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	<title>Empowerment &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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	<description>Selbsthilfe, Genesungsbegleitung und Betroffenenbeteiligung</description>
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		<title>Warum sind Sunny und Teddy- Geschichten Recovery?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jun 2020 14:59:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
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		<category><![CDATA[Schriftstellerei]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine kleine Betrachtung über den Zusammenhang zwischen meiner Recovery und meinen jetzigen literarischen Auswüchsen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Eine kleine Betrachtung über den Zusammenhang zwischen meiner Recovery und meinen jetzigen literarischen Auswüchsen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Warum sind meine Sunny und Teddy- Geschichten Teil meiner persönlichen Recovery?</h4>



<p>Zuerst war es für mich nur ein vages Gefühl, dann beobachtete ich mich selber beim Schreiben. <br>Die Prozesse, die in mir abliefen, während ich selber den Abenteuern der beiden &#8222;Pferdejungen&#8220; (als Analogie zu den bekannten „Pferdemädchen“) folgte, waren nicht nur äußerst spannend, sondern auch stets dynamisch. Wie von selbst fächerte sich die bunte Welt des Sonnenbergerhofes vor mir auf, prall gefüllt mit meinen Erfahrungen, Hoffnungen, Wünschen und Träumen. <br>Viele Elemente meiner eigenen Geschichte, aber auch von konsumierten Medien, wilden Träumen oder Rollenspiel-Erlebnissen vereinen sich in einem buntem Mischmasch und das jedes mal, wenn ich in diese „heile Welt“ abtauche. </p>



<p>Zwischen den Sätzen steckt viel von meinen Gedanken, Philosophien und Träumen, nicht wie sonst, laut heraus geschrien, sondern ein wenig versteckt &#8211; sozusagen zwischen den Zeilen. <br>Es ist eine Art, meinen Gedanken der „verbalen Fastenzeit“ zu folgen, denn ich möchte keine Botschaft verbreiten, sondern meinen Lesern selbst erlauben, die Botschaft in den Texten zu finden. Wahrscheinlich schwappt da auch unterbewusst mehr rein, als ich es in einem klaren Text sagen könnte, oder würde. <br>Auch die zumeist ironische Satire, die aus vielen Sätzen nahezu tropft, oder die grotesken Übertreibungen sind mehr als nur ein Stilmittel, denn sie dienen mir zur Psychohygiene. In dem ich schreibe, welche grotesken Bilder in meinem Kopf entstehen, reinige ich mein eigenes System.</p>



<p>Es ist für viele Leser ein offenes Geheimnis, dass sich auch immer wieder Personen aus meinem Umfeld in die Geschichten einschleichen um die Rolle eines der Protagonisten (oder Antagonisten) zu übernehmen. <br>Das sind, zumindest in meinen Augen, liebevolle Hommagen mit einem Augenzwinkern, die aber auch zeigen, was diverse Menschen aus meinem Umfeld zur Zeit für mich bedeuten. <br>Persönlich stecke ich gerade in der Phase, in der ich entdecke, wie ich alles, was in meinem Kopf passiert, in ein Bild rücke, ohne anderen Menschen damit vor den Kopf zu stoßen. <br>Meine innere Art der dauerhaften Provokation braucht ein Ventil und ich denke, in der Satire einen Weg gefunden zu haben, meine Bedürfnisse sinnvoll abzuleiten und in ein genießbares Medium zu übertragen. </p>



<p>Es ist ein extremer Schritt für mich, den Weg zum Autoren zu beschreiten, da ich mich lange Jahre davor gefürchtet habe. <br>Immer wieder wurde mir zugetragen, dass ein Mensch mit meiner Wortgewalt und Phantasie, sich doch einfach mal in der Literatur versuchen sollte. Immer wieder fand ich Ausreden, um meiner Angst zu entsprechen und meine wenigen Versuche blieben zumeist erfolglos. <br>Doch mit der Möglichkeit, meine Geschichten mit viel Hilfe und Aufmunterung durch meine beiden Lieblingsredakteure zu gestalten und dem Feedback einer mir vertrauten kleinen Gemeinschaft von Lesern, die mir öfter zeigen, dass sie meine Geschichten mögen oder unterhaltsam finden, merke ich, wie von Geschichte zu Geschichte mein Vertrauen wächst. </p>



<p>Normalerweise schreibt ein Autor ein gesamtes Manuskript und schickt es seinen Lektoren, aber soweit bin ich (noch) nicht. <br>Ich brauche ein direktes Feedback und das Gefühl der Sicherheit, um einen kleinen literarischen Schritt nach dem anderen zu machen, bevor ich das schriftstellerische Laufen erlerne. <br>Dass ich das erkenne und dem Rechnung trage, ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg, den ich gehe. Ich möchte mich hiermit auch mal bei all den Menschen bedanken, die mich zurzeit geradezu „empowern“ und mich auf meinem Recovery-Weg nicht nur begleiten, sondern auch unterstützen. </p>



<p>Sunny und Teddy sind mehr als nur Recovery, denn ich will nicht nur etwas zurück erlangen, was mir die Krankheit genommen hat, ich will mehr. <br>Ich spüre diese Motivation, während ich vor meinem Computer sitze und freue mich einfach über alle die Begleiterscheinungen meiner Texte, seien es sowohl liebevolle, als auch kritische Kommentare, freundliche persönliche Komplimente oder Bestätigungen durch mein Umfeld oder einfach nur das gute Gefühl, wenn ich erneut einen Text ins Internet entlasse. </p>



<p>Ich weiß nicht, wie lange mich die beiden fröhlichen Jungen noch begleiten werden oder wie lange ich meine Leser damit belästigen darf, oder kann, aber ich verspüre Dankbarkeit für die positiven Gefühle, die diese Geschichten in mir wecken.</p>



<p>Mit erstaunlich gut gelaunten Grüßen von eurem Mausebären (td)</p>
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		<title>Abenddämmerung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2020 13:17:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aspergers Nähkästchen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Poesie]]></category>
		<category><![CDATA[Empowerment]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Natur]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Hommage an die mir liebste Zeit des Tages in poetischer Phantasie prosaischer Physik Eures Schmusehamsters (ak)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Eine Hommage an die mir liebste Zeit des Tages in poetischer Phantasie prosaischer Physik Eures Schmusehamsters (ak)</p>



<p><em>Tropfen um Tropfen<br>Fließt Dottergelb in silberhelles Tageslicht<br>Verleiht der Landschaft güldenen Glanz<br>Schatten unendlich verlängernd<br>Kontraste liebevoll weichend<br>Farben angenehm wärmend<br><br>In sinkender Sonne fahlem Schein<br>Bäumt sich auf des Tages letzte Lust<br>In einem Meer orangeroter Funken<br>Furchen knorriger Bäume grundlos vertiefend in lichtloser Schwärze<br><br>Blätter erstrahlen in schimmerndem Bernstein<br>Der Abend gekleidet in Bronze und Kupfer<br>Das Himmelsblau vertiefend<br>Vor leuchtenden Wolken<br><br>Bis die letzten Strahlen der Sonne<br>In einem Feuer aus Rosa und Lila<br>Im kobaltblauen Westen verglühen<br><br>Des Tages letzte Farben verlöschen<br>Vor des silbernen Mondes Gesicht<br><br>Hinter funkelnder Sterne perlendem Schleier</em></p>
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		<title>Die Guten-Morgen-Runde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2020 12:55:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Rat und Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Schatzkiste]]></category>
		<category><![CDATA[Empowerment]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Salutogenese]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Erfahrungsbericht zum Thema „Schatzkiste“ über den Wert einer digitalen Umarmung von Eurem Schmusehamster (ak)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Ein Erfahrungsbericht zum Thema „Schatzkist</strong>e<strong>“ über den Wert einer digitalen Umarmung von Eurem Schmusehamster (ak)</strong></p>



<p>Vor kurzem hatte ich mit einer Freundin einen interessanten Austausch, welchen ich hier gerne mit Euch teilen möchte.</p>



<p>Nachdem ich ihr während der letzten Tage regelmäßig über WhatsApp ein digitales „Guten Morgen“ geschickt hatte, schickte diese Freundin mir schließlich eine Nachfrage. Wertschätzend, aber wohl etwas irritiert, fragte sie mich, was es denn mit diesem „Guten-Morgen“-Gruß auf sich habe.</p>



<p>Welchen Zweck dieser erfüllen sollte?<br>Ob ich ihr diesen Gruß nun jeden Tag schicken wolle?</p>



<p>Was klingt wie die Einleitung zu einer ziemlich seichten Ferienlektüre [&#8222;Der Sat-1-Film-Film!&#8220;, Anmerkung meines inneren Kängurus], bei der man nicht böse ist, wenn man das Buch nach ein paar Kapiteln abends am Strand vergisst, oder – und besser! – das bedruckte Papier die unfreiwillige Taufe mit wahlweise Sonnenöl, Speiseeis oder Erbrochenem der eigenen Kinder nicht übersteht, war für mich der Ausgangspunkt einer interessanten Selbstreflexion, die mich tief in die verzerrte Wahrnehmungswelt eines Asperger-Betroffenen führen sollte.</p>



<p>Zunächst entschloss ich mich zu einer knappen, dafür immerhin zügigen Antwort. Ich teilte meiner guten Freundin mit, dass ich das „Guten Morgen“ so lange schicken möchten würde, wie sie selbst dies wolle, d.h. solange ich es dürfe.</p>



<p>Dabei war mir klar, dass diese Erklärung nur die Ouvertüre eines ungleich längeren Absatzes werden sollte, in welchem ich dieser Freundin (und nicht zuletzt mir selbst) in Worte zu fassen versuchte, welche Bedeutung das digitale &#8222;Guten Morgen&#8220; hatte.</p>



<p>Tatsächlich wurde ich 2017 erstmals mit dieser Methode bekannt, welche ich heute gerne in meiner seelischen „Schatzkiste“ vorfinde.</p>



<p>Teilnehmer des von mir besuchten <a href="https://www.phg-viersen.de/home/ex-in/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Montagskurses“ der PHG Viersen</a>, aus welchem später die Keimzelle der <a href="http://shg-phoenix-viersen.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Selbsthilfegruppe Phönix</a> hervorgegangen ist, haben ihrerseits damit begonnen, mir ein digitales „Guten Morgen“ über WhatsApp zu schicken. Aus einem Grüßenden wurden über die Monate mehrere. Die Qualität der Nachrichten unterschied sich dabei. Manche Grüßende gaben ihrer Weiblichkeit Ausdruck und verpackten ihr „Guten Morgen“ in eine schöne digitale Postkarte, wahlweise mit Blumen, Tieren oder ähnlichen Motiven. Andere Grüßende hielten es schlichter mit bunten Emojis oder begegneten mir eher männlich konnotiert bzw. norddeutsch-knapp mit einem schlichten getippten „Guten Morgen“, oder – noch knapper, aber gefühlt nicht weniger herzlich &#8211; „Moin“.</p>



<p>Dabei ist für mich interessant, dass ich mich &#8211; unabhängig der jeweiligen künstlerischen Ausgestaltung oder eben Schlichtheit &#8211; über jede dieser kleinen digitalen Aufmerksamkeiten gleichsam freue. Entsprechend positiv kann ich in meinen Tag starten. Manchmal wirken diese Grüße auf mich wie über Nacht in braunem Rum getränkte Rosinen in einem butterzarten Stuten [gemeint sind hier nicht die weiblichen Pferde, dt.: die Stute (sg.)/die Stuten (pl.), sondern das Backwerk, dt.: der Stuten (sg.)/die Stuten (pl.) – Anmerkung meines inneren Kängurus] – sie spicken ansonsten eintöniges mit dem &#8222;gewissen Etwas&#8220; &#8211; meinen regelmäßig wenig erfreulichen, weil schläfrig-muffeligen, Start in den Tag, zu nachtschlafender Zeit und auf Kaffee-Entzug, mit der ersten kleinen Freude des Tages.</p>



<p>Es dauerte nicht lange und ich war nicht mehr nur Empfänger des „Guten Morgen“, sondern selbst Versender, je nachdem, wer aus der &#8222;Guten-Morgen-Runde&#8220; früher in den Tag startete. Ich gebe gerne zu, das sind die meisten, denn ich bin die Nachtigall und nicht die Lerche. [Der Vogel, nicht der Baum! &#8211; Anmerkung meines inneren Kängurus].</p>



<p>Aber zurück zum eigentlichen Thema:</p>



<p>Mit Beginn der Kontaktsperre habe ich den Personenkreis, welchem ich mein digitales &#8222;Guten Morgen&#8220; schicke, erweitert. Seitdem sind nicht nur jene, die mich auf diese Methode gebracht haben, sondern weitere ausgesuchte Menschen Teil meiner allmorgendlichen „Glücks-Routine“. Es sind Menschen, die mir etwas bedeuten und die ihrerseits mir das Gefühl geben, dass ich ihnen etwas wert bin. Oft verbinden uns gemeinsame Erlebnisse oder Vertrauenssituationen während unserer Recovery. Ich könnte es auch derart formulieren, es sind Menschen, die jeder ihren Platz in meinem Herzen haben.</p>



<p>Nicht im Sinne Romeos, sondern eher Platons. Mir gefällt das Bild einer Kathedrale, in welcher, neben dem Haupt- und dem Querschiff, Seitenschiffe, sowie viele kleine Kapellen, angelegt sind und wo sich zahlreiche, große und kleine, Nischen finden, in denen jene Menschen, die ich meine, alle ihren eigenen, festen Platz haben. Dieses Bild habe ich jüngst durch meinen geschätzten Kollegen Mausebär (td) skizziert bekommen, kenne es aber auch aus meiner Kindheit, genauer gesagt von einem Trinkspruch eines meiner Onkel, der auf feuchtfröhlichen Familienfeiern in Gaststätten gerne den Erhalt eines neuen Kaltgetränks durch weibliche Serviererinnen in breitestem Schwäbisch mit den beseelten Worten würdigte: „In der Kathedrale meines Herzens werde ich eine Kerze für Sie entzünden.“</p>



<p>Aber ich schweife erneut ab.</p>



<p>Die „Guten Morgen“-Runde stellt für mich heute ein wichtiges und wertvolles Werkzeug meiner Recovery dar. Der digitale Gruß hilft mir dabei, mich seelisch gesund zu erhalten, ist also auch ein Mosaiksteinchen im Fundament meiner Salutogenese. Die positive Energie, die ich durch jeden Gruß erhalte oder versende, kann man als einen kleinen Akt des Empowerments sehen. In der Genesungsbegleitung empfehle ich dieses Werkzeug Interessierten gerne weiter, wodurch sich der Effekt des Empowerments vervielfacht, ähnlich eines positiven &#8222;Schneeballsystems&#8220; [oder einer kaskadischen Aktivierung durch Phosphorylierung &#8211; Anmerkung meines inneren Biologen]. <br>Die &#8222;Guten-Morgen-Runde&#8220; hat für mich die Bedeutung eines digitalen Marktplatzes oder eines gemeinsam, d.h. von allen Bewohnern eines Hauses, genutzten Raumes, wem diese Vorstellung eher gefällt.</p>



<p>Ich begegne dort Menschen, die mir bekannt sind und die eine Bedeutung für mich haben &#8211; natürlich auch umgekehrt. Ich kann sie sehen und grußlos vorübergehen, lächelnd (Emojis!) oder verbal grüßen, bzw. gegrüßt werden. Ob ich einen Gruß erwidere, liegt in meiner Freiheit. Tue ich dies jedoch, haben beide – Grüßender und Gegrüßter – einen Moment der Freude. Ich bekomme das Gefühl, dass ich nicht allein bin, sondern Teil eines aufgebauten sozialen Netzes und gebe dieses Gefühl an andere Menschen weiter.</p>



<p>Gleich einer Begegnung auf der Straße, können beide Beteiligten frei entscheiden, ob aus dem einfachen Gruß eine (digitale) Umarmung, ein kurzes Schwätzchen, oder der Ausgangspunkt für ein längeres Gespräch wird. </p>



<p>Die „Guten Morgen“-Runde macht mein, im Laufe meiner Recovery aufgebautes, soziales Netz für mich fast physisch spürbar, also greifbar. Einen der wichtigsten Effekte dabei finde ich, dass durch dieses Kommunikationsmittel die für mich bei der Herstellung eines Sozialkontaktes auftretende Hemmschwelle, bzw. die dafür notwendige Aktivierungsenergie [mein innerer Biologe nickt zufrieden], herabgesetzt wird. Wie für viele Betroffene, ist gerade dieser kleine &#8222;Schubser&#8220; hilfreich, einen Kontakt herzustellen oder zu vertiefen, d.h. einen über das Medium des digitalen Chats zustande gekommenen Austausch von Befindlichkeiten als &#8222;Sprungbrett&#8220; für ein Gespräch über einen anderen digitalen Kanal (Telefon) oder &#8211; ganz analog &#8211; bei einem gemeinsamen Spaziergang, z.B. an der Schwalm, zu nutzen. [Natürlich unter Wahrung des vorgeschriebenen Mindest-Abstandes von 1,5 Metern. Anmerkung meines inneren Angsthasen und Hypochonders].</p>



<p>Darüber hinaus ermöglicht mir dieses Kommunikationsmittel, meine „feinen Antennen“ digital auszufahren. Das bedeutet, ich bekomme ein &#8211; zumindest ungefähres &#8211; Gefühl davon, wie es meinem digitalen Gegenüber in diesem Moment geht. Dabei gleiche ich in meinem Kopf sein (digitales) Kommunikationsverhalten, welches er mir gegenüber für gewöhnlich zeigt, also gewissermaßen die Schnittmenge meiner Erfahrungen, seit ich mit ihm über Chatprogramme in Kontakt stehe, mit dem kurzfristig gezeigten Verhalten dieser Person ab. Daraus lassen sich für mich manchmal Tendenzen ableiten und das dauerhafte Abgleiten meines Kommunikationspartners in nicht zielführende, oder gar destruktive, Verhaltensmuster erspüren, welche letztendlich in den Beginn einer Krise führen können.</p>



<p>Essenziell ist es dabei für mich, mir permanent die Grenzen des benutzten Kommunikationskanals, in diesem Fall des Chats, vor Augen zu führen. Mir steht im Zweifel immer das Mittel der (persönlichen) Nachfrage offen, in welcher ich digital oder analog im Gespräch dann schnell gewahr werden kann, ob tatsächlich Grund zur Beunruhigung besteht. <br>Ich habe mich bisher so kennengelernt, dass meine psychischen Antennen eher zu fein eingestellt sind, d.h. mein seelischer Brandmelder bereits Alarm schlägt, obwohl das Kabel nur durch die Sonne etwas wärmer ist als gewöhnlich, um diese bildliche Analogie zu verwenden. Aber eine gewisse Überempfindsamkeit meiner psychischen Antennen [nicht Überempfindlichkeit! &#8211; Eat this, Trigger!, Anmerkung meines inneren Beschützers] nehme ich gerne in Kauf, denn zehn Fehlalarme sind wertvoller als ein tatsächlicher psychischer Brand, auf den ich erst zu spät aufmerksam werde.</p>



<p>Ebenso sollte ich mir darüber im klaren sein, ob eine (mögliche) Reaktion meines Gegenübers, zum Beispiel ein Stimmungstief, kurzfristig (Tage) und damit „normal“, im Sinne von „uns allen bekannt“ ist. Falls ja, besteht &#8211; für mich &#8211; erst einmal kein Grund zur Beunruhigung, weil unsere Recovery nicht eine Gerade, sondern eine wellenförmige Kurve ist. Ich finde in diesem Fall das Bild der DAX- oder einer vergleichbaren Schwankungskurve, als für mich prägnanten Vergleich.</p>



<p>Meine ich jedoch, ein mittel- oder gar langfristig ausgeprägtes Stimmungstief wahrzunehmen, gleiche ich meine Beobachtung und die daraus gewonnene Einschätzung im Rahmen einer Intervision mit Vertrauenspersonen ab. Im Prozess der klassischen Selbsthilfe „Vom-Ich-Wissen-Zum-Wir-Wissen“ können wir gemeinsam eine Krisenprävention oder -intervention bei dem Betroffenen einleiten.</p>



<p>Es ist für mich schwer fassbar, weil eher emotional als verbal formulierbar, aber während ich die eben geschilderten Prozesse erlebe, die ihren Ausgangspunkt in der &#8222;Guten-Morgen-Runde&#8220; haben, werden meine psychischen „Antennen“ noch feiner justiert, sowie permanent &#8222;dem aktuellen Verhältnis von spezifischem Signal und Hintergrundrauschen angepasst&#8220;. So würde es jedenfalls mein innerer Biologe ausdrücken.</p>



<p>Gerade in der aktuellen Zeit, in der durch die geltende Kontaktsperre und die Schließung sozialer Begegnungsstätten, der für unsere Salutogenese so wichtige, persönliche und soziale Kontakt enorm erschwert wird, ist es für mich umso wichtiger, mit den Menschen, die mir etwas bedeuten, in Kontakt zu bleiben. Gerade weil sie &#8211; wie ich &#8211; Betroffene sind, für die Ängste, Isolation und Soziophobie keine kurzfristig lästigen Ärgernisse sind, sondern riskante Verhaltenstendenzen und Warnsignale für den Beginn einer Krise darstellen können.</p>



<p>Für viele von uns sind die regelmäßig stattfindenden Gruppentreffen so wichtig, wie die tägliche Nahrung. Schrumpft der Blickwinkel auf digitale Kanäle zusammen, ist es für den Einzelnen wie für die Gruppe schwerer, dann wird das aufgebaute Netz weitmaschiger, mitunter brüchiger.</p>



<p>Für mich bedeutet die „Guten Morgen“-Runde den ersten Sonnenstrahl, den ein neuer Tag in meine Seele scheinen lässt. Diesen gebe ich nur allzu gerne weiter.</p>



<p>Mit lieben Grüßen und fühlt Euch gedrückt,</p>



<p>Euer Schmusehamster (ak)</p>
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		<title>Was fließt da auf der Straße ?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2020 11:11:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Empowerment]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein knackiger Text, im jugendlichen Leichtsinn, über die Kompetenzverbesserung des Mausebärs (a.k.a. Thorten Dürholt) und seinem persönlichen Gewinn an der Krise.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ein <strong>knackiger</strong> Text, im <strong>jugendlichen</strong> Leichtsinn, über die Kompetenzverbesserung des Mausebärs (a.k.a. Thorten Dürholt) <strong>und</strong> seinem persönlichen Gewinn an der Krise.</p>



<p>Es gibt ein faszinierendes Zitat für mein heutiges Thema:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><strong>Kaufe, wenn das Blut auf den Straßen fließt.</strong></p><cite>Nathan Mayer Rothschild, 1. Baron Rothschild (1840 &#8211; 1915), erster Rothschild-Bankier im britischen Erbadel</cite></blockquote>



<p>Faszinierend ist nicht nur der Umstand, dass es wohl historisch nicht ganz einwandfrei bewiesen ist, dass es diese Aussage wirklich gab, sondern-  und vor &#8211; allem welche Wahrheit hinter dem vermeintlichen Zynismus verborgen liegt. <br>Ignorieren wir unseren humanistischen Ekel, werden wir feststellen, dass es schon immer die „unruhigen Zeiten“ waren, die für den Zuwachs an Gewinnen bei einzelnen Personen sorgte. <br>Der alte chinesische Fluch „mögest Du in interessanten Zeiten leben“, war für Händler scheinbar schon zu allen Zeiten eher ein Segen.</p>



<h5 class="wp-block-heading">Was kann ich davon für mich gebrauchen?</h5>



<p>Angesichts der Tatsache, dass ich weder ein Klorollen-Monopol auf die Beine stellen konnte, noch einen lukrativen Handel mit Desinfektionsmitteln begonnen habe, lässt schon erahnen, dass der Zwischenhandel nicht so ganz das Meine ist. <br>Auch dass ich mich Online lüsternden Hausfrauen willig zur digitalen Befriedigung ihrer Fleischeslust angeboten habe, erwies sich als &#8211; sagen wir mal nicht ganz so lukrativ. <br>Also finanzielle Erfolge waren bei mir bis jetzt nicht wirklich drin. <br>Trotzdem empfinde ich mich eindeutig als Profiteur der Krise. Ich habe einen Profit gemacht. Keinen Materiellen, wohlgemerkt, sondern einen viel wertvolleren. </p>



<h5 class="wp-block-heading">Ich habe Kompetenzen erworben.</h5>



<p>Seit Beginn der Krise arbeite ich mehr als vorher. <br>Nicht nur, dass mein Projekt „schöner wohnen“ durch mehrere Bauphasen gewandert ist, nein, ich habe auch andere Aufgaben für mich entdeckt. <br>Von einer dieser Aufgaben kann sich jeder sofort ein Bild machen. Es geht um meine täglichen Blog-Beiträge. <br>Nicht nur, dass ich eindeutig sehr stark therapeutisch mit mir selber arbeite und auf aristotelische Weise meine Leser zu meinem bezeugendem Freu(n)deskreis mache – ich lerne auch durch das Schreiben an sich. <br>Mein Ausdruck erweitert sich, ich spiele mit meinem Wortschatz und verbessere meinen Stil. Selbst meine Fähigkeiten des Tippens werden besser und Sonjas und Alex Argwohn zum Trotz, verbessert sich auch meine Grammatik. <br>Die täglichen Redaktionssitzungen öffnen mir auch neue Wege. Ich merke, was mir meine Redaktion bedeutet. Sanft üben wir uns in Kommunikation. <br>Auch die anderen Online-Kontakte bilden mich weiter. Ich übe mich in neuen Formen der Kommunikation. <br>Ich lerne (zwangsweise) eine ganz neue Ebene des Zuhörens. Nicht nur durch die Beschränkungen der natürlichen Kommunikationskanäle, sondern auch über den Umstand, dass man online halt nicht so ungestraft anderen ins Wort fallen kann. </p>



<p>Es heißt ja, wenn einem Lebewesen ein Sinn entzogen wird, schärfen sich die übrigen Sinne umso mehr. <br>Schon im Mittelalter trainierten daher die japanischen Schattenkämpfer (Ninja) mit dem Entzug von verschiedenen Sinnen, um die Wahrnehmung zu verbessern. Genau das passiert jetzt gerade mit mir &#8211; ich absolviere ein Training.<br>Ich bastel zur Zeit fleißig an zwei Websites mit und arbeite mit verschiedenen Facebook-Möglichkeiten. Das alles mittlerweile über einen Linux-Rechner. <br>Ich, der vor drei Jahren noch nicht mal einen Social-Media-Acount hatte. <br>Da kann ich schon ein wenig stolz auf mich sein. </p>



<p>Ich hantiere mit unterschiedlichen Endgeräten und bin über mehre Kanäle erreichbar. <br>Und mein anderes Zeug bekomme ich auch erledigt. Ich koche sogar häufiger als vor der Krise. <br>Es gibt wahrscheinlich noch mehrere andere Dinge, die ich gerade vergesse, oder einfach unterschlage, aber meine Leser dürfen mich gerne daran erinnern. </p>



<p>Heute darf man mich in den Kommentaren fröhlich beweihräuchern, heute ist ein Bärentag. <br>Am besten, jeder meiner Leser beweihräuchert sich gleich mal mit. <br>Einfach mal reflektieren, was uns die letzten Wochen gebracht haben – wo haben wir uns verbessert? <br>Da fällt doch Jedem was ein…</p>



<p>Weil ich in den letzten Tagen immer so endlos gejammert habe, oder ausschweifend philosophiert (bzw. gelabert) habe, gönne ich mir &#8211; und auch der Redaktion &#8211; heute einfach einen kurzen Text.</p>



<p>Ich wünsche allen einen schönen Bärentag,</p>



<p>Euer Mausebär (a.k.a. Thorsten Dürholt)</p>
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		<title>Should I stay or should I go now…</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2020 12:43:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ein gefühlsmäßiger „Clash“ mündet in Gedanken über die Zukunft vom Mausebär (a.k.a Thorsten Dürholt).]]></description>
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<p>Ein gefühlsmäßiger „Clash“ mündet in Gedanken über die Zukunft vom Mausebär (a.k.a Thorsten Dürholt).</p>



<p>Wieder mal sitze ich spät in der Nacht am PC und schreibe meinen Text für den morgigen Tag. <br>Ein Teil von mir hat großen Spaß daran, zu schreiben. Ein anderer Teil nutzt die Gelegenheit einfach mal, den ganzen Mist auszuspülen, der sich in Herz und Hirn eingelagert hat. Wieder ein anderer Teil nutzt das Potential zur Selbstreflektion und auch zur Planung. <br>Ich gebe gerne meinen Gedanken Form, durch Worte und Sätze. Aufgeschriebene Sätze bekommen eine ernsthafte Verbindlichkeit. <br>Ich rühme mich, ein Mann zu sein, der zu seinem Wort steht. <br>Andere mögen der Meinung sein, dass die Grundlage eines Versprechens ist, dass sich jeder mal versprechen kann. Ich sehe das anders. <br>Ich mag in vielen Dingen ein Blender und Betrüger sein, aber hier zählt bei mir mein eigener Ehrenkodex &#8211; Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind mir enorm wichtig. <br>Darauf bin ich stolz. <br>Wenn ich etwas aufschreibe, dann steht es da. Damit steht es im Raum. Das erfordert konsequenten Handlungsbedarf. Es ist quasi ein Gutschein, den ich ausstelle. Wenn ich das Geschriebene dann veröffentliche, ist eine Entscheidung getroffen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">&#8222;Was bedeutet das jetzt ganz praktisch?&#8220;</h4>



<p>Ein paar Dinge voraus:</p>



<ol class="wp-block-list"><li>Ich sitze gerne nachts in meinem Arbeitszimmer und schreibe, das passt zu meinem Biorhythmus und ich genieße die Ruhe. Es drücken mich keine Verpflichtungen und niemand stört mich.</li><li>Es entspannt mich total, manche Gedanken einfach abzugeben. Und da ich ja immer noch mehr eine kleine ängstliche Maus im Innern bin, statt des massiven Bären, den ich nach außen vorgebe zu sein, ist es auch eine für mich angstfreie Form der Kommunikation. Ungehemmt kann ich mich mitteilen.</li><li>Der Gedanke, dass da draußen eine handvoll Leser meine Beiträge lesen und vielleicht sogar mögen, nährt meinen inneren Narzissten. Ich freue mich, wenn ich positives Feedback erhalte. Ich freue mich darüber, so interessant zu schreiben, dass irgendwer meine Texte lesen will.</li><li>Meine Gedanken und Erfahrungen hier mit der Welt zu teilen, ist meine jetzige Tätigkeit als Genesungsbegleiter. Ich versuche, meinen Lesern ein Angebot zu machen und hoffe, ich biete ein ausreichendes Buffet, dass sich jeder etwas für seine eigene Genesungsgeschichte daraus nehmen kann.</li></ol>



<h4 class="wp-block-heading">&#8222;Langsam kommt die Zeit zum „aber“ zu kommen…&#8220;</h4>



<p>Es gibt ja immer ein „aber“ und in dem Fall ist das hier schwierig in meinem Kopf zu ordnen. <br>Immer häufiger erwische ich mich bei dem Gedanken, wohin mich mein kleines Projekt hier führt. <br>Ich sage bewusst &#8222;kleines Projekt&#8220;. Denn obwohl ich hier mit großen Gefühlen arbeite, ist mir klar, dass ich nur eine handvoll Leser habe. Wenn es hochkommt, lesen vielleicht (neben der Redaktion), drei oder vier Menschen meine Texte häufig bis regelmäßig. <br>Dafür opfere ich jeden Tag ein bis zwei Stunden, um den Text zu schreiben und nochmal eine Stunde, um ihn auf der Seite zu setzen und dann redaktionell zu bearbeiten. <br>Das ist meine Zeit, die opfere ich gerne &#8211; aus oben genannten Gründen. Aber es ist auch die Zeit von Sonja und Alex, die täglich mit mir meine Texte durchgehen und mir geduldig helfen, die Kanten zu glätten, die Grammatik zu bändigen und Schreibfehler zu verbessern. Gerade Sonja hat ihre tägliche Mühe bis zum Rand der Verzweiflung, mit meiner Komma-Faulheit und dem stetigen Drang jedes „das“ mit zu wenig oder zu vielen „s“ zu versehen. <br>Jeden Tag stehle ich den Beiden Zeit. <br>Ich bin dabei fordernd und ungeduldig wie ein kleines Kind. Und drohe regelmäßig mit der Veröffentlichung von Guerilla-Texten, also ungeprüften Texten, die sich sowohl der Korrektur, als auch der &#8222;liebevollen Zensur&#8220; unserer Redaktion entziehen. <br>Manchmal denke ich, unsere Administratorin Sonja verflucht heimlich den Tag, an dem sie mir den digitalen Schlüssel in unser Online-Reich gewährt hat. <br>Natürlich kann ich für mich selber sprechen und auch einstehen, aber ein gutes Lektorat ist letztendlich der Schlüssel zu einem guten &#8211; und vor allem verständlichen &#8211; Text. <br>Bis jetzt halten die Beiden meine Kapriolen mit unendlichem Langmut aus. <br>Und ich liebe diese Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Aber doch schleicht sich hin und wieder die Frage ein, ob ich jeden Tag veröffentlichen muss…</p>



<p>Klar ist, ich habe gesagt: „Solange die Situation uns in die soziale Distanz zwingt, werde ich täglich einen Text schreiben!!!“ <br>Mal wieder eine tolle Ansage, aber wie bereits erklärt, „gesagt ist gesagt“. <br>Bis jetzt fällt mir auch jeden Tag etwas ein. Manchmal muss ich mich selbst zügeln. Da liegt gar nicht „des Pudels Kern“ wie ihn Dr. Faust in Goethes Stück „Faust“ erkannte. <br>Das Problem liegt in der Zukunft. <br>Heute wird entschieden, wie es mit den Schulen weitergeht. Das ist auch ein Meilenstein in der Frage, wie es in der Gesellschaft weitergehen wird. Es wird sich entscheiden, wie lange ein Kontaktverbot noch aufrecht gehalten werden muss. <br>Aber wann endet mein Versprechen?<br>Wann ist meine Zeit abgelaufen?<br>Läppisch würde ich ja sagen, an dem Tag, an welchem ich mit meinen beiden Mit-Erfahrungsexperten wieder zusammen in einem Raum sitze und unsere Arbeit wieder live und direkt stattfindet, ist der richtige Zeitpunkt gekommen. </p>



<p>Aber ist er das? <br>Und wie soll es weitergehen? <br>Soll ich hier weiterschreiben? <br>Und wenn ja, in welchem Rhythmus? <br>Keine Frage, die Regelmäßigkeit ist gut für mich und hilft mir durch die Zeit, auch wenn ich denke, dass ich eher mehr als weniger Arbeit durch die Krise habe. Aber irgendwann fängt auch wieder mein normales Leben an, mit Terminen und Verpflichtungen. <br>Schlimmer noch, irgendwann hat die Redaktion auch nicht mehr jeden Tag Zeit (und Lust), sich um mein Zeug zu kümmern.</p>



<p>Meine spontane Antwort ist, ich frage meine Leser und werde dann am Feedback sehen, ob ich überhaupt noch in dieser Form gebraucht werde. <br>Wenn es keiner liest, habe ich Zeit für andere Projekte. <br>Ich würde es wahrscheinlich vermissen, aber irgendwann kommt etwas Neues.</p>



<h4 class="wp-block-heading">&#8222;Letztendlich ist der ganze Gedankengang sowieso eine innere Farce!&#8220;</h4>



<p>Zur Zeit schreibe ich und gaukele damit mir selbst und auch anderen vor, dass ich einen Beitrag leiste. <br>Ich verkünde großspurig, dass ich in mein Arbeitszimmer gehe und meine Arbeit verrichte. Ich sage mir, dass diese Form meine geeignete Form ist, Genesungsbegleitung durchzuführen. <br>In Wirklichkeit arbeite ich nicht. Ich schreibe den Mist aus meinem Kopf zusammen, würge ihn auf ein Blog-Format und nötige meine beiden besten Freunde dazu, den Schrott auch noch in etwas Nutzbares zu verwandeln. <br>Ich suhle mich in meinen Eitelkeiten und befriedige mein inneres Künstlerteam mit der Vorstellung, jetzt Autor zu sein. <br>Das ist nicht wirklich Arbeit. <br>Und wie zum Beweis bewegt sich da auch nichts auf meinem Konto. </p>



<p>Letztendlich drücke ich mich mal wieder vor der letzten Konsequenz. <br>Seit über einem Jahr nehme ich mir vor, mein erlerntes Wissen zum Wohle Aller (einschließlich meines Bankkontos) einzusetzen. <br>Ich habe auch ein gutes Vorbild in Sonja. Aber ich gehe diesen Schritt einfach nicht. <br>Meine eigene Angst steht mir im Weg. <br>Was ist, wenn ich versage? <br>Woher soll ich überhaupt Klienten bekommen? <br>Was habe ich meinen Klienten zu bieten? <br>Klar habe ich ein paar großspurige Ideen, aber die habe ich immer. Nur wenn es „ans Eingemachte“ geht, da hört der Bär auf zu brummen und die Maus zieht den Schwanz ein. </p>



<p>Ich könnte jetzt in dieser Minute an Konzepten sitzen. Oder meine eigene Homepage gestalten und meinen Auftritt als freiberuflicher Genesungsbegleiter planen. Ich könnte einfach konstruktiv an meiner Zukunft arbeiten. <br>Statt dessen rede ich mir ein, dass ich ein Versprechen zu erfüllen hätte und meine Texte, die ich hier schreibe, mehr als nur ein nettes Beiwerk für meine Leserschaft sind. <br>Manchmal träume ich davon, dass „der Richtige“ meine Texte liest und ich endlich die Anerkennung bekomme, die ich verdiene. <br>Ja, die ganze Mühsal, von zwei Wochen &#8222;Worte aneinanderreihen&#8220;. Jeglicher Autor bekäme jetzt fett das Grinsen. <br>Wenn mich einer meiner Leser demnächst mal auf eine Currywurst mit Pommes einlädt, um sich für die Unterhaltung zu bedanken, wäre ich quasi überbezahlt. <br>Und dann will ich noch Kohle kassieren, dafür, dass ich Andere begleite. <br>Eigentlich müsste ich Menschen dafür bezahlen, dass sie mich aushalten, nicht andersrum. <br>Klar, manchmal gebe ich einen guten Tipp. Von Zeit zu Zeit kann man mich auch als Lexikon oder zu Recherchezwecken nutzen. <br>Ich kann mich auch gut in anderer Menschen Problemlage hineindenken, ohne mich darin emotional zu verstricken.<br>Ja, das kann ich wirklich. Früher dachte ich, ich wäre ein Naturtalent, was das richtige Maß an Nähe und Distanz betrifft. <br>Heute weiß ich, dass ich viel wahrscheinlicher ein funktionaler Soziopath mit einem schauspielerischen Talent bin. <br>Egal, ich kann mich reindenken und das Problem aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Manchmal ganz praktisch. <br>Aber reicht das, um jemandem dafür Geld abzuverlangen &#8211; ich glaube eher nicht. <br>Gut, jetzt könnte man argumentieren, dass ich gar keinen Bedarf für mein eigenes Produkt habe und daher auch nicht den Wert einschätzen kann, aber das hilft mir auch nicht weiter. <br>Und wenn ich diejenigen, die mich motivieren wollen, direkt frage, ob sie mich engagieren würden, sehe ich die Antwort schon in der ablehnenden Körpersprache. <br>Wieder mal zweifele ich hochgradig an meinen Kompetenzen. <br>Wieder mal versaue ich mir eine Anerkennung meiner Kompetenzen durch meine Persönlichkeit. <br>Schon wieder habe ich das Gefühl, der Zug ist vor einigen Minuten für mich abgefahren – „Tuff, Tuff“ und „Winke, Winke“…</p>



<p>Also schlängel ich mich zurück über das Bahngleis, haue meinen Kopf noch ein-zweimal an den Pfeiler, der die Gleise trennt und lande trotzdem niemals rechtzeitig auf dem &#8222;magischen&#8220; Gleis. <br>Jetzt sitze ich hier mit meiner mentalen Beule und müsste eigentlich ein Glas Hochprozentiges neben mir stehen haben, um in Suff und Melancholie zu versinken.</p>



<h4 class="wp-block-heading">„Nichts da, Versprochen ist Versprochen!“</h4>



<p>So kann und darf mein Text nicht enden. <br>Das hier ist Mausbär‘s Philosophie und nicht das Bärenjammertal. <br>Klar möchte ich irgendwann die Ehrendoktorwürde, aber nicht von der „Akademimimi“.<br>Jetzt wird nochmal Energie rausgedrückt, ich trete einigen Mitgliedern meines inneren Teams in den Hintern und zwinge mein inneres Orchester den Song „Eye of the Tiger“ anzustimmen. <br>Oder noch besser, meinen Lieblingssong aus der großartigen Swing-Zeit „Swing on a Star“. Da heißt es im Refrain:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„Or would you like to swing on a star<br>Carry moonbeams home in a jar<br>And be better off than you are…“</p><cite>Johnny Burke/ Jimmy van Heusen</cite></blockquote>



<p>Frei übersetzt, ist es die Frage, ob man gerne auf Sternen tanzen, den Mondschein einfangen und generell mehr aus sich machen will. Die passende Antwort gibt es am Ende des Songs:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>„And all the monkeys aren&#8217;t in a zoo<br>Every day you meet quite a few<br>So you see it&#8217;s all up to you<br>You can be better than you are<br>You could be swingin&#8216; on a star“</p><cite>Johnny Burke/ Jimmy Van Heusen</cite></blockquote>



<p>Wunderschön bringen es die Songwriter Johnny Burke und Jimmy Van Heusen auf den Punkt &#8211; es liegt alles an uns, wir können besser werden, als wir sind und auf den Sternen tanzen.</p>



<p>Jedem, der sich mir gegenüber so geäußert hätte, wie ich den ganzen Text gejammert habe, hätte ich versucht darauf hinzuweisen, dass es letztendlich doch eine Frage der Einstellung ist. <br>„Ein mutiger Mensch kann nichts verlieren, ein ängstlicher Mensch hat bereits verloren.“ Das stand mal in einem Glückskeks. <br>Also habe ich bereits verloren. Aber bin ich deshalb verloren? <br>Ich denke nicht!<br> Und wenn ich es schaffe, mich davon zu überzeugen und damit wieder auf dn Weg komme – zur Not dem Zug mit einer Draisine folgend, dann bin auch ein guter Genesungsbegleiter. </p>



<p>Jetzt, nachdem ich meine Seele zu zarter Swingmusik wieder sanft in grüne Tücher gewickelt habe, geht es mir besser. <br>Vielleicht hilft dieser Text ja auch da draußen dem einen oder anderen, sei es als Gedankenanstoß, oder nur als schlechtes Beispiel. <br>Und wer endlich wissen will, was es mit den grünen Tüchern auf sich hat, dem rate ich fleißig weiter meine Texte zu lesen, denn irgendwann wird es auch dazu eine mausbärische Erklärung geben.</p>



<p>Nachdem ich mich jetzt an meinem, langsam länger werdenden Schopf, erfolgreich selbst aus dem Sumpf meiner Depressionen gezogen habe, verbleibe ich .</p>



<p>mit wagemutigem Gruß,</p>



<p>Euer Mausebär, Freiherr von Münchhausen (Süd) (a.k.a. Thorsten Dürholt)</p>
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		<title>(M)eine Adlergeschichte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Apr 2020 01:06:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Empowerment]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Grüne Tücher]]></category>
		<category><![CDATA[Guerilla-Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Fundstück aus dem Repertoire des Mausebären (a.k.a Thorsten Dürholt) frisch aufgewärmt und als Guerilla-Text serviert]]></description>
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<p>Ein Fundstück aus dem Repertoire des Mausebären (a.k.a Thorsten Dürholt), frisch aufgewärmt und als Guerilla-Text serviert. </p>



<p>Obwohl ich heute sehr beschäftigt bin (ich nehme an einer Online-Rollenspielkonvention von 12:00 Uhr bis 24:00 Uhr teil), präsentiere ich euch wie versprochen trotzdem einen Text. <br>Zu meinem Glück fand ich neulich beim Aufräumen meiner Dateien noch eines meiner Machwerke. <br>Der folgende Text entstand vor ca. 2 Jahren im Rahmen des Kurses &#8222;Recovery,  Salutogenese und Empowerment&#8220; in der PHG; ich glaube im Empowerment-Modul. </p>



<p>Dort wurde uns eine Geschichte von einem Adler vorgestellt. Diese Geschichte traf zwar weitgehend meinen Geschmack, aber es blieben Kritikpunkte für mich übrig. Im Rahmen meiner eigenen Metamorphose beschloss ich, statt etwas zu boykottieren, die gute Idee aufzunehmen und zu verbessern. <br>Damals ein Fortschritt, weiß ich heute, dass es besser ist, diesen Prozess anders zu formulieren. Ich nehme mir, was mir richtig erscheint und mache dann etwas eigenes, für mich passendes, daraus.</p>



<p>Aufgrund meiner Beschäftigung heute bleibt mir keine Zeit, eine redaktionelle Arbeitsstunde abzuhalten und den Text von den anderen Teammitgliedern der Erfahrungsexperten am Niederrhein in dem mir zur Verfügung stehenden Zeitfenster lektorieren zu lassen. [Daher hat sich der Schmusehamster mit dem Guerilla-Text beschäftigt, nachdem dieser bereits online war. &#8211; Anmerkung von ak]<br>Anhand der Fehler werdet ihr sehen, wie abhängig euer Mausebär von seinem Lektorat ist [jetzt nicht mehr &#8211; Anmerkung von ak].</p>



<p>Viel Spaß mit meinem Text und pre-osterliche Grüße,</p>



<p>Euer Mausebär (a.k.a. Thorsten Dürholt)</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Adler</h2>



<p>Ein Bauer fand einmal ein Adlerküken auf einem Spaziergang. Da er es nicht besser wusste, nahm er den kleinen Adler mit und steckte ihn in sein Hühnergehege, da die Hühnervögel einen anderen Vogel wohl versorgen und aufziehen könnten. <br>Der kleine Adler wurde von den Hühnern aufgenommen und aufgezogen, doch fühlte er sich immer fremd in seiner Umgebung. Die jungen Hühner ließen in spüren, dass er anders war und die alten Hühner rieten ihm permanent, er solle sich doch einfach mehr Mühe geben, dann werde wohl noch ein gutes Huhn aus ihm. <br>So vergingen die Tage und der Adler wurde immer unzufriedener.<br>Eines Tages kam ein Fuchs zum Hühnerstall. Alle Hühner flüchteten entsetzt in die hintersten Winkel, denn der Fuchs war ein wohlbekannter Hühnermörder, doch der Adler blieb ruhig. Nicht nur, weil er sowieso seinem Leben nicht viel Wert beimaß, sondern auch weil das Adlerherz in seiner Brust ihn nicht die Angst der Hühner spüren ließ. <br>Neugierig näherte sich der Fuchs dem jungen Adler und sprach ihn an: „Wohlan, mein junger Freund, Du scheinst keine Furcht vor mir zu spüren; weißt Du nicht wer ich bin?“ „Das weiß ich wohl.“, sprach der Adler „Doch fremd ist mir, wer ich bin. Wenn ich mich nicht fühle wie ein Huhn, obwohl ich unter ihnen lebe, muss ich dann den Hühnerschreck fürchten?“. Der Fuchs stockte kurz und meinte: “Wahrlich, ein Huhn bist Du wirklich nicht“. „Aber was bin ich dann?“ fragte der junge Adler. <br>„Folge mir und wir werden es herausfinden“, bot der Fuchs an, drehte sich um und schickte sich an, seines Weges zu ziehen. Der junge Adler, der nicht viel zu verlieren hatte, folgte zögerlich dem Fuchs.</p>



<p>Auf dem Weg kamen sie an einem Teich vorbei und darin schwamm ein Schwan. Bewundernd betrachte der junge Adler das stolze Tier und spürte auch Stolz in seiner Brust. „Was ist dies für ein Vogel?“ fragte er den Fuchs. „Ein Schwan.“ entgegnete dieser. „Bin ich auch ein Schwan?“ fragte der junge Adler. „Probiere es aus und finde es für Dich raus“ riet ihm der Fuchs. So beobachtete der junge Adler den Schwan und glitt dann selbst ins Wasser um es ihm gleich zu tun. Doch ein Adler ist kein Wasservogel und er merkte schnell, dass er kein Talent zum Schwimmen hatte.<br>Doch bevor er ertrinken konnte, hielt ihm der Fuchs mit seiner Schnauze einen Ast hin, den er in weiser Voraussicht geholt hatte und zog den jungen Adler sicher an Land. „Ein Wasservogel bin ich wohl nicht!“ japste der junge Adler. <br>„Wahrlich nicht, lass uns weiter ziehen“, sprach der Fuchs und schritt voran.</p>



<p>So kamen die Beiden in den Wald und der junge Adler hörte ein Geräusch. Dann sahen seine suchenden Augen einen Specht, der an einem Baum sein Werk vollbrachte.  Als er den Vogel im Baum sah, fühlte der Adler, dass sein Platz nicht auf dem Boden war, wo die Hühner lebten, sondern in der Höhe. „Was ist das für ein Vogel?“ fragte er den Fuchs. „Das ist ein Specht“, kam die Antwort. „Bin ich auch ein Specht?“. „Probiere es aus und finde es für Dich heraus.“, sprach der Fuchs. Also beobachtete der junge Adler den Specht eine Weile und erkletterte dann selbst einen Baum. Die Aussicht war grandios, doch so richtig konnte sich der Adler nicht festklammern an der Borke des Baumes und als er den Schnabel gegen den Baum stieß, fühlte es sich auch nicht richtig an, doch mutig probierte er weiter, bis er endlich einen Käfer erhaschen konnte. Doch dieser schmeckte fast so schlimm wie Hühnerfutter und satt machte er auch nicht. Enttäuscht und hungrig kletterte der Adler von seinem Baum. <br>Der Fuchs hatte in weiser Voraussicht in der Zwischenzeit ein fettes Kaninchen erlegt und großzügig bot er dem Adler davon an. Als der Adler vorsichtig probierte, schmeckte er das wohlschmeckendste Essen seines ganzen Lebens. „Ein Specht bin ich wohl nicht.“, bemerkte er zwischen zwei Happen. „Wahrlich nicht; wir werden weiter ziehen.“ sprach der Fuchs. „Doch ein Jäger scheine ich zu sein, denn Deine Beute tut mir wahrlich wohl. Wahrscheinlich bin ich ein Jagdvogel; lass uns danach schauen.“, schlug der Adler vor. „So sei es.“, sprach der Fuchs und sie gingen gesättigt weiter.</p>



<p>Am Abend sah der junge Adler eine Eule, die auf einen Baum saß. Während er sie noch betrachtete, flog diese auf ihren lautlosen Schwingen los und schlug ein unvorsichtiges Eichhörnchen. Beeindruckt fragte der Adler den Fuchs: „Was ist das für ein Vogel?“. „Das ist eine Eule“ antwortete der Fuchs. „Bin ich auch eine Eule?“. „Probiere es aus und finde es für Dich heraus.“, schlug der Fuchs vor. So setzte sich der Adler auf einen Ast und wartete auf Beute. Kaum sah er die Bewegung eines kleinen Tieres, stürzte er sich vom Baum, doch seine Schwingen waren zu laut, die Beute entkam und seine Sicht war die Dunkelheit nicht gewöhnt. So verfing er sich im dichten Dickicht. Grinsend befreite der Fuchs den jungen Adler. „Nein!“, sprach der Adler, “Der Wald ist nicht mein Revier und die Nacht nicht meine Zeit; eine Eule bin ich nicht.“ „Wahrlich nicht.“, sprach der Fuchs. „Drum lass uns weiterziehen.“. Und so verließen die Beiden den Wald.</p>



<p>Dann erreichten sie ein hohes Gebirge und am Himmel kreiste ein mächtiger Raubvogel. „Was ist das für ein Vogel?“ fragte der junge Adler. „Das, mein Freund, ist ein Adler.“ sprach der Fuchs. „Bin ich auch ein Adler?“. „Probiere es aus und finde es heraus“. So ließ der Adler den Wind des Gebirges unter seine Federn gleiten und stieg höher und höher und je näher er dem Himmel kam, umso glücklicher und freier fühlte er sich. Als er hoch oben über den Himmel glitt, spürte er sich selbst und wusste nun, was er war. Nun spähte er mit seinen scharfen Adleraugen nach dem Fuchs, um ihm zu danken.</p>



<p>Doch dieser war bereits verschwunden, denn er hatte vorausgeahnt, was passieren würde. Da der Adler ihn nicht mehr brauchte, war er seines Weges gegangen.</p>
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