Wettkampf um die Heide – Teil 3

Etwas ungläubig hob Teddy vorsichtig seinen Kopf aus dem hohen Unterholz, durch das er gekrochen war. Einige Meter vor ihm waren zwei alte Gebäude, die größtenteils aus einem Dach aus gebogenem Wellblech bestanden, von dem langsam die olivgrüne Farbe herunter blätterte und teilweise offene Roststellen offenbarte.
Erstaunlich aber war das Fahrzeug, das zwischen den beiden Gebäuden geparkt war. Eindeutig handelte es sich um das Auto, das ihm jetzt schon zum dritten Mal auffiel. Es war das Auto des Skinheads, den er vor kurzem in Gesellschaft von René, Marc-Andrés Bruder, gesehen hatte.

Neugierig schlich er auf eine bessere Beobachtungsposition, um dann Alise leise über Funk von seinem Fund zu unterrichten. Vorsichtig und fast lautlos schloss sie zu seinem Beobachtungspunkt auf.
Stumm reichte sie ihm den Feldstecher, den sie mitgenommen hatte und Teddy nahm das Auto genau unter Beobachtung. Es war das gleiche Autokennzeichen und auch Farbe, Modell, ja sogar die Beulen stimmten. Der Kofferraum war offen und offenbarte zwei olivgrüne Blechkisten, die darin standen.

Teddy beobachtete ruhig weiter und es dauerte nicht lange, bis drei Gestalten aus einer der Baracken kamen. Es waren René, dessen Kumpel, den er von der Begegnung auf dem Hof erkannte und, zu seiner Überraschung, der Kerl, mit dem er sich auf dem Parkplatz hinter dem Rathaus geprügelt hatte. Es war eindeutig der Kerl, in dem er den Schützen vermutete, der den Anschlag auf dem Marktplatz durchgeführt hatte, der ihm immer noch ein Rätsel war.

Sie unterhielten sich neben dem Auto, während sie eine Zigarette rauchten. Dann nahmen die zwei Begleiter jeweils eine Kiste aus dem Wagen, während ihr scheinbarer Anführer René mit seinem Smartphone telefonierte und dabei auf und ab ging. Nervös rauchte er dabei eine weitere Zigarette und schien mehr zuzuhören als zu reden. Jedenfalls waren seine Antworten, offensichtlich zu erkennen anhand der Bewegungen seines Mundes, deutlich knapp. Hin und wieder nickte er dazu bekräftigend, wie Teddy bemerkte, aber seine Haltung wirkte eher aggressiv und nicht erfreut.
Der eine Skinhead kam alleine, ohne den Schützen und die beiden Kisten zurück und verschloss schwungvoll die Kofferraumklappe. Er stieg ins Auto und wartete geduldig, bis René sein Gespräch beendete und ebenfalls ins Auto stieg und fuhr dann los.
Der Wagen verschwand zwischen den Gebäuden.

Teddy wartete weiter beobachtend, bis die Geräusche des Wagens in der Ferne verschwanden und blickte dann zu Alise. Sie sah ihn ernst an, als wüsste sie, was in seinem Kopf vorging.
Ich muss mir das genauer ansehen“, begann Teddy trotzdem ruhig erklärend.
Du spinnst“, antwortete Alise ernst.
Lass uns die Anderen über Funk verständigen und dann zum Beispiel der Polizei Bescheid sagen“, schlug sie vor.
Teddy dachte kurz nach.
Ach, wenn die Bullen uns überhaupt glauben, dann kommen sie wahrscheinlich mit soviel Tamtam, das der Kerl flüchten kann und wir wissen kein Stück mehr als vorher“, erwiderte Teddy.
Alise schüttelte leicht ihren Kopf und fragte vorsichtig: „Gibt es irgendwas, mit dem ich Dich von dieser Dummheit abhalten kann?
Du könntest mich mit süß-heißem Sex ablenken“, schlug Teddy gespielt ernsthaft vor.
Gut, wenn es hilft“, seufzte Alise spontan.
Hey, das war ein Scherz“, stammelte Teddy verunsichert.
Ja sicher, ähm…“, räusperte sich Alise, froh, dass Teddy unter ihrer Schutzmaske ihre Gesichtsröte nicht sehen konnte, „… das war mir doch klar, ich meine … das meinte ich doch auch.
Die Beiden schwiegen kurz peinlich berührt und Teddy hatte das Gefühl, irgendetwas falsch gemacht zu haben, ohne dass seine innere Stimme ihm darüber Details verraten wollte.

Ich werde mich näher schleichen und Du beobachtest von hier mit dem Feldstecher. Sollte irgendetwas passieren, oder ich mich nicht mehr melden, dann ziehst Du Dich in den Wald zurück und verständigst die Polizei“, schlug Teddy vor.
Nein!“, erwiderte Alise entschieden, „ich begleite Dich und passe auf Dich auf!
Du spinnst ja wohl!“, entfuhr es Teddy, „Dir könnte sonst etwas passieren und ich würde es mir nie verzeihen, wenn Du verletzt würdest. Schlag Dir das aus dem Kopf!
Alise blickte ihn trotzig an.
Erstens, kann ich gut auf mich aufpassen. Zweitens, bin ich auch neugierig und will wissen, was da vor sich geht. Drittens, bemerken vier Augen mehr als zwei und was am wichtigsten ist, Du wirst mich kaum davon abhalten können, Dich zu begleiten
Nichts, mit dem ich Dich überzeugen kann?“, fragte Teddy vorsichtig.
Ich weiß nicht, ob Du so gut im Bett bist, um mich umzustimmen!“, erhielt er die Retourkutsche.
Umsichtig schluckte er alle Kommentare herunter, die ihm gerade in den Kopf schossen, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. Irgendwie hatte er den Verdacht, dass jegliche weitere Diskussion nur übel ausgehen konnte, egal in welche Richtung.

Ein Teil von ihm fragte sich, ob es für ihn wirklich die Chance gab, mit der hübschen Rothaarigen intim zu werden. Es wäre auf so viele Arten falsch und doch setzte sich diese Frage frech in seinem Hinterkopf fest.
Es war hoffentlich alles nur ein Spaß und Alise meinte nichts davon ernst, auch wenn er es sich ehrlicherweise trotzdem anders wünschen würde. Er schüttelte kurz die Verwirrung aus seinem Kopf.

Gut, aber Du bleibst immer hinter mir“, lenkte er ein.
Alise nickte motiviert. Er merkte, dass ihre Neugier sich in eine fiebrige Vorfreude verwandelt hatte und ihm war klar, dass ihm nur noch die Möglichkeit blieb, auf sie aufzupassen. Er stand auf und schlich los.

Leise näherte er sich und gab Alise dann ein Zeichen, aufzuschließen. Vorsichtig kamen sie an die Stelle zwischen den Gebäuden, an der eben noch der Wagen gestanden hatte.
Er bemerkte an den Spuren, dass der Wagen hier nicht zum ersten Mal gewesen war, denn die Spuren waren ausgefahren, zeigten aber ein sehr ähnliches Muster. Vorsichtig schlich er sich zu der Stelle, an der vorhin die Skinheads aus seinem Blickwinkel verschwunden waren.
Er riskierte einen vorsichtigen Blick um eine Ecke und sah, dass in einer der alten Hallen ein alter Kleinbus stand.
Es war ein kleiner Campingbus in einem heruntergekommen Zustand, der halb in einer der Hallen stand und halb im Grünen davor. Um den Wagen war einiges an improvisierten Möbeln aufgebaut und ein altes Sofa diente als Bank. Auf alten Biergartentischen in der Halle sah Teddy unter anderen die beiden ominösen Kisten stehen. Vor dem Bus war eine Feuerstelle, in der ein kleines Feuer brannte und neben dem Wagen standen mehrere Bierkisten.
Der Skinhead saß auf dem schäbigen Sofa, rauchte eine Zigarette und starrte ins Feuer. Sehr offensichtlich war er alleine an diesem Ort und Teddy würde darauf wetten, dass er auch hier wohnte, solange die Polizei nach ihm suchte. Genau beobachtete er und sah zu seinem Schrecken, durch die geöffnete Fliegerjacke, dass der Kerl eine Schusswaffe in seinem Gürtelbund trug.
Es könnte zwar eine Schreckschusswaffe sein, oder eine Gaspistole, aber Teddy wollte bei der Aufdeckung der Wahrheit nicht unbedingt an einem der Enden der Waffe stehen, egal an welchem.

Er sah zu, wie sich der Kerl ein Bier aufmachte, um sich weiter auf dem Sofa zu lümmeln. Er holte ein Smartphone aus seiner Jacke und begann darauf herum zu spielen. Teddy wandte sich zu seiner Partnerin um, doch Alise war verschwunden.

Erschreckt suchte er mit den Augen das Gelände ab und sah dann, dass sich Alise von der Seite an die Halle heran schlich, in der der Bus stand.
Es schien so, als wollte sie durch einen Seiteneingang ins innere der Halle schauen, um zu sehen, was sich dort abspielte. Teddy schluckte seine Besorgnis um die hübsche Alise herunter und versuchte, seine Gedanken zu fokussieren. Mit Sorgen im Kopf würde er ihr nicht helfen können.

Er beobachtete den Skinhead und schlich näher heran. Wie ein Schatten schlich er von Deckung zu Deckung, die ihm durch allerlei Schrott, der sich auf der Fläche vor den Baracken befand, geboten wurde und beobachtete dabei umsichtig den Skinhead. Stückchenweise näherte er sich dem Kleinbus. Plötzlich hörte er ein Poltern aus der Halle.

Überrascht schaute der Skinhead vom Display seines Smartphones hoch. Er lauschte, steckte das Smartphone in seine Jackentasche und stand auf. Langsam ging er um den Bus herum in die Halle.
Teddy konnte Alise zwar nicht sehen, war sich aber sicher, dass sie der Auslöser des Geräusches war. Er war im Zugzwang und durfte nicht überlegen, solange er den Vorteil der Überraschung noch auf seiner Seite hatte.
Er sprintete los und sprang, geräuschlos wie ein jagender Tiger, den Skinhead von hinten an.

Sein Tritt traf perfekt die Rückseite des Knies und der überrascht aufstöhnende Skin ging von der Wucht des Trittes und dem Schmerz in die Knie. Ohne Zeit zu verlieren, setzte Teddy einen Würgegriff ein und presste seinen Zeigefinger auf eine bestimmte Stelle hinter dem Ohr.
Während seines Trainings hatte er gelernt, dass es schwierig war, einen Menschen bewusstlos zu schlagen, besonders, wenn man ihn nicht einschätzen konnte. Es lief nicht so wie in Actionfilmen, denn zumeist würde ein Schlag das Opfer zwar ernsthaft verletzten, aber kaum betäuben. Das war einfach ein Mythos.
Die bessere Variante war es, an einem bestimmten Punkt mit genügend Druck kurzzeitig die Blutzufuhr zum Gehirn zu unterdrücken. Das löste garantierte Bewusstlosigkeit aus, wenn man wusste, wie, wo und besonders wie lange man drücken musste.
Er spürte, wie der Körper des überraschten Gegners unter dem Druck seines fachmännischen Griffes erschlaffte. Vorsichtig legte er ihn ab und kontrollierte die Vitalzeichen, schließlich wollte er ihn nicht ernsthaft verletzen.

Alise näherte sich vorsichtig, blickte sich kurz um und nahm eine Rolle Klebeband von einem der improvisierten Tische.
Gemeinsam fesselten sie den Skinhead großzügig mit Klebeband und Teddy hob ihn auf das Sofa, um ihn nicht auf dem Boden liegen zu lassen.
Er bemerkte dabei, wie der Skinhead wieder zu Bewusstsein kam und ihn böse anblitzte. Als dieser aber die Gestalt in grüner Tarnkleidung mit der Schutzmaske sah, wurde der böse Blick sofort von purer Panik verdrängt. Er sah gerade nur Teddy, der seine Paintballwaffe auf dem Boden in der Halle gelassen hatte und das Smartphone und die Waffe des Skinheads außer Reichweite deponierte.
Teddy beschloss, die Maske aufzubehalten, um den Kerl weiterhin in Unsicherheit zu lassen.
Er ging ein Stück außer Sichtlinie und zeigte Alise, die immer noch in der Halle stand, an, dass er mit ihr sprechen wollte.

Fortsetzung folgt…

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