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	<title>Aspergers Nähkästchen &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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	<description>Selbsthilfe, Genesungsbegleitung und Betroffenenbeteiligung</description>
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	<title>Aspergers Nähkästchen &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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		<title>There is no place like home sweet home</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Apr 2023 12:24:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ankündigung]]></category>
		<category><![CDATA[Aspergers Nähkästchen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Schmusehamster lässt die drei Jahre währende Schifffahrt mit der SHG Phönix und SHG Recovery und deren Rückkehr in heimatliche Gewässer Revue passieren. ]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Eine längst überfällige und finale Eintragung in die Logbücher unserer heimatlosen Fahrt über die Weltmeere der Recovery, Salutogenese und Empowerment. Die letzten Zeilen des Reise- mögen überleiten in das Hafenlogbuch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist leicht, in Momenten, die einem wichtig erscheinen, verbale Superlative auszudrücken.<br>Obwohl es mir einerseits so scheint, dass dieser sprachliche Stil zunimmt und jedes noch so alltägliche Bundesligaspiel zum &#8222;Schicksalsspiel&#8220; mit &#8222;grandioser Spannung&#8220; gepriesen wird oder die glattgekämmten Ergüsse mancher politischen Konferenz wahlweise als &#8222;Zeitenwende&#8220; oder &#8222;Doppelwumms&#8220; verkauft werden, muss auch ich an dieser Stelle gestehen, dass es manchmal Spaß macht und aus tiefempfundenem Herzen kommt, den Kommunikationsschalter bis zur nachbarschaftlichen Rückmeldung hochzudrehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also seid Zeugen, liebe Mitlesende und Mitlesendinnen, wie Euer Schmusehamster, sein seidenweiches Fell von oben bis unten gebürstet, mit frisch geputzten Pfötchen und sauber blinkenden kleinen Krallen den Schemel herbeischiebt, die Leiter ausklappt und sodann auf flinken Füßchen ans Schubfach fürs ganz große Besteck hinlangt, erwartungsvoll schnuppernd, sich in die kleine Hamsterbrust wirft und verkündet:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Odysee ist zu Ende!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast exakt drei Jahre, nachdem die Welt der Fluch irgendeines auf dem Markt im chinesischen Wuhan eingekerkerten kleinen Säugetieres getroffen hat (die nackten Finger, welche empört auf das goldgelbe Antlitz der hamsternden Verwandtschaft des Autors zeigen, seien an dieser Stelle nagezähnefletschend abgewehrt), durften zwei Schiffe, die &#8222;SHG Recovery&#8220; und die &#8222;SHG Phönix&#8220; mit ganz besonderen Menschen wieder in ihren heimatlichen Hafen einlaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Synchron mussten wir vor 36 Monaten die Segel setzen und zur zunächst heimatlosen Irrfahrt über die Weltmeere im berühmt-berüchtigten Dreieck von Recovery, Salutogenese und Empowerment antreten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So manches Abenteuer galt es zu bestehen. Manch ein Mitstreitender ging verloren, zu anderen blieb nur der wackelige, doch manchmal auch permanente Funkkontakt, gemeinsam mit der oft bitteren Erkenntnis, dass persönliche Nähe durch digitalen Ton und Bilder bestenfalls abgebildet, aber nur schwer gespürt werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Dank gilt allen, welche die digitalen Zumutungen ertragen und durch Neugierde und Lernbereitschaft bereichert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Dank gilt besonders jenen, die unsere sturmgeschüttelten Schiffe in ihren ganz privaten heimatlichen Häfen gastfreundlich aufgenommen haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Jawohl, die Athmosphäre war eine andere und in der Tat blieben unsere eingeschworenen Gruppen unter sich, teils aus Selbst- und teils aus Fremdschutz und dies sicherlich auf Kosten so mancher unbekannter seelisch heimatlos vertriebener Schiffbrüchiger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jedoch, und das war unser hauptsächliches Ansinnen, wir haben beide als Gruppen überlebt und mögen in der nun zaghaft wieder aufblühenden Landschaft der Selbsthilfe als Brückenköpfe dienen und all jenen eine Anlegestelle bieten, die dies brauchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wenig wie das Wetter sich Pausen gönnt, so ist auch unsere persönliche Reise als Gruppe und Individuum weitergegangen. Wir haben geliebte Mitmenschen, teils weise alte Wegweiser, an Krankheit oder Alter verloren, wir haben Mitstreiter Krisen durchleiden sehen vom ersten Niedergang über das Auftreffen am Boden bis zum Erklimmen jener Zinnen, hinter denen die Wärme des psychischen Sonnenscheins unsere Tränen trocknet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kommt mir kleinem Hamsterherz so vor wie in manchem Hollywoodstreifen, wenn diese Heldenreisen ihren Tribut fordern und auch heute, wo wir an heimatlichen Gestaden angekommen sind, treu an unserer Seite Kämpfende auf den letzten Metern, die Küste in Sichtweite, über Bord gegangen sind, weil die schwärende und zunächst im Verborgenen gebliebene Wunde, die unsere Odyssee im Zusammenspiel mit individuellen Unwettern geschlagen hat, die Heldin am Ende doch noch in seelische Schwärze hat abstürzen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merke an dieser Stelle mein Hamsterschnäuzchen aufrichtig zittern und meine dunklen Knopfaugen feucht werden. So gerne würde ich das Geheimnis jener Pille oder Therapie kennen, welche uns alle von dem Joch befreit, in welches wir an schlechten Tagen gespannt sind oder zumindest uns an guten Tagen unser Bündel auf dem Rücken etwas leichter tragen lässt.<br>Doch bevor ich beginne, Maß und Mitte zu verlieren, kehre ich zurück zu jenen Heimathäfen, in die wir zurück gekehrt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die SHG Recovery ist seit März 2023 wieder &#8222;zuhause&#8220; im Sudhaus Viersen und trifft sich dort wie gewohnt an jedem ersten Freitag im Monat, Feiertage ausgenommen. Zusätzlich wird das Online-Angebot via zoom immer vierzehn Tage nach dem persönlichen Treffen aufrecht erhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die SHG Phönix ist seit April 2023 wieder &#8222;zuhause&#8220; im Haus an der Dorenburg in Grefrath und trifft sich dort wie gewohnt an jedem Dienstag in der Woche, Feiertage ausgenommen, von 18-20 Uhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allen interessierten Menschen sei empfohlen, sich entweder an die Mitarbeiter des Sudhauses Viersen oder des Hauses an der Dorenburg oder der BIS Brüggen zu wenden und dort unsere Kontaktdaten für ein erstes gegenseitiges Kennenlernen zu erfragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Musikalisch umrahmt in meinem kleinen Asperger-Nähkästchen, das sich Schmusehamsterhirn nennt, läuft der schöne Song von Dr. Alban &#8222;Home Sweet Home&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun wird sich der Schmusehamster, ermattet vom Tippen, in sein holzwollegefülltes Nest für ein Nickerchen zurückziehen. Störenden im Sinne von meinen Schönheitsschlaf unterbrechenden Elementen sei ob frisch gewetzter Nagezähne das Tragen eines Lederhandschuhs, wie Falkner sie verwenden, empfohlen. Mittelalterfreunde und Freunde mittleren Alters können es auch mit einem Kettenhandschuh versuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So long,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Euer Schmusehamster</p>
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		<title>Zeit &#8211; mein inneres Musical-Video</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Feb 2023 21:06:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aspergers Nähkästchen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Guerrilla-Texte ohne Mitwirkung der Redaktion]]></category>
		<category><![CDATA[Abschied]]></category>
		<category><![CDATA[Hoffnung]]></category>
		<category><![CDATA[Musical]]></category>
		<category><![CDATA[Pferde]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[musikalisch angelehnte Bewältigungsstrategie des Schmusehamsters]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">musikalisch angelehnte Bewältigungsstrategie des Schmusehamsters</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vorbemerkung:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt einen recht prominenten Anteil meiner seelischen WG, welcher einen Hang zur musikalisch phantasievollen Deutung von Liedern hat, stellenweise bis hin zu schaurig-schönen Musical-Elementen mit Anleihen aus dem Bereich der Fabel. Lange habe ich dieses Element in mir mit der Außenwelt nicht geteilt, weil ich es so schwierig finde, mein Gedankenkino in passende Worte und ganze Sätze zu bringen, die dann noch die emotionale Wucht von Bild und Ton und den anderen Sinneseindrücken haben, die in mir dann ablaufen. Hier lest Ihr Versuch Eins dieses translativen Ansatzes.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sicherheitshinweis:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die folgenden Zeilen entstammen dem Zusammenspiel meiner phantasievollen (andere würden vielleicht sagen: morbid-kruden) Seele auf der Grundlage des Liedes &#8222;Zeit&#8220; von Rammstein.<br>Ohne das Lied werden meine gedanklichen Bilder nicht verständlich. Ich verwende dessen Zitat daher als liebevolle Hommage eines bekennenden Fans und hoffe sehr, eventuelle juristische Verstrickungen hinsichtlich des Urheberrechts zu vermeiden. Mein inneres Känguru empfiehlt jenen kapitalgetriebenen Winkeladvokaten, sich ihre innerlich schon gespitzten Bleistifte dorthin zu schieben, wo die Sonne nie hinscheint. Schade, dass Kängurus nicht sprechen können. Achtung &#8211; Satire! Vielen Dank für Euer Verständnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Intro:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Satt und zufrieden liege ich an einem Wochenendtag im heimischen Sessel und döse einem Verdauungsnickerchen entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Parallel höre ich den instrumentalen Prolog des Liedes einsetzen, untermalt von spärischen Chören, graduell lauter werden.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Telefon klingelt. Meine beste Freundin: &#8222;Unser Pferd steht nicht auf.&#8220; Der Alarm in ihrer Stimme macht mich schlagartig hellwach. Unser Pferd ist mit über 30 (auf menschliche Maßstäbe umgerechnet über 90) Jahren der Methusalem der Weide-Herde, komplett mit allen dem natürlichen Alterungsprozess geschuldeten, auch uns Menschen nicht unbekannten Wehwehchen. &#8222;Was ist passiert?&#8220; stelle ich die erste Frage, &#8222;Was hast Du bisher versucht?&#8220; die zweite und schließlich die dritte: &#8222;Soll ich kommen?&#8220;. Kurz kommt die Antwort, knapp und irgendwie mit einer endgültigen angstbelegten Kälte: &#8222;Ja.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Erste Strophe:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Manches sollte, manches nicht.<br>Wir sehen, doch sind wir blind.<br>Wir werfen Schatten ohne Licht.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In Hut und Mantel gehüllt, stürze ich die Treppe zu meiner Wohnung, die ich gerade verlassen habe, wieder hinauf, um Pantoffeln in Schuhe auszutauschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zweite Strophe:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Nach uns wird es vorher geben.<br>Aus der Jugend wird schon Not.<br>Wir sterben weiter, bis wir leben.<br>Sterben lebend in den Tod.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Steuer meines Autos, auf dem Weg durch wind- und regenzerzauste Dunkelheit &#8211; das letzte Aufbäumen quasi warmer Witterung verlässt unsere Breiten mit Blitz und Donner &#8211; treiben meine Gedanken umeinander. Ich sehe das Jungpferd, welches seit kurzem in unserer Obhut ist. Daneben unser altes Pony im Wandel der Jahre und Jahrzehnte &#8211; stets das schönste und beste von &#8218;die ganze weite Welt&#8216;, lange stattlich und stark, dann zunehmend von Alter und chronischer Krankheit gebeugt und geschwächt.<br>Das ein oder andere Polaroidfoto meiner Eltern mischt sich unter meinen seelischen Zugwind &#8211; Wann sind SIE eigentlich so alt geworden, dass nun wir Kinder die rüstigen Kümmerer sind?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dritte Strophe:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dem Ende treiben wir entgegen.<br>Keine Rast, nur Vorwärtsstreben.<br>Am Ufer winkt Unendlichkeit.<br>Gefangen so im Fluss der ZEIT.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Wetter an diesem Abend ist fürwahr filmreif. Böen treiben wogend Regen meinem Auto entgegen. Ich umfasse das Lenkrad fester als nötig. &#8222;Ist heute&#8220; frage ich mich, &#8222;der Tag des Abschieds gekommen?&#8220; Es wäre nicht überraschend in der Schlussphase eines langen und erfüllten Lebens auf vier Hufen.<br>Der gesunde Erwachsene in mir betritt meine innere Szenerie. Wie so oft mit der Stimme Leonessas fragt er bzw. sie mich bzw. den halb ängstlichen, halb gefassten Teil in mir: &#8222;Was wäre das Schlimmste, was Du vorfinden könntest?&#8220; &#8222;Meinen toten vierbeinigen Freund!&#8220; konstatiere ich und merke, wie ich ein Stück weit ruhiger werde ob der Tatsache, dass ich mich mit fortschreitendem Alter meines Gefährten mit diesem endgültigen Gedanken schon vertraut gemacht, gewissermaßen in ihn hineingefühlt habe wie eine Hand in eine Socke.<br>&#8222;Wäre es schlimmer, ihn bereits verstorben vorzufinden oder noch lebend und die finale Entscheidung zum assistierten Tod der herbeigerufenen Veterinärin mit-fällen und mitteilen zu müssen?&#8220;<br>An diesem Punkt will mein innerer Wut-Zerberus meinem gesunden Erwachsenen im Stile des tasmanischen Teufels mitteilen, wo er oder sie sich diese Frage hinstecken soll. Der gesunden Erwachsenen, immer noch gespielt von Leonessa, gelingt es nur durch das Heben eines Fingers ohne Blickkontakt, aus dem geifernden Raubtier ein süßes gelbes flauschiges Hühnerküken zu machen.<br>&#8222;Die Entscheidung mittreffen zu müssen.&#8220; würge ich meine Antwort hervor und ein Teil in mir verachtet mich mit der damit einhergehenden Feigheit.<br>Ich trete aufs Gaspedal und hoffe nun, nicht zu spät zu kommen.<br>&#8222;Lass es nicht so BILLIG enden!&#8220; schleudere ich dem Himmel entgegen, mein Auftakt zu einem fortgesetzten Gebetsmarathon. &#8222;Der Kölner betet, wenns eng wird.&#8220; versetzt mein innerer Zyniker und bekommt eine wohldosierte linke Gerade meiner zurückverwandelten inneren Wut ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Refrain:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>ZEIT<br>Bitte bleib stehn, bleib stehn.<br>ZEIT<br>Das soll immer so weiter gehn.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rolle durch den Autobahntunnel, knapp unter der für die Blitzer auslösenden Maximalgeschwindigkeit und bin froh, dass ein gelassener Verkehrsteilnehmer in mir nicht jeglich Maß und Mitte im wahrsten Sinne des Wortes fahren lässt. Der Slapstickregisseur in mir spielt die Erinnerung an mein Abendessen, Kohlgemüse &#8218;bürgerlich&#8216;, ab und der Beginn eines vielleicht ein klitzekleines bißchen hysterischen Lachanfalls gurgelt durch meine Kehle.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vierte Strophe:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Warmer Körper ist bald kalt.<br>Zukunft kann man nicht beschwören.<br>Duldet keinen Aufenthalt.<br>Erschaffen und sogleich zerstören</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnitt zur Weide. Im irrlichternden Schein einer Kopflampe und strömendem Regen steht meine beste Freundin neben unserem auf der Seite liegenden alten Pony, das junge nahebei. Wiederholt und zunehmend verzweifelt motiviert sie das Tier, sich aufzurichten. Dieses will der Aufforderung nachkommen, doch die Kraft in den Hinterbeinen scheint nicht ausreichend oder der aufgeweichte Grund zu rutschig. Mit jedem Versuch scheinen Ross und Reiterin gleichermaßen die Kräfte zu schwinden. Regentropfen vermischen sich mit Tränen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fünfte Strophe:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ich liege hier in Deinen Armen.<br>Ach, könnt&#8216; es doch für immer sein.<br>Doch die Zeit kennt kein Erbarmen.<br>Schon ist der Moment vorbei.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaleidoskopartig purzeln in meinem Kopf die Erinnerungsbilder, durchmischt mit den anderen Sinneseindrücken, gnadenlos realistisch wie das kalte weiße Licht auf dem Abort einer Studentendisco.<br>Gleichzeitig fühle ich den warmen Atem aus den Nüstern des Ponys, streichele sein zotteliges Fell, spüre die Kraft seiner Bewegungen und bin zurückversetzt in jene Lebensperiode, wo Frauchen und Herrchen noch ein Paar waren, empfinde uns eng umschlungen im Akt der Liebe, erinnere meinen zu diesen Gelegenheiten selbst herbeigesehnten Wunsch nach der Ewigkeit dieses Moments. Meine Sicht verschwimmt und ich blinzele Tränen weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Refrain:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>ZEIT, bitte bleib stehn, bleib stehn.<br>ZEIT, es soll immer so weiter gehn.<br>ZEIT, es ist so schön, so schön.<br>Ein jeder kennt den perfekten Moment.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe die Autobahnausfahrt erreicht, lege die letzten Kilometer über dunkle Landstraßen zurück, auf denen durch den Sturm abgerissene Zweige liegen und große Wasserlachen schimmern.<br>Schnitt zur Weide &#8211; die Stallbesitzerin ist angekommen, eine starke Außentaschenlampe dabei. Gemeinsam beginnen sie und meine beste Freundin mit weiteren Versuchen, unserem immer noch liegenden Pferd wieder auf die Beine zu helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Sechste Strophe:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich imaginiere.<br>Unsichtbar für meine beste Freundin und die Stallbesitzerin ist Gevatter Tod auf seinem Sensenpferd an der Weide eingetroffen. Seelenruhig steigt die schlanke Gestalt in schwarzer Kutte ab und geht, sein dunkles Ross am Zügel führend, auf die Szenerie rund um unser Pony zu. Nur dieses kann den schwarzen Reiter und seinen behuften Gefährten wahrnehmen. Sich Schritt um Schritt nähernd, beginnt Gevatter Tod, mit leiser Stimme zu singen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn unsre Zeit gekommen ist.<br>Dann ist es Zeit, zu gehn.<br>Aufhören, wenns am schönsten ist.<br>Die Uhren bleiben stehn.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Augen des liegenden Pferdes scheint sich die von mir gerne benutzte Vorstellung der himmlischen Wiese zu materialisieren, auf deren grüner Weite jene Herdenfreunde meines Ponys, die ihm voraus gegangen sind, ihn freundlich zu erwarten scheinen.<br>Aus einer seiner Satteltaschen holt Gevatter Tod eine Sanduhr, hält sie prüfend vor sein knochenbleiches Gesicht, die letzten Körner feinen Sandes geduldig fallen sehend.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Siebte Strophe: </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>So perfekt ist der Moment.<br>Doch weiter läuft die Zeit.<br>Augenblick, verweile doch.<br>Ich bin noch nicht bereit.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist es der plötzliche kalte und zeitlose Hauch der Unendlichkeit, den die Stallbesitzerin nun spürt, welcher sie auf einer tiefen Ebene des Unterbewusstseins die Anwesenheit des Todes wahrnehmen lässt?<br>Greift ein Engel auf weißem, geflügelten Ross ein?<br>Es bleibt unbekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gevatter Tod erstarrt, das Sensenpferd schnobert nervös. Der rieselnde Sand ist stecken geblieben. Mehrere Körner des pulvrigen Mediums scheinen zusammen gebacken zu sein. Mit knochigem Finger klopft er leicht an den Kristall der Hülle seines Zeitmessers, ohne Erfolg.<br>Ungehalten über die Verzögerung und im Angesicht, unverrichteter Geschäfte wieder heimkehren zu müssen, schüttelt Gevatter Tod seine Sanduhr, erreicht dadurch aber nur, dass etwas abgelaufener Sand wieder nach oben fließt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Hintergrund und mit dem letzten Mute der Verzweiflung, sammelt mein Pferd seine letzten Kräfte, motiviert durch gebrüllte Kommandos, eine Lawine unchristlicher Flüche als Lösungsmittel und den Katalysator greller Blendung der Pferdeaugen durch die Taschenlampe.<br>Irgendwie reicht all das, um den entscheidenden Millimeter des Schwerpunktes zu verlagern und meinem Pferd, auf die Beine zu kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gevatter Tod blickt auf und sieht, dass seine Chance vorbei ist. Schulterzuckend verstaut er die kostbare Sanduhr erneut in der Satteltasche, schwingt sich behende auf sein Sensenpferd und verschwindet in den Schatten des nun nachlassenden Gewitters.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Moment biege ich in den asphaltierten Feldweg zur Weide ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Finaler Refrain:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>ZEIT, bitte bleib stehen, bleib stehen.<br>ZEIT, es soll immer so weiter gehen.<br>Zeit, es ist so schön, so schön.<br>Ein jeder kennt den perfekten Moment.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß noch, wie in dem Moment, als ich auf das Weidetor zugefahren bin, mein Herz vor alles verzehrender Dankbarkeit einen extra Schlag machte. Da stand, im nachlassenden Regen, ER, mein Pony und daneben, müde, matschbespritzt und glücklich im patschnassen Regenmantel, meine beste Freundin und die Stallbesitzerin.<br>Die mittlerweile ebenfalls eingetroffene und notfallmäßig verständigte Tierärztin teilte uns mit, dass bis auf das fortgeschrittene Alter sowie Stadium einer chronischen Erkrankung nichts Ungewöhnliches festzustellen sei. Alle Systeme normal, gesund, keine Schmerzen. &#8222;Heute nacht&#8220;, habe ich ihre Stimme noch im Ohr, &#8222;passiert nichts mehr.&#8220; Ob mir geglaubt wird, oder nicht, an dieser Stelle donnerte es laut. Gevatter Tod war auf einen späteren Zeitpunkt vertagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Outro:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter leiser werdenden E-Gitarren-Klängen und synchron anschwellenden sphärischen Chören geht meine musikalische Reise zu Ende.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Epilog:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mittlerweile sind schon wieder etliche Wochen ins Land gegangen seit dem Zeitpunkt der Erlebnisse, die dieser Geschichte zugrunde liegen.<br>Unser Pony hat sich erholt, ein paar Kilos draufgepackt und erfreut sich während des gerade herrschenden Wetters von nahe fünf Grad und Nieselregen, seinem für Rasse und Charakter geltenden Optimum, wieder so mancher Lust auf Schabernack, ist gut zu Fuß und wieder das liebe Onkel-Pferd für ein Reitkind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir ist klar, dass an bewusstem Abend das Unvermeidliche nur vertagt wurde, wie es für Huftiere unserer Stallgemeinschaft nicht unüblich ist. So gibt es zwei noch ältere Liebhaberstücke bei uns, die ob ihres fortgeschrittenen Alters nicht mehr mit auf die Sommerweide gehen und unser alter Herdenchef hat es geschafft, das Sensenpferd und dessen Reiter gleich dreimal zu vertrösten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ich glaube, dass jene Episode für mich sehr wichtig war. Sie hat mich eindringlich mit der Nase darauf gestoßen, dass ich mich für den Abschied von meinem Gefährten rüste. Es kommt so oder so weder überraschend, noch kann ich irgendwem oder -etwas dafür böse sein. Einerseits bringe ich mich seither etwas mehr bei unserem neuen Jungpferd ein. Andererseits bin ich froh, eine so patente wie empathische Tierärztin zu haben, die uns den guten Rat mit auf den Weg gegeben hat, uns klarzumachen, dass wir nicht wissen, wann unser aller letzter Tag gekommen ist. Aber nach einem langen und erfüllten Leben kann es jederzeit soweit sein oder auch erst nach Monaten oder Jahren. Wichtig ist, das emotionale Loslassen zuzulassen und jeden Tag mit Pferd als Geschenk zu nehmen, denn unser Gefährte hat es nicht verdient, wenn wir mit einem Buckel voller Angst und Sorgen zu ihm kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin mir bewusst, dass der Abschied hart wird und eine Zeit der gesunden Trauer nach sich ziehen wird. Aufgrund meines Netzwerks, vieler gleichgesinnter und mir wohlmeinender Menschen und der Gewissheit, dass das Leben im Stall weitergehen wird, wie es immer weitergegangen ist, fühle ich mich sicher. Dafür bin ich dankbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, ob Ihr meiner musikalischen Phantasiereise, die mir ein großes Stück Erlebnisbewältigung ermöglicht (hat), folgen konntet. Auf jeden Fall fühle ich mich nun besser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So long,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Euer Schmusehamster</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nachtrag</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer die vorhergehenden Zeilen aufmerksam gelesen hat, dem mag das Bild der Sanduhr, welche Gevatter Tod, in seinem Einsatz unterbrochen, schüttelt. Lukas war eine allerletzte Gnadenfrist gegeben worden. Doch die wenigen Körner, welche im Stundenglas nach oben gerutscht waren, sollten nicht lange währen und die endgültig letzten sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende eines langen, glücklichen und gesunden Lebens ist mein treuer Begleiter am 25.12.22 vormittags von uns gegangen, mit 30,5 Pferdejahren, umgerechnet Anfang 90 Menschenjahren, läuft Lukas nun über die immergrüne Himmelswiese, umgeben von jenen getreuen Vierhufern, die ihm vorangegangen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Leben im Stall geht für mich und mit mir weiter. Leben entsteht und Leben vergeht. Lukas&#8216; Besitzerin hat ein Jungpferd zum Ausbilden und ich einen weiteren rüstigen Jungrentner gefunden, der sich über altersgerechte Bespaßung freut.</p>
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		<title>Anstrengend aber gut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Mar 2021 14:18:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aspergers Nähkästchen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Autoreparatur als Selbsthilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsbericht]]></category>
		<category><![CDATA[innere Dialoge]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Erfahrungsbericht von Gandalf alias Udo Klingen
Auch im neuen Jahr nehmen wir bei den Erfahrungsexperten Gastautoren nur allzu gerne gedanklich in unsere Arme. So ist es heute der dem geneigten Leser schon bekannte Udo K. aka Gandalf, der uns ein kleines Stück weit auf seiner persönlichen Reise mit sich nimmt...
Der Asperger-Autist des Redaktionsteams konnte es jedoch nicht lassen, der Geschichte einige seiner persönlichen Ansichten des gemeinsamen Erlebnisses hinzuzufügen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein Erfahrungsbericht von Gandalf alias Udo Klingen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Auch im neuen Jahr nehmen wir bei den Erfahrungsexperten Gastautoren nur allzu gerne gedanklich in unsere Arme. So ist es heute der dem geneigten Leser schon bekannte Udo K. aka Gandalf, der uns ein kleines Stück weit auf seiner persönlichen Reise mit sich nimmt&#8230;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der Asperger-Autist des Redaktionsteams konnte es jedoch nicht lassen, der Geschichte einige seiner persönlichen Ansichten des gemeinsamen Erlebnisses hinzuzufügen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">An einem Nachmittag saßen zwei Freunde arglos zusammen. Sie tranken gemütlich Kaffee und führten sehr gute Gespräche, ahnten jedoch noch nichts von dem gemeinsamen Abenteuer, welches sie zu überstehen hatten.<br>Kurz darauf begannen sich die Ereignisse dann zu überschlagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Freund A bekam einen Anruf von der gemeinsamen Freundin C. Der Lautsprecher am Telefon wurde eingeschaltet und das Gespräch zwischen den Freunden A und B wurde auf C erweitert. Im Verlauf des Telefonats sagte C: &#8222;Ich weiß nich&#8216;, aber irgendwie hängt an meinem Auto der Auspuff runter.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraufhin stellte der durch diese beiläufige Äußerung alarmierte Freund B der Anruferin einige gezielte Fragen. Ihm war klar: Das kann möglicherweise übel ausgehen, wenn ein teilweise loser Auspuff sich an einem Straßenbuckel festkrallt, reißt der komplett ab und demoliert womöglich auch noch den Unterboden des Wagens von Freundin C. Von dem Worst Case, dass einem hinter Freundin C fahrenden Fahrzeug der Auspuff um die Ohren fliegt, einmal ganz abgesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von da an wurde aus dem sonst sehr zurückhaltenden und fast schüchternen Freund B ein sehr bestimmt auftretender Projektleiter. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Er fragte nicht mehr, sondern gab mit ernster Miene Anordnungen, z.B.: </p>



<ul class="wp-block-list"><li>&#8222;Auto nich&#8216; mehr fahren!&#8220;</li><li>&#8222;Morgen um 15:00 Kaffee kochen.&#8220;</li><li>Und schließlich das energische Anpacken des Problems: <br>&#8222;Wir kommen vorbei und ich bastel&#8216; &#8217;ne Notlösung, dass du in den nächsten Tagen mit ruhigem Gewissen das Auto fahren kannst.&#8220; </li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde außerdem gemeinsam beschlossen, dass am nächsten Tag Freund A in der Küche von Freundin C kocht und anschließend gemeinsam gegessen wird. Dann verabschiedeten sich die drei voneinander und begaben sich mehr oder minder direkt auf den Weg ins Land der Träume.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Freund B am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe so gegen 10:30 aufwachte, war sein erster Gedanke:<br>&#8222;Komm&#8216; ich an den Auspuff überhaupt dran? Und wenn nich&#8216;, hat C &#8217;nen Wagenheber?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während das Kaffeewasser kochte, rief Freund B Freundin C an, wieder in der Rolle des sanftmütigen, aber bestimmt auftretenden Projektleiters:<br>&#8222;Moin C , sach &#8218;ma, has&#8216; du &#8217;nen Wagenheber?&#8220;<br>&#8222;Ehhhh&#8230;Moin B…..ehhh&#8230;ne, glaub&#8216; nich'&#8220;. kam die zurückhaltende Antwort.<br>&#8222;Ok, bis nachher.&#8220; schloss Freund B auch schon das Telefonat mit Freundin C ab und legte auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach kurzem Überlegen, all das noch unter dem fehlenden Einfluss des lebensspendenden, göttlich gesegneten Elixiers Bohnenkaffee, rief Freund B wiederum Freund A an.<br>A, ein ausgewiesener Nachtmensch und zertifizierter Morgenmuffel, der einen Anruf zu dieser Uhrzeit (mitten in der Nacht) als eine kriegerische Handlung betrachtet, sagte überraschend freundlich: &#8222;Guten Morgen, B. Wem oder was verdanke ich den Umstand Deines mitternächtlichen Anrufs noch vor der ersten Morgenröte im Westen?&#8220; [Wieviel Uhr war das nochmal? &#8211; Anmerkung der Redaktion]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ohne Umschweife und wieder mal recht bestimmend antwortete Freund B:<br>&#8222;Zieh dich an und komm &#8218;rüber. Wir müssen zu P, &#8217;nen Wagenheber besorgen.&#8220;<br>Freund A sagte nur noch: &#8222;Jawohl.&#8220;<br>Freund B legte auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst jetz&#8216; rief Freund B seinen ehemaligen „Pflegesohn&#8220; P an, der mittlerweile eine Tankstelle betreibt:<br>&#8222;Moin P. Sach&#8216; ma&#8216; has&#8216; du &#8217;nen Wagenheber, den ich ausleihen kann?&#8220;<br>Darauf P: &#8222;Klar, steht in der Halle.&#8220;<br>Die Gesichtszüge von Freund B hellten sich ob dieser Aussicht, für seinen geplanten Rettungseinsatz einen hydraulisch betriebenen &#8222;professionellen&#8220; Wagenheber zur Verfügung gestellt zu bekommen, spürbar auf. Neben dieser bei Kfz-Mechanikern im Außeneinsatz beliebten Werkzeugvariante, nimmt sich der üblicherweise serienmäßig irgendwo mit dem Ersatzrad zusammengepferchte mechanische Wagenheber aus wie ein zu groß gewordener Büchsenöffner.<br>Vielleicht kam der entspannte Ausdruck auf dem Gesicht von Freund B aber auch aufgrund des verführerischen Duftes frisch aufgebrühten Kaffees, der sachte durch einen entsprechenden Filter die Thermoskanne plätscherte, zustande.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die genauen Umstände werden wir vermutlich niemals erfahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Freund B lauschte weiter in den Hörer hinein. &#8222;Allerdings muss ich den Wagenheber recht zügig wieder haben, sonst krieg ich Stress mit meinem Bruder M.&#8220;, fügte P hinzu. Freund B antwortete: &#8222;Jap! Alles klar. Ich werde mir größte Mühe geben, den Wagenheber heute noch zurück zu bringen. Mein Fahrer is&#8216; unterwegs. Also bis gleich.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">B hatte noch genügend Zeit, sich der Illusion hinzugeben, nun in Ruhe seinen Kaffee trinken zu können.<br>Doch das mit der Ruhe&#8230;nun&#8230;klappte nicht so richtig. In seinem Kopf liefen alle möglichen und unmöglichen Szenarien der vor ihm liegenden Mission ab. Er hatte ja den Wagen noch nicht gesehen und deshalb wusste er auch nur beunruhigend vage, was ihn erwartete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Freund B hatte zur Reparatur eine Gitarrenseite vorgesehen. &#8222;Klar&#8230;&#8220; dachte er sich, &#8222;is&#8216; nich&#8216; professionell. Aber is&#8216; ja auch nur als Notlösung für die nächsten Tage gedacht.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von Minute zu Minute wurde B unsicherer. &#8222;Has&#8216; du dich da nich&#8216; zu weit aus &#8218;em Fenster gelehnt?&#8220; flüsterte eine Stimme seines inneren Teams. &#8222;Du has&#8216; versprochen, &#8217;ne Lösung zu basteln, aber kannst du dat überhaupt noch???&#8220; raunte ein zweiter Sprecher. &#8222;Vielleicht is&#8216; der Auspuff total durchgerostet und du findest keinen Fixpunkt, wo du dat Ding fest machen kannst.&#8220; tuschelte ein dritter Spieler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allmählich wurden Zweifel und Zaudern lauter vorgetragen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Es kann ja auch dies und das und jenes passieren…&#8220; stöhnte die erste Stimme wieder. &#8222;OHHH&#8230;Mann! Du immer mit deiner großen Klappe!&#8220; murrte Sprecher Zwei. &#8222;Aber da muss&#8217;e jetz&#8216; durch und vor allen Dingen darfst du dir keine Unsicherheit anmerken lassen.&#8220; schloss Spieler Drei die interne Beratung ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So verließ Freund B seine Wohnung im Souterrain mit gemischten Gefühlen, setzte sich auf die Bank vor dem Haus und rauchte noch eine Zigarette. Nach erdgeschichtlich relativ kurzer Zeit kam auch schon Freund A mit seiner geräumigen Chevrolet-Limousine vorgefahren. Freund B verzichtete zur Feier des Tages darauf, im luxuriösen Fahrgastraum im Heck Platz zu nehmen, sondern nahm ausnahmsweise auf dem bequemen Beifahrersitz mit großzügiger Beinfreiheit Platz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach einem kurzen aber launigen &#8222;Moin A.&#8220;&nbsp; leitete Freund B mit dem Wort &#8222;Geradeaus&#8220; die Navigation zu ihrem Zwischenziel, der Tankstelle von P in E an der S, ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon nach kurzer Fahrstrecke piepste das Handy von Freund B. Mechanisch nahm dieser das Mobiltelefon aus seiner Innentasche, während Freund A Freund B Fragen zum weiteren Vorgehen stellte. In B&#8217;s Kopf rotierte es. Das Handy-Display, die möglichen Schwierigkeiten, welche bei der bevorstehenden Not-OP an Freundin C&#8217;s Wagen auftreten konnten und die Fragen von Freund A wirbelten wild umher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem musste Freund B ja auch noch Freund A ans Fahrtziel dirigieren. Die Anspannung in Freund B wuchs von Minute zu Minute&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann sagte A auch noch, dass seine&nbsp;Bremsen [jene seines Wagens sind hier natürlich gemeint &#8211; Anmerkung des Redakteurs mit Asperger] sich irgendwie komisch anfühlen. Vor ein paar Tagen habe es beim Fahren einen Knall gegeben, den A sich nicht erklären konnte. Ob das vielleicht in irgendeinem Zusammenhang zu der permanent brennenden Kontrollleuchte für die Handbremse [schräg unter der ebenfalls im Dauerbetrieb leuchtenden Motorkontrolleuchte &#8211; Anmerkung der Redaktion] stehen könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Just in diesem Moment bekam Freund B auch noch einen Anruf von seinem Therapeuten, den B, bereits bedenklich durch den Informationsstau gezeichnet, erst im dritten Anlauf von der Mailbox entgegen nehmen konnte.<br>Therapeut: &#8222;Herr B, in meinem Terminkalender steht, dass wir jetzt einen Termin haben.&#8220;<br>Mittlerweile an der Tankstelle angekommen, war B derart nervös, dass das er nicht &#8218;mal sein Handy richtig bedienen konnte. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Freund A, der mit seinen feinen Antennen das neuronale Störfeuer Freund B&#8217;s bereits wahrgenommen hatte, schaltete sich ein: &#8222;Wat is&#8216; , kann ich dir helfen?&#8220; B grummelte:&nbsp; &#8222;Ja, ich krieg&#8216; den Flugmodus nich&#8216; ausgeschaltet.&#8220; Beherzt ergriff A die Initiative: &#8222;Jib &#8218;ma her dat Ding.&#8220; Nach wenigen Sekunden war das Handy von Freund B wieder einsatzbereit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">B holte einige male tiiief Luft und konzentrierte sich beim laaangsaamen Ausatmen auf das Gefühl, wenn der Atem an den Nasenflügeln vorbei streicht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenige Augenblicke später fand Freund B auf diese Weise genug Ruhe, seinem Therapeuten eine Nachricht auf Band zu sprechen: &#8222;Hallo Herr Therapeut. Sorry, dass ich den heutigen Termin vergessen habe. Bin gerade gewissermaßen im Einsatz, weil eine Freundin Hilfe am Auto benötigt. Mir jeht et jut, alles Paletti. Ich meld&#8216; mich die Tage für &#8217;nen neuen Termin.&#8220; Freund B war sicher, dass durch das seit Jahren gewachsene gute Verhältnis sein Therapeut mit dieser Antwort zufrieden sein würde und gestattete sich einen Moment der Dankbarkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sichtlich ruhiger stieg B aus dem Auto und ging zum Kassenhaus der Tankstelle. P, hinter dem Verkaufstresen, bediente noch kurz eine Kundin. Dann schnappte er sich den Schlüssel zur Werkstatthalle, zog den Profi-Wagenheber raus und wünschte, mit eleganter Verbeugung, viel Erfolg. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun versuchten A und B, den Wagenheber in das Auto zu bugsieren. Wobei das Problem nicht das beachtliche Gewicht des schweren Gerätes war, sondern der lange Hebel, der sich daran befand und es entsprechend sperrig machte. A kam auf die Idee, den Hebel ab zu montieren. Auch B hatte diesen Gedanken, war nur langsamer mit seiner Äußerung. Gesagt getan. Wagenheber eingepackt und die Fahrt ging weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Etwa eine Stunde Fahrzeit bis bei C&#8220; rief sich Freund B ins Gedächtnis, bevor er C anrief und sagte: &#8222;Planänderung: wir sind schon um Zwei da.&#8220; C, die grade ihren Hund M Gassi führte &#8211;&nbsp;oder der Hund sie &#8211; antwortete: &#8222;Ja, okay. Bis gleich.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während der Fahrt ging B im Kopf die möglichen Ursachen für den Knall, der ihm von A geschildert wurde und die spürbaren Bremsprobleme durch. Wieder durch gezielte Fragen wurde B klar, dass der Knall und das Bremsproblem mit größer Wahrscheinlichkeit nicht in Zusammenhang steh&#8217;n. Unbemerkt von Freund A beobachtete Freund B das Bremsverhalten des Wagens &#8211;&nbsp;soweit dies als Beifahrer möglich ist &#8211; und stellte hin und wieder in aller Ruhe die eine oder andere Frage, wodurch ihm klar wurde: &#8222;Bis bei C gibt es wohl kein Problem mit der Bremse.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei C im malerischen H an der A angekommen, ging B erstmal zum Wagen von C. Mit den scharfen Augen eines nicht mehr taufrischen, aber an Jagderfahrung reichen Falken hatte er das in Signalfarben getarnte Fahrzeug bereits von Weitem ausgemacht. Katzengleich ließ sich B zunächst auf ein Knie, dann auf alle Viere nieder, um von dort in einer fließenden Bewegung in die stabile Seitenlage rollen, den Blick fest auf das zu lösende Problem gerichtet. B schaute unter den Wagen von C und musste dann von A schon fast genötigt werden, erst mal zu C in die Wohnung zu gehen, um dort den fast fertigen Kaffee zu trinken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während Freund A und Freundin C im Beisein von Hund M beim Kaffee eine ganz normale Unterhaltung begannen, kippte Freund B recht schnell seinen Kaffee in sich hinein. Er hatte große Schwierigkeiten, ruhig sitzen zu bleiben. Plötzlich spielte er wieder den Projektleiter und drängte darauf, sich jetzt endlich um das Auto von C zu kümmern.<br>Er forderte von C irgendeine Unterlage, damit er sich nicht auf die nasse Straße legen musste, die einzige Bequemlichkeit, die B sich gestattete. C reichte ihm eine alte Plastiktischdecke und eine Wolldecke. Die Tischdecke nahm B in die Hand und marschierte los, die beiden anderen würden ihm schon folgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er legte die Tischdecke hinter das Auto, legte sich selber darauf und begann unverzüglich, den Auspuff zu betrachten. Schnell stellte B fest: &#8222;Den Wagenheber brauch&#8216; ich nich&#8216;. Bis wir den ausgepackt und damit den Wagen hochgebockt haben, bin ich schon fast fertig.&#8220; Mit geschickten Händen hatte er schnell eine Gitarrenseite um Auspuff und abgerissene Halterung gewickelt, mit einer Kombizange den Draht verzwirbelt und den Wagen damit fahrbereit gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">C kenne einen Schrauber, den sie jedoch noch nicht erreichen könne, drang die liebliche Stimme der Fahrzeughalterin, beseelt durch das gelöste Problem, an das elektronisch verstärkte Ohr von B. Dieser sagte gerade: &#8222;Du kanns&#8216; damit ein paar Tage bedenkenlos fahren, aber lass dat vernünftig herrichten. Is&#8216; für jemanden, der mit &#8217;nem Schweißgerät umgehen kann, kein Problem.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dieser Fingerübung zum Aufwärmen,&nbsp;ging Freund B mit ungutem Gefühl zum Wagen von Freund A. &#8222;Wat is&#8216; wenn die Bremsen fritte sin&#8216; un&#8216; hier jetz&#8216; zwei nich&#8216; mehr ganz fitte Autos stehen?&#8220; meldete sich Stimme Eins seines inneren Teams wieder zu Wort. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter der hinteren Stoßstange des Wagens von Freund A angekommen, begutachtete Freund B erst den Auspuff und stellte fest: &#8222;Dat über dem Endtopf liejende Abdeckblech, dat den Unterboden des Wagens vor zu großer Hitze schützt, ist mit normalerweise zwei Schrauben befestigt. Eine der Schrauben hat sich gelöst: Rostfraß &#8211; nix Ungewöhnliches und mit entsprechendem Werkzeug und Material leicht zu beheben.&#8220; Geduldig, ja fast väterlich, ermunterte Freund B Fahrzeughalter A dazu, sich das Problem selbst anzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Nun die Bremse…&#8220; flüsterte Sprecher Zwei im Kopf von B mit einem Anflug von Unsicherheit. &#8222;Wir werden hier übernachten oder heim trampen&#8230;&#8220; meldete sich Spieler Drei erneut [mit sarkastisch eingefärbter Betonung &#8211; Anmerkung des Asperger-Autisten im inneren Team der Redaktion]. B tat so, als hätte er nichts gehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;A, mach die Motorhaube auf.&#8220; B schaute in den Motorraum und fand schnell den Vorratsbehälter für die Bremsflüssigkeit. B konnte von außen den Pegelstand der Bremsflüssigkeit nicht feststellen. Er wischte mit dem Daumen über den Behälter und dachte: &#8222;Scheiße, is&#8216; dat Ding dreckig. Genauso wie bei meinen alten Autos.&#8220; B befeuchtete seinen Daumen mit Spucke und rieb ein weiteres mal, diesmal außerdem mit wesentlich mehr Druck, über den Behälter … Ergebnis gleich null. &#8222;Okay, dat Licht hier is&#8216; schlecht, aber dat ich nu&#8216; so gar nix vom Pegelstand sehe, is&#8216; seltsam.&#8220; Seine Miene verfinsterte sich zunehmend. B schraubte den Deckel des Behälters ab &#8230; und glaubte, fast vom Schlag getroffen worden zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte ja schon vermutet, dass zu wenig Bremsflüssigkeit vorhanden sei, &#8222;Aber dat da so jut wie nix mehr drin is&#8217;&#8230;&#8220; ließ B in seinen eigenen Ohren bösartig klingen, als er zu A sagte: &#8222;Schau da mal rein&#8230;&#8220; Darüber hinaus schwang Freund B drohend seine Hand, als wolle er Freund A ohrfeigen. Sichtlich verunsichert schaute dieser nun selbst in den Behälter &#8211; und verstand nicht, warum B sich so scheinbar gewalttätig verhielt. Naive Rehaugen blinzelten hinter dicken Brillengläsern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">B dachte nur: &#8222;Et is&#8216; en&#8216; Kreuz mit die Akademiker, die studierte Köpp&#8216;!&#8220;,&nbsp; sagte aber nichts dazu und schüttelte innerlich nur den Kopf. Ihm wurde klar, dass er A keinen Vorwurf machen konnte und die Drohung mit der Hand war ja auch nur spielerisch gemeint. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Freund B wechselte wieder in die Rolle des väterlichen, geduldigen Lehrers und erklärte Freund A, dass dieser mit seinem und auf der Hinfahrt ihrer beiden Leben gespielt habe. Dass die fast nicht mehr vorhandene Bremsflüssigkeit dazu geführt habe, dass Luft in das Haremssystem gesogen wurde [ich gehe davon aus, dass hier statt &#8222;Harems-&#8220; das &#8222;Brems-&#8220; System gemeint ist und Autokorrektur sowie Autovervollständigung (oder die zu dicken Finger) hier dem Autoren dieser Geschichte einen Streich gespielt haben, möglicherweise genährt von feucht-fröhlichen Fantasien &#8211; Anmerkung der Redaktion].</p>



<p class="wp-block-paragraph">B ordnete an: &#8222;Wenn wir nachher zurückfahren, halten wir an der nächsten Tanke und kaufen Bremsflüssigkeit. Wir füllen den Behälter auf und fahren vorsichtig nach Hause, immer im Kopf, dat besonders vorausschauend gefahren werden muss.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun, da Freund B wusste, &#8222;wat los is'&#8220;, fiel die ganze Anspannung von ihm ab. B&nbsp;wurde viel ruhiger, als noch auf der Fahrt zu Freundin C&#8217;s Wohnung und überlegte die weiteren Schritte, die an A&#8217;s Wagen zu tun waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Freund A spielte nun eine seiner Stärke aus und kümmerte sich ums Essen. Wirsing mit Mettwurst und Kartoffeln untereinander: &#8222;NjamjamLeggaleggaleggaa.&#8220; Freundin C machte noch ma&#8216; lecker Kaffee. Freund B rief M, den Bruder von P, seines Zeichens KFZ-Meister, an. Er schilderte M die Sachlage und fragte, ob und wann M Zeit habe, sich der Sache mit A&#8217;s Wagen anzunehmen. Direkt wurde ein Termin vereinbart und alle waren zufrieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wurde gut gegessen un&#8216; &#8222;Dummtüch&#8220; gelabert.<br>A und B machten sich nach einiger Zeit auf den Rückweg, als die Augen von Freundin C, zufrieden abgefüttert, schon bedenklich klein geworden waren.<br>Sie fuhren die erste Tankstelle an. B holte Bremsflüssigkeit, füllte den Behälter auf und es ging weiter.<br>Während der Fahrt lehrte Freund B seinen unerfahrenen Freund A, was eine Stotterbremsung ist und dass er diese anzuwenden habe, bis M das Abdeckblech für den Auspuff befestigt und &#8211; vor allem &#8211; das Bremssystem entlüftet und nochmals überprüft habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie versprochen haben A und B den Wagenheber noch am gleichen Abend wieder zurück gebracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann wurde in Bs Domizil in unmittelbarer Nähe zur historischen Burg B noch ein Kaffee getrunken und wie so oft&nbsp; interessante und gute Gespräche geführt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Freund A&nbsp; begab sich bald müde auf den Heimweg und auch Freund B war dem Land der Träume nicht mehr fern.. B hörte sich noch eine Zeitlang Musik an und ließ den Tag Revue passieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein guter, ein sehr guter Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Vielen Dank, lieber Udo, für Deinen Erfahrungsbericht.</em><br><em>Dem interessierten Leser sei verraten, dass diese Geschichte eine Fortsetzung gefunden hat und auch zur Stunde noch findet. Es wird dabei nicht weniger ein Auf und Ab von Gefühlen, Wendungen und Handlungen geben. Mit etwas Glück könnt Ihr das an dieser Stelle bald nachlesen.</em></p>
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		<title>Glitzernde Luftballons im grünen Laub</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jun 2020 11:54:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aspergers Nähkästchen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Poesie]]></category>
		<category><![CDATA[Abendstimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Begegnung]]></category>
		<category><![CDATA[Neugier]]></category>
		<category><![CDATA[Spaziergang]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Erfahrungsbericht über die positive Kraft nicht alltäglicher Begegnungen von Eurem Schmusehamster (ak)]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein Erfahrungsbericht über die positive Kraft nicht alltäglicher Begegnungen von Eurem Schmusehamster (ak)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später am letzten Samstag, ließ den Schmusehamster das hypothetische höhere Wesen gleich nochmal am Baum der Erkenntnis naschen &#8211; oder zumindest schnuppern und das kam so&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem ich mir, von der nachmittäglichen Geschichte am Kassenautomaten beseelt, von meiner wunderschönen rothaarigen und grünäugigen offenherzigen Muse befriedigt und durch einen herrlichen Erdbeerplunder gestärkt, eine Weile im Garten den Hintern platt gesessen hatte, schwenkte mein inneres Barometer fanfarenblasend von &#8222;Passiv&#8220; auf &#8222;Aktiv&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also auf die Beine gestellt und die Hundis geschnappt für einen Spaziergang durch die abendlich goldene Landschaft.<br>Sobald der letzte asphaltierte Rest von Straße endgültig in den Schotterweg des Naturschutzgebietes übergegangen war, meldete mein Asperger-Radar einen glitzernden Strauß Folienballons am diesseitigen Niersufer. Durch das dichte sommerlich grüne Laub waren die Ballons zwar kaum erkennbar, aber manchmal ist Asperger auch eine Superkraft und mein Radar fokussierte zuverlässig genau darauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wird wohl eine Geburtstagsfeier von Jugendlichen an der Niers sein oder gar ein Heiratsantrag eines holden Romeos an seine angebetete Julia?</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Punkt versuchte ich, mir Rat bei meinen mitgeführten Vierbeinern zu holen. Doch weder die elfjährige Noa, noch der 14-jährige Brutus hatten gerade Zeit oder Lust, ihre Aufmerksamkeit auf meine Frage umzulenken.<br>Die Hündin hatte zwischen viel zu vielen potenziellen Beutetieren abzuwägen, deren verführerischer Duft sich in ihre Fußballfeldgroße Nasen-Oberfläche einbrannte.<br>Apropos Duft &#8211; der vom Alter mit nachlassendem Gehör und Augenpaar gezeichnete Rüde war damit beschäftigt, sich in die ihm angenehme Joga-Position &#8222;Donnerbalken&#8220; zu drehen, eine Übung, der stets eine Mischung filigraner Eleganz gepaart mit arthritischer Entwürdigung innewohnt und welche zuverlässig mit dem Verlust eines gefühlten Viertels des vorherigen Körpergewichts des kleinen Kerls einher geht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach vollzogenem Akt, das dunkle Tütchen mit dem noch körperwarmen Endprodukt der Bemühungen meines behaarten Gefährten lässig am Handgelenk baumelnd, setzen wir unseren Weg fort und bogen auf den Flurweg ein, der parallel zur Niers verläuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außer uns sind nur wenige Menschen unterwegs &#8211; es ist Abendbrotzeit.<br>Vor uns enthüllt sich ein schönes Bild:<br><br>Zwei Menschen, beides Damen, und der schon von weitem bemerkte Strauß bunter Folienballons.<br>Beide Hunde halten direkt darauf zu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Haben die Hunde Angst vor den Ballons?&#8220; ruft mir die erste Dame entgegen.<br>Ich werfe einen Blick auf meine beiden Begleiter, die schwanzwedelnd in ihren Geschirren hängen und an den Leinen ziehen. Im Kontrollraum meines inneren Teams wird die Szene mehrfach durch den Ironie/Sarkasmus/Zynismus-Filter gejagt, eine zweifelsfreie Bewertung der ausgesprochenen Frage kann aber nicht getroffen werden.<br>&#8222;Es sieht bisher nicht so aus.&#8220; erwidere ich gut gelaunt. Mein innerer Connaisseur flacher Kalauer will ein &#8222;Schlimmstenfalls werden sie gefressen.&#8220; hinterherschicken, was mein innerer Pressesprecher jedoch routiniert mit einem nachsichtigen Lächeln verhindert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Ballons und deren Besitzerinnen angekommen, bietet sich mir ein Anblick wie ich ihn nicht alle Tage habe. Beide Damen werden von meinem inneren Ordner in die Kategorie &#8222;Gesamtkunstwerk&#8220; einsortiert. Ich darf das, denn in dieser Schublade residiere ich selber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüngere der beiden Damen, vielleicht Mitte Zwanzig, schlank, trägt schwarze flache Stoffsneaker mit weißer Sohle, welche in lange rotweiß geringelte Kniestrümpfe übergehen, jene Sorte, welche ich aus dem Kölner Karneval oder dem stadtbekannten Puppentheater kenne. Darüber trägt die junge Dame ein schlichtes &#8222;kleines Schwarzes&#8220; und auf dem Kopf mit kurzen Haaren eine klassische Melone, wie ich sie von Charlie Chaplin kenne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die rundliche Begleiterin, irgendwo im Niemandsland von Forty- to Fifty-Something anzusiedeln, kommt mit einem beigefarbenen Baumwollkleid und hochhackigen Korkschlappen zwar weniger farbenfroh daher, jedoch erfüllt das gespannte Verhältnis von Volumen und Stoffmenge, mit der ihr üppiges Dekolletee eingehegt ist, eindeutig den Tatbestand von Freiheitsberaubung, wenngleich sich mein evolutionär geprägtes Stammhirn sich eines anerkennend gemurmelten &#8222;O-La-La &#8211; die Glocken von Rom&#8220; nicht erwehren kann, was ihm einen strengen Ordnungsruf meines inneren Gleichstellungsbeauftragten einbringt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Sind das Podencos?&#8220; fragt die jüngere Dame.<br>&#8222;Jawohl.&#8220; antworte ich und erfahre, dass die ältere Dame bald einen eigenen Podenco aus dem Tierschutz bezieht.<br>Es entspinnt sich ein kurzes aber nettes Gespräch, in welchem ich erfahre, dass die jüngere Dame Porträts von sich knipsen lässt &#8222;weil das Licht und der Fluss im Hintergrund so schön sind.&#8220; Die ältere hebt an dieser Stelle eine digitale Spiegelreflexkamera in die Höhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich noch überlege, wie man auf die Idee kommen könnte, ein durch künstliche Zuleitungen am Leben gehaltenes flaches Kanälchen wie die Niers mit dem Euphemismus &#8222;Fluss&#8220; zu adeln, beschließen Brutus und Noa, dass nun Genug der höflichen Worte gewechselt sind, sowie darüber hinaus zuhause die überfällige Abendfütterung wartet.<br>Es wird eben nicht jeder am Rhein groß, denke ich mir, wünsche den Damen einen guten Abend und empfehle mich samt hungrigem Rudel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist dem Zufall geschuldet, dass ich in einem vom Mausebär geschenkten Buch justament die Zeilen über den Wert spontaner und ganz und gar nicht alltäglicher Begegnungen, die das Leben bereichern, lese. Es sind die glitzernden Facetten, die solche Treffen schenken. Genau dies ist heute an der Niers passiert und auch wenn es wahrscheinlich ist, dass sich unsere Wege niemals mehr kreuzen, ist es mir doch eine gute Anekdote für mein Langzeitgedächtnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Sinne, traut Euch, wenn Ihr etwas Glitzerndem gewahr werdet und geht darauf zu, um es in aller Ruhe zu betrachten. Es bringt das gewisse Etwas in das seelische Gemälde eines Tages.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So long,<br><br>Euer Schmusehamster</p>
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		<title>Tote Herde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2020 13:47:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aspergers Nähkästchen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbeutung]]></category>
		<category><![CDATA[Billigfleisch]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaftskritik]]></category>
		<category><![CDATA[Poesie]]></category>
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					<description><![CDATA[Gesellschaftskritik in Gedichtform von Eurem Schmusehamster (ak). Bitte beachtet den Sicherheitshinweis!]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Gesellschaftskritik in Gedichtform von Eurem Schmusehamster (ak). Bitte beachtet den Sicherheitshinweis!</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>&#8222;Vorsicht vor verschreckter Verwirrung vulnerabler Voyeure, verursacht von vermutlich verstörenden Versen voller Verachtung von Viehherden verschleißenden, Völker verschleppenden, Viren verbreitenden Verbrechen.&#8220;</p><cite>Vernunft</cite></blockquote>



<h3 class="wp-block-heading"><em>Tote Herde</em></h3>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Auf die Schlachtbank mit den Fleischbaronen,<br>Die Fließband-Schlächter schlecht entlohnen.<br>Für den letzten Pfennig mehr Profit.<br>Warum machen wir da noch mit?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Pferchen Tagelöhner in Baracken,<br>Ohne Heizung, Bett und Platz zum Kacken.<br>Akkord-Arbeiten von Früh bis Spät &#8211;<br>Damit in deutschen Pfannen Billiges brät.<br>Für den letzten Pfennig mehr Profit.<br>Warum machen wir da noch mit?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Transporter voll mit armen Schweinen,<br>Die ihr Schicksal stumm beweinen.<br>Stündlich abgeladen und getrieben,<br>Weit entfernt von ihren Lieben,<br>Streifen sie sich Ketten über<br>Und Ihre Blicke werden trüber.<br>Für den letzten Pfennig mehr Profit.<br>Warum machen wir da noch mit?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>In Reih und Glied zum Bolzenschluss!<br>Weil es ja einen treffen muss,<br>Nennt man des Schlachtviehs Todeswächter<br>Im Aktenordner nur Kopfschlächter.<br>Eine möglichst hohe Zahl an Leichen,<br>Damit die Koteletts auch ja reichen,<br>Sind des Richters stete Qual,<br>Doch sie haben keine Wahl!<br>Für den letzten Pfennig mehr Profit.<br>Warum machen wir da noch mit?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Borstenvieh wird abgebrüht,<br>Mit siedend heißem Dampf besprüht;<br>Per Sägeblatt mittig zerteilt,<br>Während das Band schon weiter eilt,<br>Die Schlachter ihre Messer wetzen,<br>Schneiden sie das Schwein in Fetzen.<br>Rotierend wechseln sie die Plätze,<br>Dass sich niemand gar verletze!<br>In der Prozesse Langeweile<br>Statt Schweinefleisch die eigne Hand zerteile.<br>Für den letzten Pfennig mehr Profit.<br>Warum machen wir da noch mit?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Luft ist sauer von Kot und Schweiß,<br>es ist feucht hier und auch heiß,<br>Blutgeruch durchdringt die Halle.<br>Der Kopf des Schlächters wird zur Falle.<br>Des Fließbands stete Ungeduld<br>Befeuert seine gefühlte Schuld.<br>Bis es ihn zur Flasche drängt,<br>Mit der er seinen Frust ertränkt.<br>Für den letzten Pfennig mehr Profit<br>Warum machen wir da noch mit?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Doch sein Gewissen will nicht schweigen!<br>Traut er sich nicht, Rückgrat zu zeigen?<br>Schiebt Wagen-Kolonnen voll mit Bratenstücken,<br>Während Stress und Sorgen ihn schier zerdrücken.<br>Liegt nächtens Mann an Mann auf der nackten Erde,<br>Dürftig gefütterte &amp; schmutzig verbitterte Krankheitsherde.<br>Für den letzten Pfennig mehr Profit.<br>Warum machen wir da noch mit?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Zerteilt, gewogen und vakuumiert,<br>Wird das Frischfleisch zum Supermarkt transportiert,<br>Beworben, Eingepreist, Etikettiert und gekühlt.<br>Ist doch egal, was das arme Schwein fühlt!<br>Für den letzten Pfennig mehr Profit.<br>Warum machen wir da noch mit?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Lauten des Schlächters letzte Gedanken &#8211; doch wird er fliehen!<br>Bringt den Stuhl unter sich ins Wanken &#8211; Spürt das Ziehen.<br>Für den letzten Pfennig mehr Profit.<br>Wie lange machen wir da noch mit?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">So long, Euer Schmusehamster (ak)</p>
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		<title>Freie Fahrt für freie Fahrer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2020 11:57:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aspergers Nähkästchen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Einkaufen]]></category>
		<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Kleingeld]]></category>
		<category><![CDATA[Überraschung]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein humorvolles Kabinettstückchen, welches Euer Schmusehamster (ak) genauso und nicht anders erlebt hat.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Ein humorvolles Kabinettstückchen, welches Euer Schmusehamster (ak) genauso und nicht anders erlebt hat.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Letzten Samstag in der Galerie am Rathausmarkt</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Einkäufe aus der Drogerie (Instant-Roggen-Sauerteig, fünfmal) im Jute-Beutel, spaziere ich, nichts Böses ahnend, in die Tiefgarage unter dem Rathausmarkt und gehe vor dem Kassenautomat in Wartestellung.<br>Nach dem Einführen der Parkkarte werde ich gebeten, einen Euro Parkgebühr zu entrichten. Beim Blick ins Portmonee fällt mir auf, dass ich nur noch wenige Cent Kleingeld bei mir trage; seit längerem dieselben Münzen, weil ich, Corona-bedingt, brav kontaktlos zahle.<br>Eine Kartenzahlung ist aber bei dem Kassenautomat nicht möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich studiere die gedruckten Kassenzeiten &#8211; vielleicht ist gar keine Gebührenphase mehr. Manche Parkhäuser lassen die Ausfahrt am Wochenende frei, um ihren Kunden einen kleinen Extra-Anreiz für Konsum zu geben. Doch Fehlanzeige &#8211; Kassenzeit ist auch am Samstag bis 21:30.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gut, denke ich mir, also Plan B: Maske wieder an und hoch zur Postbank. Im Eingangsbereich der Passage, zwischen den Schiebetüren, laufe ich zum mittlerweile dritten mal an den austrainierten jungen Herren vorbei, die agressiv Werbung für ihr Fitnessstudio machen &#8211; wenigstens lassen sie mich beim zweiten und dritten mal unbehelligt.<br>An der Postbank hebe ich den Mindestbetrag von Zehn Euro ab und trete den Rückweg in die Tiefgarage an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erneut vor dem Kassenautomat angekommen, führe ich die Parkkarte in Schlitz A ein und schiebe den Geldschein sanft in Schlitz B.<br>Nichts tut sich.<br>Vielleicht halte ich den Schein verkehrt herum?<br>Abermals straft der Geldscheineinzug meinen Schein mit Ingnoranz.<br>Sanft nestelnd versuche ich, mit dem vorher nun sorgfältig geglätteten Zehner, ein drittes mal mein Glück.<br>Doch nichts geschieht.<br>Ein kritischer Blick offenbart mir, dass auch die sonst aktiven LED&#8217;s an der Schein-Eingabe nicht leuchten. Also ist diese Funktion kaputt, folgert mein inneres Technikverständnis scharfsinnig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unwillig grummelnd ziehe ich mir aufs Neue meine Maske über Mund und Nase und gehe wiegenden Schrittes gen Tageslicht, Geld wechseln.<br>Auf dem Weg konfrontiere ich die jungen muskulösen Werbeträger ein mittlerweile fünftes mal mit meiner Erscheinung: Wallende blonde Mähne, Bart verhängt durch meine selbstgebastelte rote Maske mit Logo und Wappentier des einzig wahren Fußballvereins, schwarze Shorts und orangefarbenes Lieblings-T-Shirt mit Wappentier der Florida Gators. Ich frage mich, ob ich ihnen bereits unheimlich bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Bäcker neben der Postbank, wo ich, der geneigte Leser erinnert sich sicherlich, nur Minuten vorher war, erstehe ich eine Vortagestüte zum Preis von einem Euro. Inhalt: eine Rosinenschnecke und ein Erdbeerplunder, welchen ich, garniert durch eine gute Tasse Kaffee, genüsslich im Garten verputzt habe, bevor meine Muse mich mit einem ganz und gar nicht jugendfreien Zungenkuss zum Tippen dieser Zeilen veranlasst hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bewaffnet mit insgesamt neun Euro Wechselgeld, vier davon in zwei Zwo-Euro-Münzen, baue ich mich zum dritten mal vor dem Kassenautomaten auf.<br>Das Vorspiel bleibt das gleiche: Bitte führen Sie die Parkkarte in Schlitz A ein.<br>Es folgt Schritt 2: Werfen Sie einen Euro oder mehr in den Münzschlitz ein.<br>Triumphierend komme ich der Aufforderung nach, lausche dem kurzen wohlwollenden Zirpen, mit dem der Automat meine Handlung wertschätzt und stehe eine Sekunde später mit meiner Fahrkarte nach Draußen da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klingelnd fällt mein Wechselgeld ins Münzfach. Als ich meine Hand suchend hineinschiebe, stutze ich. Erwartet hatte ich einen Euro, in der Hand halte ich deren Drei!<br>Also hätte ich mir das Geldziehen Sparen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kopfschüttelnd trete ich den Weg zum Auto an und denke, in mich hineingrinsend, dass Gott tatsächlich ein humorvolles Wesen sein muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich starte den Motor, die Maske habe ich vorher im Handschuhfach verstaut und erstmal tiiiieeeeffff durchgeatmet.<br>Langsam rolle ich durch die fast leere Tiefgarage der Ausfahrt &#8222;Lindenstr&#8220; entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort trifft mich fast der Schlag &#8211; im positiven Sinne &#8211; !<br>Die Schranke ist offen!!<br>Unter schallendem Gelächter und mit Lachttränen im Bart trete ich den Heimweg an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal liegt die Lösung näher, als vorher gedacht und ja, Gott muss Humor haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So long &amp; allseits gute Fahrt wünscht Euch Euer Schmusehamster (ak)</p>
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