Familienfehden – Teil 5

Es war kurz nach Mittag, als Tessa beim Asia-Imbiss eintraf.
Nachdem Tommy sie angerufen hatte, war sie erst zum Sonnenbergerhof geradelt, um ihren Motorroller abzuholen und dann umgehend in die Stadt gedüst. Mit quietschenden Reifen war sie in die Einfahrt gefahren, um an gewohnter Stelle zu parken.
Als sie den Laden betrat und, wie immer, das Windspiel erklang, war sie eine Sekunde verdutzt. Sie wusste zwar, dass Teddy hier auf sie warten würde, aber ihn nach nur einem Gespräch mit Tommy hinter dem Tresen zu sehen, war außergewöhnlich.
Entweder er hatte Tommy mit seiner Persönlichkeit überzeugt, oder mit seinem knackigen Po.
Die Beiden waren alleine bei der Arbeit, denn scheinbar war der alte Besitzer gerade nicht da.
Tessa ging selbstsicher hinter den Tresen, gab Tommy einen Klaps auf den Po und Teddy einen Kuss auf den Nacken und schnappte sich eine Schürze. Wie selbstverständlich, begann sie den Beiden zu helfen, die wieder einmal zahlreichen Mittagsbestellungen vorzubereiten. Lächelnd hörte sie zu, wie Tommy versuchte, Teddy seine ersten chinesischen Worte beizubringen. Teddys Akzent war gleichzeitig niedlich und sexy.
Tessa mochte die Art, wie Teddy versuchte, Tommys Berichtigungen auf eine stolze stoische Art zu folgen.
Beim Kochen schien er sich auch gut anzustellen, denn Tommy ließ ihn bereits das eine oder andere eigenständig zubereiten.
Ohne Frage war Teddy talentiert.
Wie sie es normalerweise tat, fing sie an, mit Tommy in einem taiwanesischen Dialekt zu scherzen.
Dass Beide scheinbar gut drauf waren, beruhigte Tessa, die sich natürlich fragte, warum Tommy sie gebeten hatte, ihren Freund hier einzusammeln.

Sie arbeiteten eine Zeit unter belanglosen Scherzen vor sich hin, bis Onkel Benny von hinten den Laden betrat. Der kleine ältere Chinese, der den Laden führte, war Tessa schon seit Kindestagen an bekannt und da er ein Freund ihres Vaters war, durfte sie ihn schon immer als Onkel bezeichnen.
Allerdings war Onkel Benny in der gesamten chinesischen Gemeinschaft der Gegend unter diesen Namen bekannt.
Sie betrachte lächelnd, wie Onkel Benny seine Schürze umschlang und kurz, erst skeptisch, dann zufrieden, auf die Arbeit der beiden Jungen schaute.
Allerdings begrüßte er zuerst sie, natürlich in der Sprache seiner Heimat.
Die erste Frage galt natürlich, wie immer, ihrem Wohlergehen und der wichtigen Frage, ob sie bereits gegessen habe. Aber natürlich erkundete er sich auch sehr ausführlich über ihren Vater und wie es ihm gehen würde.
Natürlich wusste Tessa, dass Onkel Benny wahrscheinlich vor gar nicht so langer Zeit selber mit ihrem Vater telefoniert hatte, spielte aber das alte Spiel der Höflichkeit geduldig mit.
Sie hatte einige der alten Künste des Wu-Shu von Onkel Benny gelernt und durfte ihn als ihren Sifu, also Lehrer, bezeichnen. Offiziell unterrichte Onkel Benny schon seit Jahren keine Kung-Fu-Schüler mehr, aber für bestimmte Leute, wie Tommy und Tessa macht er Ausnahmen. Soweit sie wusste, hatte Onkel Benny auch ihren Vater unterrichtet, der ihn würdevoll darum gebeten hatte, sich seiner Tochter anzunehmen.
Onkel Benny ließ es sich nicht nehmen, sie nach Teddy auszufragen und immer mehr fragte sich Tessa, in welchen Schlamassel Teddy rein geraten war.

Als Teddy nach hinten ging, um Müll zu entsorgen, fragte sie Tommy, der ihr ohne Umschweife die Geschichte erzählte, die sich auf dem Innenhof abgespielt hatte. Da er befürchtete, dass die Idioten von Gegenüber den Laden beobachten und darauf warten würden, dass sich Teddy wieder auf den Weg machen würde, um ihm aufzulauern, hatte er Tessa angerufen, damit sie ihn abholen würde.
Als Teddy wieder vorne war, fragte er sie, ob sie sich nachher mal in Ruhe unterhalten könnten.
Tessa nickte knapp, ohne sich anmerken zu lassen, dass diese Frage sie fürchterlich erschreckte.
Vielleicht wollte Teddy die Beziehung beenden, weil sie sich geprügelt hatte und ihm jetzt nicht mehr feminin genug war? Vielleicht hatte sie auch irgendwas anderes falsch gemacht, aber was?
Sie versuchte, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und nicht daran zu denken, was ihr Teddy Schlimmes enthüllen würde.

Natürlich ließ Onkel Benny sie nicht ohne ausreichend Wegzehrung den Laden verlassen, so hatten sie eine Tüte für das warme Essen und eine weitere für die Getränke dabei, als sie den Imbiss verließen. Teddy schlug vor, sich einen ruhigen Ort zu suchen, um zu essen und sich zu unterhalten.
Tessa machte gute Miene zum bösen Spiel und erklärte mit einem aufgesetzten Lächeln, was sie als halbe Asiatin nur allzu gut konnte, dass sie den idealen Platz wusste. Sie steuerte einen hübschen Platz auf halbem Weg zwischen der großen Stadt und Freudental an.
Sie wusste, dass es von hier aus ein strammer fünfzehn Kilometer Spaziergang über die von der Sonne erhitzten Feldwege war, den sich Teddy verdient hätte, wenn er ihr Herz brechen würde.

Sie parkte den Motorroller auf einen kleinem Parkplatz und zusammen gingen sie einige Meter einen Wanderweg auf einen kleinen Hügel hoch, wo sich ein kleiner Rastplatz mit einem Holztisch und Bänken an einer Stelle befand, an der sich der Wanderweg mit einem Radweg kreuzte. Auf einer aufgestellten Holzplatte war eine Karte der Wanderwege der Umgebung angebracht und ein Mülleimer vervollständigte die Einrichtung des Rastplatzes.
Sie nahmen auf der Holzbank Platz und packten das Essen aus. Geduldig wartete Tessa auf Teddys Ankündigung und sah deutlich, wie Teddy sich die Worte in seinem Kopf zurecht legte.
Als er mit einigen Floskeln begann, fuhr sie ihm ungeduldig über den Mund.
Wenn Du mir etwas zu sagen hast, dann mache das und rede nicht um den heißen Brei herum“, forderte sie mit scharfem Ton.
Teddy zuckte zusammen und versuchte, sich zu sammeln.
Du hast Recht, als meine Freundin hast Du von mir ein offenes Wort verdient und vor allem Ehrlichkeit. Und daher muss ich dir etwas gestehen.
Tessa war beeindruckt von der Art, wie Teddy ihren Augenkontakt suchte. Sie sah, dass er seinen Mut zusammennahm und sich ihr stellte, was immer das zu bedeuten hatte.

Er erzählte ihr, was sich zwischen ihm und Lilly abgespielt hatte, zuerst bei der Rettung und später vor der Schule, wo sie wohnte. Er ließ keine Details aus, soweit Tessa erkennen konnte und blickte sie dabei weiter offen und direkt an.
Obwohl sie eine gewisse Reue bei ihm sah, bemerkte sie auch seinen Willen, Verantwortung zu übernehmen.
In Ruhe erklärte er ihr, welche Gedanken er sich gemacht hatte und in welchem Dilemma er steckte.
Zuerst wollte Tessa schnippisch, ja fast zynisch, antworten, aber sie sah, wie sehr ihn die Situation verwirrte und auch schmerzte.

Sie gestand ihm offen, dass sie auch mit Lilly geknutscht hatte. Als Teddy sie verwirrt anblickte und erwähnte, dass es wahrscheinlich eine andere Art von Kuss war, beschrieb sie ihm detailliert den heißen Zungenkuss, den sie mit Lilly in der Nacht auf dem Schulhof geteilt hatte.
Ein wenig genoss sie den fiebrigen Blick, mit dem Teddy ihrem Geständnis aufmerksam folgte, bevor er sich wieder fing und seinen Willen verkündete, eine gemeinsame Lösung zu finden.
Tessa merkte ein wenig schnippisch an, dass dafür ja wohl Lilly fehlen würde. Teddy strafender Blick brachte sie gleichzeitig zum kichern und ihren Unterleib zum erbeben.
Wie sollte sie eine Lösung finden, bei einem Kerl, der sie auf mindestens fünf Arten einfach um den Finger wickeln konnte.
Mittlerweile spürte sie deutlich, dass sie über das Stadium von „verknallt“ deutlich hinweg war. Sie wollte ihren Freund nicht aufgeben.

Sie schlug vor, dass er ein Gespräch mit Lilly suchen sollte, um sie zu fragen, welche Pläne sie hatte und was sie sich vorstellte oder wünschen würde.
Und was ist, wenn sie es ernst meint?“, fragte Teddy besorgt.
Dann werde ich mich mit ihr unterhalten und wir werden eine Lösung finden“, entgegnete Tessa trocken.
Teddy runzelte besorgt die Stirn.
Ich möchte nicht, dass…
Ich weiß“, unterbrach Tessa ihn plötzlich sehr sanft.
Weißt Du, Du bist mein erster fester Freund und ich habe Dich sehr lieb und…“, sie überlegte kurz, „… Nein, Ehrlicherweise bin ich dabei, mich ernsthaft in Dich zu verlieben und ich finde, ich habe eine äußerst romantische erste Liebe verdient.“
Teddy nickte bestätigend, wollte ihr aber nicht ins Wort fallen.
Auf der anderen Seite ist Lilly so etwas wie eine Freundin. Bis jetzt hatte ich noch nie Freundinnen wie Alise und Lilly und möchte das nicht versauen.
Ich möchte nicht im Weg stehen…“, begann Teddy, doch Tessa blickte ihn mit einem Blick an, der ihn gleich unterbrach.
Weißt Du, es geht nicht nur um Dich und Deine Gefühle. Du versuchst, Lösungen für ein Problem zu finden, ohne uns zu vertrauen und einzubeziehen. Wenn Du mein Freund sein willst, musst Du mir vertrauen, so wie ich Dir vertraue, sonst wird das nichts. Ich möchte Dich als Freund behalten und zwar für immer, egal wie es auf der Beziehungsebene aussieht, aber dafür braucht es Vertrauen.
Teddy nickte und dachte kurz über das Gesagte nach.

Tessa öffnete sich eine Getränkedose und gab ihm einige Minuten Zeit, über das gesagte zu grübeln.
Du hast Recht, wir können das Ganze nur gemeinsam lösen, ansonsten wäre das unfair“, begann Teddy, „und egal, wie das Ganze ausgeht, verspreche ich Dir, dass ich immer dein Freund sein will und Dein Vertrauen in mich mit meinem Vertrauen in Dich ehren werde.
Tessa lächelte.
Wir sollten das weitere Gespräch auf einen Zeitpunkt vertagen, bei dem Lilly anwesend ist“, schlug Tessa vor.
Darf ich Dich solange weiterhin wie meine feste Freundin behandeln?“, fragte Teddy vorsichtig.
Kommt darauf an“, antwortete Tessa trocken.
Worauf?“, fragte Teddy.
Naja, hörst Du endlich auf Dir dumme Sorgen zu machen und küsst mich?“ , entgegnete Tessa.

Teddy beschloss, die Antwort ohne Worte zu formulieren und trat an sie heran. Sanft schloss er sie in seine Arme und suchte mit seinen Lippen ihren Mund.
Erst zärtlich, dann immer leidenschaftlicher, versanken die Beiden in einem heißen Kuss.
Tessa streichelte fordernd erst durch Teddys Haare, und zog ihn fest an sich heran, um dann mit ihren Händen seinen Rücken entlangzufahren. Kurz streichelte sie seinen knackigen Hintern, um dann, während sie langsam den Rücken wieder hoch strich, sich mit ihren Händen unter sein T-Shirt zu schmuggeln und über seine nackten, muskulösen Rücken zu kraulen.
Hemmungslos kostete sie diesen zärtlichen, aber auch sinnlichen Moment mit allen ihren Sinnen aus.

Fortsetzung folgt…

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