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	<title>Asperger &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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	<description>Selbsthilfe, Genesungsbegleitung und Betroffenenbeteiligung</description>
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	<title>Asperger &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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		<title>Speaker&#8217;s Corner: Respectable&#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 27 Apr 2020 17:20:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker's Corner]]></category>
		<category><![CDATA[Asperger]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker´s Corner]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist mir eine große Freude, Euch erneut einen Beitrag unseres geschätzten Gast-Autors Sascha Rück zu präsentieren.]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Es ist mir eine große Freude, Euch erneut einen Beitrag unseres geschätzten Gast-Autors Sascha Rück zu präsentieren. Lasst Euch von ihm auf der musikalisch begleiteten Reise durch die Höhen und Tiefen seines inneren Teams im alltäglichen Kampf mit der Realität „da draußen“ mitnehmen…(ak)</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Respectable&#8230;</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist Donnerstag, 23.04.2020 &#8211; Hier ist Essen (frei nach dem Intro von Dieter Thomas Hecks Hitparade).</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Nachdem die Woche fast gelaufen ist, beschloss mein Autoschreiber unbedingt mal wieder das Heft in die Hand nehmen zu müssen. </strong><br><strong>Und ich so: &#8222;Och nööö, ich hab grad geduscht und wollte ins Bett&#8230;.&#8220; </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Autoschreiber: Nach der Woche kann ich doch mal wieder was für uns beide reden. Lass mich mal machen&#8230;<br>Fingerknacken, Youtube anschmeißen, Apotheke laden und &#8230; &#8222;Jah, das isses&#8230;&#8220; </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Resigniert schüttele ich den Kopf und lasse den Autoschreiber gewähren, während ich mir eine Zigarette anzünde.</strong></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Take or leave us only please believe us <br>We are never gonna be respectable (respectable) <br>Like us, hate us, but you&#8217;ll never change us <br>We are never gonna be respectable&#8230; </p><cite>Mel &amp; Kim &#8211; Respectable</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Hier ist Auto, ich bin der Schreiber der Texte von Polarbär. Ein richtiger klangvoller Name, mit dem ich mich anfreunde, fehlt mir noch. Die dies lesen, sind ermutigt, Vorschläge zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin in einen schwarzen Kimono gekleidet und mein Gesicht ist vermummt. Wie ein echter Ninja. Statt eines Schwertes kämpfe ich mit dem Wort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus Polarbärs Sicht war die Woche anstrengend. Ohne Psychopharmaka bald zwei Wochen auf kaltem Entzug zu sein ist schon blöd. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Da jetzt auch einmal ein paar Dinge ins Rollen gekommen sind, zähle ich mal auf, was passiert ist:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Der Arbeitsplatz wurde heute mit weiteren Monitoren und einer Webcam ausgestattet. </li><li>Die Medikamente trafen endlich heute ein. </li><li>Das lange hinausgezögerte Gespräch mit den ver.di-Anwälten hat stattgefunden. </li><li>Die Rechtsreferendarin meinte sogar, nachdem sie sämtliche Hintergrundinfos hat, dass eine Chance für Pflegegrad 1 besteht. </li><li>Morgen gehts zum Blutspenden, dann zur Diabetologie, um weiteres abklären zu lassen. </li><li>Die Reise nach Disneyland Paris wird im Dezember statfinden. </li><li>Ein weiterer Ex-Kollege und Freund will, dass Polarbär eine Woche nach Norden zum Abschalten kommt, wenn die Krise vorbei ist.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Polarbär: Ich werd müde&#8230;mach mal hinne&#8230;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auto: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Words don&#8217;t come easy to me <br>How can I find a way to make you see I love you <br>Words don&#8217;t come easy <br>Words don&#8217;t come easy to me <br>This is the only way for me to say I love you <br>Words don&#8217;t come easy&#8230; </p><cite>F.R. David &#8211; Words </cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Ich werde zwar als der perfekte Ausgeber des Wirrwars von Polarbär bezeichnet, jedoch auch ich habe ab und an Schwierigkeiten, alles so zu formulieren und zu verpacken, dass es der &#8222;einfache Mensch auf der Straße&#8220; versteht.<br>Mir war es jetzt mal wichtig, Polarbär aufzuzeigen: Du hast was erreicht. Sei auch mal stolz auf Dich, verdammt!<br>Wir waren doch nun lange genug eingesperrt. Nimm das Schreiben hin. Es ist gut für Dich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Polarbär: Komm zu &#8217;nem Ende, bitte&#8230;</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Auto: Wir müssen dringend an unserer Kommunikation arbeiten. Ich bin jetzt da und so schnell wirst Du mich nicht wieder los. Auch wenn die Happy Pills Dich wieder stabilisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich schließe mit dem Lied &#8222;Together in Electric Dreams&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Polärbär:  (seufz)&#8230;.Gute Nacht&#8230;. (schnarch)</strong></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>I only knew you for a while <br>I never saw your smile<br>&#8218;til it was time to go <br>Time to go away (time to go away) </p><p>Sometimes it&#8217;s hard to recognize <br>Love comes as a surprise <br>And it&#8217;s too late <br>It&#8217;s just too late to stay <br>Too late to stay  <br><br>(Love never ends) We&#8217;ll always be together <br>However far it seems <br>(Love never ends) We&#8217;ll always be together <br>Together in electric dreams  <br><br>Because the friendship that you gave <br>Has taught me to be brave <br>No matter where I go <br>I&#8217;ll never find a better prize(Find a better prize) <br><br>Although you&#8217;re miles and miles away <br>I see you every day I don&#8217;t have to try <br>I just close my eyes, I close my eyes  </p><cite>Philip Oakley / Giorgio Moroder &#8211; Together in Electric Dreams</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Gruß Auto</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ein schöner Beitrag, lieber Sascha, den ich gut nachempfinden kann. Ich wünsche Dir für die kommenden Episoden gutes Gelingen und immer den richtigen Track für Deine seelische Playlist….(ak)</em></p>
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		<title>Kommunikation hat vier Ohren &#8211; auch wenn man nur mit einem hinhört</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Apr 2020 13:11:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aspergers Nähkästchen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Asperger]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Beitrag aus der Kategorie "Aspergers Nähkästchen" über kommunikative Besonderheiten des Schmusehamsters (ak)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ein Beitrag aus der Kategorie &#8222;Aspergers Nähkästchen&#8220; über kommunikative Besonderheiten des Schmusehamsters (ak)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Paderborner Comedian Rüdiger Hoffmann hat in einem alten Bühnenprogramm, zusammen mit dem Kölner Kabarettisten Jürgen Becker, welches den humorigen Vergleich von Westfalen mit dem Rheinland zum Thema hatte, die Hoffmanns Meinung nach einzige nennenswerte Sehenswürdigkeit Paderborns, das berühmte &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dreihasenbild" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Drei-Hasen-Fenster</a>&#8222;, zu sehen am Paderborner Dom, mit den Worten beschrieben: „Es sind der Hasen und der Ohren drei und doch hat jeder Hase zwei.“ </p>



<p class="wp-block-paragraph">Von einer ganz ähnlichen Erfahrung möchte ich Euch heute berichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Per Chatprogramm über das Smartphone habe ich mich mit einem meiner wertgeschätzten Mitmenschen über dieses und jenes unterhalten. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte unser digitaler Dialog, als mir mein Gesprächspartner, mit flammender Leidenschaft in der Stimme, seinen Lieblingsfilm, ein Liebes-Melodram, mit zwei bekannten Schauspieler*Innen in den Hauptrollen, vorstellte. Garniert wurde dieser kleine Vortrag durch einen Link zum offiziellen Trailer des Films, verbunden mit der Frage an mich, was ich von dem Film halten würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dem Sprung nach Irgendwohin entschied ich mich für eine, meiner Meinung nach, unverfängliche Antwort, welche ich hier ausnahmsweise wörtlich zitieren möchte:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, ich habe von dem Film gehört, ihn aber selbst noch nicht gesehen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Reaktion meines Chatpartners: Funkstille.<br>Nach etwa 36 Stunden bekam ich eine Sprachnachricht zurück. Mein Gesprächspartner erklärte mir, dass ihm meine o.g. Antwort noch lange im Kopf herum gegangen sei. Wieder und wieder habe er meinen Satz gelesen, ihn kreuz und quer analysiert, sich aber – mit Ausnahme der „reinen“ Sachinformation, nämlich, dass ich von dem angesprochenen Film zwar gehört, ihn aber nicht gesehen hätte – keinen rechten Reim bzgl. der Interpretation machen könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal mehr führte mir dieser Vorfall vor Augen, wie unterschiedlich meine Kommunikationsweise als Betroffener von Asperger im Vergleich zu Nicht-Betroffenen ist. Es wunderte mich nicht, dass an diesem Punkt in meinem inneren Team die Stimme meines Recovery-Ichs, übrigens mit der Klangfarbe des Mausebärs, ertönte und mich sanft, aber bestimmt an das „Vier-Ohren-Modell“ der Kommunikation (nach Friedemann Schulz von Thun aus seinem Werk &#8222;Miteinander Reden&#8220;) erinnerte, welches ich im <a href="https://www.phg-viersen.de/home/ex-in/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Montagskurs“ der PHG Viersen</a> intensiv kennengelernt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Seiten-Modell" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Vier-Ohren-Modell</a>“ postuliert, dass jede zwischen Sender und Empfänger ausgetauschte Nachricht in vier Kanäle [oder Ebenen oder „Ohren“ &#8211; Anmerkung meines inneren Kängurus] zerlegt werden kann. Dabei ist es egal, ob der Sender – in diesem Falle ich – dies will oder nicht.<br>So wie das Licht immer und überall stets <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lichtgeschwindigkeit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">299.792.458 m/s</a> schnell ist, unerheblich, wo und in welchem Zustand sich der Messende gerade befindet, enthält jede Nachricht, egal ob analog gesprochen oder digital geschrieben, immer diese vier Ebenen:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Sachinformation           <br><em>Welche nüchternen Fakten werden mit der Nachricht transportiert?</em></li><li>Beziehungsebene      <br><em>Welches Verhältnis haben Sender und Empfänger der Nachricht zueinander?</em></li><li>Appell-Ebene            <br><em>Was möchte der Sender der Nachricht bei deren Empfänger erreichen?</em></li><li>Selbstoffenbarung  <br><em>Was sagt die Nachricht über den Sender aus?</em></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Von diesem Modell ausgehend, ist es schlicht unmöglich, eine reine „Sach-Information“ zu übermitteln. [Selbst das gedruckte oder gesendete Wort tut dies nicht, was Generationen an Deutsch- oder allgemein Sprachen-Lehrern über die Interpretationsmöglichkeiten von Texten und Medien ihren Job garantiert und ahnungslose Schüler, Mutter- wie Fremdsprachler, drangsaliert. &#8211; Anmerkung meines inneren Kängurus] Das Problem bei jedem Dialog ist jedoch, dass sich nur die Sach-Ebene direkt offenbart, das heißt, durch ausformulierte Worte, ob mündlich oder schriftlich. Die übrigen, für ein komplettes korrektes Verständnis so wichtigen drei Kanäle, verstecken sich primär hinter Körpersprache, Klangfarbe, Betonung und anderen nonverbalen Kanälen. Sie sind auf diese Weise gewissermaßen unsichtbar, aber fühlbar. Fällt eine &#8211; oder fallen mehrere &#8211; Kommunikationsebenen weg, weil man zum Beispiel nicht persönlich voreinander spricht, sonder per Medium, sei es das gute alte rein akustische Telefon oder, wie in diesem Fall, das schriftliche Chatprogramm, entsteht schnell ein Dilemma.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie kann ich am Telefon erkennen, mit welcher Mimik und Gestik das gesprochene Wort einher geht?<br>Wie kann ich aus zu Worten und Sätzen geformten Buchstaben mehr als die „reine“ Sach-Ebene einer Nachricht herauslesen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich könnte jetzt sagen, gut, letzteres war die Geburtsstunde der ersten Emojis, die heutzutage ja für fast jede Lebenslage vorproduziert scheinen. Aber mal ehrlich:<br>Sind Emojis etwas anderes als schlecht kolorierte und allzu simpel oder einfältig gestaltete Masken? <br>Können Emojis echte Gefühle transportieren?<br>Wie verziere ich mein sprachliches Gebäude durch stilbildende Elemente wie Humor, Ironie oder gar Sarkasmus?</p>



<p class="wp-block-paragraph">An dieser Stelle erscheint eine Szene aus der bekannten US-amerikanischen Sitcom &#8222;Big Bang Theory&#8220; vor meinem geistigen Auge:<br>Sheldon Cooper, der zwar hochintelligente, doch mit einer Vielzahl von Schrullen und handfesten psychiatrischen Befunden ausgestattete, Protagonist und Zugpferd dieser Serie [Sorry, Leonard &amp; Penny! &#8211; Anmerkung meines inneren Serienjunkies], bekommt von seinen wohlmeinenden Freunden ein selbstgebasteltes Schild überreicht, welches ihm fortan immer dann vor die Nase gehalten werden soll, wenn eine Aussage oder Handlung seiner Freunde als &#8222;Sarkasmus&#8220; gemeint ist. <br>Auch wenn die Figur des Sheldon Cooper natürlich gnadenlos und publikumswirksam überzeichnet angelegt ist, fiel es mir schon weit vor meiner Recovery nicht schwer, mich in Teilen in diesem Charakter wiederzuerkennen. <br>Aber zurück zum Thema:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst der Videochat, der sich in den aktuellen Zeiten geradezu viral wachsender Beliebtheit zu erfreuen scheint, kann, wie wir alle gegenwärtig spüren, die Authentizität eines persönlichen Treffens nicht ersetzen, wenn es auch die mir gegenwärtig beste Annäherung darstellt. Allerdings ist auch Madrid schon deutlich näher an Amerika als Köln – und somit zweifellos eine gute Annäherung &#8211; aber bei weitem nicht die Beste. Und selbst Kuba ist von Miami weit genug weg, dass es für mich selbst mit Schwimmflügeln eng wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau dies ist mir im genannten Dialog über den besagten Film zum Verhängnis geworden.<br>Ich hatte die Absicht, nur die „reine“ Sachinformation zu transportieren. Diese kam zweifelsohne bei meinem Gesprächspartner auch an und wurde bestätigt. Der Rest jedoch verwehte in verwirrtem Schweigen&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was bringt mich überhaupt dazu, nur über die Sachebene kommunizieren zu wollen?<br>Ein wenig Selbstreflexion, unterstützt durch das eine oder andere erinnerte Gespräch an unterschiedlichen Stationen meines Lebens, brachte mich schnell zum Ergebnis. <br>Ich versuche, Missverständnissen vorzubeugen. <br>Ich habe es manchmal schlicht satt, gefühlt dauernd missverstanden zu werden, oder andere Menschen misszuverstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies führt dazu, dass ich früher regelmäßig gesagt habe &#8211; und auch heute noch oft genug sage &#8211; , dass ich eine Nachricht „ohne Subtext“ meine. Dass ich nichts „zwischen den Zeilen“ formuliere. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund liegt in meiner, durch Asperger bedingten, leicht anderen Art, Nachrichten zu empfangen oder zu versenden, wie ich heute weiß. Dies war den größten Teil meines bisherigen Lebens aber nur als eine gewisse kommunikative Inkompatibilität spürbar, für den in aller Regel meine Umwelt mich verantwortlich machte. Denn schließlich bestand dieses „Problem“ bei der Mehrzahl meiner Mitmenschen ja nicht. Gerade als Kind führte dies dazu, dass ich sozial immer etwas abseits stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wertschätzende Nachfrage meines Gegenübers im beschriebenen Dialog über dessen Lieblingsfilm habe ich dann ganz plakativ für mich „übersetzt“ und jeden der drei von mir sträflich vernachlässigten Kanäle wörtlich ausformuliert, zunächst für mich, danach etwas gekürzt, aber immer noch in Worten, per Antwort im Chat mitgeteilt:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Beziehungsebene<br><em>Wir sind vertrauensvolle Freunde, die miteinander ihre Freizeit teilen.</em></li><li>Appell-Ebene<br><em>Bitte teile mir mit, wie Du den Film findest!</em><br><em>Bitte sieh Dir mit mir diesen Film an!</em></li><li>Selbstoffenbarung      <em><br>Der Film macht mich glücklich und ich möchte mein Glück mit Dir teilen.</em></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Während meiner „Übersetzung“ musste ich mir eingestehen, dass mein kommunikativer Kompass durchaus beim ersten Dialog mit meinem Mitmenschen über den Film auf allen vier Ebenen in die richtige Richtung gewiesen hat, wenn die nonverbalen Ebenen auch mit einer gewissen &#8222;Unschärfe&#8220; verbunden waren. Die von mir versuchte &#8222;Verstümmelung&#8220; meiner Nachricht auf die „reine“ Sach-Ebene scheint mir eine Art von „Fluchtverhalten“ zu sein, genährt aus meiner über viele Jahre aufgebauten Angst vor kommunikativer Unsicherheit – darin gipfelnd, dass ich selbst zu oft für diese Unsicherheit zur Rechenschaft gezogen worden bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schließlich habe ich meinem Dialogpartner eine Sprachnachricht geschickt, in welcher ich den &#8222;verkümmerten&#8220; drei Kommunikationsebenen meiner ersten Nachricht vollen Raum einräumen wollte, sich zu entfalten. Geschafft habe ich das so halb &#8211; nein, eigentlich nicht wirklich!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich sagte, war nämlich, diesmal reicht es sinngemäß:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Beziehungsebene<br><em>Wir sind gute Freunde und verbringen unsere Freizeit miteinander.</em></li><li>Appell-Ebene<br><em>Bitte nötige mich nicht, diesen Film anzuschauen!<br>Bitte sei deshalb nicht gekränkt!<br>Bitte entschuldige meine kommunikative Unzulänglichkeit!</em></li><li>Selbstoffenbarung<br><em>Mich spricht dieser Film nicht so an, dass ich ihn mir anschauen möchte.<br>Es freut mich ehrlich, dass Dich dieser Film so glücklich macht.<br>Ich bin unsicher bezüglich meiner Art zu kommunizieren.</em></li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Denn ich habe meine Antwort auf allen drei Ebenen in gesprochenes Wort <strong>ausformuliert</strong> – also mitnichten „zwischen den Zeilen“ verwendet, wo diese Ebenen gemeinhin hingehören!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die richtigen Antworten an der falschen Stelle einzusetzen, führt, wie wir alle aus unseren Tagen hinter der Schulbank wissen, nicht zwangsläufig zu guten Zensuren. So muss ich konstatieren, dass ich meine Nachricht zwar gewissermaßen vollständig nacherzählt und meine Interpretation formuliert habe, was es meinem Gesprächspartner ermöglicht hat, nachträglich meinen Gedankenprozess nachzuvollziehen, aber authentisch herübergebracht – gewissermaßen via „method acting“ &#8211; war das nicht. Vielmehr habe ich – um im Bühnen-Bild zu bleiben &#8211; das Skript vor Augen, den Text ohne Betonung heruntergeleiert, nach jeder Zeile eine unnatürliche Pause einlegend. Und die Regieanweisungen mitgelesen. Genuss ist anders!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist diese kommunikative Unsicherheit der Preis für die etwas feineren psychischen Antennen, die man Betroffenen gerne nachsagt und über die ich definitiv verfüge. Jedoch fällt es mir schwer bis unmöglich, diese Antennen bei mir selbst und meiner Kommunikation ähnlich zielführend einzusetzen, wie in meiner Umwelt. Aber ich lerne, so weit es für mich erfahrbar ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück bleibt bei mir die Frage, was denn nun wirklich zwischen den Zeilen meiner ersten und erst recht meiner zweiten Antwort an meinen Chatpartner, hinter der Sach-Ebene, enthalten war. Über die Aussagen dieser drei Ebenen nachzudenken, wird mich noch eine Weile beschäftigen. <br>Wenn ich es erfahren sollte, werde ich es gerne mit Euch teilen und Ihr könnt es hier lesen. Aber das ist Stoff für einen anderen Film&#8230;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis dahin, fühlt Euch umarmt,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Euer Schmusehamster (ak)</p>
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		<title>Speaker&#8217;s Corner: Noch einer dieser Tage&#8230;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Apr 2020 15:56:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker's Corner]]></category>
		<category><![CDATA[Asperger]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
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		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker´s Corner]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein persönlicher Einblick von unserem Gastautor Sascha Rück (Redaktionell bearbeitet und mit einem Vorwort von Thorsten Dürholt)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein persönlicher Einblick von unserem Gastautor Sascha Rück (Redaktionell bearbeitet und mit einem Vorwort von Thorsten Dürholt)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Zu meiner großen Freude präsentiere ich Euch erneut einen Text von einem Gastautor.<br>Auch diesmal ist es wieder eine sehr persönliche Betrachtung, über die ich mich aufrichtig freue. <br>Sascha ist ein guter Freund von mir, was es schwer macht, den Text objektiv zu betrachten, aber das muss ich zum Glück auch gar nicht. <br>Ich hoffe, dass wir bald häufiger Gastautoren bei uns begrüßen dürfen und lade Euch jetzt ohne weitere Umschweife zu Saschas Text ein&#8230;</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Noch einer dieser Tage&#8230;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist das erste Mal, dass ich versuche meine Gedanken zu verschriftlichen.<br>Als Aspi und Kommunikationsass sollte mir dies nicht schwer fallen.<br>Tatsächlich fühle ich mich gerade eher in einem automatischen Schreibmodus, dass irgendwie Ballast mal aus meinem Hirn raus muss und aus Distanz und von Anderen betrachtet wird.<br>Ich bitte daher im Voraus um Verständnis, wenn mein innerer Lektor dieses Mal ausgeschaltet bleibt und ich &#8211; wie schon erwähnt &#8211; einfach automatisch schreibe.<br>Mausebär mag es dann in der Redaktion diskutieren und entscheiden, ob es veröffentlicht wird oder nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Prolog &#8211; Wild River</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Einer dieser Tage&#8230;das war ein Beitrag von Mausebär.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer dieser Tage war gestern, wo ich mich tatsächlich in einem Zustand befand, wo ich kurz vor einem &#8222;Meltdown&#8220; stand.<br>Mir war alles zu viel.<br>Mein derzeitiger Job macht mir zwar Spaß, allerdings &#8222;bettel&#8220; ich schon seit Antritt der Stelle um eine behindertengerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei meinem alten Arbeitgeber gab es dafür eine Schwerbehindertenvertretung &#8211; man ging hin, formulierte sein Anliegen, was man brauchte. Es kostete einen Anruf und eine E-Mail an den Integrationsdienst der Stadt und zwei bis drei Wochen später hatte man das Verlangte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier in der Niederlassung existiert (noch) keine Schwerbehindertenvertretung (SBV). Anträge werden über die Gesamt-SBV des Konzerns &#8211; welcher in Hamburg sitzt &#8211; geleitet und diese sollte im Idealfall für die Bereitstellung der notwendigen Mittel sorgen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erster Akt &#8211; Das Drama nimmt seinen Lauf</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Weit gefehlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich äußerte, dass ich aufgrund meiner Schwerbehinderung eine besondere Ausstattung brauche, wurde ich erstmal schräg angeschaut.<br>Nun gut, der Betriebsrat (BR) erbarmte sich meiner, nahm meine Anliegen auf und leitete sie weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und es geschah &#8211; nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Rückfrage wurde mir mitgeteilt, dass dies erstmal über die Rechtsabteilung des anderen Standortes laufen musste (ich frage mich immer noch warum, da das Sozialgesetzbuch (SGB) alles klar vorgibt).<br>Nach weiteren zwei Wochen &#8211; in denen nichts geschah &#8211; und mehrere Interventionen an den BR später übergab man den Vorgang an die lokale Personalchefin.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zweiter Akt &#8211; Das Inferno</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann geschah etwas, was ich zwar schon vorausgeahnt hatte, was bei mir wiederum Frustrationen auslöste und in eine schwere depressive Episode führte. Symbolisch hätte ich mir in diesem Moment den Strick genommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wurde tatsächlich &#8211; und allen Ernstes &#8211;  gefragt, warum ich diese Hilfsmittel benötige (es handelt sich dabei um drei Monitore und einen Laptop).<br>Ich wies &#8211; zum Glück mit Hilfe eines BR-Mitgliedes, welches bei diesem Gespräch auf meinen ausdrücklichen Wunsch dabei war &#8211;  darauf hin, dass mir diese technischen Hilfsmittel meine Arbeit erleichtern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Antwort kam dann: &#8222;Ja, nur im Zuge der Gleichberechtigung müssten das dann ja deine Kollegen auch haben. Hast Du nicht etwas Schriftliches, eine Empfehlung eines Arztes oder Psychiaters?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">WTF &#8211; ich bin derjenige, der Hilfe braucht und muss mich allen Ernstes noch für meine Behinderung rechtfertigen?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Dritter Akt &#8211; Planet der verlorenen Zeit</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Und da schaltete ich ab. Ich habe den Rechtfertigungsmodus so satt gehabt die ganzen Jahre, BEVOR meine Behinderung als solche festgestellt wurde.<br>Und hier geht es wieder von vorne los, weil sämtliche Leute keine Ahnung haben, wie man den Integrationsdienst als Arbeitgeber kontaktiert und um Unterstützung bittet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich lieferte ich die lokale Adresse und man sicherte mir zu, mich sobald wie möglich zu informieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ist jetzt auch schon wieder zwei Wochen her. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin durch Home Office gezwungen, mit einem aufs Minimalste ausgestatten Rechner und einem(!!!) Monitor zu arbeiten. Recherche kann nicht betrieben werden, da die IT-Regeln jede Seite, die aus Google weiter herausführt, blockt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück zu gestern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vierter Akt &#8211; Samurai</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war durch das Wetter nicht gerade gut drauf &#8211; Wetterumschwünge führen bei mir zu Kopfschmerzen, die ich dann massivst mit Medikamenten unterdrücken muss, um funktionsfähig zu sein.<br>Und bedingt durch fehlende Psychopharmaka war ich seit Tagen auf kaltem Entzug, was mir meine Arbeit nicht wirklich erleichterte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nachdem dann gestern mit Mühe und Not einige Reporte fertiggestellt waren, holte ich mir einen weiteren Kollegen ins Boot.<br>Ich war fertig, ich zitterte, ich hatte Mühe, mein äußeres Konstrukt zu wahren. Dennoch gelang es mir, mein Anliegen nochmal dringendst zu schildern, auch mit dem Hinweis, dass ich so nicht effektiv und effizient arbeiten kann und will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Gespräch war mir wirklich zum Heulen.<br>Ich konnte es nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ging ich auf Youtube und suchte mir was aus meiner Musikapotheke.<br>Es lief viel von Michael Cretu.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Samurai<br>Wild River<br>Zeitlose Reise<br>Planet der verlorenen Zeit</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und bei jedem Lied fühlte ich mich mieser. Ich postete sie auf Facebook mit einem Emoticon.<br>War es ein Hilfeschrei? <br>Lediglich eine Person hat diesen gehört und fragte mich, was passiert sei.<br>Ich habe nicht geantwortet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Epilog &#8211; Zeitlose Reise</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Heute wachte ich nach einer unruhigen Nacht mit weiteren Kopfschmerzen auf.<br>Okay, das war ein STOP meines Körpers (oder Geistes?).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem täglichen Teamgespräch nahm ich mir heute frei. Ich wollte und konnte nicht mehr.<br>Immerhin kam heute eine kurze Rückmeldung, dass sich die IT Abteilung telefonisch Montag bei mir melden will.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Derzeit dröhn ich mich aus meiner Musikapotheke mit Enya zu.<br>Macht nicht abhängig und beruhigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hoffe, wenn die Hilfestellung der &#8222;Happy Pills&#8220; eintrifft, dass ich dann wieder den Logiker (Vulkanier) in mir zum Vorschein bringe, der alles unter Kontrolle hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls Euch Ideen kommen, was ich noch machen kann, kommentiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grüße vom Polarbären </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Es ist natürlich maximalfäkalisiert, wenn man in seinen Problemen vom Wohlwollen anderer Personen abhängig ist. Schlimmer noch: wenn der &#8222;Gegner&#8220; eine Organisation ist, in der sich jeder Ansprechpartner auf die Sachkompetenz anderer beruft. Da hilft nur Geduld und zähes &#8222;daran herum nagen&#8220;. <br>Persönlich kenne ich &#8222;solche Tage&#8220; aus der &#8222;liebevollen&#8220; Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, wo schon manche imaginäre Bissstelle die Tische garniert. <br>Im Namen der Redaktion wünsche ich Dir, lieber Polarbär, ganz viel Kraft und statt dauernd in trauriger Musik zu ertrinken, rate ich Dir zur Kontaktaufnahme mit wohlmeinenden Freunden. Manchmal muss der innere Verdauungsendproduktsbestand einfach sachgerecht entsorgt werden. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Also bleib mit uns im Gespräch.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Liebe Grüße,</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Thorsten Dürholt</em></p>
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