Sunny und Teddy – Das Leben ist (k)ein Ponyschlecken Teil 4

Es war ein strahlender Morgen auf dem Sonnenbergerhof.
Sunny saß am offenen Fenster, bürstete seine langen blonden Locken und blickte leicht verträumt herunter in den Garten. Zwischen den alten Apfelbäumen absolvierte Teddy, nur in eine leichte schwarze Trainingshose gekleidet, gerade seine morgendlichen Kampfkunstübungen.
Schweiß glänzte auf seiner weißen Haut und Sunny genoss das Spiel der athletischen Muskeln, die in der Sonne glänzten. Ihm war bewusst, dass es Teddy gar nicht schätzte, wenn man ihm bei der Beschäftigung mit seiner Kata (In der Bewegungsabfolge festgelegte Kampfkunstübungen) zusah, doch Sunny konnte einfach nicht widerstehen.

Nach den vor-abendlichen Aufregungen um die Geburt eines neuen Fohlens, hatten sie beide erstaunlich gut geschlafen.
Wie schon so oft, war Teddy einfach in Sunnys großem Bett weggeträumt und so hatten Beide die Nacht gemeinsam verbracht.
Sunny war zufrieden, denn das ganze Schuljahr über hatte er sich darauf gefreut, morgens wieder neben seinem bestem Freund aufzuwachen und den Tag mit einem dieser niedlich-verschlafenen Blicke aus Teddys sonst so ernsthaften Augen zu beginnen.

Nun gingen beide ihrer Morgenroutine nach, was Sunny Zeit gab, sich mit seinen eigenen Gedanken zu beschäftigen.
Heimlich fragte er sich, ob Teddy bei seinen konzentrierten und elegant-perfekten, fast tänzerischen Bewegungen auch in seine Gedanken versank, oder tatsächlich so konzentriert war, wie seine Bewegungen erahnen ließen.
Er freute sich schon auf das Videomaterial, das Teddy mitgebracht hatte. Neben den asiatischen Kampfkünsten und dem klassischen Fechten übte sich Teddy schon seit frühester Kindheit im Ballett und hatte im letzten Schuljahr einige Auftritte getanzt.
Mehrere Ballettschulen konkurrierten um Teddys Aufnahme, doch dieser wollte sich nicht auf einer spezialisierten Schule einschreiben.
Er hatte Sunny einmal erklärt, dass er fürchtete, dann den Spaß an seinem Hobby zu verlieren.

In den letzten Sommerferien hatte Teddy Sunny Tanzstunden gegeben, da Sunny sich auf die Abschlussprüfung der örtlichen Tanzschule vorbereitete und er hatte aufgrund von Teddys Erfahrung ihre gemeinsamen Übungsstunden sehr genossen. Tatsächlich hatte er sich sogar extra vor einigen Wochen für einen Aufbaukurs in lateinamerikanischen Tänzen angemeldet und hoffte, dass Teddy ihm auch daran die unbändige Freude zu vermitteln wissen würde, die Teddy jedes mal beim Tanzen auf attraktive Weise ausstrahlte.
Auch auf das gemeinsame Fechten freute er sich ungemein. Während Teddy einen klassischen spanischen Stil focht, war Sunnys Fechtlehrer auch angesehenes Mitglied des Freudentaler Mittelaltervereins, dem Sunny ebenfalls angehörte.
Gemeinsam fochten sie nach den Techniken aus den überlieferten Waffenhandbüchern des Mittelalters. Heimlich freute sich Sunny schon auf die Vorbereitungstreffen des Vereins, denn dieses Jahr würde es, aufgrund der 1.000 Jahr-Feier des Freudentaler Stadtrechtes, ein besonders prächtiges Mittelalterfest geben und Sunny war fest in mehreren Funktionen eingeplant, genauso wie Teddy, der davon allerdings noch nichts wusste.

Die gesamte Freudentaler Ritterschaft hatte ihre Pferde auf dem Sonnenbergerhof eingestellt. Seine Mutter Emilia hatte, wie jedes Jahr, erlaubt, dass der Verein auf der bereits abgeweideten Ostwiese für die Ritterspiele trainieren durfte.
Dieses Jahr würde sich Sunny an den Turnierspielen beteiligen und es war geplant, dass er im Rahmen des Reenactments dieses Jahr, bei einem Verwandten seines Fechtlehrers, der die Rolle eines edlen Ritters darstellte, als Knappe aufgenommen werden sollte.
Besonders wichtig war ihm dies auch, da sein Fechtlehrer, der örtliche Dorfschmied, daher zu Mittelalterfesten stets gut beschäftigt, darüber hinaus der Vater seiner heimlichen Liebe war.
Sunny seufzte, doch dann erinnerte er sich wieder an all die tollen Abenteuer, die auf Teddy und ihn warteten.

Er freute sich auf das mittelalterliche Stadtfest, die Western-Festspiele, das Open-Air-Konzert und all die anderen vielen Aktivitäten, die der Freudentaler Veranstaltungskalender so hergab.
Das erinnerte ihn sogleich an das Sommeranfangskonzert der Freudentaler Musikschule, das in zwei Tagen stattfinden sollte. Er legte die Bürste zur Seite und ging zu der alten Kommode, die schon seit mehr als 200 Jahren im Familienbesitz war. Er öffnete den darauf stehenden Holzkasten und streichelte zart über das dunkle glänzende Holz seiner Violine, die dort auf Samt ruhte.
Es war Zeit sich vorzubereiten.

Der Wind strich sanft durch die Äste der knotigen alten Apfelbäume, deren grüne Blätter leise rauschten. Ätherisch drangen einige Sonnenstrahlen durch das dichte Blätterwerk und erzeugten ein feenhaft mystisches Licht in dem morgendlichen Gartenhain.
Teddy sog tief die frische Morgenluft in seine Lungen. Er spürte wie die Energie des mystischen Kis in jeden Muskel seines Körpers drang.
Auch wenn er an diesem Ort den weisen alten japanischen Sensei Hattori vermisste, genoss er das Training in diesem natürlichen Schrein in allen Zügen.

Dank seines Stiefvaters war er in den Genuss gekommen, die Künste des Budos bei seinem Stief-Großonkel, dem bekannten Sensei Hattori Hanzo, zu erlernen. Sein Stiefvater war zwar eher Geschäftsmann, als den ehrwürdigen Künsten der Familie Hattori zugewandt, begrüßte es aber dennoch, dass sein Adoptivsohn Michael, der von den japanischen Verwandten gerne spöttisch Miko (japanisch für eine junge Dienerin eines Tempelschreins) genannt wurde – aber da dieses im Indianischen auch die Bezeichnung für einen Friedenshäuptling war, belächelte Teddy diesen kleine Familienscherz – den Wunsch hatte, alles über die Kultur seines neuen Vaters zu lernen und unterstützte nach bestem Wissen den Willen des jungen Knaben.
Teddys Mutter war froh, dass ihr Sohn den tragischen Verlust seines leiblichen Vaters so gut mit der liebevollen Beziehung zu seinem neuen Vater kompensieren konnte.

Seit nunmehr vier Jahren, in denen seine Mutter als Botschafterin in Tokio arbeitete und Teddy auf dem angesehenen Eliteinternat Burg Hopfenstreusel untergebracht war, gab es wenige Verwandte, mit denen er nicht nur über Skype kommunizierte. Nur sein Großonkel, der in der nahegelegenen Stadt ein gut laufendes Sushi-Restaurant führte und seine Tante, die gemeinsam mit ihrem Ehemann in der selben Stadt ein Tattoo-Studio betrieb und klassische japanische Tätowierungen anfertigte, lebten in erreichbarer Umgebung.
Abgesehen natürlich von seiner Tante Emilia, der Schwester seiner Mutter, die er seit vier Jahren in den Sommerferien besuchen durfte.

Zuerst war es ihm komisch vorgekommen, mitten in die Provinz zu fremden Verwandten zu fahren, um dort den Sommer zu verbringen. Dass er sich dann auch noch sein Zimmer mit seinem gleichaltrigen Cousin Sunny teilen sollte, war für den zwölfjährigen Teddy eine grauenhafte Vorstellung, doch nach den ersten gemeinsamen Ferienabenteuern, war aus der anfänglich zögerlichen Berührung eine Freundschaft erwachsen, wie sie Teddy noch nie tiefer gespürt hatte.
Selbst als die ersten Pensionszimmer fertiggestellt waren, bestanden die beiden Freunde auf ihr gemeinsames Zimmer und Teddys Schlafcouch war ein fester Teil des Inventars von Sunnys Zimmer geworden.

Mit einer eleganten Bewegung beendete er seine kunstvolle Kata. Aus dem Augenwinkel sah er, dass Sunny ihn vom Fenster aus beobachtete. Teddy lächelte in sich hinein und sammelte wieder Konzentration.
Dann würde er Sunny mal demonstrieren, was er alles gelernt hatte.

Der Wanderer saß auf dem gemütlichen Holzstuhl in dem rustikalen, aber dennoch sehr schönen Zimmer der Pension.
Während er nachdenklich durch seinen langen, schon ergrauten Bart strich, beobachte er durch das Fenster den nahen Garten. Das hochmoderne Tablet auf seinem Schoss passte nicht wirklich zu seinem sonst eher bodenständigen Auftreten.
Er blickte nachdenklich über den Rand seiner Brille, dann glitt seine Aufmerksamkeit wieder auf den Text auf dem Tablet. Während sein hochmodernes Mobiltelefon das Geschehen zwischen den knorrigen Apfelbäumen präzise dokumentierte, machte er sich einige weitere Notizen und nickte zufrieden. Alles entwickelte sich wunderbar.

Fortsetzung folgt…

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