(Rück-)Kampf der Titanen – Teil 5

Ein Geräusch weckte Teddy aus dem Schlaf. Schlaftrunken suchte er nach der Ursache des komischen Tons und stellte fest, dass Lillys Smartphone auf dem Nachtisch lag und die Weckfunktion gerade sehr klar ihren Zweck erfüllt hatte. Er spürte Lillys warmen Körper, da sie sich im Schlaf dicht an ihn gekuschelt hatte. Er gähnte kurz und schaltete den Wecker aus. Lilly wurde durch seine Bewegungen wach und blickte ihn niedlich schlaftrunken an. Teddy deutete auf ihr Smartphone.
Dein Wecker wollte Dir was sagen“, erwähnte er kurz und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
Lilly rekelte sich wie eine Katze und nahm das Smartphone.
Ach“, meinte sie,“ wir wollten uns doch nachher an der Bushaltestelle treffen, um in die Stadt zu fahren.
Wie spät ist es denn?“, fragte Teddy erschrocken.
Es ist kurz nach zehn“, antwortete Lilly und rieb sich den Schlaf aus den Augen.
Normalerweise schlafe ich nicht solange“, bemerkte Teddy, ein wenig verunsichert.
Naja, es ist ja doch spät geworden“, erklärte Lilly, „also kein Grund sich zu schämen.
Ich schäme mich nicht, sondern bemerke nur gerade, dass ich keine Zeit habe, nach Hause zu fahren, um frische Klamotten zu holen und mir wahrscheinlich Sunny auch das ein oder andere mitbringen muss für unseren Stadtausflug.
Lilly schnüffelte leicht an ihm und erklärte ihm keck, dass er sich keine Sorgen machen müsste, da sie seinen Geruch als sehr angenehm empfand.
Ich frage mich, wie ich das Sunny erklären soll“, meinte Teddy, während er sich auf die Bettkante setzte und sich auch streckte.
Tja“, meinte Lilly, „gestern war ich mit Erklärungen dran, dann ist es doch nur fair, dass heute dein Tag ist.“
Sie schmuste sich leicht an seinen Rücken und gab ihm einen Kuss auf den Nacken.
Danke für die Nacht“, sagte sie sanft in sein Ohr und küsste seinen Nacken erneut.
Danke für dein Vertrauen“, gab Teddy zurück und streichelte ihr sanft durch ihr vom Schlaf zerzaustes und unendliche weiches hellblondes Haar.

Ich gehe kurz duschen, danach kannst Du das Badezimmer benutzen und ich mache uns einen Tee“, sagte Lilly und kletterte neben ihm aus dem Bett.
Teddy konnte es nicht unterdrücken, auf ihre langen, wohlgeformten Beine zu schauen, die sich ihm in ihrer Nacktheit präsentierten. Mit dem viel zu großen, schwarzen Heavy Metal-T-Shirt sah sie echt entzückend aus und als sie sich bückte, um ein paar Klamotten aufzusammeln, sah er einen kleinen Augenblick ein Stück von ihrem schwarzen Spitzenhöschen.
Er versuchte, möglichst unschuldig auszusehen und zog die Decke etwas großzügiger um seine Hüften, um seine morgendliche Gesamtsituation, aufgepeitscht durch den Anblick, ein wenig zu verbergen. Obwohl er normalerweise dazu neigte, nackt zu schlafen, hatte er aus Anstandsgründen ebenfalls seine Unterhose brav anbehalten. Nur seine Hose, sein Shirt und seine Socken waren auf dem Sofa gelandet.
Er hätte eigentlich auch auf dem Sofa schlafen können, aber wahrscheinlich hatte Lilly recht und das kleine Sofa wäre ungemütlich geworden.

Nachdem er am gestrigen Abend festgestellt hatte, dass Lillys Erzählung recht lange dauerte und es weit nach Mitternacht war, hatte Lilly ihm angeboten, bei ihr zu übernachten und nachdem sie sich im Badezimmer ihr Schlafshirt angezogen hatte, hatte sie ihm großzügig die Hälfte ihres Bettes angeboten.
Selbst nachdem sie im Bett lagen, hatten sie noch lange geredet, immer mal wieder unterbrochen durch sanfte Streicheleinheiten und zarte Küsse. Nachdem Teddy vieles über Lilly erfahren hatte, war ihre Beziehung wesentlich intimer geworden, als er für möglich gehalten hatte und das Vertrauen, das Lilly ihm entgegen brachte, gerade in Hinsicht auf ihre Erlebnisse, machte ihn irgendwie sehr stolz.

Als es kurz klopfte und dann die Tür aufging, hüllte sich Teddy ein wenig fester in die Bettwäsche und bemerkte, zu seiner eigenen Peinlichkeit, dass er klischeehaft „es ist nicht wie es aussieht“ stotterte, als Lillys Onkel im Türrahmen stand.
Zu seiner Überraschung nickte dieser nur kurz, was Teddy wunderte, bis ihm plötzlich einfiel, dass er ja notwendigerweise auch Lillys Geschichte kannte und somit die Situation wahrscheinlich anders zu bewerten wusste, als andere Erziehungsberechtigte in seiner Situation.
Trinkst Du Kaffee?“, fragte er den überraschten Teddy.
Ähh, ich bevorzuge Tee“, antwortete Teddy unsicher.
Lillys Onkel verschwand wieder aus seinem Sichtfeld und Teddy angelte sich seine Hose vom Sofa, um sie anzuziehen.

Kurz darauf kam der Schuldirektor wieder und hatte zwei Tassen mit dampfender Flüssigkeit dabei. Er reichte eine davon Teddy, setzte sich auf das Sofa und eröffnete das Gespräch.
Junger Mann, wir müssen uns mal unterhalten. Es geht um ein paar ernste Fakten“, begann er.
Teddy nickte. Natürlich musste es dieses unausweichliche Gespräch geben.
Lillys Onkel blieb recht sachlich und war nicht wirklich unfreundlich, vielleicht ein wenig distanziert, aber Teddy fühlte sich trotzdem nicht unwohl. Jedenfalls nicht so sehr, wie er befürchtet hatte.
Aus den Augenwinkeln sah er Lilly kurz in der Tür stehen, aber sie verschwand gleich wieder unauffällig, wahrscheinlich, um ihrem Onkel die Zeit zu geben, zu klären, was er klären musste.
Es war für Teddy sehr hilfreich, alles, was ihm Lilly erzählt hatte, erneut kurz und auf den Punkt gebracht, aus einer anderen Perspektive zu hören. Nach kurzer Zeit fühlte er sich wohl genug, um aus dem Gespräch einen Dialog entstehen zu lassen und Teddy merkte, dass seine ehrliche Betrachtung der Situation Lillys Onkel offensichtlich erleichterte.
Teddy versprach ihm, in Kontakt zu bleiben und ihn in Lillys Interesse im Zweifelsfall zu verständigen und ins Vertrauen zu ziehen.
Er erklärte aber auch, dass er Lilly von dem Gespräch erzählen würde und auch von ihren Abmachungen, denn er wollte Lillys Vertrauen nicht missbrauchen. Ihr Onkel hieß das, zu Teddys Überraschung, sogar gut. Scheinbar war er tatsächlich stark an Lillys Wohlbefinden interessiert. Er hatte einen großen Respekt vor dem Mann, der sehr erwachsen mit ihm sprach und ihn scheinbar nicht für dumm oder unreif hielt. Wahrscheinlich war der Mann auch ein guter Lehrer, überlegte sich Teddy unwillkürlich.
Kaum verließ ihr Onkel Lillys Zimmer, kam sie zurück und blickte ihn neugierig an. Teddy berichtete ihr ruhig und wahrheitsgemäß von dem Gespräch. Lilly strahlte ihn zufrieden an und scheuchte ihn ins Badezimmer.

Händchenhaltend ging Teddy mit Lilly zur Bushaltestelle, um dort die anderen zu Treffen. Alise und Tessa waren bereits da und unterhielten sich, winkten aber fröhlich, als sie die Beiden sahen. Alise blickte ein wenig verdutzt von einem zum anderen, besonders, als Teddy seine Freundin Tessa erstmal in den Arm nahm, um sie ausgiebig zu küssen. Fragend blickte sie Lilly an.
Sag mal was spielt ihr da?“, fragte sie leise.
Nichts“, antwortete Lilly ruhig,“wir haben nur zusammen geschlafen.
Alise blickte sie verwirrt an.
Und jetzt knutscht er mit Tessa?“, rutschte es ihr verwirrt heraus.
Natürlich“, antwortete Lilly, „Sie ist doch seine feste Freundin, das weißt Du doch.
Okay“, wunderte sich Alise weiter, „und was bist Du dann?
Ich bin seine Lilly“, erwiderte Lilly fröhlich und strahlte Alise an.
Alise wahr sichtlich verwirrt, doch ihr Freund Sunny kam genau im richtigen Zeitpunkt zu ihrer Rettung.

Gemeinsam mit Paddy kam er aus der anderen Richtung und Alise nutzte die Gelegenheit, ihm um den Hals zu fallen. Paddy begrüßte fröhlich Lilly, die gerade als einzige nicht in intimen „Gesprächen“ verwickelt war.
Sie plauderten in gelöster Stimmung, bis sich die beiden verliebten Pärchen soweit voneinander gelöst hatten, dass er auch den Rest begrüßen konnte.
Sunny präsentierte das Anmeldeformular, dass er ausgedruckt hatte, denn vorhin war schon die Email von dem Jugendhausmitarbeiter gekommen.
Er wollte sie zusammen mit den anderen besprechen, um sie nachher am Computer auszufüllen und dann zurückzuschicken. Paddy erwähnte, dass der betreffende Jugendtreff nur fünf Haltestellen von der Haltestelle an dem Musikalienladen entfernt wäre und man da ja auch hinfahren könnte, um das Ding persönlich abzugeben.
Dann fahren wir zum Musikalienhandel, gehen dann in den Spieleladen und dann…“ begann Alise.
Tessa unterbrach sie:“ Gehen wir in die Kunsthandlung, um uns Inspiration für die Gestaltung zu holen.
Und in die Pizzeria, zur Stärkung“, ergänzte Paddy.
Und danach schauen wir nach passenden Klamotten“, schlug Sunny vor.
Gemeinsam stiegen sie in den Bus, der in die Großstadt fuhr und unterhielten sich angeregt über ihr Projekt. Zwischendurch flüsterte Teddy kurz mit Tessa, um ihr zu erklären, dass er in einer ruhigen Minuten noch mit ihr über Lilly reden wollte.

Der Besuch in der Musikalienhandlung war auf mehrere Weise sehr erfolgreich, nicht nur, dass sie die bestellten Bücher bekamen und sich auch über die Preise der benötigten Ausstattung informieren konnten, sondern sie bekamen noch die Werbeflyer von einigen Läden, die sich mit dem Thema beschäftigten und wahrscheinlich auch Informationen und Ausstattung führen würden.
Auch im Spieleladen konnten sie mit einigen Leuten reden, die der Metallszene nahe standen und bekamen zahlreiche Empfehlungen, Ratschläge und Hinweise.
Teddy und Tessa verschwanden zwar für einige Zeit in der nahe gelegenen Kunstbedarfshandlung, aber dank der angeregten Gespräche viel das den Anderen noch nicht einmal großartig auf.

Gegen Mittag fassten sie den Plan, sich bei der Pizzeria Essen zu holen und dann erneut im Park zu essen und dabei alle Informationen sacken zu lassen, um dann einige Entscheidungen zu treffen und die Anmeldung auszufüllen und abzugeben. Danach könnte man mit der Umsetzung der Ideen anfangen.
Fröhlich ging die zukünftige Black-Metal-Band, die noch keinen Namen hatte, gemeinsam zu der Pizzeria.

Fortsetzung folgt…

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