Geheimnisse in der alten Scheune – Teil 5

Als die beiden Jungen in Sichtweite des offenen Marktplatzes kamen, sahen sie, dass dort, ungeachtet der frühen Morgenstunde, schon rege Geschäftigkeit herrschte.
Der Marktplatz, der zumeist als Parkplatz für die Besucher der historischen Innenstadt diente, war von mehreren schweren Lkws blockiert und Sachen wurden ausgeladen und montiert.
Verwundert fragte Teddy, ob es nicht zu früh für das Stadtfest, oder gar den Mittelaltermarkt sei. Sunny erinnerte ihn allerdings wissend an das halbjährliche Schützenfest, das am Anfang des Sommers stattfand.

Neben dem Schützenplatz, den Bierzelten und einer großen Parade durch die Stadt, gab es auch eine traditionelle Sommerkirmes zu diesem Anlass. Es würde auch ein Feuerwerk geben und Unterhaltung auf der großen Bühne, die bereits auf der Stadtwiese im Schatten des alten Klosters aufgebaut werden würde.
Da der Freudentaler Jagd- und Schießsportverein einer der mitgliederstärksten Vereine der Gegend war, folgte daraus auch ein entsprechend aufwendiges Fest. Mehrfach hatte Sunnys Vater versucht, ihm eine Mitgliedschaft in der Jungjägerschaft schmackhaft zu machen, aber Sunny verspürte kein Drängen, auf unschuldige Tiere zu schießen.
Im Allgemeinen war das Schießen nicht sein Ding.

Sein Vater hatte ihm auf dem Vereinsschießplatz die Gelegenheit gegeben, einige Waffen auszuprobieren, doch Sunny besaß weder Talent noch Interesse und obwohl die Mitgliedschaft im Verein seit Ewigkeiten eine Erbsache war, hatte sein Vater die Entscheidung respektiert.
Somit war Sunny der erste Sonnenberger Mann, der nicht in den Reihen der Jägerschaft mitmarschierte, seit der Verein im 19. Jahrhundert gegründet wurde.
Trotzdem freute sich Sunny auf das anstehende Fest, denn es würde gutes Essen und gute Musik geben. Außerdem könnte er Alise so ein Lebkuchenherz kaufen oder einen Liebesapfel. Er freute sich jetzt schon auf den dankbar-zärtlichen Kuss, den er als Lohn ganz sicher bekommen würde.

Das brachte seine Gedanken sofort wieder zu Alise und er spähte erwartungsvoll, ob er sie schon sehen konnte, denn die Bushaltestelle war nicht weit entfernt vom Marktplatz. Daher war er auch überrascht, als er plötzlich angesprochen wurde.
Hallo Sunny“, kam es von links hinter ihm.
Als er sich umdrehte, sah er Benediktina mit ihrer besten Freundin Lauretta, die gerade aus der Traditionsbäckerei kamen, die auf der linken Seite des Marktes beheimatet war.
Sie trugen Tüten mit frischem Backwerk und kamen ohne Umschweife auf die beiden Jungen zu. Sunny war ein wenig verwundert, da gerade Benediktina dazu, neigte alle Menschen, von denen sie gerade nichts brauchte, einfach zu ignorieren – oder wahlweise mit überheblichem Mitleid zu mustern, wie etwas, das normalerweise eher unter einem Schuh klebte.
Dennoch strahlten beide Mädchen unerwartet in seine Richtung, als hätten sie hier sehnsüchtig auf ihn gewartet. Unweigerlich fragte er sich, was ihn diese „Zufallsbegegnung“ kosten würde.

Als die beiden Mädchen, die luftige Sommerkleider trugen, die ihre jeweiligen Vorzüge gut betonten, vor ihm standen, ergriff unerwartet plötzlich Lauretta das Wort.
Guten Morgen, Michael“, sagte sie zu Teddy und blickte ihn leicht von unten an.
Es ist gut, dass ich Dich treffe, denn ich würde gerne etwas mit Dir besprechen. Hättest Du kurz Zeit für mich.
Überrumpelt nickte Teddy.
Unter vier Augen“, bat sie und deutete zu einer der öffentlichen Sitzbänke, die am Rande des Platzes standen.
Er zuckte mit den Schultern und folgte ihr, gleichzeitig beunruhigt, aber auch neugierig.

Sunny blickte den Beiden nach und schaute dann etwas verlegen zu Benediktina, da er nicht wusste, was er sagen sollte. Unüblicherweise lächelte sie ihn an und fragte interessiert: „Und, wie geht es Dir so?
„Gut, denke ich“, antwortete Sunny etwas nervös.
Er wusste nicht, was er von der ganzen Sache halten sollte.
Genießt Du die Ferien?“, fuhr sie fort.
Ich denke schon“, antwortete Sunny so jovial wie möglich.
Kann ich etwas für Dich tun?
Er wusste, er würde es bereuen zu fragen, aber die Ungewissheit machte ihm zu schaffen.
Die ganze Situation war äußerst befremdlich.
Ja“, antwortete Benediktina, „Es gäbe da so zwei Sachen, bei denen Du mir behilflich seien könntest.
Sie blickte ihn von unten mit großen Augen an und spielte scheinbar nervös mit einer ihrer langen blonden Haarsträhnen. Ihr intensiver Blick machte Sunny ein wenig kribbelig. Natürlich war ihm bewusst, dass Benediktina ihre Schönheit einzusetzen wusste, um alle Mitschüler um den Finger zu wickeln, aber bei ihm hatte sie das bis jetzt noch nicht versucht.

Sunny kannte Benediktina schon ziemlich lange und erinnerte sich daran, dass sie damals im Kindergarten beide in der „Hasengruppe“ waren und oft zusammen gespielt hatten. Damals waren sie befreundet.
Aber auf der Grundschule, als sich die Wege von Mädchen und Jungen trennten, waren sie sich fremd geworden und bis auf den Versuch, über sie an Informationen für Teddy zu kommen, war ihm das auch immer richtig vorgekommen.
Doch jetzt, als sie ihn so freundlich anlächelte, fand er es schon schade, dass sie nicht wieder zu ihrer alten Freundschaft zurückgekehrt waren.
Er fragte sich, ob es angemessen war, sie an die alten Zeiten zu erinnern. Bevor er eine Entscheidung treffen konnte, begann sie zu sprechen.
Weißt Du, ich habe ein kleines Problem, denn ich habe einen heimlichen Verehrer, der mir Liebesbriefe schreibt. Langsam wird mir das unheimlich, denn er scheint mich sowohl in der Schule, als auch außerhalb zu beobachten und andauernd finde ich kleine Geschenke oder Botschaften. Es macht mich einfach nervös.
Sunny nickte und fragte: „Hast Du einen Verdacht, wer es sein könnte?
Nein“, antwortete sie, „Jedenfalls keinen konkreten. Das macht mir nur umso mehr Sorge. Aber bevor ich mit einem Erwachsenen darüber rede, wollte ich mir sicher sein, dass es kein dummer Streich ist. Oder irgendein Missverständnis. Daher wollte ich meinem Beobachter vorgaukeln, es gäbe bereits einen Jungen an meiner Seite.
Sunny musterte sie interessiert, denn das Ganze klang ja doch recht spannend. Aber er konnte sich noch keinen Reim darauf machen, was das Ganze mit ihm zu tun haben könnte.
Weißt Du noch?“, setzte sie fort, „Damals im Kindergarten haben wir immer zusammen gespielt. Ich war immer eine Prinzessin und Du der edle Ritter, der mich gerettet hat.
Bei der Erinnerung an diese harmlosen Kinderspiele musste Sunny lächeln. Ja, es waren schöne Zeiten gewesen.
Vielleicht könntest Du wieder mein Ritter sein und meinen Alibi-Freund spielen? Nur auf dem Schützenfest, um zu sehen, ob sich danach etwas ändert?
Aber warum ich?“, fragte Sunny überrascht.
Ich vertraue Dir. Du wirst nichts Komisches versuchen, im Gegensatz zu den anderen Jungen, die ich kenne. Und Du kannst mich beschützen. Ich weiß, ich kann dir vertrauen.
In gewisser Weise schmeichelten die Worte Sunny ungemein. Natürlich konnte er einer alten Freundin keine Hilfe abschlagen, besonders in einer so delikaten Angelegenheit. Allerdings ermahnte ihn eine kleine Stimme in seinem Kopf, dass er vorerst mit Teddy darüber reden wollte.
Vielleicht könnte auch Teddy aushelfen, was Alise bestimmt besser gefallen würde. Das wäre auch eine Gelegenheit für Teddy, in Kontakt mit den Zwillingen zu kommen, oder zumindest etwas über sie zu erfahren.
Oder vielleicht konnte die hübsche Benediktina ihn auch in seinem Liebesschmerz trösten.
Ein Plan nahm langsam in Sunnys Kopf Gestalt an.

Um Zeit zu gewinnen, fragte er: „Und was ist die andere Sache?
Benediktina lächelte ihn an.
Ich schätze es sehr, wenn ein Mann aufmerksam ist und zuhören kann.
Sie machte eine leicht theatralische Pause.
Weißt Du, ich habe von meinem Vater einen hübschen Anhänger geschenkt bekommen. Es ist ein goldenes Pferdchen, hier, schau…“, sie deutete auf den goldenen Anhänger an der dünnen Goldkette, die sie um den Hals trug.
Das bewusste Pferd hing tief in ihrem Ausschnitt und war schon fast zwischen ihren wohlgeformten Brüsten eingebettet, die sie Sunny entgegenstreckte.
Wir waren gestern auf dem Hof in einem kleinen Streit, welche Rasse es wohl darstellen würde. Da Du Dich ja hervorragend mit Pferden auskennst, dachte ich, ich frage mal nach Deiner Meinung.
Sie reckte ihm den Anhänger noch ein wenig mehr entgegen und lächelte ihn an.
Sunny beugte sich leicht herunter und fragte, ob er es mal anfassen dürfte.
Benediktina lächelte hintergründig und nickte auffordernd.
Sanft hob Teddy die kleine Figur aus dem ansehnlichen Tal und streifte dabei ihre glatte Haut. Leicht seufzte sie auf und Sunny hatte das Gefühl, dass sie sich nahezu seiner Hand entgegen schob.
Er betrachtete das Pferd.
Klassischer Hannoveraner, wahrscheinlich ein Hengst“, stellte er sachkundig fest.
Benediktina lächelte ihn dankbar an, als er die Figur wieder sanft auf ihre heimatliche Koppel entließ.

Gerade wollte sie etwas sagen, als sie plötzlich unterbrochen wurden.
Sunny“, rief eine fröhliche Mädchenstimme und plötzlich hatte er Alise bei sich, die ihn schwungvoll umarmte.
Bevor er etwas sagen konnte, spürte er ihre zarten Lippen auf seinen und merkte, wie sich ihre Zunge voller Begehren den Weg in seinen Mund bahnte.
Voller Leidenschaft erwiderte er den überraschenden Kuss, der ihm knisternd durch den ganzen Körper fuhr. Er umschlang mit seinen Armen den traumhaften Körper seiner geliebten Waldnymphe und gab sich ihr bedingungslos hin.
Er hörte, dass Benediktina noch etwas sagte, aber die Worte drangen nicht in seine Wahrnehmungswelt ein, welche gerade völlig von der rothaarigen Schönheit ausgefüllt war.

Es war ein doppeltes Vergnügen für Alise, auf der einen Seite den heißen Kuss ihres Geliebten wohlig durch ihren Körper fließen zu spüren und zeitgleich durch die halb geschlossenen Augen ihre Feindin zu beobachten, deren Scheitern sie ihr gerade mit vollem Körpereinsatz demonstrierte.
Der Reiz von Macht und Lust weckte ungeahnte Sehnsüchte in ihr und sie presste ihren heißen Mädchenkörper fest an Sunnys Leib.
Sie bemerkte, wie Benediktina versuchte, Sunnys Aufmerksamkeit zurück zu erobern, doch Sunny gehörte gerade ausschließlich ihr.
Als Benediktina geschlagen das Schlachtfeld verließ und Alise noch einen tödlichen Blick zuwarf, spürte Alise den süßen Geschmack des Sieges und versuchte, ihn durch den intensiven Kuss sogleich mit ihrem Geliebten zu teilen.
Jetzt wo ihre Feindin abzog, konnte sie sich ganz dem süßen Gefühl ihrer brennenden Liebe hingeben.

Als Teddy die Beiden unterbrach, um sie an den bald erscheinenden Bus zu erinnern, waren die beiden anderen Mädchen bereits verschwunden.
Zufrieden nahm Alise Sunnys Hand und zu dritt gingen sie den kurzen Weg zu der Haltestelle.
Teddy war ein wenig überrascht von dem selbstsicheren Gang und der stolzen Haltung, die Alise ausstrahlte. Sie schien geradezu von innen zu leuchten.
Er stellte fest, dass dieser Glanz ihre natürliche Schönheit noch verstärkte und heimlich beneidete er Sunny ein wenig um dieses wunderschöne, stolze Mädchen.

Der Wanderer biss genussvoll in ein Butterhörnchen aus der traditionellen Bäckerei und blickte den jungen Leuten hinterher. Es wurde immer besser, stellte er zufrieden für sich fest, während er seinen heutigen Zielen unauffällig folgte.

Weiter geht es im nächsten Kapitel des Romanes, das bald folgt…

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