SoKo Sommerloch – Teil 5

Überraschenderweise versuchte es Tessa mir der Wahrheit. Während die drei Mädchen unter dem schmalen Vordach der Turnhalle standen, um dessen Neonleuchte sich bereits einige Insekten verwirrt sammelten, begann Tessa dem fremden Mädchen ihre Mission zu erklären.
Ungläubig musterte das Mädchen Tessa und Alise, während Tessa immer mehr Details enthüllte. Als Höhepunkt ihres Vortrages lächelte sie das Mädchen an und meinte, als könnte es nichts natürliches geben: „Übrigens, nette Tätowierung!
Das fremde Mädchen zuckte leicht zusammen und musterte Tessa genauer.
Woher weißt Du…?“, setzte sie an, doch Tessa lachte leicht.
Hast Du mir nicht zugehört?
Du hast Dir die Aufnahmen näher angesehen?
Ja“, gestand Tessa und Alise versuchte, ihre roten Wangen zu verbergen.
In Wahrheit hatte Tessa sie scheinbar doch erwischt, als sie sich bestimmte Aufnahmen vor dem Löschen noch etwas genauer angesehen hatte. Sie blickte etwas unruhig über den Boden und suchte das berühmte Mauseloch, in dem sie verschwinden könnte.

Gut“, sprach das fremde Mädchen weiter, „und jetzt wollt ihr nach weiteren Beweismaterial suchen, oder was?
Naja, eigentlich wollten wir der weiteren Gefahr ein Ende setzten und das ganze Problem demontieren.
Tessa klang ruhig und überzeugend.
Und dafür brecht ihr nachts in die Turnhalle ein?“, hinterfragte das Mädchen.
Wenn Du einen besseren Vorschlag hättest, wäre ich interessiert, diesen zu hören.“, erwiderte Tessa.
Also ich persönlich würde den Schlüssel benutzen, oder jemanden fragen der einen hat.
Hast Du einen Schlüssel?“, platzte es aus Alise heraus.
Ja, ich habe einen Generalschlüssel.
Hilfst Du uns dann, bitte?“ fragte Alise schüchtern und ihr Körper zitterte leicht vor Aufregung.

Was bekomme ich denn dafür?“ , kam es spontan von dem Mädchen und ein herausforderndes Lächeln lag auf ihrem Gesicht.
Was willst Du denn?“, fragte Tessa genauso herausfordernd zurück.
Sexuelle Dienstleistungen“, kam die provokante Antwort.
Das sollte kein Problem sein“, antwortete Tessa und ging auf das Mädchen zu.
Verwirrt lies sie die Hand mit dem Smartphone sinken und starrte Tessa an, wie ein hypnotisiertes Kaninchen die Schlange. Alise hielt vor Spannung den Atem an.
Als Tessa sanft ihre Hand auf die Taille des Mädchens legte, schien sie zu realisieren, dass Tessa scheinbar ernst machen wollte.
Hey, das war nur ein...“, der Rest ihres Satzes verstummte, als Tessa ihre Lippen auf den Mund des Mädchens legte und mit ihrer zweiten Hand in ihren Nacken griff.

Schon oft hatte Alise in ihren fantastischen Hexenromanen von heißen Küssen unter „Schwestern“ gelesen und da der jüngere ihrer Brüder ein Faible für entsprechende Erwachsenenkulturfilme hegte, die reich an zärtlichen Interaktionen zwischen Frauen war, war der Anblick nichts wirklich Neues oder Schockierendes für sie.
Dennoch stockte ihr der Atem und eine kribbelige Spannung breitete sich in ihr aus.
Daneben zu stehen, wenn sich zwei hübsche Mädchen zart küssten, war für Alise eindeutig nicht so uninteressant, wie die Filme ihres Bruders sie vermuten ließen, sondern hatte mehr von der schwül-heißen Erotik ihrer heimlichen Lieblingsromane.

Soll sie auch?“, fragte Tessa, als sie den Kuss löste und nickte in Richtung von Alise.
Bevor das Mädchen antworten konnte, war Alise mit ihrem ganzen Mut herangetreten und näherte sich mit ihrem Gesicht dem Gesicht des Mädchens.
Sie spürte den Arm von Tessa, als sie vorsichtig mit ihren Händen auf Tuchfühlung ging. Da das Mädchen nicht wegzog, begann Alise mit einem sanften Kuss, ließ sich aber unter einem plötzlichen Aufwallen unbekannter Gefühle einfach in den Kuss sinken.
Obwohl es ein völlig anderes Gefühl als bei Sunny war, hatte der Kuss seine ganz eigenen Vorzüge. Sie genoss die zarte Berührung von weichen Lippen und der vorsichtigen Zungenspitze des Mädchens, deren Berührung leichte, angenehme Schauer durch ihren Körper jagte. Fast bedauerte sie es, den Kuss wieder zu lösen, doch sie war zu neugierig auf die Reaktion des süßen Mädchens.
Das Mädchen blickte leicht verwirrt mit ihren saphirblauen Augen zwischen Tessa und Alise hin und her. Alise bemerkte eine leicht verträumte Ader in ihrem Blick und sah es genau, als sie mit ihrer Zunge leicht über ihre Lippen fuhr. Dennoch versuchte sie ganz offensichtlich ihre selbstsichere Haltung wiederzugewinnen.

Gute Anzahlung“, sagte sie mit cooler Miene, aber einem leichten Zittern in der Stimme.
Tessas hintergründiges Lächeln verschlug Alise erneut den Atem.
Ein gewisser Teil ihres Verstandes wurde gerade auf haarsträubende Art damit abgelenkt, dass sie sich einige der pikanten Szenen aus ihrem Roman mit den beiden Mädchen als Protagonisten vorstellte und zu ihrer Schande musste sie auch feststellen, dass ihre Fantasie auch ihre Teilnahme an den Aktivitäten nicht ausschloss.
Sie betete stumm zu allen ihren Schutzgöttinnen, das keines der beiden anderen Mädchen ihre Gedanken erraten konnte und fuhr zusammen, als Tessa sie wissend anlächelte, während sie sich erneut dem anderen Mädchen zuwandte.
Alise wusste nicht, ob sie sich das herausfordernde Lächeln zu dem durchschauenden Blick nur eingebildet hatte, wurde aber trotzdem prophylaktisch erneut rot im Gesicht.

Wie heißt Du eigentlich?“, fragte Tessa das Mädchen.
Ileana“, antwortete das Mädchen, „die Kurzform ist einfach Lilly.
Interessanter Name“, merkte Tessa an.
Ileana ist die rumänische Verschleifung des griechischen Namens Helena, der als weibliche Form auf den Götternamen Helios zurückging und somit die „Stahlende“ oder die „Schöne“ bedeutete“, erklärte Alise im völligen Automatikmodus ihres Verstandes.
Wobei die Kurzform Lilly meist fälschlicherweise entweder der Lilie als Blume oder der mystischen Gestalt der Lilith zugeschrieben wird…
Alles sehr richtig“, unterbrach Tessa sanft das drohende Referat über die Bedeutung von Vornamen.
Lasst uns unserer Aufgabe nachgehen.
Lilly zog bereitwillig ihren Schlüsselbund hervor und schloss die mittlerweile wieder zugefallene Tür auf.

Ohne zu zögern drückte Lilly den Lichtschalter im Flur und gemeinsam gingen sie auf die erste der beiden Abzweigungen zu, in der sich die Türen zu zwei der Umkleideräume gegenüber lagen.
Da sich jeweils zwei der Umkleiden eine Duscheinheit teilten, hatte die Schule der Einfachheit halber beschlossen, die ersten beiden Umkleiden für Mädchen zu reservieren und die hinteren beiden Räume für die Herren der Schöpfung, die leider viel zu selten eine eigene Dusche brauchten.
Lilly schloss einen der beiden Umkleideräume auf und die Mädchen betraten den dunklen Raum. Der Umkleideraum sah wie dutzende Umkleideräume in allen möglichen Schulen aus, war aber auch nicht das Hauptziel der drei nächtlichen Besucherinnen.
Sie betraten den Nassbereich zwischen den beiden Umkleiden und sahen sich gründlich in dem Duschraum um.

Alise zeigte auf einen vergitterten Lüftungsschacht. Die beiden anderen Mädchen kamen zu ihr und betrachteten das Gitter genauer. Zwischen mehreren der freien Felder des dicken Drahtgitters, waren kleine schwarze Punkte befestigt, die sich bei genauerem Hinsehen als kleine Kameralinsen entpuppten, wie sie bei Endoskopen benutzt wurden. Insgesamt Fünf dieser mechanischen Augen waren taktisch günstig angebracht.
Alise zückte ihr Taschenmesser und auch Tessa zog eine schlanke Schnappklinge hervor und in kurzer Zeit hatten sie die Schrauben des Gitters gelöst und hoben es vorsichtig aus seinem Rahmen.
Tatsächlich hingen die biegsamen Leitungsstränge der Endoskope wie Tentakel an dem Gitter und Lilly griff mutig zu.
Sie zog einen schwarzen Plastikkasten aus dem Lüftungsschacht. An dem einen Ende waren die Endoskope befestigt, am anderen Ende hing ein Stromkabel. Sie zog behutsam den Stecker, während Tessa und Alise die Kameraköpfe von dem Gitter entfernten.

Während sie das Gitter wieder anschraubten, diskutierten sie heiß darüber, wie es Marc-André geschafft hatte, ein Stromkabel in die Lüftungsschächte zu bekommen.
Neugierig nahmen sie den Plastikkasten mit in die Umkleide, um sich dort auf die Bänke zu setzen und das Fundstück näher in Augenschein zu nehmen. Tessa bewunderte fast das kleine technische Meisterwerk.
Die Kameras waren an einen USB-Port angeschlossen und eine kleine Platine verband eine Grafikkarte mit dem USB-Port, einer Festplatte und einem W-LAN-Modul. Eines der fünf Endoskope war zusätzlich mit einem Lichtmesser verbunden, der ebenfalls an der Platine angedockt war. Im Prinzip sorgte dieses kleine Gerät dafür, dass wenn das Licht in dem fensterlosem Duschraum eingeschaltet wurde, die fünf Kameras aufnahmen machten und auf der Festplatte speicherten, von der sie wiederum durch ein passendes WiFi-Signal abgerufen werden konnten. Das Signal war zwar nicht stark genug, um durch die Mauern des Gebäudes zu dringen, aber ein entsprechendes Aufnahmegerät in einer der Umkleidekabinen konnte während einer Sportstunde wahrscheinlich ganz bequem den Speicher des Gerätes „abernten“.
Aus den verschiedenen Daten konnten dann nach belieben Einzelbilder extrahiert oder kleine Filme zusammen geschnitten werden, ganz nach Belieben des perversen Spannerherzens.
Die Endprodukte hatten Tessa und Alise bereits in Augenschein genommen und sie beschlossen, das Gerät mitzunehmen, um sämtliche Speicher säuberlichst zu reinigen und es dann bei passender Gelegenheit Marc-André zu präsentieren.

Leise wie sie gekommen waren, verließen sie das Gebäude wieder und Lilly schloss alles gewissenhaft hinter sich zu.
Sie begleitete die beiden Mädchen zum Hintertor der Schule, welches ihr magischer Schlüssel ebenfalls zuverlässig öffnete.
Alise bemerkte einen leicht traurigen Ausdruck in Lillys Augen, als sie sich verabschiedeten und fragte kess, mit wem sie morgen zum Schützenfest gehen würde. Überrascht gestand Lilly, dass ihr das morgige Fest gar nicht bewusst war.
Gut“, beschloss Alise laut, „dann holen wir Dich gegen Mittag hier am hinteren Tor ab. Sagen wir um halb eins?
Lilly nickte überrumpelt.
Gute Idee“, stimmte Tessa ein, „schließlich schulden wir Dir ja noch etwas.“
Alise stellte beruhigt fest, dass sie bei dieser Anspielung nicht die einzige war, deren Gesichtsfarbe an Röte zunahm. Die beiden Mädchen verabschiedeten sich mit jeweils einer kurzen Umarmung von Lilly und verschwanden in der dunklen Gasse hinter der Schule.

Eine ganze Zeitlang ging Alise schweigend neben Tessa her.
Als sie vor der alten Schmiede standen, blickte sie Tessa ernsthaft an.
„Was ist los?“, fragte Tessa.
Würdest Du...“, begann Alise, doch bevor sie ihren heimlichen Wunsch aussprechen konnte, zog Tessa sie sanft an sich und verschloss ihre Lippen mit einem aufregend zarten Kuss, der sich langsam in einen intensiven, hitzigen Zungenkuss wandelte.
Alise erkundete neugierig die unbekannten Wonnen des Zungenpiercings und des geschickten und doch so unendlich zarten Kusses der schönen Asiatin.
Nach einer geraumen Zeit löste Tessa den Kuss und nahm Alise sanft in den Arm.
Gute Nacht“, flüsterte sie mit ihrer aufregend rauchigen Stimme in Alises Ohr, bevor sie ihr noch einen kleinen Kuss gab, sich umwand und in der Dunkelheit verschwand.
Na toll“, sagte Alise zu sich selber, als sie die Haustür aufschloss.
Muss dieses Pubertätszeug so unheimlich kompliziert sein?“, setzte sie nach, während sie erneut mit weichen Beinen und kribbelnden Lippen die Treppe zu ihrem Zimmer hinaufstieg.
Tief in ihrem Inneren wusste sie, das ein weiterer spannender Teil ihrer Nacht sich nach dem Einschlafen abspielen würde und heimlich freute sie sich auf die Träume, die sie erwarteten.

Das Schützenfest wirft seinen Schatten auf den nächsten Teil, der bald folgt…

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