(Rück-)Kampf der Titanen – Teil 3

Kaum war Marc-André aus dem Raum verschwunden, schnappte sich Teddy den Flyer und gab die Website, die darauf angegeben war, in seinen Laptop ein. Er reichte der neugierigen Alise den Flyer herüber und wandte seine Aufmerksamkeit den Informationen zu, die er auf der Internetpräsenz des Radiosenders fand.
Tatsächlich handelte es sich um ein Radioangebot, dass sich der härteren Variante der Rockmusik verschrieben hatte. Es gab verschiedene Kanäle, oder Sender, für die verschiedenen Spielarten des Heavy Metals, teilweise in so feinen Abstimmungen, dass Teddy die Bezeichnungen der Musikrichtungen nichts sagten.
Zum Angebot gehörte auch das Live-Streaming von kleineren und größeren Konzerten und Festivals und scheinbar war der regionale Wettbewerb bei weitem nicht der einzige im Angebot des Senders, der, so fand Teddy mit wenigen Klicks heraus, ein Tochterunternehmen eines großen Musiklabels, die sich dem Hardrock und Metal verschrieben hatten, war.
Gründlich sah er sich die Regeln des Wettbewerbes an und stellte fest, dass es zwei Elemente gab, die für den Sieg sorgen würden. Zum einen wurde die Lautstärke des Applauses gemessen und zum anderen konnten die Zuhörer in der Chatfunktion des Streams online abstimmen. Beide Ergebnisse zählten zur Hälfte und sollten zwei verschiedene Bands in einer der beiden Kategorien jeweils auf Platz eins kommen, so würde es ein Finale geben, auf dass die Veranstalter eindeutig hofften.
Für die oberen Plätze waren großzügig Preise ausgelobt worden, in Form von Gutscheinen für den Onlineshop des Labels, Gutscheine von einem Versandhandel für Musikequipment, der ein Werbepartner der Veranstaltung war und auch professionelle Coachings oder Aufnahmen in Studios gehörten zu den Gewinnen.
Es wurden auch großzügig „Trostpreise“ für die Teilnehmer angeboten, so würde zum Beispiel jeder Teilnehmer eine Festivalbag, mit allerlei coolen Geschenken darin erhalten. Unter anderem war ein exklusives T-Shirt und eine Tasse dabei. Es hörte sich schon ein wenig verlockend an.

Allerdings fand Teddy auch gleich den Haken, denn es ging nicht nur um Heavy Metal an sich, sondern das Konzert oder der Wettbewerb, der unter dem Titel „Darkness is calling“ lief, war explizit für die dunkleren Spielarten dieser Musik wie „Black Metal“, „Mayhem“ und ähnlichen Richtungen.
Wahrscheinlich würde er sich in diese Ausrichtung erst gründlich einhören müssen, bevor er da etwas zu Stande bringen würde. Er teilte seine Erkenntnisse mit dem Rest seiner Freunde.
Paddy blickte auf das Schlagzeug, was im Raum stand und verkündete: „Ist zwar nicht ganz meine Musik, aber Lust hätte ich schon.
Ich weiß noch nicht einmal, über was wir hier genau reden“, wandte Sunny ein, „was, zur Hölle ist Black Metal?
Genau das!“, kicherte Alise.
Tessa nickte bestätigend und suchte auf ihrem Smartphone ein passendes Musikvideo, welches sie Sunny präsentierte.

„Scheint gar nicht so schwierig zu sein“, verkündete dieser nachdenklich, „nur müssten wir wieder eine völlig neue Ausstattung für den Wettkampf besorgen.“
Das müssten wir bei jedem Bühnenauftritt“, bemerkte Tessa trocken.
Bekommen wir denn überhaupt eine Band zusammen?“, fragte Alise vorsichtig.
Ich weiß, dass Sunny und Teddy Gitarre spielen können…
Paddy kann Schlagzeug spielen“, warf Sunny ein.
Ein wenig“, gestand Paddy.
Ich könnte ein wenig E-Bass hinbekommen“, fügte Tessa hinzu.
Ich hatte Klavierstunden und dürfte mit einem Keyboard umgehen können“, ergänzte Lilly.
Alle blickten Alise an.
Ich spiele Flöte“, gestand sie kleinlaut.
Nicht gerade das typische Rockinstrument“, erwähnte Sunny vorsichtig, „aber…
Vergiss es“, schnitt ihn Alise ab, „Ich kann nicht singen und ich werde nicht singen! Vergiss das ganz schnell!
Ihr plötzlicher emotionaler Ausbruch überraschte alle.
Wie dem auch sei“, lenkte Teddy ein, „wir haben genug Potential und es wird leichter, einen Song einzustudieren, als ein Theaterstück“.
Lasst uns Abstimmen“, schlug Sunny vor.

Das Ergebnis war recht eindeutig, denn Tessa und Teddy favorisierten die Bandidee eindeutig, während sich Paddy, Lilly und Sunny mit beiden Ideen anfreunden konnten. Nur Alise war von der Idee wenig begeistert.
Wahrscheinlich plant Marc-André irgendwas Hinterhältiges!“, gab sie noch zu bedenken, doch Teddy entwaffnete sie charmant mit der Bemerkung, dass es beim letzten Mal ihnen ja auch eher geholfen, als geschadet hatte, was Alise nicht verneinen konnte.
Die Entscheidung war gefallen und Sunny brach auf, um Marc-André in Kenntnis zu setzen.
Was ist das, mit Dir und dem Singen?“, fragte Teddy Alise diskret, um das interessante Thema nicht vor allen Anwesenden breit zu rollen.
Ich kann es einfach nicht!“, antworte Alise energisch.
Ich erkläre es Dir vielleicht später und in Ruhe“, setzte sie wesentlich sanfter nach, als Teddy sie erschrocken anblickte.
Wann immer Du dazu bereit bist“, antwortete Teddy jovial und lächelte sie offen an.

Wir wollen doch gleich grillen, vielleicht sollten wir alles andere nachher besprechen“, schlug Lilly vor.
Alise lächelte sie dankbar an.
Dann werde ich mal die Küche entern“, entschied Alise und stand auf.
Tessa erhob sich, um sie zu begleiten. Teddy zuckte kurz mir den Achseln.
Na, dann werde ich mich mal um die Feuerstelle kümmern“, verkündete er und erhob sich ebenfalls.
Fein, ich helfe Dir!“, kam es sofort fröhlich von Lilly.
Das ist genau mein Ding. Ich bin ein kleine Pyromanin.
Na, dann komm mit, kleiner Feuerteufel“, forderte Teddy sie auf.
Paddy erhob sich ebenfalls.
Ich räume hier ein wenig auf, mache noch ein paar Recherchen und stoße dann gleich zu euch.

Alle außer Paddy stiegen die schmale Stiege hinunter und trennten sich dann in die beiden Gruppen.
Teddy sah noch Sunny, der sich im Gespräch mit Marc-André befand und schüttelte leicht seinen Kopf. In gewisser Weise würde er schon gerne wissen, was in dem Angeber vorging und welche dunklen Pläne er geschmiedet hatte. Aber er wusste auch, dass die Zeit es ans Tageslicht bringen würde und es heute wichtigere und vor allem angenehmere Gedanken gab, denen er sich zuwenden konnte.

Es dauerte nicht lange, bis der kleine Grillplatz auf dem Hof vorbereitet war und Lilly und Teddy das Feuer entzünden konnten. Tatsächlich schien Lilly wirklich viel Gefallen an den heißen Flammen zu haben, den sie stocherte dauernd zufrieden im Feuer herum, während Teddy alles andere um das Feuer herum vorbereitete.
Eigentlich wollte er mit Lilly über das eine oder andere reden, wozu ihm in letzter Zeit die Gelegenheit, aber auch der Mut gefehlt hatten, aber ihm fiel kein vernünftiger Gesprächseinstieg ein.
Er hatte gerade eine Art Ansatz gefunden und wollte das Wort an Lilly richten, da kam auch schon Paddy an. Sofort begann Paddy, wie selbstverständlich, Teddy zur Hand zu gehen.
Nach und nach trudelten dann auch die anderen Mitglieder der kleinen Gruppe ein und brachten die Leckereien aus der Küche zum Grillplatz.

Schnell war ein leckeres Buffet aufgebaut und die Auswahl war so riesig, dass es niemanden störte, als Sunnys Mutter, Emilia Sonnenberger, vorbeikam, um von allem ein klein wenig zu probieren. Sie ließen ein wenig Musik aus zwei Lautsprechern spielen und begannen, das Grillgut mit der heißen Flamme des Feuers zu verfeinern.
Sunny berichtete von seinem Gespräch mit Marc-André und der Tatsache, dass sie zusammen bei Adolpho angerufen hatten, um ihm die Herausforderung zu überbringen. Auch um die Anmeldung hatten sie sich schon fast komplett gekümmert. Marc-Andrés Bekannter wusste Bescheid und wollte ihnen per Email ein Formular zuschicken, welches sie zeitnah ausgefüllt zurück mailen sollten. Es ging nur noch um Details, wie Bandname und was auf der Bühne gebraucht wurde.
Zu aller Erleichterung erzählte Sunny auch, dass es eine kleine Licht- und Soundprobe vor dem Auftritt geben würde, denn die entsprechende Technik würde ausschließlich vom Veranstalter zur Verfügung gestellt, was allen Beteiligten die gleichen Rahmenbedingungen garantierte.
Wichtig war es jetzt nur, selber ein wenig Werbung zu machen, denn umso mehr Menschen ihnen Live zujubelten oder auch im Chat für sie stimmten, umso besser. Jedem war klar, dass es bei solchen Wettbewerben nicht ausschließlich um Talent ging.

Paddy hatte herausgefunden, dass es tatsächlich das ein oder andere Buch mit Noten für diese spezielle Musikrichtung gab und hatte einfach bei der Musikhandlung seines Vertrauens ein paar Fachbücher bestellt, die er morgen abholen konnte.
Er schlug vor, gemeinsam in die Stadt zu fahren, auch um sich nach Ausrüstung zu erkundigen und um im Spieleladen, der in der Nähe war, ein wenig Werbung zu betreiben. Vielleicht würde man dort auch den einen oder anderen kundigen Metalfan finden, der einen mit näheren Informationen versorgen könnte.
Sunny schrieb noch schnell eine Mail an seinen Bruder, welche Sachen von seinem Zeug er benutzen durfte, schließlich hatte sein Bruder noch viel Musikequipment herumliegen, neben dem Schlagzeug.
Teddy merkte auch an, dass sie einen Bandnamen brauchen würden und so etwas wie ein Logo, um ein wenig professionell wirken zu können. Alise ergänzte das Ganze mit dem Vorschlag, sich auch ein Konzept auszudenken, denn das würde das Finden eines passenden Liedtextes und des richtigen Namens in vielen Dingen erleichtern.

Ihr gemeinsames Planen wurde von Emilia Sonnenberger unterbrochen, die erneut zu den Jugendlichen kam und Sunny ansprach.
Hör mal, mein Sonnenschein. Denkt daran, dass ihr das Feuer nicht zu lange brennen lasst, weil ihr darauf auch aufpassen müsst. Also hört rechtzeitig auf, Holz nachzulegen, ja?
Sunny nickte verständnisvoll.
Ich weiß ja nicht, für wie lange ihr das Ganze geplant habt, aber seht zu, dass ihr die jungen Damen rechtzeitig und anständig nach Hause bringt. Ihr könnt ja das nächste mal eine Übernachtungsparty planen und zusammen in der Scheune schlafen, aber da sollten die Eltern vorher Bescheid wissen und ihre Erlaubnis geben“, fügte sie noch hinzu.
Ein guter Plan“, dachte Sunny laut, nachdem seine Mutter wieder gegangen war. Alle nickten einhellig dazu.

Fortsetzung folgt…

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