortete der alte Wanderer, „daher werde ich noch einige Tage bleiben, denn ich glaube, es wird sich noch mehr bieten.
Ach Mensch, das reicht doch schon für ein ganzes Buch“, erklang die Stimme von der anderen Seite der Verbindung.
Tja, wer weiß, vielleicht willst Du ja noch ein Weiteres schreiben“, antwortete der alte Wanderer und lächelte in sich hinein.
Er zog an seiner Zigarette, blickte auf das Display und atmete den Rauch aus.
Ich melde mich in ein paar Tagen mit neuem Material. Gute Nacht, Mausebär.
Er legte auf und steckte das Smartphone in seine Hosentasche. Rauchend blickte er zu den Sternen und dann über den nächtlichen Sonnenbergerhof.
Er lächelte zufrieden…

Ende

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