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	<title>Gemeinsame Beiträge &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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	<description>Selbsthilfe, Genesungsbegleitung und Betroffenenbeteiligung</description>
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	<title>Gemeinsame Beiträge &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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		<title>Arbeit und Recovery</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2020 06:03:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anfragen]]></category>
		<category><![CDATA[Konzepte und Ideen]]></category>
		<category><![CDATA[Anfrage]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsame Beiträge]]></category>
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		<category><![CDATA[Recovery]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie man das Thema "Arbeit" in die Recovery-Arbeit integrieren kann. Eine Gedankensammlung der Erfahrungsexperten am Niederrhein in der Kategorie "Konzepte und Ideen".]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Wie man das Thema &#8222;Arbeit&#8220; in die Recovery-Arbeit integrieren kann. Eine Gedankensammlung der Erfahrungsexperten am Niederrhein in der Kategorie &#8222;Konzepte und Ideen&#8220;.</p>



<p>Im Rahmen unserer Facebookgruppe trat eine befreundete Genesungsbegleiterin mit folgendem Thema an uns heran:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Hallo an die Gruppe,<br>Ich hoffe auf einen kleinen Gedankenaustausch:<br>ich mache mir derzeit Gedanken zu einer Recovery-Gruppe, spezifisch zum Thema &#8222;Arbeit&#8220; (im weitesten Sinne)<br>Habt ihr Vorschläge, Ideen oder Anregungen, welche Themen, Gedanken, ich unbedingt dabei aufgreifen sollte?<br>Auch für passende, inspirierende Links, Beispiele etc bin ich dankbar</p><cite>Anfrage in der Facebook-Gruppe: &#8222;Erfahrungsexperten am Niederrhein&#8220;-Supporter-Gruppe</cite></blockquote>



<p>Gerne möchte wir dieses Thema näher beleuchten, um vielleicht ein paar Gedanken und Ideen einzubringen. Daher werden jetzt hier Sonja, Alex und Thorsten ihre Gedanken zum Thema wiedergeben und hoffen, dass der eine oder andere unsere Beiträge mit Kommentaren ergänzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Beitrag von Sonja Utzenrath (Genesungsbegleiterin)</h3>



<p>Im Rahmen meiner Recovery war das Thema &#8222;Arbeit&#8220; sehr schwierig. Durch den Zusammenbruch völlig verunsichert, hatte ich keinen Ansatzpunkt, ob, wann und in welcher Form ich je wieder arbeiten könnte. Schnell war klar, dass ich die Bedeutung der Arbeit für mich selbst neu bewerten musste, aber wie dies zu bewerkstelligen war, blieb lange ungewiss. Heute kann ich zusammenfassend sagen, dass es sehr viel Selbsterforschung und über fünf Jahre Zeit brauchte, um genügend Selbstvertrauen zu haben, einer klassischen Tätigkeit als Angestellte bis auf weiteres den Rücken zu kehren. </p>



<p>Hierbei sind folgende Fragestellungen mitunter hilfreich:</p>



<h5 class="wp-block-heading">Bestandsaufnahme </h5>



<ul class="wp-block-list"><li>Was kann ich im Moment? </li><li>Was konnte ich früher? </li><li>Was kann ich mir realistisch zurück erobern? </li><li>Was kann ich besonders gut, das bisher nicht zum Kontext Arbeit gehörte? </li><li>Welchen äußeren Zwängen bin ich ausgesetzt? </li><li>Durch wen? </li><li>Gibt es Menschen in meiner Umgebung, die mich in meinen Bemühungen unterstützen werden?</li></ul>



<h5 class="wp-block-heading">Neuausrichtung</h5>



<ul class="wp-block-list"><li>Was möchte ich in Zukunft tun? </li><li>Welche Motivation habe ich dafür? </li><li>Welche Schritte könnte ich gehen, um meine neuen Ziele zu erreichen, ohne mich dabei zu überfordern?</li></ul>



<h5 class="wp-block-heading">Finanzielle Absicherung</h5>



<ul class="wp-block-list"><li>Wie bin ich derzeit versorgt/abgesichert? </li><li>Wie lange wird dies gesichert sein? </li><li>Welcher Zeitraum wird mir auf diese Weise zur Selbstanalyse, Neuausrichtung und Erprobung zur Verfügung stehen?</li></ul>



<h3 class="wp-block-heading">Beitrag von Dr. Alexander Kunze</h3>



<p>Eine Beitragsreihe unter dem Thema „Arbeit &amp; Recovery“ versucht die Vermittlung zweier einander entgegen gesetzter Pole. Teilnehmer sind damit konfrontiert, dass nach einer durchlittenen Krise Teile ihrer Persönlichkeitsstruktur Veränderungen unterworfen worden sind.</p>



<p>Betroffene versuchen, sich ihre Umgebung neu zu erschließen und ihren veränderten Bedürfnissen anzupassen. Häufig stellen sich die sie umgebenden Strukturen als zu starr, gewissermaßen „festgefahren“, heraus, um sich ausreichend anpassen zu lassen. Eine vorher aufgrund deren Eingespieltheit für ALLE Beteiligten als förderlich empfundene Arbeitsumgebung, kann durch die dem Kursteilnehmer unterlaufenen veränderten Bedürfnisse plötzlich nicht mehr wie gewohnt &#8222;rund&#8220; laufen, was &#8211; widerum bei ALLEN der am Arbeitsumfeld beteiligten Personen &#8211; für als häufig negativ empfundene Reibungspunkte sorgen und ein fruchtbares Betriebsklima empfindlich stören kann. </p>



<p>Der Betroffene wird nicht selten daraufhin als &#8222;Schuldiger&#8220; durch sein Umfeld ausgemacht, bezichtigt durch Menschen, welche nur selten den wertschätzend kommunikativen, therapeutisch geschulten, Umgang miteinander gewohnt sind. Diese Konflikte gilt es für den betroffenen Teilnehmer eines Kurses &#8222;Arbeit &amp; Recovery&#8220; aushalten und &#8211; falls möglich &#8211; moderieren zu lernen.</p>



<p>Weiterhin spielt gerade das Arbeitsumfeld mitunter eine zentrale Rolle in der erlittenen Krise des Betroffenen. Viele Trigger und als negativ konnotierte Erfahrungen können hier gemacht worden sein. Entsprechend schwer und belastend kann eine Auseinandersetzung mit diesem Thema für Teilnehmer sein. Auch gilt es anhand der persönlichen Erfahrungsberichte aller Teilnehmer herauszuarbeiten, ob Situationen von Über- oder Unterforderung vorgelegen haben, aus welchem Grundmotiv ein Betroffener seinen Beruf gewählt hat, der ihn zu seinem letzten Arbeitsplatz vor der Krise geführt hat. <br>Nicht wenige Genesende stehen vor dem Problem, dass die Arbeit und damit verbundene Erfolgserlebnisse mit positiven Emotionen aus dem Bereich des Belohnungssystems verbunden sind. Dabei muss kein Suchtfaktor im Sinne eines &#8222;Workaholics&#8220; vorliegen, es reicht eine gewisse Neigung zur positiven Selbstbestätigung beim Betroffenen, um seinen Umgang mit seinen neuen &#8211; und nicht selten engeren &#8211; Grenzen zu lernen. <br>Auf der gegenüberliegenden Seite des Spektrums steht die Herausforderung, für sich selbst einschätzen zu lernen, wo eine wahrgenommene Stressreaktion im Arbeitsumfeld Ausdruck einer persönlichen Angst ist, oder die tatsächlichen Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit markiert. <br>Nicht zuletzt gilt es zu klären, ob und &#8211; falls ja, in wie weit &#8211; die erlittene Krise des Kursteilnehmers Ausdruck einer psychischen Primärerkrankung ist, oder vielmehr eine sekundäre Folge, das heißt ein Symptom, einer schon deutlich länger vorliegenden psychischen Besonderheit darstellt. </p>



<p>In diese letzte Kategorie passt zum Beispiel mein eigener Diagnoseverlauf. 2014 aufgrund von Depression, Panikattacken und generalisierter Angststörung in stationärer und teilstationärer Behandlung, sowie danach für zwei Jahre in ambulanter Therapie, habe ich bei jedem meiner innerhalb von fünf Jahren versuchten Modelle der Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt Rückschläge hinnehmen müssen. <br>Dabei spielte es keine Rolle, in welcher Branche oder unter welchem Beschäftigungsmodell meine Arbeits-Erprobung versucht wurde. <br>Für mich erfahrbar scheiterte ich jedesmal an einem Übermaß an psychischem Stress, der sich, mit kurzzeitiger Verzögerung, auch körperlich auszuprägen begann. <br>Insgesamt warf mich jeder dieser Rückschläge, unerheblich, wie kurz- oder mittelfristig mein Engagement war, um Monate in meiner Genesung und Recovery zurück. </p>



<p>Dank meines auch therapeutisch tätigen Psychiaters weiß ich heute, dass der eigentliche Grund für meinen 2014 erfolgten Zusammenbruch eine angeborene Besonderheit aus dem Spektrum der &#8222;Asperger&#8220;-assoziierten psychischen Ausprägungen ist. <br>Die im Laufe meines Lebens aufgebauten Bewältigungsstrategien haben dazu geführt, dass ich &#8211; stellenweise mehr schlecht, als recht &#8211; in mein gewohntes (Arbeits-)Umfeld &#8222;eingepasst&#8220; war. <br>Als dieses &#8222;Gebäude&#8220; bei meiner letzten beruflichen Station auf dem ersten Arbeitsmarkt, einer Abteilungsleitung, durch die dort verlangten äußeren Einflüsse an mich nicht mehr tragfähig war und wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrach, stand ich, als der emotionale Staub sich gelegt hatte, gewissermaßen nackt und schutzlos da. Aller vorher als hilfreich, weil als dämpfend, empfundenen psychischen Bewältigungsfilter beraubt, im harschen Schlaglicht der Realität war ich nur noch eines: &#8222;Asperger&#8220;.</p>



<p>Sicherlich fällt nicht jeder Kursteilnehmer einer Reihe unter dem Titel &#8222;Arbeit &amp; Recovery&#8220; in dieses, von mir erfahrene, Schema. Jedoch weiß ich, dass in der heutigen Zeit der verfeinerten Diagnosemöglichkeiten in der Psychiatrie der Anteil an Erwachsenen stetig steigt, welche mit den Besonderheiten der &#8222;Hypersensibilität&#8220; oder gar einer milden Form des Autismus geboren wurden. Manchen Betroffenen gelingt es, sich im Laufe ihres Lebens, für ihre Persönlichkeit förderlich und ihre Berufstätigkeit fruchtbar, mit diesen Besonderheiten, nicht selten unbewusst, zu arrangieren, sozusagen ihre &#8222;perfekte Nische&#8220; zu finden.  <br>Der größere Teil der Menschen jedoch, benötigt bei der Suche einer für sie passenden Arbeitsumgebung Unterstützung. Auch hier sollte meiner Meinung nach ein Kurs &#8222;Arbeit und Recovery&#8220; ansetzen.</p>



<p>Die Konfrontation des Genesenden mit seinem Umfeld, welches über lange Zeiträume daran gewöhnt ist, dass der Betroffene auf eine bestimmte Art und Weise reagiert, ist eine der wichtigsten Herausforderungen, die in der persönlichen Recovery bestanden werden müssen. Entsprechend risikobehaftet und psychisch anstrengend kann eine solche Beitragsreihe unter dem Thema „Arbeit &amp; Recovery“ für den Betroffenen, wie auch für die übrigen Teilnehmer, sowie die Moderatoren sein. Nicht zufällig sind Veranstaltungsreihen dieser Art häufig in ausführlichere Therapiekonzepte von Tageskliniken oder &#8211; medizinisch orientierter &#8211; Reha-Einrichtungen eingebettet. </p>



<p>Die eigene Arbeitsstelle bedeutet für den Teilnehmer meist nicht nur die eigene Versorgungsgrundlage, sondern der Arbeitsplatz des Betroffenen stellt darüber hinaus die Lebensgrundlage von Familienmitgliedern sicher. Jedwede Gefährdung des eigenen Arbeitsplatzes bzw. die bereits erfahrene Arbeitsunfähigkeit bis hin zum Jobverlust, sind durch das deutlich verminderte finanzielle Einkommen mit enormen existenziellen Ängsten und dem daraus folgenden Erwartungsdruck verknüpft. Viele Betroffene wollen daher so schnell wie möglich wieder ihren vorherigen beruflichen Status zurückgewinnen bzw. sehen sich einer selbstempfundenen gigantischen psychischen &#8222;Niederlage&#8220; gegenüber, welche tief in über Generationen weitergegebene tradierte Rollenmodelle herabreicht, mit denen sich der Betroffene auseinandersetzen muss. </p>



<p>Auch und gerade diese Herausforderungen sind es, auf die ein Kurs &#8222;Arbeit und Recovery&#8220; zumindest vorbereitet sein sollte. Es ist sicher zielführend, sich beispielsweise während eines persönlichen Vorgesprächs, in welchem sich die Ausrichter des Kurses mit Interessenten unterhalten, von der jeweiligen Situation des potenziellen Teilnehmers ein Bild zu machen und eine geeignete psychotherpeutische oder psychiatrische regelmäßige Anbindung für einen potenziellen Teilnehmer anzuraten, falls dies in seiner persönlichen Vorgeschichte noch nicht stattgefunden hat. </p>



<p>Dies ermöglicht die bedarfsgerechte Nachbereitung eventuell erfolgter, psychisch sehr stressbehafteter, Konfrontationen der Teilnehmer durch andere therapeutische Angebote und nicht zuletzt die Milieutherapie der umgebenden Betroffenen. Aus meiner eigenen Erfahrung, sowie dem Austausch mit weiteren Gleichgesinnten aus dem Umfeld meiner Selbsthilfegruppen und der Genesungsbegleitung weiß ich, dass diese Dinge nicht trivial sind und mitunter lange Zeiträume intensiver psychiatrischer und psychotherapeutischer Betreuung erfordern.</p>



<p>Da aus meiner eigenen Erfahrung ein hoher Anteil Betroffener unmittelbar nach einem stationären, günstigstenfalls eines teilstationären Aufenthalts wieder zurück an seinen Arbeitsplatz &#8222;drängt&#8220;, jedoch &#8211; wie wir alle wissen &#8211; noch ganz am Anfang seiner Recovery und der damit einhergehenden Persönlichkeitsbildung steht, halte ich diese parallele Einbindung von Teilnehmern für essenziell für eine fruchtbare Kursteilnahme, denn einer der für mich wichtigsten Sätze während meiner Recovery habe ich schon in der zweiten Woche meines stationären Aufenthaltes gelernt: &#8222;90% ihrer psychischen Arbeit an sich machen Sie nach Ihrer Entlassung.&#8220; </p>



<p>Diesen Satz hörte ich auch in der Tagesklinik (&#8222;80%&#8220;) sowie während meiner ambulanten Therapie (&#8222;60%&#8220;).</p>



<p>In Gesprächskreisen, Einzel- &amp; Kleingruppenarbeit, Rollenspielen und nicht zuletzt der Auseinandersetzung mit typischen qualifizierenden Situationen, wie Stellenanzeigen oder Vorstellungsgesprächen, können beispielsweise die im bisherigen Leben ausgeführten Berufe in ihre Tätigkeitsprofile zerlegt werden. Oft verfügen auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Jobs über große Überlappungen ähnlicher oder gleicher benötigter geistiger und körperlicher Fertigkeiten, aber natürlich auch Stressoren. Im Idealfall erhält der Teilnehmer anhand seiner eigenen und der Geschichte seiner teilnehmenden Mitstreiter einen „Baukasten“ zu seiner Verfügung, aus dem er für sich jene Tätigkeiten identifizieren kann, welche für die Genesung seiner Erkrankung bzw. Mediation der eigenen Vulnerabilität förderlich sind. </p>



<p>Ebenso lernt der Betroffene, einen zukünftigen oder den gegenwärtigen Arbeitsplatz auf risikoreiche Bestandteile, wie Stressoren, zu prüfen, diese zu erkennen und zu vermeiden, wenn sich kein förderlicher Umgang mit jenen finden lässt. </p>



<p>Nicht zuletzt sollten die Teilnehmer eines Kurses &#8222;Arbeit &amp; Recovery&#8220; dabei unterstützt werden, sich ihrem neuen <strong>Selbst bewusst</strong> zu werden, aus der Kenntnis ihres veränderten Profils persönlicher Stärken und Schwächen ihrem <strong>Selbst vertrauen</strong> zu lernen und bei der Suche nach der für sie passenden Nische auf dem Arbeitsmarkt sich ihres eigenen <strong>Selbst-Werts</strong> stets bewusst zu sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Beitrag von Thorsten Dürholt (Genesungsbegleiter)</h3>



<p>Meine Gedanken zum Thema Arbeit und Recovery leiten mich erst mal zu zwei ganz grundlegenden Fragen, nämlich &#8211; was verstehe ich unter Arbeit und wie definiere ich Recovery? </p>



<p>Fange ich mal mit dem leichteren an&#8230; </p>



<p>Recovery ist das englische Wort für Erholung, Genesung aber auch für Wiederherstellung. Auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht, ist es der Prozess, der nach einem, wie auch immer gestalteten Vorfall, den Status von vor dem Prozess wieder herstellen soll. <br>Im Informatikbereich würde man von einer Systemwiederherstellung reden. Im sozialen Bereich verstehe ich darunter, nach einer Krise die vorherige Handlungsfähigkeit wieder zu erlangen. Das ist leider nicht so einfach wie bei einer Maschine, auch wenn der arbeitende Mensch gerne als eine solche von der Gesellschaft gesehen wird. <br>Den Prozess der Recovery im sozialen Bereich sehe ich eher wie das Aufbrechen eines Kokons. Das, was daraus entsteht, ist etwas anderes, als das, was den Kokon gesponnen hat. </p>



<p>Arbeit zu definieren ist ungemein schwierig. <br>Physikalisch gesehen ist Arbeit Kraft, die mit dem zurückgelegten Weg multipliziert wird. So habe ich es in der Schule gelernt.<br>Auch weiß ich, dass das tschechische Wort „Robota“, das für den Begriff des Roboters Pate stand und eigentlich eine Bezeichnung für Frondienstler und Zwangsarbeiter war, tatsächlich in der tieferen Vergangenheit der Sprachentstehung gemeinsame Wurzeln mit dem deutschen Wort „Arbeit“ hat. <br>In meiner kaufmännischen Ausbildung lernte ich wiederum die Arbeit als &#8222;nicht originären Faktor grundlegender Güter&#8220; in der Volkswirtschaft kennen und in der Betriebswirtschaft als &#8222;Produktionsfaktor&#8220;. <br>Es gibt auch den ominösen Unterschied zwischen Arbeitern und Angestellten. <br>Auch die Philosophie beschäftigt sich mit dem Begriff der Arbeit. <br>Fragt man übrigens beim Jobcenter nach, erfährt man sehr schnell, dass Arbeit lediglich eine vergütete Tätigkeit ist. Also sind nicht vergütete Tätigkeiten somit keine Arbeit. <br>Es ist also schwierig zu definieren, was Arbeit tatsächlich ist. </p>



<p>Und vielleicht liegt ja genau darin der erste Schritt zur Verbindung von Arbeit und Recovery. <br>Zu erkunden, was wir unter Arbeit verstehen und zu definieren, welche Bedeutung die Arbeit für uns hat. <br>Der erste Schritt bedeutet ja auch immer, sich einem Ziel zuzuwenden. <br>Daher denke ich, ein Recoveryprozess im Bezug auf den Begriff „Arbeit“ sollte sich mit folgenden Fragen, in festgelegter Reihenfolge, beschäftigen: </p>



<ul class="wp-block-list"><li>Was verstehe ich unter Arbeit? </li><li>Was bedeutet Arbeit für mich? </li><li>Was hat Arbeit für mich vor der Krise bedeutet und was bedeutet es jetzt?</li><li>Welche Art von Arbeit kann ich leisten? </li><li>Welche Art von Arbeit will ich leisten? </li><li>Wo setze ich Grenzen? </li><li>Wo sind Grenzen? </li><li>Wie kann ich meine gewünschte Arbeit erreichen? </li><li>Welche Umstände müssen geschaffen werden? </li><li>Wer kann mir, auf welche Art, helfen?</li><li>Was verspreche ich mir von der Arbeit?</li></ul>



<p>Der logische Prozess wäre für mich eine Kette über das „Was“ zum „Warum“ hin zum „Wie“, also Definition, Bedeutung und Machbarkeit.</p>



<p>Detaillierter gesagt, wäre das erste Segment eine Erforschung des Begriffes und der Motive, der wunderbar in einer Gruppenarbeit erfolgen kann. Es geht darum, den Begriff „Arbeit“ von verschiedenen Seiten zu betrachten und durch verschiedene Impulse eine erweiterte Sichtweise zu bekommen. <br>Das Ziel dieses Segments wäre es, dass jeder Teilnehmer seine eigene Definition für seine eigenen Zwecke hat. </p>



<p>Das zweite Segment beschäftigt sich dann mit der Bedeutungsebene. Auch hier können Gruppenprozesse dazu führen, die Motivation für „Arbeit“ zu klären und eine individuelle und vor allem gesunde Einstellung zur Arbeit zu fördern. <br>Hier ist auch die Gelegenheit, in der sich die Motivation der Teilnehmer herauskristallisiert. </p>



<p>Im dritten Segment geht es dann ganz praktisch darum, Strategien zu entwickeln, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Hier bietet es sich dann an, gezielt Experten zu Wort kommen zu lassen. Auch eine individuelle Art der Betreuung wird hier nötig. <br>Viel Teamarbeit kann hier helfen, um sich gegenseitig mit Erfahrung zu stützen. </p>



<p>Ein mögliches viertes Segment wäre dann eher ein regelmäßiges Gruppengespräch, bei dem sich die Teilnehmer über ihre neuesten Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig mit Tipps und Hilfestellungen unterstützen können. </p>



<p>Ich könnte dieses grundlegende Konzept auch vertiefter (in Form einer konkreten Projektplanung) darstellen, was aber den Rahmen hier sprengen würde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gemeinsames Fazit</h3>



<p>Aus unseren jeweiligen Beiträgen wird mehr als deutlich, wie vielschichtig das Thema &#8222;Arbeit und Recovery&#8220; sein kann. Eine Recovery Gruppe zu diesem Thema wird mit jedem Teilnehmer weitere individuelle Ansichten, Schicksale und Lösungsansätze aufdecken. </p>



<p>Wir hoffen, dass wir mit unseren Beiträgen einen Keimling gesetzt haben, der in den Händen unserer befreundeten Genesungsbegleiterin die Chance haben wird, zu einem stattlichen Baum heranzuwachsen.</p>



<p>Bitte &#8222;würzt&#8220; diesen Artikel mit Kommentaren über eure Meinungen und Gedanken. Sie können helfen, den Keimling mit weiterem Dünger auszustatten.</p>



<p>Eure Erfahrungsexperten am Niederrhein</p>
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		<title>40 Tage in der Corona-Wüste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sonja Utzenrath]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2020 12:20:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Rat und Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Selbsthilfe im Ausnahmezustand]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsame Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
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					<description><![CDATA[Vierzig Tage nach unserer ersten Veröffentlichung im Zuge der frisch verkündeten Kontakteinschränkung am 17.03.2020 ziehen Alex, Sonja und Thorsten Bilanz.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Vierzig Tage nach unserer ersten Veröffentlichung im Zuge der frisch verkündeten Kontakteinschränkung am 17.03.2020 ziehen Alex, Sonja und Thorsten Bilanz.</p>



<p>Klassisch gesehen, haben wir also eine Quarantäne im ursprünglichen Wortsinn (lat. quadraginta =40) hinter uns. <br>Die Verordnung einer vierzigtägigen Isolation ist schon seit der Entstehung des Talmuds und der Bibel bekannt. Selbst gewählt, der inneren Reinigung dienend, oder von behördlicher Seite angeordnet, wie zu Zeiten der Pest in Italien unter dem Namen &#8222;quaranta giorni&#8220; (vierzig Tage). Der entsprechende Wikipedia Artikel ist bezüglich Etymologie und Geschichte ein lesenswerter Text.</p>



<p>Was hat es jedoch für uns bedeutet?<br>In den letzen 40 Tagen haben wir uns täglich über einen Video Chat gesehen, unsere Gedanken ausgetauscht und immer häufiger Beiträge geschrieben und diese gemeinsam redaktionell bearbeitet. Teilweise zeitlich gesehen länger, als es gut für uns war. Hier ziehen wir also ein wenig Bilanz und wagen einen vorsichtigen Blick in die Zukunft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Statistik</h3>



<p>Die nackten Zahlen unseres Blogs:   47 von 52 Beiträgen sind seit dem 17.03.2020 veröffentlicht worden, davon hat Thorsten mit 35 Beiträgen den Löwenanteil (oder Mausebärenanteil?) geschrieben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die urspüngliche Zielsetzung: Selbsthilfe im Ausnahmezustand</h3>



<p>Zu Anfang wollten wir informieren, Mut machen und Alternativen vorstellen, wie Selbsthilfe auch in Zeiten einer Kontaktsperre aufrecht erhalten werden kann. Die ersten Beiträge stellten kostenfreie Kommunikationsformen vor, die es Selbsthilfegruppen ermöglichen können, ihre Gruppentreffen per Video- oder Telefonkonferenz durchzuführen. Auch über die Erfahrungen unserer Gruppen mit diesen neuartigen Eindrücken haben wir  geschrieben. Ein Gastbeitrag wurde, statt wie üblich in der Speaker&#8217;s Corner, mit der Kategorie &#8222;Soziale Interaktion im Ausnahmezustand&#8220; eingestellt, weil uns die Freizeitbeschäftigung ebenso wichtige Erfahrungen vermittelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mausebärs Philosophien</h3>



<p>Die erste &#8222;persönliche&#8220; Kategorie entstand, als ein bestimmter Herr undefinierbaren Alters beschloss, sich der Krise mit einem täglichen Text zu stellen. <br>Schon bald war daraus die Kategorie &#8222;Mausebärs Philosphien&#8220; entstanden, die sich still und heimlich zu einer Art Blog ausweitete. Man könnte schon fast sagen, zu einer Kolumne, wenn man so hoch greifen will. <br>Täglich sch(m)eißt der langhaarige Verbalterrorist der Redaktion (und auch etwas abgemildert danach der Welt) seine Gedanken vor die Füße. <br>Wer wäre also besser prädestiniert, darüber etwas zu sagen, als der Mann selbst?</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>40 Tage sind schon ein beachtlicher Weg. <br>Für mich persönlich, vor allem ein besonderer Weg. <br>Dieser Weg war bis jetzt begleitet von vielen neuen Erfahrungen. <br>Ich habe angefangen, meine Gedanken zu publizieren und unter der Rubrik „Mausebärs Philosophien“ hier ein Zuhause gefunden. <br>Ich habe die erste Vollkontakt-Kommunikationslehre entwickelt und trainiere regelmäßig hier in meinem MbKl-Dojo mit meinen Lieblingsmenschen. <br>40 Tage voller neuer Wege, mich selbst und auch meine Nächsten neu wahrzunehmen. <br>Eine neue Form der Ehrlichkeit &#8211; mein Schwanken der Gefühle kann jeder regelmäßige Leser feststellen. <br>Genauso die schwankende Qualität, obwohl das wohl eher eine Geschmacksfrage ist. Noch nie habe ich 40 Tage am Stück so eng in einem Team gearbeitet, wie ich es diesmal mit Sonja und Alex genießen durfte und hoffentlich weiter darf. <br>Trotz der digitalen Grenze fühle ich mich Menschen nah. Näher als sonst, da es wohl doch einfacher ist, über digitale Kanäle zu kommunizieren. Ich kommuniziere häufiger und gründlicher als sonst. <br>In der Psychoedukation habe ich mal gelernt, dass manche an Depression erkrankte Menschen die Sonne brauchen, um nicht in depressive Episoden zu verfallen. Scheinbar hellen die Strahlen der Sonne, direkt genossen, das Gemüt auf. Das habe ich erst verstanden, als ich in den letzten Tagen merkte, wie stark die kleinen Lichtblitze, die durch die Glasfaserkabel zu meinem Hausanschluss flitzen, ein Lächeln in meine Seele zaubern. <br>Heute schreibt der große Mausebär nur diesen kleinen Text. <br>Heute feiern wir den langen Marsch durch 40 Tage Coronakrise mit einer kleinen Rast. <br>Ich hoffe, dass die Krise nicht noch 40 Jahre dauert wie der Wüstentrip eines bestimmten Volkes im bekanntesten Buch aller Zeiten (nein, keines der Harry Potter Bücher), obwohl ich das auch überleben würde. Ich hoffe, auch kein höheres Wesen mit Alleinstellungskomplex fordert Anbetung im Austausch für  Klopapier und Nudeln.<br>40 Tage Reise haben uns weitergeführt und wir haben neue Wege beschritten. <br>Ich freue mich, diesen Weg weiter zu erkunden. <br>Auf in den Sonntag, auf in unser verdientes Wochenende und morgen lest ihr mehr vom Mausebär.</p><cite>Thorsten Dürholt , Autor von &#8222;Mausebärs Philosophien&#8220;</cite></blockquote>



<h3 class="wp-block-heading">Schatzkiste</h3>



<p>Angeregt durch den Beitrag &#8222;Ferdinand, der Lenz ist da!&#8220; von Alex, ist uns eine neue, wichtige Kategorie &#8222;zugeflogen&#8220;. Er hat ein Element eingesetzt, das für uns alle drei in individueller Form wichtig ist. Wir freuen uns auf viele weitere Schatzkisten Beiträge.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aspergers Nähkästchen</h3>



<p>Eher zufällig entstand eine Kategorie, die Alex im wahresten Sinne &#8222;auf den Leib geschneidert&#8220; ist. Hier ist ein Raum, besondere Aspekte der Besonderheit &#8222;Asperger&#8220; zu schildern, zu beleuchten, und vielleicht uns anderen, mit alltagskompatiblen &#8222;Ottonormal-Betriebssystem&#8220; versehenen, Menschen ansatzweise begreiflich zu machen. Er wird es zumindest versuchen, liebevoll unterstützt von Thorsten und Sonja.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ausblick</h3>



<p>Was auch immer in den nächsten 40 Tagen geschehen wird, mit jedem unserer Beiträge veröffentlichen wir nicht nur persönliche Eindrücke unserer jeweiligen Gedankenwelt, sondern hoffen vor allem darauf, dass die Texte anderen Menschen helfen, sich selbst wiederzuerkennen.  </p>



<p>Humor, Satire, Ironie und in gewisser Weise auch Selbstdarstellung sind kein Selbstzweck, sondern Brücken zwischen Menschen. Wir liefern eigentlich nur ein wenig Baumaterial, oder?</p>



<p>Lacht mit uns, weint mit uns, fühlt mit uns &#8211; dann fühlt Ihr auch Euch selbst.</p>



<p>In diesem Sinne, einen schönen Sonntag wünschen <br>Alex, Sonja und Thorsten,<br>das Team der Erfahrungsexperten am Niederrhein</p>
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