SoKo Sommerloch – Teil 6

Es war bereits tief in der Nacht, als die drei Jungen müde und abgekämpft von ihrer Mission zurückkehrten. Leise betraten sie das Wohnhaus des Sonnenbergerhofes und schlichen sich die Treppe hinauf.
Während Sunny und Paddy erschöpft und verdreckt vor sich hin schlichen, brannte aus Teddys Augen noch immer das Feuer der Enttäuschung.
Allesamt waren sie großzügig verdreckt und mit diversen Striemen, Kratzwunden und auch blauen Flecken ausgestattet, die die Folge ihrer wilden Jagd durch den verwilderten Lerchenhain waren, der sich seitlich an das Gestüt der Zapfenstreichs anschloss.
Während allerdings Paddy und Sunny sich auf dem Rückweg in Enttäuschung und Selbstmitleid badeten, war Teddy nur umso entschlossener. Zum zweiten Mal war ihm der dunkle Schatten, hinter dessen dunklem Kapuzenshirt er Marc-André vermutete, entkommen. Ein drittes Mal würde er es ihm nicht so leicht machen.
Noch immer fragte er sich, wie ihr Plan hatte schiefgehen können.

Als er den Schatten durch das Gebüsch vor Benediktinas Schlafzimmerfenster hatte schleichen sehen, war er leise näher geschlichen.
In der fahlen Dunkelheit der Nacht konnte er zwar deutlich erkennen, dass der nächtliche Spanner in Größe und Statur seiner nächtlichen Begegnung in der Scheune entsprach und auch das Bewegungsmuster wirkte annähernd vertraut, aber er hatte nichts entdecken können, das ihm mehr über die Identität des geheimnisvollen Schleichers hätte verraten können.
Leise flüsterte er eine Warnung in sein Funkgerät und versuchte, den anderen die Position zu verdeutlichen.
Paddy meldete ihm, dass er sich über die hintere Seite nähern würde, da die Gestalt außerhalb seiner Sichtlinie war und Sunny meldete nach der dritten Ansprache zurück, dass er ebenfalls auf dem Weg war und dem Verdächtigen den Weg über den Garten abschneiden würde.
Zwar wunderte sich Teddy, was genau Sunnys Aufmerksamkeit abgelenkt hatte, aber in diesem Moment gab es dringlichere Aufgaben.
Er beobachtete, wie der Vermummte erst vor den Beeten niederkniete, die das Haus an dieser Seite vom Garten trennten, um dann einige Schritte zurückzutreten.

Teddy bemerkte, wie oben ein Licht anging und im Schein des erleuchteten Fensters konnte er deutlich ausmachen, dass die vermummte Gestalt ihre Hand erhoben hatte, sehr offensichtlich, um etwas in Richtung des erhellten Fensters zu schleudern.
Sofort ging Teddy zum Angriff über, bevor die Situation eskalieren konnte.
Als er aus dem Gebüsch sprang, drehte sich die Gestalt erschreckt um und warf sein Wurfgeschoss in Teddys Richtung. Geschickt duckte sich dieser vor dem, was immer die dunkle Gestalt durch die Luft sausen ließ.
Leider gab dieses Ausweichen dem Werfer die nötige Zeit, los zu sprinten.
Teddy sah, wie er sich durch den Garten entfernte und folgte ohne zu zögern.

Die Gestalt schlug einen Haken, als Sunny aus den Rhododendren stürmte und sprang über das kleine Mäuerchen, welches den Garten vom anliegenden Obstgarten trennte.
Im Sternenlicht sah Teddy genau, dass Sunny dem Flüchtenden hinterher hechtete und er bemerkte, dass sich Paddy von einer anderen Seite über die Mauer des Obstgartens schwang. Er wechselte seine Richtung, um dem Flüchtenden den Weg zu den Stallungen zu versperren.
Als er hinter dem Misthaufen einbog, sah er, wie der Kapuzenkerl gerade über die alte Mauer stieg, die den gepflegten Obstgarten der Zapfenstreichs von dem wilden Grün des Lerchenhains trennte.
Schnell kletterte er über eine Mauer und rannte schräg über eine Weide, um sich auf Höhe des Obstgartens in das dichte Dickicht des Haines zu drängen.
Die schmalen Birken, die mittlerweile den größten Teil des wildwuchernden Baumbestandes eines ehemalig gepflegten Haines darstellten, leuchteten in unheimlichem Licht und Teddy drückte sich im fahlen Schein der gespenstischen Bäume durch das unwirtliche Unterholz aus Farnen, Brenneseln und verwildertem Dornengebüsch.
Er versuchte zu lauschen, doch konnte er die Geräusche der anderen beiden Verfolger nicht von den Schritten des Flüchtlings unterscheiden. Er duckte sich kurz ins Gebüsch und griff nach dem Funkgerät. Den Kopfhörer hatte er bei der wilden Jagd verloren. Er überlegte kurz und schob es zurück in den Gürtel.
Schnell entschied er sich für ein taktisches Vorgehen und versuchte als erstes, seine Position zu ermitteln, dann folgte er dem logischen Weg, der den Flüchtling aus dieser grünen Hölle in das sichere Gefilde des Freudentaler Stadtrandes bringen würde. Aus der Erinnerung wusste er, dass ein Teil des Lerchenhains an den Spielplatz des sogenannten Neubaugebietes des Freudentaler Südens grenzte.
Mittlerweile hatte er erfahren, dass Marc-André in dem in den 70er Jahren entstanden Stadtteil zuhause war.
Zufällig in der Nähe des Spielplatzes. Stimmte seine Vermutung, wäre das ein logisches Ziel für den Kapuzenkerl.
Er flitzte los.

Ein alter Graben trennte den Hain vom Stadtgebiet und Teddy hielt darauf zu. Sein Plan war es, dem Wasserlauf in dem kleinen Graben zu folgen, um auf Höhe des Spielplatzes auf seine Beute zu stoßen.
Als er aus dem letzten Dornengebüsch trat und vor sich bereits die Büsche eines gepflegten Garten sah, rutschte er den steilen, kurzen Abhang in den Graben hinunter. Er konnte sich einigermaßen stabilisieren und fand sein Gleichgewicht wieder, allerdings stand er da schon mit einem Fuß in dem brackigen Wasser, dass durch den Graben floss.
Üppiges Grün an beiden Seiten des Grabens behinderte ein wenig seine Sicht, verdeckte ihn aber auch vor seiner Jagdbeute. Er löste seinen zweiten Fuß von dem etwa mannshohen Abhang und spurtete so leise wie Möglich durch den Graben. Obwohl das eklige Wasser nur Knöchelhoch war, stank es mindestens bis zum Himmel und Teddy fluchte leise vor sich hin, während er versuchte, nicht auf dem nassen Untergrund ins rutschen zu kommen und sich doch so schnell wie möglich in Richtung des Spielplatzes zu bewegen.

Er sah schon die dunklen Silhouetten der Spielgeräte, als er plötzlich ein Geräusch aus dem Hain hörte. Es war nur ein leises Knacken eines Astes, den ein ungeübter Schleicher zertreten hatte. Das Geräusch reichte ihm als Warnung und als ein hinterhältiger Angriff aus dem Gebüsch erfolgte, fand sein Angreifer einen gut vorbereiteten Schüler der Budo-Künste.
Obwohl er die Bewegungen schon viele Male geübt hatte, bis sie ihm in Fleisch und Blut übergegangen waren, gab es zwei Aspekte, die die perfekte Ästhetik seines Konterangriffs störten. Zum einen hatte er sich nie darauf vorbereitet, einem Angreifer aus solch einem Winkel entgegen treten zu müssen und seine normalen Gegner im Training führten auch keine unkalkulierbaren Stolperangriffe auf glitschigem Untergrund aus.
Während er den Angreifer also mit einem geübten Schulterwurf zu Boden brachte, verlor er selber die Balance und ging mit dem wilden Angreifer zu Boden. Keuchend und stöhnend versuchte er, genauso wie sein Angreifer, in der klammen Brühe des Baches die Oberhand zu gewinnen. Der Angreifer war stärker und gewandter als er es von Marc-André vermutete.
Als plötzlich ein Licht aufflammte, erkannte er, dass es auch nicht Marc-André war, sondern er sich mit Paddy in der ekelhaften Brühe gewälzt hatte.
Dieser blickte gerade ebenso erstaunt zwischen ihm und Sunny, der mit einer Taschenlampe oberhalb des Grabens stand, hin und her. Teddy stand auf und hielt Paddy seine Hand entgegen, um ihn ebenfalls auf die Beine zu ziehen. Ein kurzer Blick reichte als Entschuldigung aus, waren doch beide Freunde dem selben Irrtum unterlegen.

Gemeinsam gingen sie im Schein von Sunnys Taschenlampe zu dem Spielplatz, doch auch während sie erschöpft eine gute halbe Stunde auf der Bank sitzenderweise warteten, geschah rein gar nichts auf dem einsamen dunklen Spielplatz.
Resigniert entschieden sie, den Heimweg anzutreten. Grummelnd, aber schweigend, stampften sie zurück nach Hause und Teddy war in mehr als einer Hinsicht stinkig.
Auf dem Hof angekommen schnappten sie sich den Gartenschlauch, um sich gegenseitig abzuspritzen. Da zwei von ihnen bereits durch das Schlammringen durchweicht waren, machte es die Lage auch nicht schlimmer.
Sie wollten auf keinen Fall die stinkenden Klamotten in diesem Zustand ins Haus bringen. Während Teddy die drei nassen Schuhpaare mit Zeitungspapier ausstopfte und sie zum Trocknen und auch Auslüften neben den Hintereingang des Wohnhauses stellte, holte Sunny drei Trainingshosen aus dem Haus. Sie entleerten ihre Taschen und warfen ihre nassen und dreckigen Klamotten in den Wäschekorb, den Sunny ebenfalls mitgebracht hatte und zogen die Trainingshosen über.
Sunny brachte die Schmutzwäsche sofort in den Waschkeller, um die Waschmaschinen zu füttern, während Teddy das Nachtsichtgerät und die Funkgeräte trocken reinigte, um sie wieder im Keller zu verstauen. Inzwischen befreite Paddy den Rest ihrer Ausrüstung von dem nassen Dreck, der seinen Weg in alle Winkel ihrer Ausstattung gefunden hatte.
Zum Glück waren sie nur mit dem Notwendigsten losgezogen.

Als sie endlich in der gemütlichen Ruhe ihres Zimmers angekommen waren, stellte Sunny fachkundig fest, dass seine beiden Gäste doch enorm müffelten. Deswegen, aber auch wegen der zahlreichen Kratzwunden, die ein Souvenir der Dornenbüsche waren, schien es jedem der Drei unumgänglich, einen Abstecher unter die Dusche zu machen.
Teddy benutzte das Badezimmer als letzter und entspannte sich unter dem warmen Wasserstrahl der Dusche. Gründlich reinigte er sich von oben bis unten und wusch besonders alle Kratzer und Abschürfungen aus, um eine Infektion zu vermeiden. Auch seine Haare wusch er gründlich aus. Als er vor dem beschlagenen Spiegel stand, beschloss er, sich die Haare für diese Nacht zu einem Zopf zu flechten. Das würde das Trocknen zwar verlangsamen, aber er wollte jetzt nicht mehr seine Haare föhnen und ebenfalls war ihm nicht danach, morgen total zerzaust zu sein.
Er schlang eines der weichen Badetücher um seine nackte Hüfte und ging in ihr gemeinsames Zimmer.

Paddy lag bäuchlings auf dem Bett, hatte Teddys Decke, die noch von gestern Nacht dort lag, um seine Beine geschlungen und hatte sein Gesicht auf einem der Kissen abgelegt. Sunny kniete neben ihm in der Mitte des Bettes und hatte seine Decke, wie gewohnt, um seine Hüfte geschlungen. Er war Paddy zugewandt und schien gerade etwas auf dessen Rücken einzumassieren.
Teddy roch den typischen Geruch von Oma Irmelberts guter Kräuterpaste, auf die auch Sunny zu jeder Gelegenheit zurück griff.
Unwillkürlich musste Teddy lächeln. Er setzte sich auf Sunny Bettseite, lächelte ihm zu und strich ihm kurz sanft über den Rücken.
Spielst Du Krankenschwester?
Es soll sich doch nichts entzünden“, entgegnete Sunny mit sanfter Stimme, während er weiter die mentholhaltige Salbe einrieb.
Teddy bemerkte, wie Paddy jedes mal leicht zuckte, wenn die Hände mit der Paste zart über eine Schürfwunde oder einen Kratzer strichen, sich seine Muskeln aber gleich wieder entspannten, während Sunny liebevoll massierte.
Soll ich Dich auch gleich einreiben?“ fragte Sunny und blickte über seine Schultern zu Teddy.
Und wer massiert Dich?“ fragte Teddy sanft zurück.
Na Du, hoffe ich.
So, hoffst Du?“, neckte Teddy, während er spielerisch über Sunnys Rücken strich.
Oh ja, bitte“, flüsterte Sunny und setzte seinen süßesten Blick auf.
Teddy lachte leicht, denn er ahnte, dass Sunny genau wusste, dass er diesem opalen Schmachtblick nicht widerstehen konnte.
Na, dann mach Dich gleich mal lang, denn wenn ich gleich Oma Irmelberts Spezialsalbe auf meinem Körper habe, werde ich wahrscheinlich in ein Erschöpfungskoma fallen“, drohte Teddy mit zartem, aber auch zynischem Unterton in seiner Stimme.

Sunny nickte. Nachdem er seine Massage beendet hatte, drehte er sich auf seine Bettseite. Teddy folgte mit seinem Körper der Bewegung, um sich aus der Drehung gewandt in eine kniende Position in der Bettmitte zu positionieren.
Teddy glitt wie von selbst in die klassische japanische Sitzhaltung, während sich Sunny vor ihm ausbreitete. Er nahm das Einweckglas mit der selbstgemachten Wundersalbe, welches noch auf der schmalen Ablage hinter dem Bett stand.
Bevor er seine Finger eintauchte, strich er prüfend über Sunnys Körper. Er schloss seine Augen und versuchte, sich völlig auf Sunny einzustimmen. Er fühlte sich in die kleinen Verletzungen und Verspannungen.
Entschlossen drückte er sanft, aber bestimmt, einige Akkupressurpunkte und spürte, wie sich ein Teil der körperlichen Anspannung löste. Dann nahm er ein wenig Salbe und fing an, Sunnys Muskeln mit sanften und geübten Bewegungen seiner feingliedrigen Finger zu entspannen.
Er strich sanft, fast ein wenig grausam, aber doch unendlich zart, über Sunnys offene Kratzer und spürte das leichte Zucken, gefolgt von der Entspannung, die dem kurzen Brennen folgte.
Er lächelte leicht, als er bemerkte, dass Sunny unter seinen entspannenden Zuwendungen fast in einen Schlaf glitt. Es machte ihm nichts aus, selber auf die versprochene Massage zu verzichten, denn Sunnys Entspannung war ihm Lohn genug.

Als er das Einweckglas wieder zur Seite stellte, drehte sich Sunny zu ihm um und schnurrte zufrieden, wie es Teddy sonst nur von Krapfen kannte.
Mach Dich lang, Du bist dran“, sagte Sunny sanft und blickte ihn mit diesem entspannten und verträumten Blick an.
Soll ich Dir Platz machen und mich auf die Couch verziehen?“, fragte Paddy gähnend.
Teddy stellte fest, dass sie vergessen hatten, Paddy eine Bettstätte vorzubereiten.
Lass gut sein“, antwortete er und zog die verknäuelte Tagesdecke vom Bettende heran.
Er legte sich in die Mitte zwischen die beiden Jungen, zog die Decke halb über seinen Körper und warf das Handtuch in Richtung des Badezimmers.
Als er es sich gemütlich gemacht hatte, fing Sunny sanft an, ihn mit der Salbe einzureiben und seinen geschundenen Körper zu massieren. Voller wohliger Entspannung genoss Teddy jede Berührung seines blonden Engels. Das zarte Streicheln vertrieb auf angenehme Art die schlechte Laune, die der Abend hatte entstehen lassen.
Er bemerkte, wie sich Paddy auf den Rücken drehte und hörte mit halbem Ohr zu, wie sich die beiden Jungen unterhielten. Teddy war gerade nicht danach, der Unterhaltung zu folgen sondern gab sich der Entspannung hin.

Fortsetzung folgt…

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