Geheimnisse in der alten Scheune – Teil 1

Erneut hatte sich ein warmer Sommertag über dem friedlichen Tal ausgebreitet. Kess küssten freche Sonnenstrahlen die blühenden Pflanzen der Umgebung und der leichte Wind trug die sommerlichen Gerüche weit in alle Winkel des friedlichen Tals. Die Sonne hatte ihren heutigen Zenit gerade überschritten und eine träge Ruhe hatte sich über der Heide ausgebreitet, als drei Reiter auf ihren Pferden über einen der staubigen Reitwege der Region ritten.
Die drei Pferde liefen einen gemütlichen leichten Trab über den sandigen Boden und waren genauso unterschiedlich wie ihre Reiter.
Vorweg trabte mit tänzerischem Schritt eine schwarze Araberstute mit einem weißen sternförmigen Fleck auf der Stirn, dahinter eine etwas größere braune Stute und hinterdrein trottete ein riesiger weißer Apfelschimmel.

Während Sunny, der vorne ritt, leise vor sich hin summte, waren Alise und Teddy eher in ihre Gedanken versunken.
Nach ihren vormittäglichen Ermittlungen bei der alten Scheune war schnell der Entschluss gefasst, die Erkenntnisse zu durchdenken und bei einem köstlichen Picknick zu diskutieren. Alise hatte zusammen mit Sunny eine Mahlzeit vorbereitet und Teddy war in der Zwischenzeit im Stall verschwunden, auch um den beiden Turteltauben ein wenig Zeit zu gönnen.
Nachdem er dem frischgebackenen Pärchen bereits den ganzen Vormittag beim Händchenhalten, Knutschen und in die Augen schauen zugesehen hatte, brauchte er dringend etwas Abstand von der ganzen Liebelei.

Natürlich waren gerade Alise, aber auch Sunny gründlich gewesen, was die Spurensuche betraf, aber trotzdem war Beiden auf diese kitschige Art der Zustand ihrer frisch gefundenen Liebe anzusehen.
Nicht, dass Teddy es seinem besten Freund nicht gönnte, denn er neigte nicht im geringsten zur Eifersucht, aber vieles an dieser Liebeskiste schien einfach seinen Horizont zu übersteigen.
Klar genoss er jede Minute mit Sunny und auch Alise war ihm ein sehr sympathischer Mensch, aber scheinbar reichte die kurze Dynamik des Vormittags, dass sich die Beiden gegenseitig umschwirrten, wie die Fliegen die Pferdeäpfel im Stall.

Außerdem verstand er nicht, was Alise gegen ihn hatte, denn obwohl sie sich gestern gut verstanden hatten, wich sie schon den ganzen Tag seinem Blick und jeglichem körperlichen Kontakt mit ihm aus.
Vielleicht fürchte sie, dass er sich gegen sie stellen könnte und sie bei Sunny schlechtmachen würde?
Er war sich da nicht so sicher, aber sie scheinbar auch nicht, denn mehrfach hatte er bemerkt, dass sie ihn heimlich beobachtete, wenn er scheinbar nicht darauf achtete.
Gut, er hatte sie auch ein wenig beobachtet, aber das lag zum einen daran, dass er sich noch eine Meinung bilden wollte und natürlich prüfen musste, ob Sunny bei seinen romantischen Beschreibungen ihrer körperlichen Vorzüge nicht übertrieben hatte.
Ganz objektiv musste er eingestehen, dass Alise ein wunderschönes Mädchen mit einem wahnsinnig tollen Körper war, aber das war ja auch schwer zu übersehen.
Vielleicht hatte sie bemerkt, dass er sie gemustert hatte und somit ihren Argwohn oder gar Misstrauen erweckt?

Hoffentlich würde das nicht irgendwann zwischen ihnen stehen, denn er gönnte Sunny seine Liebe von ganzem Herzen und wollte in keinem Fall die junge Beziehung sabotieren.
Trotzdem war er erleichtert, als Sunny verkündete, dass sie zur alten Weide reiten würden und nicht zu ihrem geheimen Ort an der alten Mühle. Er wusste nicht warum, aber er hatte das Gefühl, dass Alise noch nicht soweit war, in den inneren Kreis ihrer Freundschaft aufgenommen zu werden.

Als sie losritten, schwenkten seine Gedanken allerdings zu den interessanten Fundstücken, die sich bei der Scheune ergeben hatten.
Das erste Fundstück hatte Alise schon beim Frühstück präsentiert. Sie hatte ein Metallstück gefunden, das sich bei näherer Betrachtung als ein leicht verdreckter Metallpin entpuppte. Einer von den Pins, die an Jacken, Mützen oder ähnlichem befestigt werden können.
In dem Fall waren sie bei der Analyse des dargestellten Bildes ziemlich zügig darauf gekommen, dass es sich um das Logo eines Ladens in der nahen Großstadt handelte. Laut Internet handelte dieser Laden mit Bekleidungsstücken und Accessoires, die eher dem rechten Spektrum zugeordnet wurden und dessen Kunden eine größere Affinität zu Wikingern, Bullterriern und altdeutscher Schrift hatten. Kurze Online-Recherchen ergaben, dass dieser Laden bereits mehrfach in der Presse aufgetaucht war, da sich die örtliche Skinhead- und Hooligan-Szenen dort ein Stelldichein gaben. Dieser Laden führte laut seinem Katalog neben einer breiten Auswahl auch Pins, wie denjenigen, den sie gefunden hatten. Da es ein Merchandisingprodukt war, das exklusiv das Logo dieses Ladens zeigte, reichte es aus, um die berechtigte Vermutung zu haben, dass derjenige, der ihn dort verloren hatte, dort ein Kunde war.
Der Zustand sprach dafür, dass er nicht lange vor der Scheune gelegen hatte.
Es war jetzt nichts Neues, dass die Freunde der minimalistischen Frisuren eine gehobene Affinität zur Brandstiftung hatten, aber im Allgemeinen waren sie dabei weder so subtil, dass eine Scheune danach noch gestanden hätte, noch auf die Lager von Mittelaltervereinen ausgerichtet. Da passte etwas nicht zusammen.

Auch die Stablampe war noch vor Ort und stellte gleich das nächste Rätsel dar, denn es handelte sich um eine hochmoderne Hochleistungslampe in stabilem Stahlgehäuse, wie sie normalerweise von Polizei und Sicherheitsfirmen verwendet wurden.
Eine kurze Inspektion zeigte dabei, dass die Lampe aus Polizeibesitz stammte und eigentlich der örtlichen Landespolizeidienststelle gehörte. Allerdings waren die darin benutzten Akkubatterien von der selben Sorte, wie sie eigentlich für Film- und Kameraausrüstung benutzt werden und die, so konnten die beiden einheimischen und frisch verliebten Detektive Alise und Sunny bestätigen, abgeknibbelte Aufkleberreste genau an der Stelle aufwiesen, wo die Akkus aus dem Fundus des Medienraums des örtlichen Gymnasiums die besitzkennzeichnenden Aufkleber gewöhnlicherweise trugen.
Sowohl Sunny, als auch Alise, konnten sich daran erinnern, dass es letzten Herbst die Runde gemacht hatte, dass jemand in den Medienraum eingedrungen war und dort diverse Sachen, wie zum Beispiel solche Akkus gestohlen hatte.
Eine wahrlich seltsame Kombination.

Genauso seltsam war der Fakt, dass sich der Angreifer nicht an der Stelle aufgehalten hatte, wo der hauptsächliche Brandherd war, sondern tatsächlich scheinbar einige Kisten in einer hinteren Ecke verrückt hatte.
Nach gründlicher Suche fanden sie in der Ecke ein lockeres Bodenbrett und darunter ein geheimes Versteck mit einer kleinen Butterbrotdose aus blauem Plastik.
Als sie die Dose später im Sonnenlicht öffneten, fanden sie eine externe Festplatte, die offensichtlich auch aus dem Besitz des hiesigen Gymnasiums enteignet wurde. Da die Platte leider passwortgeschützt war, wie sie später am heimischen Rechner feststellten, war diese Spur vorerst nicht gerade hilfreich, daher hatten sie die Dose samt Inhalt erst mal für weitere Ermittlungen gesichert.
Sehr offensichtlich hatte es der Angreifer auf diese Daten abgesehen, da war sich Teddy sicher.

Das Feuer war allerdings an anderer Stelle ausgebrochen, oder vielmehr gelegt worden.
Das einzige, was Alise feststellen konnte, war, dass scheinbar ein Teil der Kostüme gestohlen wurde, was der Brand nur schlecht vertuscht hatte.
Dabei handelte es sich scheinbar ausschließlich um Kostüme, die für die Darstellung der Stadtgardisten geschneidert wurden, die während des anstehenden Festes den Markt patrouillieren sollten und damit für passendes Ambiente sorgen würden. Eigentlich wollten vor allem Mitarbeiter des hiesigen Ordnungsamtes und einige Leute einer privaten Wachschutzmannschaft in diesen Kostümen stilgerecht für Ordnung und Sicherheit sorgen.
Teddy grübelte intensiv, welche Möglichkeiten der Besitz dieser Uniformen bringen würde, aber er wusste noch nicht genug über die Abläufe des diesjährigen Festes.
Allerdings würde derjenige, der das Abbrennen einer Scheune billigend in Kauf nahm, mehr als einen kleinen Streich im Sinne haben.
Aber gehörten das Feuer und ihre nächtliche Begegnung wirklich zusammen?
Teddy war sich nicht ganz sicher, wie beide Vorfälle zusammenhingen. Sicher war er sich nur, dass er weder Sunny, noch seine charmante Freundin von weiteren Nachforschungen abhalten konnte. Wohl oder übel würde er sie wohl beschützen müssen.
Er seufzte leise und streichelte Gulasch durch die Mähne. Zumindest langweilig würden diese Ferien wohl nicht werden.

Die Pferde grasten friedlich zwischen den hohen Bäumen und Teddy lehnte am Stamm der alten Weide, kaute auf einem Grashalm herum und beäugte durch halb geschlossene Augen, wie Sunny Alise ihren Lieblingsplatz zeigte.
Immer wieder schaffte sie es, seine langen Erklärungen mit noch längeren Küssen zu unterbrechen und teilweise fragte sich Teddy, wie lange es die Beiden noch schaffen würden, unfallfrei ihre Zungen wieder auseinander zu knoten.
Er hatte bereits das Picknick aufgebaut, aber die lange Führung des engagierten Reiseleiters Sunny hatte ihm genügend Zeit gegeben, es sich gründlich gemütlich zu machen.
Erst als er dann spontan die Lust auf etwas zu Essen bekam und sich auf der Decke niederließ, tauchten die beiden fröhlichen Schmetterlinge wieder auf und ließen sich auf der Decke nieder. Nach einigen Bissen lenkten plötzlich Beide ihre Aufmerksamkeit auf Teddy und Sunny fragte erwartungsvoll: „Und, bist Du fertig mit Nachdenken?“.
Unwillkürlich fragte sich Teddy, ob Sunny ihn für eine Art Superdetektiv hielt, aber dennoch erläuterte er den Beiden, wie sich die Fakten für ihn darstellten.

Fortsetzung folgt…

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