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	<title>Philosophie &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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	<description>Selbsthilfe, Genesungsbegleitung und Betroffenenbeteiligung</description>
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	<title>Philosophie &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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		<title>Ich bin ein Egoist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Aug 2020 11:34:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Mausebärs Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Egoismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Selbsterkenntnis]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Mausebär (td) schreibt über seine eigenen Gedanken zum Thema Egoismus.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ich bin ein Egoist. Das ist für mich eine klare Sache und ich schäme mich nicht dafür. <br>Warum auch? <br>Denn was bedeutet Egoismus mehr, als Eigenliebe und auch Eigenverantwortung? <br>Warum sollte ich andere Personen und deren Bedürfnisse höher bewerten, als meine eigenen? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mann muss weder ein Arschloch sein, geschweige denn sich so benehmen, um ein Egoist zu sein, sondern ganz einfach entscheiden, seine eigenen Bedürfnisse an erste Stelle zu stellen. Das bedeutet nicht, dass mir anderer Leute Bedürfnisse egal, oder gar unwichtig sind. Warum auch? <br>Ich stelle nur anderer Menschen Bedürfnisse nicht über meine eigenen. Persönlich denke ich, dass seine eigenen Bedürfnisse hinter die Bedürfnisse seiner Umgebung zu stellen, einfach dumm ist. <br>Selbst bei Personen, für die ich Zuneigung, oder gar Liebe empfinde, ordne ich deren Bedürfnisse den meinen unter. <br>Warum tue ich das? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz klar, weil ich selber meine Bedürfnisse am besten verstehen kann. <br>Jeder andere Mensch kann meine Bedürfnisse nur erraten, erahnen oder erfragen, aber nicht unmittelbar empfinden. Daher bin ich auch der Einzige, der meine Bedürfnisse erfüllen kann. <br>Zwar können mir andere Menschen helfen, oder sogar noch konkreter, bin ich auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, aber zur wirklichen Befriedigung meiner Wünsche muss ich selber die Verantwortung für mein Handeln und die Leitung meines Projektes übernehmen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet in erster Linie, dass ich zu aller erst meine eigenen Ziele definieren sollte. <br>Obwohl mir die Gesellschaft schon oft vermitteln wollte, dass ich meine Mitmenschen und meine Umwelt als Faktoren bei der Zielbestimmung einbeziehen sollte, ist mir dieser Weg nun endgültig als ein Irrweg aufgefallen. <br>Es geht doch um meine Ziele und mein Leben, daher will ich auch zuerst definieren, was genau meine Wünsche und Ziele sind, unabhängig von Erreichbarkeit und Möglichkeit. <br>Da ich an äußere Grenzen des Machbaren schon früh genug auf meinem Weg stoßen werde, sollte ich diese nicht noch zusätzlich verinnerlichen und mir zu inneren Grenzen aufbauen. <br>Die Weltgeschichte kennt vor allem die Leute, die Grenzen überschritten haben und das Unmögliche geglaubt haben. <br>Warum sollte ich mich nicht an den Gewinnern orientieren? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Gesellschaft mag keine Außenseiter, erst recht nicht, wenn diese auch noch erfolgreich sind und dennoch werden sie als Zeichen des Fortschritts und des Erfolges gefeiert und beneidet. <br>Schon als Kind wurde ich von meiner Umgebung klein gehalten und es wurde stets versucht, meine Besonderheiten zu verstecken und zu unterdrücken, um mich zu einem konformen Gesellschaftsmitglied zu entwickeln. Natürlich wollte jeder nur mein Bestes und jeder hatte auch eine Vorstellung davon, was das denn sein würde, doch niemand kümmerte sich dabei um meine Gedanken und Ziele. <br>Selbst in meiner Therapie ging es darum, meine Persönlichkeit dahin zu bewegen, dass ich konformer in die Gesellschaft passe, ein weiterer Grund, warum ich Verhaltenstherapie nicht überzeugend finde. <br>Seit ich anfange, mich selbst zu entdecken und mich damit zu beschäftigen, was ich möchte und gutheiße, geht es mir deutlich besser. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Teenager habe ich die Werke von Nietzsche gelesen und habe darin seine interessante Weltsicht erfahren, die aufgrund des Missbrauches durch das Dritte Reich stark in Verruf gekommen ist. Es geht um die Theorie des Übermenschen und des Untermenschen. <br>Dank des Herrn Adolf H. zieht es jetzt wahrscheinlich bei einigen die Fußnägel nach oben, aber wer sich dennoch traut, einfach mal weiter zu lesen, wird schnell herausfinden, dass es mir weder um den faschistischen Missbrauch dieser Wörter geht, noch um einen Zusammenhang mit dem Herabwürdigen von Menschen.<br>In der Tat empfinde ich es als eine Art Krankheit unserer Gesellschaft, dass die Erhöhung des eigenen Ichs immer gleich in einem Topf mit der Erniedrigung anderer Menschen geworfen wird. <br>Nur, weil ich mich gut finde, heißt das doch nicht, dass ich automatisch jemand anderen schlecht finde. <br>Warum versucht man mir stets einzureden, dass ich mich selbst nur erhöhen kann, indem ich andere Menschen erniedrige? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Komme ich zurück zu dem bösen Ding mit dem Übermenschen und dem Untermenschen. <br>Nietzsche hat das Ganze schon ganz schön verschwurbelt ausgedrückt. Was ich daraus zu erkennen meine, ist eigentlich wesentlich einfacher zu erklären. <br>Es gibt zwei Arten von Menschen, die sogenannten &#8222;Übermenschen&#8220;, oder auch die &#8222;Starken&#8220; und die sogenannten &#8222;Untermenschen&#8220;, also die &#8222;Schwachen&#8220;. <br>Die &#8222;Untermenschen&#8220; haben sich im Rahmen der Entwicklung zusammen getan, um mit schierer Anzahl den &#8222;Übermenschen&#8220; zu unterwerfen. Ihre Werkzeuge waren dabei Gesetze, Moral und Religion. <br>Der &#8222;Schwache&#8220; hat also dem &#8222;Starken&#8220; erklärt, dass, wenn er ihm etwas wegnimmt, ihn die anderen &#8222;Schwachen&#8220; zur Verantwortung ziehen. Daher leben wir in einer Gesellschaft, die durch die &#8222;Untermenschen&#8220; dominiert wird, da die starken &#8222;Übermenschen&#8220; ja durch gesellschaftliche Normen und Regeln gebunden werden. <br>Das ist jetzt die krasse Darstellung, die man vielfach kritisieren kann, vor allem anhand der Frage, was denn jetzt den &#8222;Übermenschen&#8220;, den &#8222;Starken&#8220; ausmacht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich für meinen Teil sehe die Stärke eines Menschen darin, seine natürlichen Talente zu seinem (und seiner Mitmenschen) Vorteil einzusetzen. Unabhängig vom Thema, denke ich, dass jeder Mensch, der dem Weg seines Herzens folgt, unabhängig von der Meinung der Gesellschaft, ein Übermensch ist. <br>Da ich stets daran geglaubt habe, dass fast jeder Mensch (also außer mir jeder) ein besonderes Talent hat, glaube ich an den Übermenschen in jedem von uns. <br>Quasi eine geballte Kraft, die jeder von uns in sich trägt. <br>Jeder, der diese Kraft nicht nutzt, macht sich somit selber zum Untermenschen, beziehungsweise wird dahin „erzogen“ und durch die Werte, Regeln und Normen der Gesellschaft in diesem Status gehalten. <br>Wird sind philosophisch dann schnell schon fast bei dem guten Herrn Kant, wenn man meinem Gedanken folgt, dass die Erkenntnis unserer eigenen Stärke und das Nutzen unserer Talente der Schritt ist, um uns aus der Unmündigkeit der gesellschaftlichen Zwänge zu befreien. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer nahezu idealen Welt der aufgeklärten Menschheit würden meiner Meinung nach folgende Grundsätze reichen und bei Einhaltung sämtliche anderen Gesetze, Normen und Werte obsolet machen:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo die Freiheit eines anderen beschnitten wird und erfordert somit einen Kompromiss, dem beide zustimmen können.</li><li>Das eigene Handeln ist nur in dem Umfang akzeptabel, in dem man das selbe Handeln auch anderen Menschen zugestehen kann. </li><li>Ein jeder sollte es sich zur Pflicht machen, seine Mitmenschen so zu behandeln, dass er diese weder behindert noch schädigt. </li><li>Ein Fehler ist dann ein Erfolg, wenn einer oder mehrere Menschen daraus lernen können.</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, viele Menschen würden mir zustimmen, dass es sich gut mit solchen Werten leben lässt, aber was hält uns davon ab? <br>Drei mächtige Antagonisten kommen mir gleich vor Augen, nämlich Gier, Neid und Angst. <br>Viele sehen diese drei Spieler als Teile des Egoismus, den ich ja eingangs erwähnt habe, aber ist es wirklich so? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Lässt uns Angst egoistisch werden oder macht uns Egoismus ängstlich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke, die Verbindung zwischen Angst und Egoismus liegt in der negativen Bedeutung, die der Egoismus in der Gesellschaft hat. Ich habe keine Angst egoistisch zu sein, sondern für egoistisch gehalten zu werden. <br>Das ist ein wahnsinniger Unterschied, denn im Eigentlichen entspringt die Angst nicht dem Bedürfnis nach Egoismus, sondern aus dem Bedürfnis nach Egoismus entspringt die Angst vor der sozialen Verachtung. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Macht mich Egoismus gierig? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich persönlich denke das nicht, sondern glaube sogar, dass Gier aus unterdrücktem Egoismus entsteht, denn durch nicht erkannte Ziele, Träume und Wünsche entsteht ein inneres Unglück, welches seinerseits nur durch Betäubung mit Ersatzbefriedigung zeitweise ruhig gestellt wird. <br>Aber da ja nur das Symptom behandelt wird, ändert sich nichts an dem eigentlichen Bedürfnis und so finde ich mich in einer Spirale der Ersatzbefriedigungen wieder, die zur Sucht verkommen. Und damit meine ich nicht nur materielle Süchte, sondern auch Sucht nach Anerkennung, Macht oder ähnlichem. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und was ist dann mit dem Neid? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Da frage ich mich doch gleich, wenn ich für die Befriedigung meiner Bedürfnisse sorge, was kümmert mich dann der Erfolg meiner Nachbarn? <br>Egoismus zielt auf innere Zufriedenheit ab, während der Neid als Hauptziel eine innere Unzufriedenheit hat. <br>Im Prinzip entsteht Neid als Konsequenz einer Leistungsgesellschaft, die uns weismacht, dass die teuersten Drogen die besten Drogen sind und uns vergessen lassen, dass die besten Drogen überhaupt ganz kostenlos von unserem eigenen Körper produziert werden. Wir müssen nur entdecken, wie wir ihn zur Produktion verleiten können. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ich einen Text geschrieben habe, fühle ich mich wohl, das habe ich bei mir entdeckt. <br>Vielleicht ist das meine Stärke? Daher ist es für mich auch wichtig zu definieren, dass ich für mich schreibe, ganz egoistisch. <br>Wenn jemand das liest und sich dadurch gut fühlt, oder inspiriert, oder es ihm auf andere Weise hilft, dann freut mich das und streichelt auch meine Eitelkeit, aber das ist nicht mein Hauptzweck. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht wäre die Welt etwas besser, wenn wir alle Egoisten wären und damit offen umgehen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Euer Mausebär (td)</p>
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		<title>Ein kleiner Beitrag über die Zeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2020 13:47:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Ansichten]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungen]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Nicht nur Stephen Hawking, sondern auch der Mausebär (td), macht sich gerne mal Gedanken über die Zeit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur Stephen Hawking, sondern auch der Mausebär (td), macht sich gerne mal Gedanken über die Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mal wieder sitze ich an meinem Schreibtisch und denke darüber nach, was mir die letzte Zeit so gebracht hat. <br>Ich überlege, zu welchem Thema ich etwas schreiben möchte und welche bedeutsamen Gedanken den freitäglichen Beitrag füllen sollen, um meine Leser auf gute Art ins Wochenende zu verabschieden. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Persönlich freue ich mich auf mein Wochenende, obwohl ich eigentlich schon seit langer Zeit keinen Bezug mehr dazu habe. <br>Da ich meinen Tätigkeiten entweder nach Lust und Laune, oder nach Bedarf und Dringlichkeit nachgehe, habe ich selten eine fixe Wochenstruktur. Für mich macht der eigentliche Wochentag nur in der Hinsicht einen Unterschied, welche Möglichkeiten und Verpflichtungen sich daran fest machen lassen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Für mich hat die Zeit sowieso eine komische Struktur. Obwohl es seltsam erscheint, nehme ich Zeit nicht als linear wahr &#8211; und vor allem auch nicht als gleichmäßig. <br>Jeder Blick auf eine Uhr überrascht mich immer wieder neu. Je nach Aktivität und Stimmung unterscheidet sich mein Zeitgefühl ganz rapide. Vielleicht mag der Verlauf der Zeit gleichmäßig sein und einer bestimmten Achse folgen, aber ich selber bin davon nicht überzeugt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum bin ich das einfach nicht? <br>Es könnte daran liegen, dass Zeit für mich nicht begreifbar ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Klar verstehe ich, dass jede Tätigkeit &#8211; nein sogar jedes Phänomen &#8211; eine bestimmte Dauer hat, aber ist diese wirklich so exakt messbar, wie wir glauben? <br>Wie bei allen Messgrößen ist die Zeit kein natürlicher Wert, sondern ein künstlich geschaffener Messwert. <br>So wie durch das Urmeter (das meines Wissens nach in Paris verwahrt wird) beschlossen wurde, dass die Länge eines bestimmten Stück Holzes exakt ein Meter ist, und danach die Welt ausgerichtet wird, so war auch die Uhrzeit zu aller erst eine Abmachung, der sich andere Menschen anschlossen &#8211; sozusagen die Ur-Uhrzeit. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Messung der Zeit folgt zwar natürlichen Regelmäßigkeiten, wie dem Lauf der Sonne oder ähnlichem, aber ein kleiner Zweifel bleibt mir. <br>Das liegt  an dem von mir unterschiedlich gefühlten Fluss der Zeit, der mich die Frage stellen lässt, ist eine Stunde vergangen, wenn die Sonne ihren Schatten zwischen zwei Markierungen hat wandern lassen, oder wandert die Sonne zwischen zwei Punkte und darum ist die Uhrzeit um eine Stunde gewandert? <br>Das klingt banal, aber die Frage ist nach Ursache und Wirkung, ob also die Sonnenbewegung das Maß der Uhrzeit ist oder die Uhrzeit das Maß der Sonnenbewegung. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum mich diese Frage beschäftigt, ist, wenn die Uhrzeit an die Sonne gebunden ist, dann wäre unsere Wahrnehmung der Zeit von der Regelmäßigkeit der Sonne abhängig. <br>Sollte aber die Sonne an die Uhrzeit gebunden sein, wäre die Regelmäßigkeit der Zeit ein natürlicher Zwang, dem die Sonne unterlegen ist.<br>Da wir im heliozentrischen Weltbild davon ausgehen, dass sich die Sonne überhaupt nicht bewegt, ist der Zeitverlauf von der Drehung der Erde abhängig. <br>Wir vermeinen, die exakte Dauer messen zu können, in der sich die Erde zum einen um ihre eigene Achse und zum anderen um die Sonne dreht. Das Problem ist aber, dass wir die Einheit, mit der wir diesen Verlauf messen, seit Anfang der Zeitrechnung anhand der Drehung, die diese Zeiteinteilung erschaffen hat, ausrichten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders gesagt, die Erde dreht sich in ungefähr 24 Stunden um sich selbst, weil wir die Zeit, welche die Erde sich um die eigene Achse dreht, in 24 Stücke aufgeteilt haben, die wir Stunden nennen. <br>Anhand physikalischer Phänomene, wie die Bewegung von Schatten, dem als gleichmäßig empfundenen Tropfen von Wasser, dem Rinnen einer festen Menge von Sand durch eine kleine Öffnung, dem Ablauf präziser mechanischer Konstruktionen, oder gar dem Zerfall von Atomen, vermeinen wir, diesen Rhythmus beweisen zu können. <br>Aber auch hier fehlt der wirkliche und objektive Beweis. <br>Wir können zwar eine Kausalität zwischen der Drehung der Erde, dem Tropfen von Wasser, dem Rinnen von Sand und dem Zerfall von Atomen feststellen und Apparate konstruieren, die diese Kausalität relativ präzise und zuverlässig messen und dadurch vorhersagen können, aber der letztendliche Grund ist tatsächlich ein Mysterium. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sagen wir es mal so, wenn ich zu einem Termin fahre, brauche ich eine bestimmte Zeit. Diese liegt innerhalb eines gewissen Parameters und ist abhängig von verschiedenen Faktoren. <br>Selbst der Gang vom Sofa zur Toilette kann, auch unter ähnlichen Bedingungen, unterschiedlich schnell ausfallen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum also sollte unsere gute Erde nicht auch langsame und schnelle Tage haben? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kommt der nette Naturwissenschaftler aus meinem inneren Team und erinnert mich daran, dass fast alle natürlichen Phänomene gewissen Mustern folgen, aus denen sich Naturgesetze ableiten lassen. <br>Doch schon grätscht der Neurowissenschaftler unsportlich von der Seite rein und erklärt vehement, dass es vielmehr die Mustererkennung in unserem Gehirn ist, die uns überall Muster erkennen lässt &#8211; manchmal sogar dann, wenn es überhaupt keine gibt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht zu leugnen wiederum ist ein gewisser Biorhythmus beim Menschen &#8211; zumindest bei mir. <br>Meinen Rhythmus kann ich spüren und somit begreifen, damit ist er für mich beweisbar. <br>Aber wenn es einen übergeordneten Rhythmus wie die Zeit gibt, warum ist dann mein Biorhythmus manchmal so unregelmäßig? <br>Oder warum verläuft er anders als bei meinen Mitmenschen? <br>Wenn ein Mensch isoliert in einem Raum steckt, ohne irgendwelche rhythmusgebenden Vorrichtungen, verliert er als erstes den Sinn für die Zeit. Das behaupten jedenfalls Experimente. <br>Mein Verhalten an gewissen Tagen stützt diese These vorbehaltlos. <br>Damit ist zumindest der von uns allgemein gewählte Zeitrhythmus nicht wirklich natürlich. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Rein praktisch brauche ich die Zeitmessung auch nur zur Koordinierung mit anderen Menschen. Sich auf einen Nenner zu einigen, macht vieles einfacher. <br>In der Hinsicht würde ich Zeit eher als eine Art Landkarte sehen, in der wir unsere abgesprochenen Adressen für ein Treffen suchen können. <br>Mit dem Gedanken verstehe ich auch, warum die Zeit als vierte Dimension des Raumes gesehen wird, denn sie definiert ja unsere Position. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Man könnte quasi sagen, dass Wann und Wo die beiden Achsen eines Koordinatensystem sind, die das Treffen zweier Individuen definieren. Gut, der Ort hat drei Faktoren, nämlich Höhe, Breite und Tiefe, die wir jeweils definieren müssen, aber die hat die Zeit auch in Form von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und genauso wie es Sinn macht, zu wissen, in welchem Stock eines Hochhauses ich jemanden treffen möchte, genauso wichtig ist, ob ich ihn jetzt, in zehn Minuten oder vor zwei Stunden treffen will (oder wollte). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zeit als Adresse in einem dreidimensionalen Koordinatensystem in Korrelation zum Raum in einem ebenfalls dreidimensionalen System, die sich überlappen zu einem einzigen Augenblick &#8211; manchmal hat Wissenschaftsphilosophie doch etwas extrem poetisches. <br>Ich genieße diesen Gedanken und spiele mit diesem Modell noch eine Zeit lang fasziniert in meinem Kopf herum, in dem gerade das ganze Universum flackert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise führt die ganze skeptische Denkweise eher in die Verzweiflung, aber heute erfreue ich mich des Gedankens, dass ich ein schönes Muster in meinem Kopf erschaffen habe. <br>Nachdem ich nun meine, vielleicht schräge Sicht der Zeit mitgeteilt habe, freue ich mich auf die Meinung anderer. <br>Es interessiert mich, wie meine Mitmenschen die Zeit wahrnehmen, nicht als Diskussion, sondern zum Austausch, denn über Wahrnehmungen lässt sich schwer und, vor allem, nur sinnfrei diskutieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wünsche allen ein schönes Wochenende, egal wie ihr eure Zeit nutzt , einteilt oder definiert und melde mich wieder am Montag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis dahin verbleibe ich,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Euer Mausebär (td)</p>
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