Wettkampf um die Heide – Teil 4

Leise sprachen sich Teddy und Alise miteinander ab. Beide waren sich schnell einig, dass sie den Gefangenen besser der Polizei übergeben sollten, denn sie konnten ihn weder einfach frei herumlaufen, noch hier gefesselt liegen lassen.
Alise verstand auch Teddys Meinung, dass es wohl besser wäre, wenn der Kerl ihre Gesichter nicht zu sehen bekäme. Dennoch wollten sie sich zuerst ein wenig umsehen, um herauszufinden, was hier los war. Teddy bot an, den Gefangenen im Blick zu behalten, während Alise sich ein wenig umsehen wollte.

Nach einiger Zeit winkte sie Teddy, zu ihr zu kommen und präsentierte ihm einige Kleidungsstücke in einer Kiste. Es handelte sich um die gestohlenen Kostüme aus der Scheune, wie offensichtlich zu erkennen war. Auf dem Tisch daneben lagen Pläne der Stadt und einige Gebäudepläne, sowie einige ausgedruckte Listen.
Alise hatte sofort erkannt, dass einer der Pläne der Standbelegungsplan für das kommende Mittelalterfest war, wie sie Teddy erklärte. Die Gebäudepläne zeigten eindeutig das Gebäude, in dem die örtliche Sparkasse untergebracht war. Mehrere der Kopien, die herumlagen, trugen das Logo des Sicherheitsdienstes, der für die Ordnung auf dem Fest verantwortlich war, während andere Blätter scheinbar Kopien interner Dokumente und Pläne der Sparkasse waren.
Alles deutete auf einen Bankraub hin, was Teddy sehr verwunderte, da sich ja seines Wissens so etwas heutzutage nicht mehr lohnte. Verwundert fragte er Alise, was sie davon hielt. Er erfuhr, dass während des Mittelalterfestes die Sparkasse nicht nur die Eintrittsgelder für den Besuch des Festes einsammelte, sondern auch jede Menge Kleingeld für die Händler einwechselte und deren Bareinnahmen regelmäßig durch ihren Sicherheitsdienst abholen ließ, um vor Diebstählen zu schützen. Zumeist waren dann wahrscheinlich große Mengen von Bargeld im Tresorraum der Bank, die darauf warteten, von einem Panzerwagen abgeholt zu werden.
Alles wurde entsprechend von Sicherheitsleuten beschützt, die zum Teil in Kostümen gekleidet waren, wie jene, die gestohlen wurden. Wahrscheinlich war der Sicherheitschef in dem Fall der Koordinator, würde er nicht angeschossen im Krankenhaus liegen.
Es war eindeutig klar, dass hier ein Kapitalverbrechen geplant wurde und angesichts der weiteren Waffe, die aufgetaucht war, waren sich Beide einig, dass die ganze Geschichte eine Nummer zu hoch für sie war.

Alise nahm entschlossen ihr Smartphone und rief bei der Polizei an, während Teddy weiterhin wachsam den gefesselten Skinhead im Auge behielt. Ein neugieriger Blick in den Kleinbus zeigte ihm, dass auch hier einige Delikte im Bereich von unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln über Verstöße gegen das Waffengesetz bis zu allerlei anderen Delikten vertreten waren. Schaudernd blickte er auch über die zahlreichen Devotionalien aus dem drittem Reich, die hier angesammelt waren.
Alise sagte ihm flüsternd Bescheid, dass sie den Spuren des Wagens folgen würde, um der Polizei zu vermitteln, wo sie hin kommen sollten. Teddy nickte und setzte sich hin. Ihm war nicht danach, mit dem Skinhead zu reden, der ihn immer noch mit einer Mischung aus Angst und Hass anfunkelte.
Er wollte auch nicht die anderen Teammitglieder verständigen, denn er war sich sicher, dass Sunny und auch Paddy sofort hier hin eilen würden. Er hoffte, dass die Polizei ein wenig Verständnis haben würde und sie nicht noch stundenlang verhören würde, oder sie gar noch mit auf das Revier zu nehmen gedachte.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er Motorengeräusche hörte. Vorsichtig ging er in Deckung und spähte in die Richtung des herankommenden Fahrzeugs.
Zu seiner Beruhigung erkannte er einen Streifenwagen, der vor der Halle zum stehen kam. Zwei Polizeibeamte stiegen aus und der eine davon öffnete Alise die hintere Tür des Wagens.
Teddy gesellte sich mit offener Gestik zu den beiden Beamten, um diese nicht zu erschrecken. Natürlich setzte er auch seine Maske ab, um Missverständnissen vorzubeugen. Er stellte sich kurz vor und zeigte seinen Personalausweis vor und wies die Beamten dann auf die Schusswaffe hin, sowie auf seine Entdeckung, dass im Kleinlaster noch mehr Waffen zu finden waren.
Die beiden Polizisten sahen sich den gefesselten Skinhead an und zu dessen Freude fing einer der Polizisten an, seine Fesseln zu lösen. Die Freude endete allerdings sehr spontan, als sich die Handschellen um seine Handgelenke schlossen. Er wurde sehr zügig hinten in das Polizeiauto gesetzt und Teddy bekam mit, dass der eine Polizist Verstärkung über Funk anforderte.
Ein wenig Abseits vom Sichtwinkel des festgenommenen und verhinderten Bankräubers gaben sie dem anderen Beamten ihre Aussagen zu Protokoll.

Es dauerte wiederum eine geraume Zeit, bis die Verstärkung eintraf. Diesmal waren es allerdings zwei große Polizeifahrzeuge und ein ziviler Wagen. Mehrere Beamte gaben sich allerlei Beschäftigungen hin, um den Fundort bis zum Eintreffen der Spurensicherung zu sichern und Teddy durfte sich zu seiner Freude erneut mit den beiden Kriminalpolizisten unterhalten, die er schon nach der Aktion auf dem Parkplatz kennengelernt hatte, die mit ihrem zivilen Dienstwagen eingetroffen waren.
Geduldig wiederholten Teddy und Alise ihre Aussagen ein um das andere mal und versuchten, alle Fragen zu beantworten, während das Areal um die Halle langsam zum Betriebsausflugsziel für die gesamte Polizei von Freudenstadt und Umgebung wurde. Eindeutig kamen auch Polizeifahrzeuge aus der Großstadt und rund zwanzig Uniformierte tummelten sich in der Umgebung , um Absperrbänder zu verteilen, Aufnahmen des Ortes zu machen und drei Schäferhunde Gassi zu führen, die nach Drogen und Sprengstoffen schnüffelten.
Auch die Zivilbeamten wurden mehr und erneut mussten Alise und Teddy alles wiederholen, was geschehen war.
Zumindest erfuhren sie, dass Marc-André nicht gelogen hatte, denn einer der Polizisten erwähnte kurz, dass der Eigentümer des Grundstücks die Geschichte von dem privaten Wettkampf der Jugendlichen bestätigte. Beruhigenderweise waren sie eindeutig legal hier, was Teddy sehr erleichterte. Die Bande um René war es scheinbar nicht, denn der Besitzer hatte keine Kenntnis von seinen seltsamen Campinggästen.

Nach Anrufen bei Alises Vater und bei Emilia Sonnenberger, die ja zur Zeit Teddys Erziehungsberechtigte war und noch weiteren Fragen, durften die Beiden dann, unter dem Versprechen, dass sie sich Beide morgen um zehn Uhr auf dem Polizeipräsidium mit ihren Erziehungsberechtigten einfinden würden, den abgesperrten Bereich verlassen, um sich wieder dem Spiel zuzuwenden.

Alise bedankte sich höflich bei dem leitenden Beamten für die Erlaubnis und zog Teddy mit sich, der kurz davor war, dem arroganten Hauptkommissar gehörig seine Meinung zu sagen, der sie gönnerhaft in die Freiheit entließ.

Erst als sie außer Hörweite im Wald verschwunden waren, erfuhr er von Alise, dass er gerade dem Hauptkommissar Büttelsbrunft, also Marc-Andrés Vater, gegenüber gestanden hatten, der als ranghöchster Beamter der Gegend den Einsatz natürlich leitete, obwohl eindeutig einer seiner Söhne darin verstrickt war. Auch dass seine eigene Waffe in die Affäre verstrickt war, schien ihn nicht an den Ermittlungen zu hindern.
Obwohl sich Teddy doch ein wenig aufregte, beruhigte es ihn, dass die ganze Situation glimpflich gelaufen war und der Schütze sich jetzt in Polizeigewahrsam befand. Wahrscheinlich würde der Rest von den Brandstiftern auch gerade festgenommen. In dieser Hinsicht hatten sie auf ganzer Linie Erfolg.

Sie marschierten ein gutes Stück und begaben sich dann wiederum in eine natürliche Deckung, in der sie sich erst mal mit einem kleinem Snack stärkten und über das Geschehen unterhielten.
Beide waren sich unsicher, wie sie ihr Abenteuer ihren Freunden erzählen sollten.
Siehst Du“, meinte Alise, „jetzt sind wir doch in eine gemeinsame Affäre verstrickt. Dann können wir ja doch miteinander schlafen.
Sie lachte niedlich, als sie sein verdutztes Gesicht sah, denn sie hatten die Masken für die Pause abgenommen.
Ach, lass uns erst mal unsere Gegner flachlegen, bevor wir das untereinander machen“, schlug Teddy vor.
Im Rahmen des Umstandes, dass wir gerade gegen Marc-André, Adolpho und ihre Truppe kämpfen, hoffe ich, Du meinst unterschiedliche Formen des Flachlegens“, entrüste sich Alise spielerisch.
Natürlich“, entgegnete Teddy, „aber ich gebe mich Dir nur in körperlicher Ekstase hin, wenn Du mir vorher verrätst, warum Dich manche Leute Möhrchen nennen.
Kurz blitzte ihn Alise aus ihren grünen Augen entrüstet an, um dann in ein glockenhelles Lachen auszubrechen.
Vielleicht mache ich das eines Tages“, versprach sie kryptisch und verwirrte ihn endgültig mit einem gekonnten Augenaufschlag, um sogleich ihre Maske aufzunehmen. Teddy nickte und maskierte sich wieder, denn sie hatten ja noch einen Kampf zu führen.

Sie schlichen erneut durch das dichte Unterholz des mittlerweile nachmittäglichen Waldes. Aufmerksam beobachte Teddy die Umgebung. Er schlug vor, weiter am Zaun entlang zu gehen, sich bis in die oberste Ecke fortzubewegen, um dann abzubiegen in Richtung des Hauptquartiers der Gegenseite, um sich von dort aus zu orientieren und dem Feind dann in den Rücken zu fallen.
Das ist ein weiter Weg“, entgegnete Alise seinem Vorschlag.
Zu viel für Dich?“, fragte Teddy besorgt.
Ich hätte eher Angst, dass es zuviel für Dich ist. Ich bin ein Waldkind, ich schaffe das“, erklärte ihm Alise selbstbewusst.

Zielsicher machten sie sich auf den Weg. Entlang des Zaunes zu wandern hatte den Vorteil, dass sie zumindest aus einer Seite nicht entdeckt oder angegriffen werden konnten.
Wie geplant folgten sie dem Zaun und als sie die höchste Stelle erreicht hatten, wie ihnen die Ecke des umzäunten Geländes verriet, atmeten sie kurz durch, um dann weiterhin dem Zaun zu folgen, jetzt aber in eine andere Richtung und nicht mehr ansteigend den Hügel hoch. Trotzdem wurde es nicht leichter, da sie sich ja jetzt langsam dem Hauptquartier des Gegners näherten und daher noch vorsichtiger vorrücken mussten, um nicht frühzeitig entdeckt zu werden.
Plötzlich beugte sich Teddy herunter und musterte interessiert eine Stelle am Zaun.

Fortsetzung folgt…

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