(Rück-)Kampf der Titanen – Teil 2

Während sich die kleine Gruppe noch darin versuchte, ein gutes Regelwerk für den nächsten Wettkampf zu formulieren, hörte Teddy überraschenderweise, dass seine Tante Emilia Sonnenberger von unten nach ihrem Sohn Sunny rief. Er machte Sunny darauf aufmerksam, der überrascht aufblickte.
Aufgeregt entschuldigte Sunny sich und kletterte die schmale Stiege in die Scheune herunter. Tessa nutze die Chance und setzte sich spontan auf Teddys Schoß und fing an, an einem seiner Ohrläppchen zart zu knabbern. Während die anderen beiden Mädchen engagiert weiter mit Paddy über die möglichen Formulierungen und deren Konsequenzen diskutierten, flüsterte Tessa leise in Teddys Ohr: „So wirklich überzeugt bin ich von der Idee nicht gerade. Ich fürchte, wir blamieren uns auf bis auf die Knochen und wenn unsere Gegner überhaupt antreten, weiß ich nicht, was alles passieren wird.
Teddy nickte leicht, küsste sie auf ihren Hals und antworte ebenfalls geflüstert: „Ich gebe Dir zu einhundert Prozent recht, mir schmeckt das auch überhaupt nicht. Das letzte Mal, als ich mich von Paddy zu so etwas überreden ließ, endete es im Desaster!
Das hätte ich gerne gesehen“, kicherte Tessa frech und quietschte leicht auf, als Teddy ihr strafend, aber trotzdem zart, in den Hals biss.
Er begann sofort, ein wenig zu saugen und verfolgte engagiert seinen diabolischen Plan, Tessas Frechheit mit einem kleinen Knutschfleck zu bestrafen. Sie strich ihm durch die Haare und genoss sichtlich ihre „Bestrafung“. Es endete, wie es endeten musste und die Beiden gaben sich einem intensiven Kuss hin, der sie total von den Planungen um sie herum ablenkte.

Erst als Teddy sanft den Kuss löste, bemerkte er die unheilvolle Stille, die plötzlich über dem Raum lag.
Er blickte auf und sah, dass sich sämtliche Augen in die Richtung der Stiege gerichtet hatten und als er seinen Kopf drehte, um zu erfassen, was die allgemeine Aufmerksamkeit dort fesselte, sah er zu seinem Erstaunen, dass sich hinter Sunny Marc-André befand. Teddy war sehr erstaunt über diesen „Überraschungsgast“, denn diesen Chaoten hätte er hier zuletzt erwartet.
Sunny erwähnte das Offensichtliche, als er laut verkündete: “Freunde, wir haben einen Überraschungsgast, der uns seine Aufwartung machen will.
Hallo meine Lieben,…“. begann Marc-André und Teddy runzelte die Stirn, während er aus den Augenwinkeln betrachte, wie Alise und Tessa fast gleichzeitig genervt ihre Augen verdrehten.
Was willst Du denn hier?“, unterbrach ihn Tessa, mit einem nicht gerade freundlichen Tonfall.
Hey, Frieden, meine liebste Cousine. Ich bin in völlig harmloser Mission unterwegs…“, begann Marc-André mit beschwichtigenden Handbewegungen.
Es liegt in meinem Interesse, unser kleines Abkommen zu honorieren, in dem ich mit Informationen und der Bereitschaft, euch zu unterstützen komme.
Worin willst Du uns denn unterstützen?“, fragte Alise kühl.
Ihr habt doch jetzt die Planung eines Wettkampfes vor euch und ich dachte, dass ich diesmal lieber die Gewinnerseite von Anfang an unterstütze. Ich kann euch helfen, die richtige Strategie zu entwickeln und euch durch meine Kenntnisse eures Gegners vor Stolpersteinen in euren Plänen warnen.“
„Und ganz nebenbei kannst Du uns auch ausspionieren, um Deine Erkenntnisse auf der anderen Seite zu Deinem Vorteil zu nutzen“, merkte Teddy, mit einem zynischem Unterton an.
Ich beweise euch meine Aufrichtigkeit, indem ich jetzt nicht vortäusche, diesen Gedanken nicht schon in meinem Kopf gehabt zu haben, aber…
Führe den Gedanken lieber nicht weiter aus!“, riet ihm Sunny.
Marc-André nickte verständnisvoll.
Was soll es?“, warf Paddy ein, „wir sind doch sowieso schon in der Endphase der Planung. Da kann er ruhig ein wenig mitbekommen und kommentieren. Außerdem kann er dann gleich die Herausforderung überbringen.
Seht Ihr?“, bestätigte Marc-André kopfnickend, „da mache ich mich doch gleich schon nützlich. Ist doch toll!
Mit vorgetäuschtem Selbstbewusstsein trat er näher und ließ sich auf eines der Sofas fallen.

Resigniert wiederholte Alise noch einmal den Pressetext des Theatervereins und überließ es dann Paddy, ihren genialen Plan zu erläutern. Marc-André blickte von einem zum anderen, lachte kurz leicht zynisch und bemerkte auf typisch arrogante Art: „Ein wirklich dummer Plan. Echt das Schlechteste, das euch hätte einfallen können!
Liegt es darin, weil Du auf die Bühne musst, oder hast Du tatsächliche Gründe?“, fragte Paddy, bevor sich jemand über den herablassenden Tonfall ihres „Gastes“ aufregen konnte.
Tatsächlich habe ich handfeste Gründe, warum ihr die Nummer verlieren werdet. Ich fange mal mit dem am wenigsten wahrscheinlichen an, denn das könntet ihr noch boykottieren. Als wahrscheinlichstes, selbst ohne meinen Rat wird Adolpho darauf hinweisen, dass die Voraussetzungen unfair sind, da wir ja keine weiblichen Darsteller im Team haben, was bei dem Thema schon etwas blöd ist. Da ihr ja auf Fairness besteht, wird er mit euch verhandeln, dass er eine gewisse Zahl seiner Teammitglieder auswechseln darf und sich mit euch wahrscheinlich auf zwei Auswechslungen einigen können.
Er machte kurz Pause, um das Gesagte im Raum stehen zu lassen. Es war Teddy gleich klar, dass er damit recht hatte, auch ohne lange seine Freunde zu beobachten, dafür kannte er Sunnys und Paddy Sinn für Fairness und vor allem Sunnys Gutmütigkeit schon zu lange.
Fahr fort!“, forderte er Marc-André auf.
Natürlich wird Adolpho versuchen, Benediktina und meine Cousine Lauretta einzuwechseln. Die Beiden sind schließlich die Stars der Theater-AG der Mittelstufe, wie der ein oder andere bereits wissen dürfte.
Er blickte zu Sunny und Alise.
Und die Beiden sind in dem Fall nicht schwer zu überreden, da sie euch, und besonders einigen speziellen Mitgliedern eurer Entrourage noch einen Denkzettel verpassen wollen.“ Er seufzte kurz und schien seine Erläuterungen sichtlich zu genießen.
Alleine die beiden Mädels spielen euch sechs locker an die Wand, ganz abgesehen davon, dass sie bereits ein Repertoire an Stücken im Kopf haben. Und wie gesagt, dass ist nur euer kleinstes Problem, in dem Fall.

Genüsslich rekelte Marc-André sich auf dem Sofa und blickte Lilly an.
Könnte ich auch so ein erfrischendes, kühles Getränk haben? Bevorzugt eine Cola.
Lilly griff in den Kühlschrank , holte eine gekühlte Getränkeflasche heraus und goss Marc-André sein gewünschtes Getränk in eines der sauberen Gläser, die sie auf dem Kühlschrank gelagert hatten.
Sie reichte es ihm und er nickte ihr gönnerhaft-dankbar zu, während er seine rhetorische Pause in vollen Zügen genoss.
Noch einen Snack dazu?“, fragte Alise schnippisch.
Oh ja, gerne“, erwiderte Marc-André in voller Ignoranz ihres süffisanten Untertons.
Hast Du vielleicht etwas Gesundes anzubieten? Vielleicht einen Apfel oder ein leckeres Möhrchen?“, fragte er mit gespielter Unschuld.
Alise warf zornig eine Tüte mit Snacks in seine Richtung, aber er konnte sich rechtzeitig ducken, so dass diese auf dem Sofa neben ihm landete.

Auch gut“, murmelte er und riss die Tüte auf.
Mach nicht so ein Theater, sondern komm zur Sache! Welche Probleme siehst Du noch?
Teddy wurde langsam ungeduldig. Marc-André sah es Teddy scheinbar genau an, dass er den Bogen jetzt nicht überspannen sollte und legte die Tüte auf den Tisch.
Also, angefangen damit, dass einer von Adolphos kleinen Motorradfreunden, nämlich Jordan, ebenfalls in der Theater-AG ist und dort schon seit gefühlten Ewigkeiten die männliche Hauptrolle spielt, sowie die Regieassistenz von Herrn Plattenbeck, dem AG-Leiter, gibt, da er in kürzester Zeit den gesamten Text eines Stückes auswendig lernen kann, gehört dem Vater einer seiner anderen Freunde, nämlich von Simon, ein Unternehmen für Veranstaltungswesen. „Overberg Event-Managment GmbH“, falls das jemandem was sagt.
Das sind doch die, die hier die gesamten Stadtfeste mit der passenden Technik ausstatten und die Bühnen organisieren?“, warf Alise ein.
Exakt diese. Und die verleihen auch Veranstaltungstechnik im großen Rahmen, daher hätten wir einfach eine bessere technische Ausstattung als ihr. Außerdem ist die Mutter von Jordan im Aufsichtsrat der städtischen Bühne hier in der Großstadt um die Ecke und sitzt in fast allen wichtigen Kulturgremien. Wenn die kein Teil der Jury ist, dann kennt sie zumindest alle mit Vornamen. Zugang zum Fundus der städtischen Bühne kann sie wahrscheinlich auch beschaffen. Und da ich ja schon honoriertes Mitglied der Video-AG der Schule bin, kann ich die Aufführung mit allerlei Audio-visuellem Schnick-Schnack unterstützen. Alleine diese Fakten sollten reichen, um euch klar zu machen, dass Adolphos Crew euch fressen würde und das sind noch lange nicht alle Joker, die ich befürchte, sondern nur die offensichtlichen.
Marc-André lehnte sich wieder zurück und griff zufrieden in die Snacktüte, während sich die anderen Anwesenden ratlos anblickten.

Teddy war es klar, dass Marc-Andrés Argumente völlig ausreichten, um ihren Plan zu zerschmettern.
Eine neutrale Entscheidungsinstanz und eine öffentliche Bühne sind ja schon eine gute Idee“, räumte Marc-André ein, „es sollte nur eine neutrale Bühne und eine neutrale Jury sein. Und ein neutrales Thema wäre auch Vorteilhaft.
Ich denke, Du hast da was im Kopf“, merkte Teddy zynisch an.
Wie Du das immer erkennst, mein lieber Michael.“, provozierte Marc-André zurück.
In der Tat habe ich einen guten Vorschlag für euch.
Wieder machte er eine theatralische Pause, als müsste er beweisen, dass er zur besseren Mannschaft in Sachen Schauspielerei gehört.
Kennt jemand von euch das Jugendzentrum im Stadtteil Hahnenfeld, hier in der Großstadt?“, fragt er mit gönnerhafter Miene.

Dass sowohl Tessa als auch Alise nickten, wunderte Teddy nicht gerade, aber auch Paddy bejahte, zu Teddys Überraschung, diese Frage.
Dann wisst ihr ja auch, dass sie da diese kleine Mehrzweckhalle haben, in der manchmal Konzerte stattfinden.“, erläuterte Marc-André weiter.
Wie es der Zufall will, ist dieses Wochenende dort der große Nachwuchsbandwettbewerb von Radio Thunderstruck, einem Internetradiosender, der sich auf Heavy Metal spezialisiert hat.“
Er griff in seine Hosentasche und holte einen gefalteten Zettel hervor.
„Ganz zufällig habe ich einen Flyer der Veranstaltung dabei...“, begann er.
Ja, ganz zufällig“, argwöhnte Alise.
Wie es auch seien mag, lest es euch mal in Ruhe durch, schaut euch die Website an und denkt darüber nach. Das Angebot ist folgendes, ich kenne jemanden aus dem Jugendzentrum, mit dem ich heute Vormittag noch gequatscht habe. Mein Problem war, dass ich die Teilnahme meiner Band absagen musste, weil Stefan sich den Arm verdreht hat und jetzt nicht mehr spielen kann und Phil sich überlegt, bei uns aufzuhören, um sich mehr um sein anderes Bandprojekt zu kümmern. Ich hoffe, dass ich es zum Nachwuchswettberb beim Open-Air schaffe, Dir wieder eine Konkurrenz zu sein…“, er blickte Sunny an, „...aber vorher werde ich die Band nicht neu organisiert bekommen, daher wollte ich die Teilnahme bei dem Wettbewerb leider absagen.

Marc-André nahm sich eine handvoll Snacks, bevor er weiter fortfuhr.
Durch Zufall habe ich erfahren, dass auch eine zweite Band abgesagt hat und so dachte ich mir, ich mache euch mal den Vorschlag und habe die beiden freien Plätze vorerst reserviert. Hörte sich meiner Meinung nach, nach einem fairen Wettstreit an, und einen Song bis zum Wochenende einzustudieren, ist ja nicht die Welt.
Und, als Sahneklecks obendrauf, können sich Sunny und ich mal wieder im musikalischen Wettstreit begegnen, für den Fall, dass es für meine Band mit dem Open-Air nicht klappt.

Er blickte kurz in die Runde, nickte leicht und fuhr fort: „Ich gehe jetzt einfach mal nach unten und setze mich gemütlich auf die Bank und ihr beratet und wenn ihr die Idee gut findet, sagt ihr mir Bescheid, dann sage ich dem Typen vom Jugendzentrum Bescheid und helfe euch morgen auch gerne mit der Anmeldung, wenn ihr wollt.
Siegessicher stand Marc-André auf und verschwand, wie versprochen, nach unten.
Die Snacktüte verschwand auf mysteriöse Weise mit ihm.

Fortsetzung folgt…

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