Wettkampf um die Heide – Teil 2

Es war früh am Morgen, als die Jungs gemeinsam loszogen. Sie hatten jede Menge Ausrüstung im Gepäck und fuhren auf ihren Fahrrädern durch die frische Morgenluft. Die Sonne war noch ein hoffnungsvoller roter Schimmer am Horizont, als die drei mit ihren vollbeladenen Fahrrädern am Treffpunkt ankamen, von dem aus sie mit den Mädchen zusammen zum Spielfeld für das Duell fahren wollten.
Tatsächlich warteten die drei hübschen Mädchen dort bereits mit ihren Fahrrädern, ebenfalls mit jeder Menge Ausrüstung beladen.
Teddy sah sich die Mädchen in der, in Waldfarben gemusterten, Tarnkleidung an und war erstaunt, was für eine gute Figur alle drei Mädchen darin machten. Genauso wie die Jungen trugen sie ihre schwarzen Kampfstiefel, die neuen Tarnhosen und entsprechende Tarnjacken und darüber die Olivgrünen Protektoren, die ihnen freundlicherweise ausgeliehen worden waren.

Als sie gestern Abend mit Einkaufstaschen beladen aus der Stadt zurückkamen, hatte Lilly einen Anruf bekommen und den Besitzer der Ausrüstung, natürlich mit Sunnys Erlaubnis, zum Sonnenbergerhof gelotst. Alle waren relativ überrascht, als ein großer amerikanischer Geländewagen in Tarnfarben mit Firmenlogo auf dem Hof eintraf.
Lilly begrüßte den jungen muskulösen Mann in Freizeitklamotten, der aus dem schweren Gefährt ausstieg, überschwänglich, indem sie ihm um den Hals fiel.
Zwar war Teddy genauso neugierig, wie der Rest der kleinen Truppe, wie er jedem Einzelnen deutlich ansah, aber trotzdem ließen sie Lilly Zeit, den Fremden in Ruhe zu begrüßen. Die gemeinschaftliche Geduld wurde dann auch mit einer Vorstellung, samt freundlicher Begrüßung, bei der der sympathisch wirkende Mann jedem der Anwesenden höflich die Hand gab, belohnt.
Es handelte sich um Lillys älteren Halbbruder Marc, der bereit war der kleinen Gruppe einen Teil seiner Ausrüstung zu leihen und er hatte sogar noch etwas weitere Ausrüstung aus dem Bestand eines Vereines, in dem er Mitglied war, mitgebracht.
Zum Glück hatte er gerade ein paar Tage frei, so dass er, nachdem er Lillys Anruf erhalten hatte, zum Vereinsgelände gefahren war und alles Nötige organisiert hatte. Nachdem sein Wagen beladen war, fuhr er dann mal eben die 250 Kilometer lange Strecke von seinem Wohnort bis hierher, um seine kleine „Lieblingsschwester“, wie er Lilly bezeichnete, zu unterstützen. Er hatte sich vorgenommen, hier vor Ort drei Nächte zu bleiben, um dann übermorgen einen Tag mit seiner Halbschwester zu verbringen und am nächsten Tag mit der Ausrüstung wieder nach Hause zu fahren.
Teddy schüttelte leicht lächelnd seinen Kopf, als Sunny gleich los stiefelte, um eine Unterkunft in der Pension zu organisieren. Natürlich wurde er eingeladen, um wenigstens einen Teil seiner Umstände, die er sich machte, zu kompensieren.

Nachdem er sein „Quartier“ bezogen hatte, wie er sich ausdrückte, präsentierte er der Truppe die Ausrüstung, passte die Schutzbekleidung für jeden an und erklärte ihnen den Umgang mit den Paintball-Waffen. Fast zwei Stunden übte er mit der kleinen Truppe und verriet ihnen Tipps, Tricks und Techniken für eine erfolgreiche Schlacht.
Sie konnten ihn auch ausführlich über strategische Ratschläge für den morgigen Tag ausfragen und geduldig erklärte Marc ihnen, wie sie es schaffen könnten, die Vorteile des Geländes auszunutzen.
Als sie sich am Abend trennten, fühlte Teddy sich ausgezeichnet vorbereitet und sah auch Zuversicht auf den Gesichtern der restlichen Truppe.

Nachdem sich alle ausgiebig begrüßt hatten, radelten sie zu sechst weiter zu der verabredeten Stelle und waren auch eine gute Viertelstunde vor dem verabredeten Termin an dem Ort, der ihnen als ihr „Hauptquartier“ angewiesen wurde.
Das Haupttor des ehemaligen Kasernengeländes hatten sie unverschlossen vorgefunden und es einfach betreten.
An dem markierten Ort auf ihrer Karte fanden sie eine Nachricht und genügend Platz, um ihre Fahrräder abzustellen und in einem der ehemaligen Kasernengebäuden, die jetzt leer und verlassen vor sich hin vergammelten, ihre Ausrüstung zu verstauen. Sie sahen sich kurz um und stellten erstaunt fest, dass der Wasserhahn noch Wasser hergab und auch die Toiletten in dem Gebäude noch funktionierten. Außerdem gab es drei Klapptische und einige Klappstühle, die hier gelagert waren.
Aus der Nachricht erfuhren sie, dass sich zur Startzeit die Schiedsrichterin auf den Weg machen würde, um sich ein gemütliches Versteck zu suchen und dann mit Hilfe einer dieser lauten Signalhupen, die auch gerne bei Fußballspielen genutzt werden, den Start des Spieles zu verkünden. Solange bis das Signal erschallte, sollte alle Spieler in den neutralen Zonen rund um ihr Hauptquartier warten.

Teddy legte in Ruhe seine Ausrüstung an und half dann den Anderen bei ihrer Ausrüstung. Lilly und Tessa übernahmen es, die einzelnen Mitglieder mit den Tarnfarben, die sie gekauft hatten, zu „schminken“, so dass keine Hautstelle über blieb, die ihre Tarnung hätte stören können. Währenddessen checkte Paddy, der ein wenig technisches Know-how hatte, die Funkgeräte und die GPS- Empfänger, die ihnen Marc geliehen hatte und rüstete jeden damit aus. Sie hatten sowohl Kopfhörer, als auch sogenannte „Kehlkopfmikrophone“, wie sie professionelle Kampfeinheiten benutzten.
Als alle ausgerüstet und bereit waren, hörten sie auch schon das laute Tröten der Signalhupe über das Gelände schallen.

Sie teilten sich in die drei kleinen Einsatzgruppen auf, die sie gestern bestimmt hatten, wie Marc es ihnen empfohlen hatte. So würden sie nicht alle gleichzeitig in eine Falle geraten und könnten feindliche Truppen in die Zange nehmen.
Wie sie es besprochen hatten, „fächerten“ sie sich auf, um sich den Ort, beziehungsweise der Richtung, aus der sie das Signal gehört hatten, von verschiedenen Seiten zu nähern. Sie hatten den eindeutigen Nachteil, dass sie ihr Hauptquartier am unteren Teil des Geländes, welches sich dicht bewaldet die Hügelseite lang zog, hatten. Zusätzlich hatte ihr Feind sein Hauptquartier an einem der höchsten Stellen des ansteigenden Geländes bezogen, was ihm einen taktischen Vorteil gab.
Marc hatte ihnen erklärt, dass der Kampf gegen einen in erhöhter Position stehenden Gegner schwieriger war und ihnen einige Tricks verraten, wie sie diesen Nachteil ausgleichen konnten.

Teddy war mit Alise unterwegs, um sich in einem großen Bogen dem vermeintlichen Ort ihres Ziels zu nähern. Dank der GPS-Geräte konnten sie sehen, wo der Rest der Truppe war, denn speziell gekennzeichnete Punkte zeigten jeden einzelnen auf dem Display an. Das Kartenwerk auf den Geräten war ausgezeichnet und hatte ein militärisches Programm geladen, dass deutlich genauer als ein „ziviles“ GPS war.
Irgendwie war Marc auch an taktische Karten des Geländes gekommen. Scheinbar hatte er in dieser Hinsicht gute Beziehungen.
Leise marschierten Alise und Teddy durch das morgendlich verschlafene Gelände, immer aufmerksam nach möglichen Hinterhalten schauend.
Sie bewegten sich in einem eher langsamen Tempo. Marc hatte sie darauf hingewiesen, dass es wichtiger war, den Gegner zu umgehen, da es nicht wichtig war, sich in Kämpfe zu verstricken oder zuerst Benediktina, die er aus irgendeinem Grunde als den „McGuffin“ bezeichnete, was scheinbar nur Paddy und Alise zu verstehen schienen, zu „erobern“, denn wichtig war nur, wer sie zuletzt „besaß“. Daher riet er ihnen, ihre Taktik langsam und umsichtig aufzubauen, um im richtigen Moment zuzuschlagen.
Für Teddy klang das alles logisch und so hatte er vorgeschlagen, zusammen mit seinem Teampartner einen großen Bogen zu schlagen, um aus einer überraschenden Richtung aufzutauchen.
Während dessen bewegten sich Paddy und Tessa in einer anderen Bogenbewegung von einer anderen Seite an ihr Ziel heran, während Sunny und Lilly einen Hinterhalt vorbereiteten, um später den Rückzug ihrer Truppe zu sichern.

Es war für Teddy eine leichte Entscheidung, mit Alise loszuziehen, da er sich ungern von einem der anderen süßen Mädchen bei der Mission ablenken lassen wollte. Es war auch gut, dass Lilly, als ihre beste Schützin mit dem schlechtesten Schützen, nämlich Sunny in einer Gruppe war.

Kurz nach dem sie die Ruinen der ehemaligen Kasernengebäude verlassen hatten und über etwas wie eine ehemalige Hindernisbahn gegangen waren, kamen sie in das dichte Waldgelände, welches schon zu Zeiten der militärischen Nutzung des Geländes hemmungslos frei wuchern durfte.
Der neue Eigentümer hatte scheinbar noch nichts gegen den Umstand unternommen, so dass sich die Natur nicht nur die ehemaligen Pisten, mit dem Transportfahrzeuge durchs Gelände gefahren waren, soweit zurückgeholt hatten, dass man sie nur noch mit Mühe erahnen konnte, sondern sich auf dem gesamten Gelände eine Botanik entwickelt hatte, die Teddy als „mitteleuropäischen Regenwald“ bezeichnen würde. Das gesamte Unterholz war dicht und grün und bestand größtenteils aus Farngewächsen, die unter den dichten Blätterdächern des Mischwaldes wucherten.
Unweigerlich fühlte sich Teddy dank seiner Ausrüstung und Aufmachung wie in einen Kriegsfilm versetzt, der im Urwald von Vietnam spielt. Die Art, wie sich Alise daran hielt, sich immer schräg zu ihm zu bewegen, wie Marc es ihnen erklärt hatte, bekräftigte den Eindruck nur noch umso mehr.
Normalerweise war so etwas eher nicht Teddys Ding, aber er konnte sich des Gefühls nicht erwehren, dass in ihm langsam eine Form von Freude hoch kam. Das Ganze machte ihm mehr Spaß, als er vermutet hätte.
In gewisser Weise war es sogar nett, dass er, dank Adolpho und seiner Spießgesellen, heute mal etwas Neues ausprobieren konnte und neue Erfahrungen sich ihm boten. Und letztendlich blieb es unter dem Strich ja ein netter Tag im Grünen, egal wie es ausgehen würde.

Sie bewegten sich ruhig und umsichtig gute zwei Stunden in eine Richtung, die Parallel zu der Richtung aus der sie das Signal gehört hatten verlief, um dann erst langsam in die Richtung abzuschwenken, aus der das Geräusch kam.
Nach wenigen Minuten fanden sie eine gute Stellung zwischen den Wurzeln mehrerer großer Bäume, die ineinander verflochten waren und machten eine Pause, um das Kartenwerk zu studieren und sich ein wenig an den Vorräten zu stärken.
Alise bemerkte, dass in einiger Entfernung, in der Nähe des Zaunes, denn sie waren schon fast auf der anderen Seite des Geländes angekommen, noch Gebäude waren. Laut ihrer Karte war dort die ehemalige Schießbahn des Stützpunktes und obwohl sie sich sicher waren, dass dieser Teil des Geländes viel zu weit am Rande war, als dass sich dort irgendwas befand, waren sie sich einig, dass es besser wäre, dorthin vorzustoßen, um sich sicher zu sein.

Langsam näherten sie sich aus einer, Teddy Meinung nach, günstigen Richtung dem Geländeteil. Als sie die Betongebäude der Schießbahn vor sich sahen, gab Teddy Alise die Anweisung zurück zu bleiben, um ihm Deckung zu geben, während er sich leise erst ein Stück weit geduckt anschlich, um dann behutsam auf den Boden zu wechseln und geschickt wie eine Schlange langsam in eine Erkundungsposition zu robben. Zwischen zwei der bunkerartigen Betongebäuden sah er plötzlich etwas völlig Unerwartetes.

Fortsetzung folgt…

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