Zärtliche Cousinen und andere Hobbys – Teil 2

Die Sonne strahlte unbarmherzig auf die Betonplatten des Busbahnhofes. Zwischen den mit Glas überdachten Bussteigen staute sich flimmernd die Hitze. Verschiedenste Menschen bevölkerten die drei Bussteige der großen Haltestelle. Sunny, mit Alise an der Hand, steuerte auf die ebenfalls mit Glas überdachten Rolltreppen zu. Teddy folgte den Beiden.
Die moderne Rolltreppe führte runter zum ehemaligen Bahnhofsvorplatz, der im amerikanischen Stil zu einer mit Glas überdachten zweistöckigen Einkaufspassage umgebaut worden war. Jede Menge bekannte Einzelhandelsketten und Fastfood-Anbieter hatten hier für ihre Filialen ein guten und vor allem einträglichen Platz gefunden.
Die sogenannte Bahnhofspassage hatte nicht nur Anschluss zum großen Busbahnhof und Hauptbahnhof, sondern auch die Anschlüsse an U-Bahn und Straßenbahnen, die hier ihren bedeutendsten Knotenpunkt der großen Stadt vorwiesen . Daher wuselte auch eine größere Menschenmenge durch die klimatisierte Halle.
Trotz all des bunten Gemenges erkannte Alise sofort Marc-André, der gerade in Richtung der Straßenbahnhaltestelle unterwegs war und machte die anderen darauf aufmerksam. Spontan schlug Teddy vor, ihn unauffällig zu verfolgen und regte an, sich nachher über ihr Smartphone abzusprechen, wo man wieder zusammen traf. Alises Vorschlag, ihn zu begleiten, fegte er mit dem Argument beiseite, dass eine Gruppe eher auffiel, als eine einzelne Person.
Schnell wünschte er den Beiden einen schönen gemeinsamen Vormittag und bevor noch jemand Einwand erheben konnte, war er bereits in der Menge verschwunden.

Alise bewunderte beobachtend, wie elegant und unauffällig sich Teddy in der Menschenmenge bewegte. Er erinnerte sie an eine Raubkatze im Dschungel.
Teddy, der Tiger des Großstadtdschungels“, flüsterte sie leise und blickte dann zu Sunny, der bestätigend nickte.
Und, was machen wir beiden jetzt Schönes?“ fragte Sunny erwartungsvoll.
Na, wir werden uns mal um dein Outfit kümmern“, schlug Alise vor.
Sunny war sofort einverstanden. Er hoffte, das die süße Alise wesentlich nachsichtiger mit ihm sein würde, als es Teddy wäre.
Also steuerten sie in Richtung des Ausganges, der zur großen Fußgängerzone der Innenstadt führte.

Kaum waren sie aus der Einkaufspassage heraus getreten, brachte Sunny gleich das Gespräch auf seinen Plan, Teddy mit Benediktina bekannt zu machen. Alise blickte ihn kurz fassungslos an.
Du weisst schon, dass Benediktina ein ziemliches Miststück ist?“, fragte sie vorsichtig.
Ach“, antwortete Sunny, „ich kenne sie noch aus dem Kindergarten. So schlimm ist sie gar nicht. Weißt Du, wir waren sogar mal befreundet, also damals im Kindergarten. Wir wahren beide in der Häschengruppe, und…
Ich weiß“, unterbrach Alise, „ich war in der Igelgruppe und habe manchmal mit ihr gespielt, wenn nachmittags die Gruppen zusammen gelegt wurden. Außerdem war ich mit ihr in der Ballettschule und in der Grundschule waren Benediktina und ich in einer Klasse.
Du kannst mir also glauben, wenn ich behaupte, sie zu kennen.
Naja“, erwiderte Sunny, „im Kindergarten war sie eine tolle Freundin und ich glaube fest, dass tolle Mädchen steckt noch irgendwie in ihr. Es ist der soziale Druck, der sie zwingt, so zu handeln, wie sie es macht. Schließlich hat ihre Familie einen gewissen Ruf und Prestige und es ist nicht leicht, in die Fußstapfen älterer Geschwister zu treten.
Was weißt Du denn davon?“, fragte Alise ein wenig misstrauisch.
Also“, begann Sunny, „mein großer Bruder Wolfgang ist in Hannover und studiert dort Veterinärmedizin und Land-und Forstwirtschaft und meine Schwester Frederike macht gerade ein Auslandssemester in Amerika.
Ich wusste gar nicht, dass Du Geschwister hast“, bemerkte Alise.
Och, die beiden sind halt viel älter als ich, daher bin ich das Nesthäckchen.
Als wir auf das Gymnasium kamen, war meine Schwester im letzten Jahr der Oberstufe und mein Bruder hatte bereits Abitur und machte ein freiwilliges soziales Jahr bei einem Aufforstungsprojekt, irgendwo in Sachsen.“
Beschämt entschuldigte sich Alise, doch Sunny behinderte den Rest ihrer Entschuldigung mit einem leidenschaftlichen Kuss, so dass sie sich sanft in seine Arme kuschelte und den Rest ihrer Entschuldigung ohne störende Worte ausschließlich ihrer Zunge überließ.

Trotzdem kehrte nach einer viel zu kurzen süßen Ewigkeit des zärtlichen Genußes, Sunny zum eigentlichen Thema zurück.
Ich denke, wenn Benediktina nur die richtigen Freunde hätte, würde sie wieder zu dem netten Mädchen werden, was sie mal war. Ich meine, wenn alle immer nur Erwartungen an sie stellen und jeder sich von dem Offensichtlichen so beeindrucken lässt, kann sie ja gar nicht anders damit umgehen.“
Alise war immer noch misstrauisch und berichtete von den vielen Anfeindungen, Streichen und spitzen Bemerkungen, unter denen sie leiden musste, seit sie aus Frankreich zurückgekehrt war.
Sunny hörte ihr aufmerksam zu und stellte immer wieder kleine Fragen, während sie durch die Innenstadt bummelten. Nachdem er die gesamte Geschichte gehört hatte, versuchte er Alise eine andere Sichtweise zu vermitteln, denn er war sich dessen sicher, dass es zu jeder Geschichte stets zwei Seiten gab.
Ganz überzeugt war Alise nicht davon, aber sie genoss die Aufmerksamkeit ihres Freundes und fing an, seine freundliche Art, die Dinge zu sehen, zu schätzen. Langsam wurde ihr klar, dass die Mitschüler, die den zarten süßen Jungen für einen verträumten, weichen Künstler hielten, nicht die ganze Wahrheit sahen, denn sie bemerkte, dass in seiner sanften Art eine unheimliche Stärke lag.
Es traf sie ein wenig unvorbereitet, dass ihre Empfindungen für Sunny scheinbar tiefer reichten, als sie das kribbelnde Gefühl in ihrem Bauch vermuten ließ. Ein wenig fürchte sie diese Erkenntnis, aber es schien so, als würde sie sich in den schönen blauäugigen Pferdejungen verlieben.
Trotzdem war ihr der Gedanke, dass Teddy und Benediktina ein Paar werden könnten, äußerst unangenehm. Sunny erklärte ihr weiterhin seinen genialen Plan, daher fragte Alise einfach das Wichtigste, nämlich, warum er Teddy verkuppeln wolle.

Unter dem absoluten Siegel der Verschwiegenheit erzählte ihr Sunny die gesamte Geschichte über Teddys Liebesleid. Alise blickte nachdenklich und erklärte dann: „Ich glaube, er hat sich nicht in eine von beiden „verliebt“, sondern in Beide, denn es hört sich ganz so an, als wäre die erste Begegnung mit Katherina gewesen und die zweite mit Isabelle. Das spontane Knutschen klingt sehr nach Isabelle, denn die lässt wohl nichts anbrennen. Also Katharina kann er sich aus dem Kopf schlagen, die hängt absolut an ihrem Vollpfosten von Freund. Der ist zusammen in mehreren Kursen mit meinem Bruder, daher weiß ich ein wenig über den Kerl. Diese Beziehung wird sie nicht für eine Sommerliebelei riskieren. Und Isabelle ist eher eine regionale Sehenswürdigkeit, als ein Mädchen, mit dem man eine feste Beziehung möchte.
Du bist schon ein wenig gemein“, bemerkte Sunny.
Nein, leider eher realistisch, mein Liebster“, antwortete Alise. „Dein Plan, nach Alternativen zu schauen, ist durchaus in die richtige Richtung gedacht, nur leider bist Du unterwegs über die falschen Lösungsansätze gestolpert.
Ach je“, seufzte Sunny, „ich bin nicht gut in so etwas.“
Ich eigentlich auch nicht, aber vielleicht fällt uns ja zusammen eine Lösung ein“, schlug Alise vor.
Sunny lächelte erfreut und gab ihr einen kleinen Kuss. Händchenhaltend schlenderten sie weiter.

Jetzt haben wir zwei andere dringliche Probleme“, erklärte Alise mit ernsthaftem Unterton in ihrer Stimme.
Was gibt es denn?“, fragte Sunny besorgt.
Zum einen will ich Dich aus diesem blöden T-Shirt rausbekommen, und zum anderen…
Sie unterbrach, als Sunny seine Hand löste und sich spontan das T-Shirt über den Kopf streifte um es ihr hin zuhalten.
Es war ihr ein wenig peinlich und sie errötete leicht, aber noch unglaublicher war es, dass sie diese Geste trotz ihrer albernen Kitschigkeit plötzlich so extrem süß fand.
Sie bewunderte nicht nur seinen nackten Oberkörper, der sinnlich in der Sonne glänzte, sondern auch das Selbstbewusstsein, mit dem er sich so spontan mitten in der Stadt für sie entblößte.
Ein paar Passanten schauten dem seltsamen Schauspiel im vorübergehen zu und die begehrlichen und auch eifersüchtigen Blicke einiger gleichaltriger Mädchen, die an ihnen vorbeischlenderten, ließen sie mehrere Zentimeter wachsen. Trotzdem gab sie ihm das T-Shirt zurück.
Lass uns erst mal einen Ersatz finden, bevor Du wegen unsittlichen Entblößens und der öffentlichen Erregung unter anderem deiner Freundin verhaftet wirst.
Sunny lächelte stolz und zog das T-Shirt wieder über.
Alise belohnte ihn mit einem längeren Kuss und ihre Hände stahlen sich dabei frech unter sein T-Shirt, um die weiche glatte Haut seines unteren Rückens neugierig zu streicheln.
Erst als ein paar freche Halbstarke sich lauthals über sie lustig machten, beschlossen sie, die Mission „neues Oberteil“ weiter anzugehen.
„Und“, fragte Sunny, „würdest Du Dein T-Shirt auch für mich ausziehen?“.
Natürlich“, antwortete Alise lächelnd, „aber nicht gerade hier.
Sie war verwundert, wie leicht ihr diese Bemerkung einfach über die Lippen floss, aber tief in sich wusste sie, dass Sunny ein Mann war, für den sie sich gerne ausziehen würde.
Trotz seiner kribbelnden Aufregung hatte Sunny ihre Aussage aber nicht vergessen und fragte daher : „Was ist das andere wichtige Problem?
Eines nach dem anderen“, antwortete Alise und zog ihn in ein Kaufhaus.

Als Sunny mit einem neuen, schwarzen T-Shirt ohne Aufdruck ausgestattet war und er mit Alise eisessenderweise weiter schlenderte, kam er erneut auf die Frage, was Alise noch im Magen liegen hatte.
Weißt Du“, begann sie, „ich fahre jede Woche einmal in die Stadt, um zu meinem Lieblingsladen zu gehen. Es ist so ein Hobbyding und es ist ziemlich „nerdig“ und...“
Ruhig“, meinte Sunny und küsste sie sanft. „Eines nach dem anderen.“
„In Ordnung, also ich möchte gerne nachher zu meinem Lieblingsladen, um dort meine Freunde zu treffen und mich mit meinem „nerdigen“ Hobbys zu beschäftigen. Ich habe ein wenig Angst, dass wenn ich Dich mitnehme, Du mich danach nicht mehr magst.
Also“, antworte Sunny ruhig, „erstens mag ich Dich nicht, sondern bin in Dich verliebt. Zweitens, wenn ich du wäre, würde ich keinen Freund haben wollen, der mich wegen meines Hobbys nicht leiden kann und drittens bin ich jetzt wahnsinnig neugierig und würde mich für Dich auf fast alles einlassen.“
Nur auf fast alles?“ neckte Alise.
Naja, ein Swingerclub, Hardcore-Sadomaso und ähnliches würde mich wahrscheinlich ein wenig verstören.
Ach, und Modelleisenbahn, wäre auch nicht so mein Ding, da habe ich schlechte Erfahrungen.
Oh, schade“, antwortete Alise grinsend, „dabei bin ich doch Ehrenmitglied im ersten deutschen SM-Swingerclub mit Eisenbahnfetisch.“
Für Dich würde ich über meinen Schatten springen“, erwiderte Sunny.
Das ist lieb, wirst Du aber nicht brauchen, es ist was ganz Anderes“, gestand sie ihm mit betrübter Miene.
So schlimm“, fragte Sunny, der ihre Miene bemerkte.
Schlimmer“, meinte sie fast verzweifelt, um dann fröhlich zu lächeln.
Aber Du wirst es selber sehen.
Sie nahm seine Hand, um ihn mitzuziehen. Ihre Augen strahlten und innerlich schwang noch immer Sunnys Geständnis seiner Verliebtheit in ihr.
Ihr Herz pochte vor Aufregung und Freude.

Fortsetzung folgt…

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