Brandheiß – Teil 3

Es war kurz vor Mitternacht, als Alise auf dem holprigen Feldweg in Richtung der Scheune fuhr, in welcher der örtliche Mittelalterverein seine Sachen lagerte.
Die Nacht war sternenklar ohne ein einziges Wölkchen am tiefblauen Nachthimmel. Der Dynamo ihres Hollandrads summte in einem regelmäßigen Brummton, während sie die warme Nachtluft genoss.

Sie hatte aus verschiedensten Gründen den Grillabend auf dem Sonnenbergerhof als vollen Erfolg verbucht. Das lag nicht zuletzt auch an Sunny, der sich den ganzen Abend sehr romantisch um sie bemüht hatte.
Zuerst hatte sie vor der Mission ein wenig Angst gehabt, aber nachdem sie mit Sunny nach der lockeren und auch fröhlichen Reitstunde einen ersten Kuss probiert hatte, lief der Rest des Abends wie von selber.
Dieser erste Kuss war ein sinnliches Versprechen gewesen, das Sunny durchaus einzulösen wusste. Sie fühlte sich zwar ein wenig erwischt, als Sunny ihr irgendwann in einer stillen Minute am brennenden Lagerfeuer enthüllte, dass er scheinbar ihre Finte durchschaut hatte, denn er merkte lächelnd an, dass sie bei ihrem Reittalent ihre gemeinsame Zeit auch durchaus besser nutzen könnten, als mit Anfängerlektionen.
Das Licht des Feuers und der untergehenden Sonne hatte zum Glück ihr überraschtes Erröten gut verborgen, aber bis sie Sunny wieder mit seinem süßen Lächeln und seinen tiefen blauen Augen eingefangen hatte, war sie einen kurzen Moment seltsam unsicher gewesen.

Es war das erste Mal, dass ein Junge, der nicht zu ihrer Familie gehörte, es schaffte, sie derart auf dem „falschen Fuß“ zu erwischen.
Alise war ein wenig verunsichert, wie es sein konnte, dass sich so urplötzlich alles in ihr überschlug, aber sie folgte einfach dem weisen Rat, den ihr eine ihrer Großmütter eingetrichtert hatte und verließ sich auf ihre Intuition.

Das wöchentliche Grillfest auf dem Sonnenbergerhof war eine Instanz und neben den meisten der Pensionsgästen hatten sich auch einige Gäste aus dem Freudentaler Umland eingefunden.
Die meisten der Anwesenden waren natürlich Jugendliche jeglichen Alters, die Reiterferien machten, oder auf dem Sonnenbergerhof auf die eine oder andere Art dem Reitsport nachgingen. Der Anteil an weiblichen Gästen war dabei sehr groß, da nicht viele der örtlichen Jungen sich für Reiten interessierten.
Es wurde ein Lagerfeuer angezündet und zusätzlich ein weiteres Feuer in einer Feuerschale entfacht, über die der große Schwenkgrill gestellt wurde und auf drei langen Tischen wurde ein abwechslungsreiches Buffet an für ein Grillfest typischen Leckereien angeboten.
Es gab auch Teig und Stöcke für Stockbrot und die Möglichkeit, Würstchen oder Marshmallows über dem großen Feuer zu rösten.
Die gemütliche romantische Stimmung wurde noch durch einige Gartenfackeln unterstützt und es waren so um die dreißig Personen anwesend, die fröhlich miteinander feierten.

Fast die gesamte Zeit gehörte Sunnys Aufmerksamkeit ihr, obwohl er dabei half, das Fest mit vorzubereiten. Ganz natürlich hatte er Alise in die Arbeit mit eingebunden, die sich umso wohler fühlte, wenn sie etwas zu tun hatte.
Sunnys Mutter hatte sie auf nette Art begrüßt und ihre Hilfe auch auf eine ganz unkomplizierte Art akzeptiert. Es war so, als gehörte Alise schon immer auf diesen Hof.
Eines der Highlights des Abends war es natürlich, dass Sunny und Teddy ihre akustischen Gitarren holten und teilweise alleine, aber fast immer im Duett, bekannte Lagerfeuerlieder spielten. Alise war darüber erstaunt, wie gut die Stimmen der beiden Jungs harmonierten und wie sie es schafften, auch mit einfachen wohlbekannten Liedern ihr größtenteils weibliches Publikum einzufangen.
Alise, die selber so gar nicht singen konnte, war froh, dass es sehr selten zum gemeinsamen Gesang kam, denn keines der anwesenden Mädchen wollte durch eigenen Gesang die Show der beiden musikalischen Herzensbrecher unterbrechen.
Es schien so, als würde im Schein des Feuers jedes der andächtig lauschenden Mädchen ihr Herz an einen der Beiden verlieren.

Da es scheinbar für Sunny in Ordnung war, dass sie sich aus Platzgründen seinen Schoß als Stammplatz auserkoren hatte, konnte sie mit diebischer Freude die eifersüchtigen Blicke der anwesenden Reitermädchen genießen und sich dabei bildlich vorstellen, wie dieses Bild auf die so von sich selbst überzeugte Benediktina wirken würde.
Fast war es ein wenig schade, dass niemand aus dem prinzesslichen Dunstkreis anwesend war, aber dafür würde die richtige Gelegenheit noch kommen.
Die meiste Zeit allerdings, wenn sie nicht gerade mit dem Lauschen der romantischen Lieder, dem Verzehr des leckeren Essens oder dem neugierigen Beobachten der anderen Anwesenden beschäftigt war, hatte sie sich in engem Körperkontakt mit Sunny vergnügt.
Sie mochte die Art, wie seine Hände sanft über ihren Körper strichen und ein kribbeliges, aber auch warmes Gefühl hinterließen.
Das bauchfreie Oberteil hatte sich als gute Idee erwiesen, denn während sie auf verschiedenste Art seine langen Beine als Sitzplatz nutzte, berührten dadurch seine langen eleganten Finger häufig spielerisch ihre nackte Haut, was das Kribbeln nur umso mehr anheizte.
Ansonsten hatten sie viele neckische Küsse ausgetauscht und zu ihrer eigenen Verwirrung hatte auch ein kitschiger Akt, wie das gegenseitige Füttern, sich besser angefühlt, als sie es sich jemals vorgestellt hatte.

Die besonderen Highlights der körperlichen Sinnlichkeit waren aber, neben dem ersten und sehr romantischen spontanen Kuss auf dem Hof des Gestütes, ein langer und intensiver Kuss bei dem kleinen Spaziergang im nächtlichen Obstgarten, bei dem sich ihre Zungen fast wie natürlich zu einem engen Tanz trafen, der sich im Rhythmus ihrer Herzschläge eine viel zu kurze Ewigkeit hinzog.
Bei diesem Kuss hatte sie ein wohlig warmes Gefühl im ganzen Körper gespürt, aber auch eine glühende Energie in ihrem Bauch und Unterleib, die sie jetzt noch mit einer unbekannten Hitze erfüllte, nur von der Erinnerung an den Moment.
Das Einzige, was sie immer noch verwirrte, war der Umstand, dass sie tatsächlich meinte, dass sie – wie es in den schlechten Romanen ihres Vaters so häufig beschrieben war – plötzlich Musik gehört hatte.
Es verwirrte sie ein wenig, dass es sich in diesem Fall um die rein akustisch gespielte Version von Bryan Adams Lied „I do it for you“ aus dem schrecklichen Robin Hood Film mit Kevin Costner handelte.
Also, entweder hatte ihr romantisches Ich einen sehr schlechten Musikgeschmack, oder vielleicht hatte Teddy mit Gitarrenspiel ein anderes Mädchen bezaubern wollen.
Es war erschreckend, dass es ihr in dem Moment gefallen hatte und den romantischen Moment abrundete.

Als letztes Highlight des perfekten Abends gab es noch den sinnlich-verführerischen Abschiedskuss, der immer noch auf ihren Lippen brannte.
Sunny hatte sie ganz dicht an sich gezogen und sanft in seinen Armen gehalten, während er zart anfing, mit seinen Lippen die ihren zu umschmeicheln und das romantische Feuer erneut hochkochte, bis zu einer süßen, fast unerträglichen Hitze, die scheinbar nur seine geschmeidige Berührung löschen konnte. Fast wie von selbst hatte sich ihr Körper immer dichter an den seinen gedrängt, um ihn mit allen Sinnen zu genießen und sie hatte alles an ihm aufgesogen wie eine Wüstenpflanze das Wasser eines der seltenen Regengüsse.
Seine Berührungen, sein Geruch und auch sein Kuss, alles war noch als ein intimer Schatten in ihrem Herzen und auch in ihrem Bauch gegenwärtig.
Sie würde baldigst ein Gespräch mit ihren Großmüttern führen, denn sie wusste nicht, wie sie all diese Gefühle einsortieren sollte, die sie überschwemmten.

Obwohl sie eigentlich voller Vorfreude darauf war, gleich das mysteriöse Feuer bei der Scheune zu erkunden, gab es einen Teil in ihr, der sich schon nach dem morgigen Treffen sehnte, das sie Sunny hatte versprechen müssen. Es war noch nicht einmal abgemacht, was sie unternehmen wollten und trotzdem konnte sie es kaum erwarten.
Es war ihr deutlich klar, dass sie Zuhause über das Erlebte gründlich meditieren müsste, sonst würde sie unabhängig vom Teegenuss keinen ruhigen Schlaf finden.
In der Ferne sah sie am Rande der Felder die alte Scheune aufragen. Sie bremste ab und stieg vom Fahrrad.
Genau beobachtend, schob sie das Fahrrad leise den Weg entlang. Das Licht ihres Fahrrades hatte sie gelöscht und ihr Herzschlag stieg an.
Das zweite Abenteuer ihres Tages begann.

Sunny war bereits mit den letzten Aufräumarbeiten fertig. Nach dem allerbesten Gutenachtkuss aller Zeiten, hatte er, wie in Trance, die üblichen Arbeiten erledigt und dabei nur an eines gedacht. Er freute sich auf das morgendliche Wiedersehen mit Alise.
Nur eines machte ihm Sorgen, denn er hatte schon geraume Zeit Teddy nicht mehr gesehen.
Dabei hatte er jetzt soviel zu erzählen und noch mehr zu fragen, denn er wollte das morgendliche Treffen gründlich vorbereiten.

Suchend ging er über das Gelände des Gutshauses. Das letzte Mal, als er Teddy gesehen hatte, war dieser noch am Feuer gewesen.
Außerdem schien es ihm so, als hätte Teddy vorhin im Obstgarten Gitarre gespielt, aber da konnte er sich auch irren, denn seine Aufmerksamkeit war ja von seiner rothaarigen Traumfrau völlig gefangen gewesen.
Er machte sich ein wenig Sorgen, denn es war nicht Teddys Art, einfach verschwunden zu sein. Vielleicht hatte man ihn entführt?
Langsam begann sich Sunny Vorwürfe zu machen.
Während er durch den dunklen Obstgarten spähte, bemerkte er ein kurzes Aufleuchten. Er blickte hinüber zu der Pension und wunderte sich. Scheinbar war um diese späte Zeit noch einer der Gäste wach, denn es wirkte wie das Glühen einer Zigarette oben am Fenster einer der Gästezimmer. Sunny zuckte mit den Schultern. Wahrscheinlich genoss einer der Gäste die sternenklare Nacht von seinem Fenster aus, warum auch nicht?

Als er zurück ins Haus trat, sah er mit einem Blick, dass Teddys Joggingschuhe verschwunden waren.
Warum hatte Teddy um diese Zeit das Bedürfnis zu Laufen?
Hatte seine romantische Liaison Teddy verletzt?
Sunny machte sich Gedanken und beschloss, lieber oben in ihrem Zimmer auf Teddy zu warten.
Vielleicht könnte er dort auch noch diesen wunderbaren Abend Revue passieren lassen, denn es war ihm irgendwie dringlich danach.

Fortsetzung folgt natürlich…

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