SoKo Sommerloch – Teil 1

Es war bereits früher Nachmittag, als Tessa und Teddy auf dem Sonnenbergerhof ankamen. Sie fuhr ihren Roller langsam auf den sonnendurchfluteten Innenhof des alten Reitguts. Teddy balancierte die volle Einkaufstüte voller Materialien, die sie erworben hatten.
Der Hof war ziemlich ruhig, abgesehen von ein paar jungen Mädchen, die sich um ihre Pferde kümmerten. Es schien so, als hätten die meisten Bewohner des Hofes sich zu einem verlängerten Mittagsschlaf in den Schatten zurück gezogen.
Als die beiden Jugendlichen gerade ihre Helme abnahmen, tauchte Teddys Tante Emilia auf und schaute neugierig, wer angekommen war.
Sie blickte von Teddy zu Tessa, lächelte dann einladend und erklärte Teddy, dass die anderen auf dem alten Heuboden über dem ehemaligen Stall waren. Teddy nickte ihr dankbar zu, stellte kurz Tessa vor, um sie dann an der Hand zu nehmen und mit sich zu ziehen.

Lächelnd schaute Emilia Sonnenberger den beiden Teenagern hinterher und erinnerte sich an ihre eigene Jugend. Kopfschüttelnd, aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht, wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu.

Teddy nahm den direkten Weg zu dem alten Gebäude, das mittlerweile als Garage diente.
Schon beim Betreten des Gebäudes vernahmen sie Geräusche emsiger Geschäftigkeit.
Bevor die Beiden die schmale und steile Holzstiege zum Dachboden betraten, zog Teddy Tessa zu sich heran und blickte ihr tief in die wunderschönen exotischen Augen. Sie nickte zustimmend und er beugte sich vor, um sie lange und leidenschaftlich zu küssen.
Er zog ihren heiß-süßen Atem ein und genoss das prickelnde Spiel ihrer Zungen, die sich, gleich zwei sich paarender Schlangen, um einander wanden.
Er zögerte den heißen Tanz ihrer Zungen und das sanfte Berühren ihrer weichen Lippen solange hinaus, wie er sich traute und fühlte voller innerem Glück, wie sie ihre schlanken Arme um seinen Nacken legte und ihn nahezu umschlang. Ihr heißer Körper, der sich an seinen bebenden Leib drückte, erfüllte ihn mit einem Feuer, das sich durch seinen ganz Körper zog.
Die Tüte entglitt ihm und seine Hände schlossen sich um ihre Taille, um sie so dicht wie möglich an sich zu spüren. Seine Hände wanderten streichelnd und forschend weiter zu ihrem Rücken, während er sie enger in seine Arme schloss. Er spürte, wie sie sich an ihn presste und noch intensiver den Kuss suchte. Heiß durchflutete ihn jede Berührung des wunderschönen Mädchens und Zeit und Raum um ihn herum verloren an Bedeutung.
Er wusste nicht, wie lange sie sich diesem süßen Spiel hingaben, doch als sie sich lösten, war es ihm doch viel zu kurz. Das Feuer, welches sie in ihm zurückließ, war schon fast schmerzhaft und doch so vielversprechend.
Teddy seufzte kurz und sammelte die verlorene Tüte wieder auf. Er blickte auf Tessa, die die Stiege zum Dachboden bestieg und er konnte seinen Blick kaum von ihren langen athletischen Beinen und ihrem knackigen Po abwenden. Dennoch bemerkte er, wie sie sich umwandte und ihn mit einem Lächeln zum Folgen aufforderte.
Fast wie hypnotisiert folgte er der exotischen Göttin auf dem Weg nach oben.

Oben angekommen sah er schon den Rest seiner Freunde. Sunny saß auf einem alten, aber scheinbar sehr gemütlichen Sofa und Alise hatte sich rittlings auf seinen Schoß gesetzt. Die Beiden waren gerade in einen heißen Kuss verstrickt.
Paddy saß hinter einem riesigen Schlagzeugset in der einen Ecke des ehemaligen Proberaums und schien irgendetwas zu montieren.
Die versprochenen Whiteboards, drei Stück an der Zahl, standen an längsseits des Raumes, so dicht es ging unter der Dachschräge und wartenden geduldig auf ihren Einsatz.
Nur ein Drittel des Raumes wurde von Sunnys Bruder und seinen Freunden als Proberaum genutzt, der Rest des Dachbodens war mit alten Möbeln zu einem gemütlichen Clubraum eingerichtet und an der Seite neben der Stiege, war ein wenig typischer Dachbodenschrott eingelagert.
In einem kleinen Schränkchen neben dem großen Wohnzimmertisch, der bei der Sofaecke stand, die aus mindestens drei verschiedenen Resten von Wohnzimmergarnituren bestand, waren mehre Schachteln mit klassischen Brettspielen einsortiert.
Als Highlight gab es sogar einen Kühlschrank, der offensichtlich in Betrieb war, denn er brummte leise.

Teddy stellte die Tüte auf einem aufgestellten braunen Klapptisch neben den Whiteboards ab, auf dem schon diverses Material lag.
Er blickte zufrieden über den ganzen Raum und ging zu Paddy, der ihn gerade entdeckt hatte und mit einem Nicken grüßte. Tessa blickte sich ebenfalls neugierig um und begann, den großen Raum zu erkunden.
Die beiden ineinander verschlungenen, verliebten Knutschmäuse bemerkten ihre Ankunft scheinbar nicht, aber Teddy musste angesichts seiner letzten Erfahrung mit dem Küssen seinen Zynismus herunter schlucken, konnte er seinen besten Freund doch gerade sehr gut verstehen.

Paddy strich sanft über eines der Becken des beeindruckenden Drumkits.
Fast andächtig erzählte er, mit einem inneren Leuchten in seinen dunkelgrünen Augen, dass Sunny ihm erlaubt hatte, das Schlagzeug wieder zum bespielen bereit zu machen und dann auch ausprobieren zu dürfen. Teddy wusste, dass ihm Sunny wahrscheinlich sogar den regelmäßigen Gebrauch erlauben würde, verkniff sich aber jeden Kommentar, damit sein Sunny bei Paddy punkten konnte.
Teddy wünschte sich, dass die beiden besten Freunde, die er auf der Welt hatte, sich auch untereinander anfreunden würden.
Lächelnd lauschte er Paddy, der ihm begeistert von dem Instrument vorschwärmte. Die Begeisterung seines Freundes lenkte ihn so stark ab, dass er davon überrascht war, als er plötzlich einen Klaps auf den Hintern bekam.
Er drehte sich elegant um und erblickte Sunny, der ihn zufrieden anlächelte. Über seine Schulter sah er, dass sich die beiden wunderschönen Mädchen gerade angeregt unterhielten und offensichtlich die mitgebrachte Tragetasche auspackten.
Teddy umarmte kurz Sunny und genoss einige Sekunden die vertraute Wärme seines besten Freundes. Sunny nickte ihm dann zu und berichtete ausführlich von den Entdeckungen, die sie auf dem Speicher gemacht hatten.

Dieser Ort war einfach das optimale Hauptquartier für ihre Sonderermittlungen und auch für alle Art anderer spaßiger Beschäftigungen. Teddy stellte spitz fest, dass sich der Raum auch gut als Proberaum eigenen würde.
Sunny überging, wie so oft, den zynischen Unterton und stellte freudestrahlend fest, dass er sich auch auf einige musikalische Stunden in geselliger Runde freuen würde, besonders, da er endlich mal einen Liebhaber der Rhythmussektion kennengelernt hatte, der scheinbar nicht die typischen Allüren eines Schlagzeugers hatte.
Bevor Teddy eingreifen konnte, erfuhr Paddy in einer ausschweifenden Erzählung alle Details der problembehafteten Situation in Sunnys Rockband, samt aller Hintergründe.
Da Sunny dabei sehr weit in die Annalen der kurzen Bandgeschichte zurückgriff, gab es auch eine gute Darstellung der „Marc-André-Ära“ der Band, die Paddy scheinbar auch half, sich ein inneres Bild ihres eigentlichen Problemkindes zu machen. Teddy selber war ein wenig erstaunt, wie stark es gerade in Sunnys Band kriselte, da ihm Sunny bis jetzt nichts von diesen Problemen berichtet hatte.
Natürlich nahm es Sunny mit seinem typischen unerschütterlichen Optimismus, aber Teddy machte sich durchaus ein wenig Sorgen, gerade im Hinblick auf den bald stattfinden Bandwettstreit.

Grübelnd blickte Teddy zu den Whiteboards. Zum Glück hatten sie gleich drei Exemplare davon, denn es schien so, als gäbe es mehrere Verschwörungen und Hinterlisten zu enträtseln.
Es war so, als hätte auch hier Marc-André geschickte Fäden geknüpft, um seinem ewigen Rivalen so wenig Chancen wie möglich zu lassen.
Irgendwie schien Marc-André bei allen der Intrigen eine zentrale Rolle zu spielen, so dass sich Teddy unwillkürlich fragte, ob er auch Benediktinas aufdringlicher „Heimlicher Bewunderer“ war. Wundern würde das Teddy auf jeden Fall nicht.
Er ging grübelnd erst zum Kühlschrank, um sich eine dort richtigerweise vermutete Flasche Wasser zu holen, bevor er zu der Sofakolonie ging und laut pfiff. Sofort drehten sich vier Köpfe in seine Richtung. Mit einladender Geste bat er alle, sich doch auf die Sofas zu verteilen, um endlich mit der Besprechung anzufangen.

Alle folgten seinem Beispiel, nahmen sich etwas zu trinken und versammelten sich auf den gemütlichen Sofas.
Während sich Alise neben Sunny platzierte, fand sich Tessa zu Teddys Freude gleich neben ihm ein.
Paddy beschlagnahmte den gemütlichen großen Sessel für sich und thronte darauf, wie ein grimmiger Barbarenkönig in einem Fantasyfilm.
Obwohl Teddy die Versammlung einberufen hatte, war er froh, dass Alise sofort die Gesprächsführung übernahm. Gerne überließ er ihr die Moderation, um seinen Gedanken freien Lauf lassen zu können. Alise fasste kurz, aber gründlich erneut die Umstände ihrer Ermittlungen zusammen und erläuterte mit knappen Worten, was man bis zu diesem Zeitpunkt herausgefunden hatte und übergab dann an Teddy, der selber wiederum ergänzte, welche Ergebnisse seine Beschattung gebracht hatte, übergab aber sehr zügig an Tessa, die ihre Beobachtungen mit den Anderen teilte.
Kurz überlegte die kleine Gemeinschaft, um dann zu beschließen, eine der Tafeln dem Thema des Feuers zu widmen, eine andere der Sache mit der Festplatte und die letzte dem Fall von Benediktinas „Stalker“.
Obwohl Alise dahingehend einen Verdacht hatte, biss sie sich auf die Lippen und ließ es zu, dass dieser Ermittlungsstrang unkommentiert mit aufgenommen wurde.
Paddy regte an, den „Festplattenfall“ in die Mitte zu nehmen, da ja scheinbar Marc-André das verbindende Element in allen drei Fällen war.

Bunte Pappkarten wurden verteilt und durch ihre Farben in Tatsachen, Beobachtungen, Gerüchte und Vermutungen unterteilt, bevor die Fünf anfingen, alle Fakten der drei Fälle nochmal gründlich durchzukauen, um alles wissenswerte auf diese Karten nieder zu schreiben.
Fleißig nahmen sie die Arbeit auf und Sunny flitzte mehrmals los, um Teddys und Seinen Laptop zu holen, Naschwerk zur Stärkung zu besorgen und allerlei andere Materialien heranzuschleppen. Es wurde geschrieben, gezeichnet, recherchiert, diskutiert und auch häufig gelacht.
Als Paddy zwischendurch die gesamte Aktion zynisch als „SoKo Sommerloch“ bezeichnete, waren alle von diesem Titel begeistert.
Sie beschlossen, ihre Ermittlungsaktion fortan so zu bezeichnen.

Der alte Wanderer saß in seinem Zimmer und wertete die Ergebnisse der Funkmikrophone aus, die er verteilt hatte. Das Anbringen zweier kleiner Webcams und mehrerer Mikrophone auf dem staubigen Dachboden hatte sich gelohnt. Er hatte die Zeit genutzt, während die Jugendlichen die Whiteboards holten, um sein Equipment unterzubringen und folgte nun milde lächelnd den Gesprächen. Der Funkkopfhörer erlaubte es ihm, zeitgleich den Gesprächen zu folgen und zum Fenster zu gehen, es zu öffnen, sich auf die sonnendurchflutete breite Fensterbank zu setzten und eine Zigarette anzuzünden. Er war erfreut, dass die Dinge so liefen, wie sie liefen und genoss seine Zigarette in langen Zügen.

Fortsetzung folgt…

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