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	<title>Recovery &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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	<description>Selbsthilfe, Genesungsbegleitung und Betroffenenbeteiligung</description>
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		<title>Warum sind Sunny und Teddy- Geschichten Recovery?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Jun 2020 14:59:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine kleine Betrachtung über den Zusammenhang zwischen meiner Recovery und meinen jetzigen literarischen Auswüchsen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Eine kleine Betrachtung über den Zusammenhang zwischen meiner Recovery und meinen jetzigen literarischen Auswüchsen.</p>



<h4 class="wp-block-heading">Warum sind meine Sunny und Teddy- Geschichten Teil meiner persönlichen Recovery?</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Zuerst war es für mich nur ein vages Gefühl, dann beobachtete ich mich selber beim Schreiben. <br>Die Prozesse, die in mir abliefen, während ich selber den Abenteuern der beiden &#8222;Pferdejungen&#8220; (als Analogie zu den bekannten „Pferdemädchen“) folgte, waren nicht nur äußerst spannend, sondern auch stets dynamisch. Wie von selbst fächerte sich die bunte Welt des Sonnenbergerhofes vor mir auf, prall gefüllt mit meinen Erfahrungen, Hoffnungen, Wünschen und Träumen. <br>Viele Elemente meiner eigenen Geschichte, aber auch von konsumierten Medien, wilden Träumen oder Rollenspiel-Erlebnissen vereinen sich in einem buntem Mischmasch und das jedes mal, wenn ich in diese „heile Welt“ abtauche. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen den Sätzen steckt viel von meinen Gedanken, Philosophien und Träumen, nicht wie sonst, laut heraus geschrien, sondern ein wenig versteckt &#8211; sozusagen zwischen den Zeilen. <br>Es ist eine Art, meinen Gedanken der „verbalen Fastenzeit“ zu folgen, denn ich möchte keine Botschaft verbreiten, sondern meinen Lesern selbst erlauben, die Botschaft in den Texten zu finden. Wahrscheinlich schwappt da auch unterbewusst mehr rein, als ich es in einem klaren Text sagen könnte, oder würde. <br>Auch die zumeist ironische Satire, die aus vielen Sätzen nahezu tropft, oder die grotesken Übertreibungen sind mehr als nur ein Stilmittel, denn sie dienen mir zur Psychohygiene. In dem ich schreibe, welche grotesken Bilder in meinem Kopf entstehen, reinige ich mein eigenes System.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist für viele Leser ein offenes Geheimnis, dass sich auch immer wieder Personen aus meinem Umfeld in die Geschichten einschleichen um die Rolle eines der Protagonisten (oder Antagonisten) zu übernehmen. <br>Das sind, zumindest in meinen Augen, liebevolle Hommagen mit einem Augenzwinkern, die aber auch zeigen, was diverse Menschen aus meinem Umfeld zur Zeit für mich bedeuten. <br>Persönlich stecke ich gerade in der Phase, in der ich entdecke, wie ich alles, was in meinem Kopf passiert, in ein Bild rücke, ohne anderen Menschen damit vor den Kopf zu stoßen. <br>Meine innere Art der dauerhaften Provokation braucht ein Ventil und ich denke, in der Satire einen Weg gefunden zu haben, meine Bedürfnisse sinnvoll abzuleiten und in ein genießbares Medium zu übertragen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ein extremer Schritt für mich, den Weg zum Autoren zu beschreiten, da ich mich lange Jahre davor gefürchtet habe. <br>Immer wieder wurde mir zugetragen, dass ein Mensch mit meiner Wortgewalt und Phantasie, sich doch einfach mal in der Literatur versuchen sollte. Immer wieder fand ich Ausreden, um meiner Angst zu entsprechen und meine wenigen Versuche blieben zumeist erfolglos. <br>Doch mit der Möglichkeit, meine Geschichten mit viel Hilfe und Aufmunterung durch meine beiden Lieblingsredakteure zu gestalten und dem Feedback einer mir vertrauten kleinen Gemeinschaft von Lesern, die mir öfter zeigen, dass sie meine Geschichten mögen oder unterhaltsam finden, merke ich, wie von Geschichte zu Geschichte mein Vertrauen wächst. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Normalerweise schreibt ein Autor ein gesamtes Manuskript und schickt es seinen Lektoren, aber soweit bin ich (noch) nicht. <br>Ich brauche ein direktes Feedback und das Gefühl der Sicherheit, um einen kleinen literarischen Schritt nach dem anderen zu machen, bevor ich das schriftstellerische Laufen erlerne. <br>Dass ich das erkenne und dem Rechnung trage, ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg, den ich gehe. Ich möchte mich hiermit auch mal bei all den Menschen bedanken, die mich zurzeit geradezu „empowern“ und mich auf meinem Recovery-Weg nicht nur begleiten, sondern auch unterstützen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sunny und Teddy sind mehr als nur Recovery, denn ich will nicht nur etwas zurück erlangen, was mir die Krankheit genommen hat, ich will mehr. <br>Ich spüre diese Motivation, während ich vor meinem Computer sitze und freue mich einfach über alle die Begleiterscheinungen meiner Texte, seien es sowohl liebevolle, als auch kritische Kommentare, freundliche persönliche Komplimente oder Bestätigungen durch mein Umfeld oder einfach nur das gute Gefühl, wenn ich erneut einen Text ins Internet entlasse. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, wie lange mich die beiden fröhlichen Jungen noch begleiten werden oder wie lange ich meine Leser damit belästigen darf, oder kann, aber ich verspüre Dankbarkeit für die positiven Gefühle, die diese Geschichten in mir wecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit erstaunlich gut gelaunten Grüßen von eurem Mausebären (td)</p>
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		<title>Brauche ich &#8222;verbale Fastenzeit&#8220;?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2020 11:05:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Diskussion]]></category>
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		<category><![CDATA[Verhalten]]></category>
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					<description><![CDATA[Der heutige Beitrag vom Mausebär (td) beschäftigt sich mit einigen reflektiven Gedanken über das Diskussionsverhalten vom Mausebär.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Der heutige Beitrag vom Mausebär (td) beschäftigt sich mit einigen reflektiven Gedanken über das Diskussionsverhalten vom Mausebär.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eigentlich hatte ich heute vor, wieder einen bedeutsamen und philosophischen Text mit Wortanalyse und Ähnlichem zu schreiben, doch während meiner kleinen Recherche befiel mich plötzlich ein herber Anfall von Unlust. <br>Es ist mir nicht einmal richtig klar warum, aber es fühlt sich nicht richtig an. <br>Irgendetwas blockiert mich heute vehement bei dem Versuch, den Pädagogen raushängen zu lassen und meinen Lesern zu neuen bahnbrechenden Erkenntnissen zu verhelfen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist es die Einsicht, dass nicht alle meine geistigen Konstrukte wirklich wichtig sind, denn, ehrlich betrachtet, ist viel davon einfach Spielerei. <br>So wie andere Menschen in ihrer Freizeit irgendwelche Automodelle zusammenkleben, so setze ich in meinem Gehirn Denkmodelle zusammen. Obwohl diese, dank langjähriger Erfahrung, relativ kunstfertig sind und ich sie in mühsamer geistiger Arbeit auch fast perfekt gestalte, bleiben es dennoch Spielzeuge. <br>Das würdigt meine Ideen nicht herunter, denn unter interessierten Hobbyisten kann ich diese prachtvoll gestalteten Objekte meiner Imagination durchaus zum gemeinschaftlichen Genuss präsentieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es mag dem ein oder anderen Menschen Spaß machen, meine Sammlung interessanter Theorie und Ansichten zu bewundern und sich eine Zeitlang damit zu beschäftigen, aber was nicht wirklich fair gegenüber meinen Mitmenschen ist, beginnt dort, wo mein Eifer mich über die Stränge schlagen lässt. <br>Es ist mir schon oft in meinem Leben passiert, dass ich Menschen kennengelernt habe, die so ausschließlich von einer Sache eingenommen waren, dass sie sich in keinem Fall mit etwas anderem auseinandersetzen konnten. Egal über welches Thema man spricht, der Feuereifer desjenigen lenkt das Gespräch immer wieder auf das eine Thema &#8211; und dann wird wild drauflos erzählt, ohne Rücksicht auf Verluste. <br>So sehr ich es liebe, Menschen zu begegnen, die für ein Thema mit innerer Flamme brennen, es gibt immer wieder Zeiten, wo ich für diese Herzensthemen nicht offen bin. <br>Diese Tage, an denen ich es nicht mehr hören kann und mir eine Person echt zu viel wird. Oder die Situation, dass ich mich mit einer Person über sein „eines“ Thema nicht mehr unterhalten möchte, weil ich von den fanatischen Überzeugen, gepaart mit Expertenwissen, einfach erschlagen werde und mir eine Meinung aufgedrängt wird. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon immer war ich ein Mensch, der seinen eigenen Weg finden wollte. Indoktrination und feste Regeln waren mir immer ein Gräuel. <br>Das liegt wohl daran, dass ich schon immer ein Wesen war, das nach den Zusammenhängen suchte. <br>Auf meiner Suche nach den inneren Erleuchtungsmomenten habe ich aber etwas Wichtiges auf der Strecke gelassen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit Jahrzehnten bin ich ein großer Verfechter der Freiheit von Gedanken, Meinung und Wort. Nicht etwa, weil ich ein guter Mensch bin, der sich eine bessere Welt wünscht, sondern weil ich ein Gedankenjunkie bin, der es braucht, in gewagten geistigen Konstrukten alles in Frage zu stellen. Es ist mir wichtig, dass ich hinterfragen darf, um mir meine eigene Meinung zu bilden. <br>Dabei vergesse ich aber, dass es Menschen gibt, die anders funktionieren. <br>Während ich es liebe, alles in Frage zu stellen und mich immer wieder auf die Suche nach einer „höheren Wahrheit“ begebe, haben andere diese entweder schon für sich gefunden und sind mit den Dingen einfach zufrieden, oder möchten an solchen Dingen einfach nicht rühren. Nach dem, was ich mal gelernt habe, aber bis jetzt häufig vergesse anzuwenden, braucht jeder Mensch ein festes Gerüst aus Gewohnheiten, Ritualen und Glaubenssätzen. <br>Dinge, an denen wir uns, in einer sich ständig verändernden Umwelt, orientieren können. <br>Egal, ob man von seinem „inneren Kompass“, der persönlichen „Ethik“, seiner „Moral“, dem „Gesunden Menschenverstand“ oder einem der anderen gefühlten tausend Begriffen spricht, gemeint ist im Kern das Gleiche: Ein Stück Verlässlichkeit und Sicherheit in unserem Leben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fällt mir schwer, zu analysieren, was in meinem Leben schief gelaufen ist, aber mir fehlt dieser Anker. Im Prinzip besitze ich kein wirkliches Vertrauen und hinterfrage selbst die einzige Person, die mich eigentlich kennen sollte, nämlich mich selbst. <br>Während ich täglich versuche, mich erneut zu testen und immer wieder mit neuen Erkenntnissen und Ideen spiele, zerschmettere ich jede Menge Porzellan bei Anderen.<br>Meinen Drang, nichts zu akzeptieren, was nicht gründlich von mir geprüft wurde, sehen viele Leute als sowohl provokant wie arrogant an. Meist bin ich davon verwundert, weil ich nur die Dinge von verschiedenen Seiten ausprobieren möchte, aber zu leicht vergesse, dass, wenn ich einen Gedanken meinem Belastungstest aussetze, sich meistens der Urheber dieses Gedankens davon angegriffen fühlt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Bis vor kurzem war ich davon überzeugt, dass meine solche Art einem gewissen Selbstschutz erwächst, aber nach einer hervorragenden Diskussion im Kreise wohlmeinender Menschen komme ich langsam auf einen anderen Gedanken. <br>Darauf hingewiesen, dass ein beständiger Angriff nur zur Eskalation führt und keine gute Verteidigung darstellt, musste ich ein ernsthaftes Wörtchen mit mir reden. <br>Mein inneres Verteidigungsministerium war davon nicht gerade begeistert, waren sich doch alle Beteiligten keiner Schuld bewusst. Mein Kurs lag in der Verantwortung zweier anderer Mitspieler meines inneren Teams. <br>Zum einen war da die unstillbare Neugier, die wie ein Safeknacker alle Schichten meines Gegenübers aufbrechen wollte, um einen Blick in das tiefste Innere meiner Mitmenschen zu erhaschen und das Mittel der Provokation als eine Art Ablenkung verwendete, zum anderen spielte auch die Eitelkeit eine große Rolle. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon als Kind konnte ich mit meinem Verhalten Menschen provozieren und manipulieren. Das brachte mir Aufmerksamkeit. <br>Dieses Verhalten wurde mir nie wirklich abtrainiert, da sich weder in meiner Kindheit noch Jugend jemals ein Mensch mit meinem Selbstwertgefühl beschäftigte. <br>Lange Jahre war ich Clown, Provokateur, Schauspieler und ähnliches, um Anerkennung zu bekommen &#8211; und sei es auch negative. <br>Tatsächlich suchte ich sogar verstärkt nach der negativen Anerkennung, da es meinem eigenem Weltbild entsprach. <br>Obwohl ich ein Narzisst bin, machen mir Komplimente Angst. Vor allem, weil sie in entscheidenden Momenten meiner Entwicklung immer mit einem „Aber“ verbunden waren. <br>Es ist noch heute so, dass ich mich als extrem untalentierten Menschen sehe und ständig eifersüchtig auf andere Menschen, sowie auf deren empfangene Anerkennung, bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist mir klar, dass dieses Gedankenbild in erster Linie falsch ist und mir in zweiter Linie nur schadet, aber es ist schwer, aus Denkfehlern wieder auszusteigen, vor allem, wenn es mir schwer fällt, Fehler zu akzeptieren. <br>Mir wurde am Wochenende mal wieder klar, wie sehr ich auf dem Weg zu dem Menschen, der ich gerne wäre, noch am Anfang stehe. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In letzter Zeit habe ich viel nach hinten geblickt und war erstaunt, dass ich es geschafft habe, einen Hügel zu erklimmen, doch gestern sah ich mal wieder das Bergmassiv, das vor mir liegt. <br>Es ist nichts, was mich entmutigt oder aufhält, aber ein Anblick, der mich erneut Demut lehrt. <br>Mein eigener Weg zur letztendlichen Recovery liegt noch vor mir und zeigt mir deutlich eine neue Grenze, dahingehend, dass ich mich nicht als der Weisheit letzter Schluss, oder als der große Erklärer aufspielen sollte, wo ich doch nicht mehr weiß, als andere Menschen in meiner Umgebung. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich brauche ich jetzt erst mal eine Zeit der Verdauung und auch der Selbstbetrachtung, um mir zu überlegen, wie ich die nächsten Schritte angehe und wie ich es schaffe, meinen Mitmenschen jene Achtung und den Respekt entgegenzubringen, welchen sie auch verdienen. <br>Wahrscheinlich sollte ich mir selber eine Art „Diskussionsfasten“ auferlegen, um mich wieder darauf zu konzentrieren, was bei mir selber los ist. Nicht immer anderer Leute Probleme von allen Seiten betrachten und zerreden, sondern mich einfach mal zurückziehen, um das Zuhören wieder zu erlernen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Um mit dieser klugen Idee gleich ganz literarisch zu beginnen, verabschiede ich mich für heute mit Shakespeares berühmten Worten:<em> „… und der Rest ist Schweigen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Euer Mausebär (td)</p>
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		<title>Wenn Stierexkremente sich richtig reihen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jun 2020 14:59:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
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		<category><![CDATA[Recovery]]></category>
		<category><![CDATA[Unorthodoxe Allegorien]]></category>
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					<description><![CDATA[Aus Spiel wird heute Ernst, während der Mausebär (td) die Spielregeln erklärt, mit denen sein inneres Team ihn ärgert.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Aus Spiel wird heute Ernst, während der Mausebär (td) die Spielregeln erklärt, mit denen sein inneres Team ihn ärgert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">[LIVE und liebevoll lektoriert vom Schmusehamster (ak) um 22:36 MESZ] </p>



<p class="wp-block-paragraph">Den heutigen Tag widme ich einem ganz besonderem Spiel. <br>Es ist eine Variante des bekannten Gesellschaftsspieles „Bingo“. Obwohl ich denke, dass fast jeder „Bingo“ eigentlich kennen sollte, werde ich es der Vollständigkeit halber kurz zusammenfassen. <br>Bei dem Spiel bekommt jeder Mitspieler eine Bingokarte (oder mehrere, je nach Absprache). Auf diesen Karten sind 16 Felder mit eingetragenen Zahlen (meist zufällig bestimmt), die in vier Reihen zu jeweils vier Spalten (also gleichmäßig) auf der Karte verteilt sind. <br>Ein Mitspieler betätigt einen Zufallsgenerator, der eine beliebige Zahl aus dem Zahlenraum, aus dem auch die Zahlen auf der Karte stammen, generiert. <br>Diese Zahl wird durch einen Ansager (der neutral ist, also keine Karte vor sich hat) verkündet und alle Mitspieler prüfen, ob sie diese Zahl auf ihrem Bogen haben. <br>Sollte diese Zahl in einem der 16 Felder auftauchen, wird sie vom Spieler markiert. <br>Hat nun einer der Spieler vier markierte Zahlen in Reihenfolge, entweder horizontal, vertikal oder diagonal, ruft er laut „Bingo“. <br>Der Ansager, welcher auch als Schiedsrichter fungiert, prüft die Richtigkeit anhand seiner Aufzeichnungen der ausgerufenen Nummern (ja, die sollte er sich notieren) und wenn diese mit jenen markierten Ziffern auf dem Spielschein des Rufenden identisch sind, hat dieser Mitspieler die aktuelle Runde gewonnen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Glücksspiel wird gerade in den Vereinigten Staaten als gerne genutzte Alternative zu einer reinen Tombola als Preisverteilungssystem bei mehr oder weniger wohltätigen Anlässen genutzt. In dem Fall werden die Bingokarten ähnlich wie Lose gegen ein bestimmtes Entgelt verkauft, was einem Spieler auch erlaubt, sich mehrere Karten zu kaufen. Während die Einnahmen als Spende dienen, werden im Spiel attraktive, meist gespendete, Sachpreise an die glücklichen Gewinner gebracht. <br>Das ist wie Lotto, nur mit dem Unterschied, dass man beim Lotto erst ankreuzt und dann die Zahlen bestimmt werden. <br>Da keine Karte mehrmals dabei sein darf, bestimmt die Anzahl der Karten auch den Zahlenraum, in dem sich die ausgelosten Zahlen bewegen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Soweit, so bekannt. Der Name dieses Spiels ist zu einem geflügelten Wort geworden, mit dem man beschreibt, dass sich eine Situation zur eigenen Zufriedenheit entwickelt hat. <br>Meistens genutzt, wenn mehrere positive Faktoren (oder auch zynischerweise verwendet bei mehreren negativen Faktoren) für den Nutzer des Wortes zusammen fallen.<br>Nähern wir uns jetzt der Variante, die mich heute beschäftigt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit einigen Jahren grassiert eine beliebte Variante dieses sonst als &#8222;altbacken&#8220; verschrienen Spiels, in diversen Jugendszenen. Diese Variante nennt sich „Bullshit-Bingo“, also „Stier-Exkrement-Bingo“, was, im Gegensatz zu einer englischen Variante, bei der darauf gewettet wird, auf welches der markierten Felder eine Kuh ihren nächsten Fladen legt, überhaupt nichts mit Verdauungsendprodukten der liebenswerten Wiederkäuer zu tun hat. <br>Im amerikanischen Slang ist jenes besagte Verdauungsendprodukt ein Synonym für Unsinn, Dummheiten und Gelaber. So wie man in deutscher Tradition seinem Gegenüber nichts vom (sprichwörtlichen) Pferd berichten sollte, mag der Amerikaner an sich scheinbar keine Informationen über die Verdauung von Stieren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte, die dahinter steckt, mag bestimmt genauso interessant sein wie die des uninteressanten Pferdes, aber gerade bin ich nicht in Recherchelaune und möchte Euch auch weder von dem ominösen Pferd, noch von Ferdinands (dem Stier aus einem Beitrag vom Schmusehamster) Verdauung berichten. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Worum es sich bei &#8222;Bullshit-Bingo&#8220; handelt, ist genauso einfach wie perfide. <br>Ein ahnungsloses Opfer wird von der Spielgruppe ausgewählt und damit gleichzeitig sowohl zu Ansager, als auch Zufallsgenerator, lediglich die Aufgabe des Schiedsrichters bleibt ihm verwehrt. <br>Es werden Karten mit ausgewählten, entweder häufig genutzten Phrasen und/oder Verhaltensweisen des „Opfers“, bestückt und diese an die Mitspieler verteilt. <br>Zu einem vorher unter den Spielern festgelegten Anlass wird jetzt das „Opfer“ von allen beteiligten Spielern auf das genaueste beobachtet und die Nutzung der vorbestimmten Elemente auf seiner Karte zu notieren. <br>Zu einem passendem Augenblick, ganz nach Vorbild des &#8222;normalen&#8220; Bingo-Spiels, ruft dann der „Gewinner“ lauthals „Bingo“ und alle Mitspieler genießen die Verwirrung der umstehenden und unbeteiligten Personen, nicht zu vergessen jene Irritation und Peinlichkeit des bis dato uneingeweihten &#8222;Opfers&#8220;. <br>Das mag nicht freundlich erscheinen, hat aber auch viel mit sozialer Hygiene zu tun und, ähnlich wie beim Mobbing, macht es zumeist allen aktiven Mitspielern, nicht jedoch dem passiven &#8222;Opfer&#8220;, Spaß. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Über die moralischen Aspekte dieses Spiels will ich mich auch gar nicht viel auslassen, obwohl das ein Thema für einen gesamten Beitrag seien könnte, sondern es geht mir darum, dass ich heute morgen an dieses Spiel verstärkt denken musste. <br>Der Grund war, dass aus einem tiefen Winkel meines inneren Teams ein lautes &#8222;Bingo&#8220; herausschallte. <br>Ja, der Mausebär hatte es geschafft, einem seiner inneren Persönlichkeiten zu einem Bingo zu verhelfen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist mir nicht neu, dass eine gewisse Gruppierung innerhalb meines inneren Parteitages schon seit Jahren dieses, in diesem Fall ausschließlich freundlich gemeinte, neckische Spiel mit mir treibt. So manches mal sitzt mein Ich unbedarft in froher Runde mit meinem inneren Team und plötzlich höre ich ein kicherndes „Bingo“ in meinem Hinterkopf. <br>Zumeist dann, wenn ich unterbewusst wieder zu irgendwelchen Phrasen oder Verhaltensweisen gegriffen habe, von dem mein inneres Team weiß, dass sie mich selber an mir stören. Ich reibe mir sozusagen spielerisch mein eigenes Versagen unter die Nase. <br>Es ist sensationell, aber ich habe eine der höchsten Stufen der Masturbation erreicht, ich kann mich selber „mobben“. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ganze würde natürlich nicht funktionieren, wenn ich nicht diverse „Fehler“ in meinem System hätte. Damit meine ich eben jene von meinem inneren Team im &#8222;Bullshit-Bingo&#8220; aufs Korn genommenen Verhaltensweisen, auf die ich unterbewusst zurückgreife, obwohl sie mich an mir selber stören. <br>Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich mich trotz narzisstischer Persönlichkeitsstörung &#8211; oder gerade deswegen &#8211; nicht sonderlich leiden kann. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum nicht? <br>Nun, ich habe einen sehr stark ausgeprägten inneren Perfektionisten, der äußerst hohe Ansprüche stellt. Ansprüche, denen ich selber gar nicht genügen kann. Während ich langsam dem Lernprozess folge, diesen inneren Kritiker neu zu bewerten, um seine Fähigkeiten als Motivator weiter zu nutzen, aber seine zerstörerischen Ansichten nicht auf mein Selbstbild zu übertragen, muss ich mit diesem Element meiner Persönlichkeit jeden Tag aufs Neue umgehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ein Stück meines täglichen Kampfes, der ein Bestandteil dessen ist, dass ich ein Betroffener bin. <br>Es ist Teil meiner Erkrankung, der ich mich immer wieder stellen muss. </p>



<p class="wp-block-paragraph">So sehr, wie mein innerer Narzisst versucht, mein fehlendes positives Selbstbild durch äußere Bestätigung zu kompensieren, was auch der Grund ist, aus dem dieser Teil meiner Persönlichkeit entstanden ist, kollidiert er immer wieder mit meinem inneren Kritiker. <br>Der latente Streit zwischen den Leuten, die hinter meinem Bewusstsein (Alex würde es den Pressesprecher nennen) stehen, treibt mich in innere Verzweiflung, bis hin zur Erkrankung. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Grund meiner Depressionen liegt in zwei Faktoren:<br>Zum einen fehlt mir Vertrauen, denn mein Urvertrauen wurde in meiner Historie immer wieder auf das Übelste vernichtet, was meinen inneren Perfektionisten befeuert hat.<br>Zum anderen fehlt mir Selbstbewusstsein, bzw. Selbstvertrauen, ein Umstand, der meinen inneren Narzissten geboren hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon früh habe ich gelernt, meine Angst und Schüchternheit durch lautes und aggressives Verhalten zu kompensieren und entwickelte meine innere „Rampensau“, die immer dann übernimmt, wenn ich mich unsicher fühle. <br>Statt zu lernen, diese Gefühle zu überwinden, habe ich durch viele Elemente meine innere „Rampensau“ gestärkt und ihr neue Masken, Techniken und Ähnliches beigebracht, um dem unerbittlichen „Bullshit-Bingo“ meines Kritikerteams zu entgehen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber man kann sich nicht vor sich selbst verstecken und noch weniger sich selbst entkommen. Es gibt keine Möglichkeit, sich von sich selbst scheiden zu lassen. <br>All diese Persönlichkeitselemente in mir sind erschienen, um zu bleiben, wahrscheinlich bis der Tod uns scheidet. <br>Ich weiß, dass meine einzige Möglichkeit zur &#8222;anständigen&#8220; Recovery der Weg der Akzeptanz ist. Das heißt, zu lernen, diese Elemente in mir zu verstehen und zu mögen, um mir anzueignen, mich selber zu mögen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterbewusst war mir schon immer klar, warum auch der Narzisst in mir erschienen ist &#8211;  jedes Persönlichkeitsmerkmal erfüllt einen Zweck, auch wenn dieser manchmal nicht offensichtlich ist &#8211; der mir einfach sagen will, dass, wenn andere Leute mich mögen können, dann kann ich doch gar nicht so schlimm sein, für wie ich mich selber halte. <br>Ein beständiger Streit des Narzissten mit meinem inneren Kritiker, dem Perfektionisten, welcher dem Vertrauen ins Gesicht fäkalisiert und jedes Kompliment, das ich höre, in negative Aussagen uminterpretiert, ist unvermeidlich. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich werde ich weiter daran arbeiten müssen, Tag für Tag, und weiterhin das gelegentliche „Bingo“ in meinem Hinterkopf ertragen. Es ist ja auch eine gute Maßeinheit, nicht für die Verbesserung meines Verhaltens, sondern für meinen Umgang mit mir selbst. Wenn ich irgendwann selber bei dem Spiel mitmache, dann habe ich einen großen Meilenstein auf meinem eigenen Weg erreicht, aber ein kleiner Meilenstein ist ja schon, meinem inneren Team die Freude am Spiel zu gönnen und einfach mal zu akzeptieren, dass ich bin, wer ich bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Euer, heute selbstreflektierender, Mausebär (td)</p>
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		<title>Über das liebe Leid zweier ungleicher Geschwister</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Alexander Kunze]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 May 2020 12:37:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aspergers Nähkästchen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Recovery]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine Stichprobe seelischer Abgründe des Schmusehamsters (ak)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Eine Stichprobe seelischer Abgründe des Schmusehamsters (ak)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade habe ich mir einen Tatort des Münsteraner Ermittlerduos Thiel und Boerne angesehen. Der Fall spielte in gutbürgerlichen, akademischen Kreisen reicher Oberschichtfamilien und ihrer scheinbar allgegenwärtigen Leichen im Keller. Es ist nicht das erste mal, dass im Münster-Tatort dieses gesellschaftliche Umfeld und dessen Abgründe beleuchtet werden. Häufig spielen dabei übrigens Mediziner in Führungspositionen und deren bestehende Seilschaften eine tragende Rolle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wieder einmal musste ich feststellen, dass diese Klientel bei mir die finsterste Tür seelischer Abgründe öffnet. Ich meine, das laute Klacken des Vorhängeschlosses wahrzunehmen, vermag fast körperlich wahrzunehmen, wie der Riegel zur Seite geschoben wird &#8211; schauerlich qietschend, rostiges Metall auf Metall. Dann springt die Tür auf, nur einen Finger breit und entlässt, von Modergeruch begleitet, einen rötlichen Lichtstrahl, unstet flackernd, in mein seelisches Wohnzimmer. Rieche ich da die schwitzende schwarze Fäulnis verwesender emotionaler Exkremente? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl mir mulmig zumute ist, zieht mich der Türspalt geradezu magisch an und so nähere ich mich mit Trippelschritten. Als ich schließlich in die schmale Öffnung spähe, bemächtigt sich mir das Gefühl, direkt in den Schlund der Hölle zu blicken.<br>Lodernder Zorn schlägt mir mit schier unermesslicher Hitze entgegen, gebiert sprühende Funken der Verachtung und rotglühenden Hass, ob der hochnäsigen Arroganz, ausgrenzenden Ignoranz, korrupten Vetternwirtschaft und geheuchelten Menschenfreundlichkeit, wie sie, publikumswirksam auf die Rolle des schmierigen Bösewichts zugespitzt, im Fernsehen gezeigt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig &#8211; und das ist dem geneigten Leser sicherlich keine Überraschung mehr &#8211; triggern mich diese filmisch gezeichneten Rollenmotive zutiefst. Verschiedene bekannte Protagonisten meines inneren Teams treten auf &#8211; der innere linke Gegendemonstrant schüttelt seine Fäuste, der besorgte und politisch eher rechts stehende Wutbürger grölt seine ausgrenzenden Parolen &#8211; doch das Maß an Agressivität, welches sie diesmal verströmen, verunsichert mich bis an die Grenze zur Furcht, einen Fackel- und Mistgabel-schwingenden seelischen Mob vor mir zu haben. Mein innerer diplomatisch-pressesprechender Moderator kann nicht verhehlen, etwas eingeschüchtert zu sein, als er mit zitternden Händen ans Rednerpult meiner Psyche tritt. Ich schließe die Augen, so wie er es tut und atme mehrmals tief ein und etwas länger wieder aus &#8211; das beruhigt mich. Nun fühlt sich mein innerer Moderator in etwas besserer Verfassung, eine Betrachtung des uns allen heiklen Themas &#8222;Trigger&#8220; zu beginnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die durch den Münster-Tatort heraufbeschworenen Trigger gehen zurück an einen neuralgischen Punkt meines Lebens, an dem ich für die Forschung und Entwicklung im medizinischen Bereich, neben hohem Interesse an den biochemischen Ursachen menschlicher Erkrankungen, nicht weniger empfunden habe, als eine tiefe Liebe für das von mir so empfundene Wunder des Lebendigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Grundstein für diese Liebe, gleichsam den Keimblättern der taubenetzten Pflanze kindlich die Umwelt erforschender Unschuld, legte mein Klassen- und späterer Oberstufenlehrer an der Gesamtschule (Nein, ich schäme mich nicht dafür und ja, das ist das gleiche Abitur, das sie auch am Gymnasium machen). Sein didaktisch am Puls der Zeit ausgerichteter, mit einer Prise Humor gewürzter, Unterricht der verschiedenen Teilgebiete der Biologie bildete das bestmögliche Umfeld für meine ausgeprägte Neugier auf alles, was kreucht und fleucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf diesem stabilen Fundament konnte ich über die Jahre ein stattliches Gebäude errichten und schließlich mit der Promotion im Fach Biochemie krönen. Gleichwohl hatte mein psychisches Korsett an Bewältigungsmechanismen zu jener Zeit bereits damit begonnen, ernsthafte Risse zu entwickeln, wie ich heute, durch mein in der Recovery geschultes Auge, weiß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon als Doktorand lernte ich jedoch die Kehrseite der Medaille kennen. <br>Interesse &#8211; schön und gut. <br>Begeisterung &#8211; okay. <br>Gute Ausbildung &#8211; jaja. <br>Aber zentral sind und bleiben doch allein die Ergebnisse, messbar in Fachartikeln und &#8211; vor allem &#8211; eingeworbenen Fördergeldern, oder etwa nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun, ja doch &#8211; aber es hängt eben auch ganz wesentlich davon ab, wer Dein Chef ist, in welchen Zeitschriften dieser für gewöhnlich publiziert und nicht zuletzt, wen Dein Chef kennt, sowie ob Du in seiner Gunst stehst oder nicht. <br>Politik ist für das Fortkommen auf der Karriereleiter im Umfeld der universitären Forschung und Lehre genau so wichtig, wie in der Industrie oder im Parlament. Doch damals vermochte ich noch trefflich gut wegzuschauen und den aufkommenden Brandgeruch, statt mit heißgelaufenen Lagern, mit leckerem Grillgut zu assoziieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die am Himmel meiner Seele aufziehenden Wolken bereiteten den Boden für den großen Auftritt des hässlichen Zwillingssbruders der Liebe: des Hasses.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähnlich wie für die Liebe zuvor skizziert, war auch der Hass ein Sämling, der in meiner Kindheit und Jugend ein ideales Umfeld genoss, um zu wachsen und zu gedeihen, weniger schulisch, als eher familiär.<br>Aufgewachsen in einer Familie ehemaliger Arbeiter, Bauern und Soldaten, sowie eingefleischter SPD-Wähler, wurde mir ein tiefes Misstrauen gegenüber Politikern, Reichen und Schönen, sowie Akademikern anerzogen, wenn ich auch &#8211; glücklicherweise &#8211; Gefühle wie Sozialneid oder Missgunst zwar bisweilen vorgelebt bekommen, jedoch nicht für mich übernommen habe &#8211; zumindest nicht vordergründig. [Unvergessen der Satz eines meiner Onkel auf Besuch in meiner Heimatstadt, der den sonntagnachmittäglichen Spaziergang im benachbarten Park- und Villenviertel mit den Worten einleitete: &#8222;Gehen wir eine Portion Hass tanken.&#8220;] <br>Im Hinterhof meiner Psyche ist es sehr wichtig, regelmäßig mit Schere und Schaufel, Mäher und Mistgabel tätig zu werden, um emotionalem &#8222;Unkraut&#8220; zwar seinen notwendigen Raum zu geben, jedoch mich von seinen dornenbesetzten Ranken nicht erstickend vereinnahmen zu lassen. Dies geht jedoch nicht ohne die eine oder andere Schramme und so manchen quälenden Stich vorüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor mich mein Weg über eine Stelle als Laborleiter in den psychischen Zusammenbruch geführt hat, bekam ich die bestehenden Verhältnisse im medizinischen System am eigenen Leib zu spüren. Ich erinnere mich noch gut &#8211; heute schmunzelnd &#8211; an wöchentliche Seminare der Klinik, an der ich gearbeitet habe und wie sich die anwesenden Assistenzärzte darin zu überbieten versuchten, dem Chefarzt in seinen weißbekittelten Allerwertesten zu kriechen, während meine unmittelbaren Mitarbeiter und ich, als Naturwissenschaftler ein ganz anderes System flacher Hierarchien sowie hilfsbereiter Wertschätzung gewohnt, fassungslos daneben gesessen haben.<br>[An dieser Stelle legt der Late-Line-Moderator in meinem inneren Team übrigens eine alte Platte auf und zwar das schöne Lied mit dem Titel &#8222;Arschkruffe&#8220; von &#8222;De Vajabunde&#8220;: der Refrain dieses in Kölner Mundart vorgetragenen Liedes geht in etwa so *räusper* :&#8220;Jo, wat nötz&#8216; et, wenn de einem in dä Ahsch kruffe wills&#8216; un&#8216; do sitz&#8216; schun eine drin?&#8220; &#8211; Hochdeutsch: &#8222;Ja, was nützt es, wenn Du einem in den Allerwertesten kriechen möchtest, aber da sitzt schon einer drin?&#8220;]</p>



<p class="wp-block-paragraph">Möglicherweise rühren meine, durch die Trigger im Münster-Tatort ausgelösten, düsteren Gefühle für Angehörige eines Berufs- und Begütertenstandes einerseits von der frappierenden Ähnlichkeit der beschriebenem Klischees mit meinen Erfahrungswerten aus meiner beruflichen Laufbahn her.<br>Sicherlich spielen dabei andererseits meine eigenen verletzten Gefühle eine Rolle, die durch meinen psychischen Niedergang, gipfelnd im Zusammenbruch 2014, empfindliche Wunden und bis heute schmerzende seelische Narben hinterlassen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am Scheidepunkt meiner Karriere, als mich Neugier und Interesse, in Verbindung mit Fleiß und Glück des Tüchtigen, nicht mehr alleine zu tragen imstande waren und ich mich genötigt sah, gewissermaßen politisch aktiv zu werden, zu schmeicheln und aufzuschneiden, sah sich meine große kindliche Liebe getäuscht und die erwachsene Fratze des Hasses erwachte in all ihrer Schrecklichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir ist bewusst, dass ich nur den kleinsten Teil an Menschen kenne, die den von mir so verabscheuten Berufsstand vertreten. Zudem kenne ich Vertreter, die mir den Eindruck vermitteln, gute und rechtschaffene Arbeit zu leisten, sich Zeit zu nehmen und sich nicht für etwas &#8222;Besseres&#8220; zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Recovery ist mir bewusst geworden, dass ich den hässlichen Zwillingsbruder der Liebe aushalten, ihm einen adäquaten Platz in meinem inneren Team, oder &#8211; weiter gefasst &#8211; in meinem inneren Parlament zuweisen sollte. Denn am richtigen Platz strategisch aufgestellt und genau zum passenden Zeitpunkt eingesetzt, kann mir auch diese Emotion nützlich sein. Nicht allein, denn nur zu deutlich erscheint mir die Gefahr, zu verbrennen und meine Psyche mit dem ölig-schwarzen Ruß der Verbitterung zu vergiften, aber im Verbund mit anderen Mitspielern, weiteren emotionalen Farben, ist auch der Hass eine essenzielle Facette meines gesunden Ichs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wie ein Maler sich stets der gesamten Palette an Farben bewusst ist &#8211; Schwarz und Weiß bewusst eingeschlossen &#8211; und deren mannigfaltige Vermischungen, Schattierungen und Wirkungen auf der emotionalen Klaviatur zu famosen Gesamtkunstwerken zu arrangieren vermag, so ist auch im Umgang mit Gefühlen die volle Bandbreite notwendig, unabhängig davon, ob sie unserem persönlichen Gusto, für sich allein genommen, zu- oder abträglich erscheinen, denn Geschmack liegt schließlich immer im Auge und in der Stimmung des Betrachters, um jedes beliebige Motiv, das unser seelisches Auge wahrnimmt, auf unsere emotionale Leinwand bannen zu können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei trage ich durch meine Recovery, Salutogenese und Empowerment dafür Sorge, dass meine Gefühlsbilder auch wirklich bunt sind. Schaut mir dabei bitte immer über die Schulter, denn durch den Austausch mit Euch bekommen meine seelischen Landschaften die Tiefe, welche sie brauchen. Und warnt mich rechtzeitig, wenn ich dunkle Wolken male, während mir die Mittagssonne Schweißperlen und einen Sonnenbrand auf die Stirn treibt.<br><br>Fühlt Euch gedrückt und bleibt neugierig.<br><br>Euer Schmusehamster (ak)</p>
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		<title>Arbeit und Recovery</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 May 2020 06:03:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Anfragen]]></category>
		<category><![CDATA[Konzepte und Ideen]]></category>
		<category><![CDATA[Anfrage]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinsame Beiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Konzeptionelle Vorschläge]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie man das Thema "Arbeit" in die Recovery-Arbeit integrieren kann. Eine Gedankensammlung der Erfahrungsexperten am Niederrhein in der Kategorie "Konzepte und Ideen".]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wie man das Thema &#8222;Arbeit&#8220; in die Recovery-Arbeit integrieren kann. Eine Gedankensammlung der Erfahrungsexperten am Niederrhein in der Kategorie &#8222;Konzepte und Ideen&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen unserer Facebookgruppe trat eine befreundete Genesungsbegleiterin mit folgendem Thema an uns heran:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Hallo an die Gruppe,<br>Ich hoffe auf einen kleinen Gedankenaustausch:<br>ich mache mir derzeit Gedanken zu einer Recovery-Gruppe, spezifisch zum Thema &#8222;Arbeit&#8220; (im weitesten Sinne)<br>Habt ihr Vorschläge, Ideen oder Anregungen, welche Themen, Gedanken, ich unbedingt dabei aufgreifen sollte?<br>Auch für passende, inspirierende Links, Beispiele etc bin ich dankbar</p><cite>Anfrage in der Facebook-Gruppe: &#8222;Erfahrungsexperten am Niederrhein&#8220;-Supporter-Gruppe</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Gerne möchte wir dieses Thema näher beleuchten, um vielleicht ein paar Gedanken und Ideen einzubringen. Daher werden jetzt hier Sonja, Alex und Thorsten ihre Gedanken zum Thema wiedergeben und hoffen, dass der eine oder andere unsere Beiträge mit Kommentaren ergänzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Beitrag von Sonja Utzenrath (Genesungsbegleiterin)</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen meiner Recovery war das Thema &#8222;Arbeit&#8220; sehr schwierig. Durch den Zusammenbruch völlig verunsichert, hatte ich keinen Ansatzpunkt, ob, wann und in welcher Form ich je wieder arbeiten könnte. Schnell war klar, dass ich die Bedeutung der Arbeit für mich selbst neu bewerten musste, aber wie dies zu bewerkstelligen war, blieb lange ungewiss. Heute kann ich zusammenfassend sagen, dass es sehr viel Selbsterforschung und über fünf Jahre Zeit brauchte, um genügend Selbstvertrauen zu haben, einer klassischen Tätigkeit als Angestellte bis auf weiteres den Rücken zu kehren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierbei sind folgende Fragestellungen mitunter hilfreich:</p>



<h5 class="wp-block-heading">Bestandsaufnahme </h5>



<ul class="wp-block-list"><li>Was kann ich im Moment? </li><li>Was konnte ich früher? </li><li>Was kann ich mir realistisch zurück erobern? </li><li>Was kann ich besonders gut, das bisher nicht zum Kontext Arbeit gehörte? </li><li>Welchen äußeren Zwängen bin ich ausgesetzt? </li><li>Durch wen? </li><li>Gibt es Menschen in meiner Umgebung, die mich in meinen Bemühungen unterstützen werden?</li></ul>



<h5 class="wp-block-heading">Neuausrichtung</h5>



<ul class="wp-block-list"><li>Was möchte ich in Zukunft tun? </li><li>Welche Motivation habe ich dafür? </li><li>Welche Schritte könnte ich gehen, um meine neuen Ziele zu erreichen, ohne mich dabei zu überfordern?</li></ul>



<h5 class="wp-block-heading">Finanzielle Absicherung</h5>



<ul class="wp-block-list"><li>Wie bin ich derzeit versorgt/abgesichert? </li><li>Wie lange wird dies gesichert sein? </li><li>Welcher Zeitraum wird mir auf diese Weise zur Selbstanalyse, Neuausrichtung und Erprobung zur Verfügung stehen?</li></ul>



<h3 class="wp-block-heading">Beitrag von Dr. Alexander Kunze</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Beitragsreihe unter dem Thema „Arbeit &amp; Recovery“ versucht die Vermittlung zweier einander entgegen gesetzter Pole. Teilnehmer sind damit konfrontiert, dass nach einer durchlittenen Krise Teile ihrer Persönlichkeitsstruktur Veränderungen unterworfen worden sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Betroffene versuchen, sich ihre Umgebung neu zu erschließen und ihren veränderten Bedürfnissen anzupassen. Häufig stellen sich die sie umgebenden Strukturen als zu starr, gewissermaßen „festgefahren“, heraus, um sich ausreichend anpassen zu lassen. Eine vorher aufgrund deren Eingespieltheit für ALLE Beteiligten als förderlich empfundene Arbeitsumgebung, kann durch die dem Kursteilnehmer unterlaufenen veränderten Bedürfnisse plötzlich nicht mehr wie gewohnt &#8222;rund&#8220; laufen, was &#8211; widerum bei ALLEN der am Arbeitsumfeld beteiligten Personen &#8211; für als häufig negativ empfundene Reibungspunkte sorgen und ein fruchtbares Betriebsklima empfindlich stören kann. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Betroffene wird nicht selten daraufhin als &#8222;Schuldiger&#8220; durch sein Umfeld ausgemacht, bezichtigt durch Menschen, welche nur selten den wertschätzend kommunikativen, therapeutisch geschulten, Umgang miteinander gewohnt sind. Diese Konflikte gilt es für den betroffenen Teilnehmer eines Kurses &#8222;Arbeit &amp; Recovery&#8220; aushalten und &#8211; falls möglich &#8211; moderieren zu lernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weiterhin spielt gerade das Arbeitsumfeld mitunter eine zentrale Rolle in der erlittenen Krise des Betroffenen. Viele Trigger und als negativ konnotierte Erfahrungen können hier gemacht worden sein. Entsprechend schwer und belastend kann eine Auseinandersetzung mit diesem Thema für Teilnehmer sein. Auch gilt es anhand der persönlichen Erfahrungsberichte aller Teilnehmer herauszuarbeiten, ob Situationen von Über- oder Unterforderung vorgelegen haben, aus welchem Grundmotiv ein Betroffener seinen Beruf gewählt hat, der ihn zu seinem letzten Arbeitsplatz vor der Krise geführt hat. <br>Nicht wenige Genesende stehen vor dem Problem, dass die Arbeit und damit verbundene Erfolgserlebnisse mit positiven Emotionen aus dem Bereich des Belohnungssystems verbunden sind. Dabei muss kein Suchtfaktor im Sinne eines &#8222;Workaholics&#8220; vorliegen, es reicht eine gewisse Neigung zur positiven Selbstbestätigung beim Betroffenen, um seinen Umgang mit seinen neuen &#8211; und nicht selten engeren &#8211; Grenzen zu lernen. <br>Auf der gegenüberliegenden Seite des Spektrums steht die Herausforderung, für sich selbst einschätzen zu lernen, wo eine wahrgenommene Stressreaktion im Arbeitsumfeld Ausdruck einer persönlichen Angst ist, oder die tatsächlichen Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit markiert. <br>Nicht zuletzt gilt es zu klären, ob und &#8211; falls ja, in wie weit &#8211; die erlittene Krise des Kursteilnehmers Ausdruck einer psychischen Primärerkrankung ist, oder vielmehr eine sekundäre Folge, das heißt ein Symptom, einer schon deutlich länger vorliegenden psychischen Besonderheit darstellt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">In diese letzte Kategorie passt zum Beispiel mein eigener Diagnoseverlauf. 2014 aufgrund von Depression, Panikattacken und generalisierter Angststörung in stationärer und teilstationärer Behandlung, sowie danach für zwei Jahre in ambulanter Therapie, habe ich bei jedem meiner innerhalb von fünf Jahren versuchten Modelle der Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt Rückschläge hinnehmen müssen. <br>Dabei spielte es keine Rolle, in welcher Branche oder unter welchem Beschäftigungsmodell meine Arbeits-Erprobung versucht wurde. <br>Für mich erfahrbar scheiterte ich jedesmal an einem Übermaß an psychischem Stress, der sich, mit kurzzeitiger Verzögerung, auch körperlich auszuprägen begann. <br>Insgesamt warf mich jeder dieser Rückschläge, unerheblich, wie kurz- oder mittelfristig mein Engagement war, um Monate in meiner Genesung und Recovery zurück. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dank meines auch therapeutisch tätigen Psychiaters weiß ich heute, dass der eigentliche Grund für meinen 2014 erfolgten Zusammenbruch eine angeborene Besonderheit aus dem Spektrum der &#8222;Asperger&#8220;-assoziierten psychischen Ausprägungen ist. <br>Die im Laufe meines Lebens aufgebauten Bewältigungsstrategien haben dazu geführt, dass ich &#8211; stellenweise mehr schlecht, als recht &#8211; in mein gewohntes (Arbeits-)Umfeld &#8222;eingepasst&#8220; war. <br>Als dieses &#8222;Gebäude&#8220; bei meiner letzten beruflichen Station auf dem ersten Arbeitsmarkt, einer Abteilungsleitung, durch die dort verlangten äußeren Einflüsse an mich nicht mehr tragfähig war und wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrach, stand ich, als der emotionale Staub sich gelegt hatte, gewissermaßen nackt und schutzlos da. Aller vorher als hilfreich, weil als dämpfend, empfundenen psychischen Bewältigungsfilter beraubt, im harschen Schlaglicht der Realität war ich nur noch eines: &#8222;Asperger&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sicherlich fällt nicht jeder Kursteilnehmer einer Reihe unter dem Titel &#8222;Arbeit &amp; Recovery&#8220; in dieses, von mir erfahrene, Schema. Jedoch weiß ich, dass in der heutigen Zeit der verfeinerten Diagnosemöglichkeiten in der Psychiatrie der Anteil an Erwachsenen stetig steigt, welche mit den Besonderheiten der &#8222;Hypersensibilität&#8220; oder gar einer milden Form des Autismus geboren wurden. Manchen Betroffenen gelingt es, sich im Laufe ihres Lebens, für ihre Persönlichkeit förderlich und ihre Berufstätigkeit fruchtbar, mit diesen Besonderheiten, nicht selten unbewusst, zu arrangieren, sozusagen ihre &#8222;perfekte Nische&#8220; zu finden.  <br>Der größere Teil der Menschen jedoch, benötigt bei der Suche einer für sie passenden Arbeitsumgebung Unterstützung. Auch hier sollte meiner Meinung nach ein Kurs &#8222;Arbeit und Recovery&#8220; ansetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konfrontation des Genesenden mit seinem Umfeld, welches über lange Zeiträume daran gewöhnt ist, dass der Betroffene auf eine bestimmte Art und Weise reagiert, ist eine der wichtigsten Herausforderungen, die in der persönlichen Recovery bestanden werden müssen. Entsprechend risikobehaftet und psychisch anstrengend kann eine solche Beitragsreihe unter dem Thema „Arbeit &amp; Recovery“ für den Betroffenen, wie auch für die übrigen Teilnehmer, sowie die Moderatoren sein. Nicht zufällig sind Veranstaltungsreihen dieser Art häufig in ausführlichere Therapiekonzepte von Tageskliniken oder &#8211; medizinisch orientierter &#8211; Reha-Einrichtungen eingebettet. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die eigene Arbeitsstelle bedeutet für den Teilnehmer meist nicht nur die eigene Versorgungsgrundlage, sondern der Arbeitsplatz des Betroffenen stellt darüber hinaus die Lebensgrundlage von Familienmitgliedern sicher. Jedwede Gefährdung des eigenen Arbeitsplatzes bzw. die bereits erfahrene Arbeitsunfähigkeit bis hin zum Jobverlust, sind durch das deutlich verminderte finanzielle Einkommen mit enormen existenziellen Ängsten und dem daraus folgenden Erwartungsdruck verknüpft. Viele Betroffene wollen daher so schnell wie möglich wieder ihren vorherigen beruflichen Status zurückgewinnen bzw. sehen sich einer selbstempfundenen gigantischen psychischen &#8222;Niederlage&#8220; gegenüber, welche tief in über Generationen weitergegebene tradierte Rollenmodelle herabreicht, mit denen sich der Betroffene auseinandersetzen muss. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch und gerade diese Herausforderungen sind es, auf die ein Kurs &#8222;Arbeit und Recovery&#8220; zumindest vorbereitet sein sollte. Es ist sicher zielführend, sich beispielsweise während eines persönlichen Vorgesprächs, in welchem sich die Ausrichter des Kurses mit Interessenten unterhalten, von der jeweiligen Situation des potenziellen Teilnehmers ein Bild zu machen und eine geeignete psychotherpeutische oder psychiatrische regelmäßige Anbindung für einen potenziellen Teilnehmer anzuraten, falls dies in seiner persönlichen Vorgeschichte noch nicht stattgefunden hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies ermöglicht die bedarfsgerechte Nachbereitung eventuell erfolgter, psychisch sehr stressbehafteter, Konfrontationen der Teilnehmer durch andere therapeutische Angebote und nicht zuletzt die Milieutherapie der umgebenden Betroffenen. Aus meiner eigenen Erfahrung, sowie dem Austausch mit weiteren Gleichgesinnten aus dem Umfeld meiner Selbsthilfegruppen und der Genesungsbegleitung weiß ich, dass diese Dinge nicht trivial sind und mitunter lange Zeiträume intensiver psychiatrischer und psychotherapeutischer Betreuung erfordern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da aus meiner eigenen Erfahrung ein hoher Anteil Betroffener unmittelbar nach einem stationären, günstigstenfalls eines teilstationären Aufenthalts wieder zurück an seinen Arbeitsplatz &#8222;drängt&#8220;, jedoch &#8211; wie wir alle wissen &#8211; noch ganz am Anfang seiner Recovery und der damit einhergehenden Persönlichkeitsbildung steht, halte ich diese parallele Einbindung von Teilnehmern für essenziell für eine fruchtbare Kursteilnahme, denn einer der für mich wichtigsten Sätze während meiner Recovery habe ich schon in der zweiten Woche meines stationären Aufenthaltes gelernt: &#8222;90% ihrer psychischen Arbeit an sich machen Sie nach Ihrer Entlassung.&#8220; </p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Satz hörte ich auch in der Tagesklinik (&#8222;80%&#8220;) sowie während meiner ambulanten Therapie (&#8222;60%&#8220;).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Gesprächskreisen, Einzel- &amp; Kleingruppenarbeit, Rollenspielen und nicht zuletzt der Auseinandersetzung mit typischen qualifizierenden Situationen, wie Stellenanzeigen oder Vorstellungsgesprächen, können beispielsweise die im bisherigen Leben ausgeführten Berufe in ihre Tätigkeitsprofile zerlegt werden. Oft verfügen auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Jobs über große Überlappungen ähnlicher oder gleicher benötigter geistiger und körperlicher Fertigkeiten, aber natürlich auch Stressoren. Im Idealfall erhält der Teilnehmer anhand seiner eigenen und der Geschichte seiner teilnehmenden Mitstreiter einen „Baukasten“ zu seiner Verfügung, aus dem er für sich jene Tätigkeiten identifizieren kann, welche für die Genesung seiner Erkrankung bzw. Mediation der eigenen Vulnerabilität förderlich sind. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ebenso lernt der Betroffene, einen zukünftigen oder den gegenwärtigen Arbeitsplatz auf risikoreiche Bestandteile, wie Stressoren, zu prüfen, diese zu erkennen und zu vermeiden, wenn sich kein förderlicher Umgang mit jenen finden lässt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht zuletzt sollten die Teilnehmer eines Kurses &#8222;Arbeit &amp; Recovery&#8220; dabei unterstützt werden, sich ihrem neuen <strong>Selbst bewusst</strong> zu werden, aus der Kenntnis ihres veränderten Profils persönlicher Stärken und Schwächen ihrem <strong>Selbst vertrauen</strong> zu lernen und bei der Suche nach der für sie passenden Nische auf dem Arbeitsmarkt sich ihres eigenen <strong>Selbst-Werts</strong> stets bewusst zu sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Beitrag von Thorsten Dürholt (Genesungsbegleiter)</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Meine Gedanken zum Thema Arbeit und Recovery leiten mich erst mal zu zwei ganz grundlegenden Fragen, nämlich &#8211; was verstehe ich unter Arbeit und wie definiere ich Recovery? </p>



<p class="wp-block-paragraph">Fange ich mal mit dem leichteren an&#8230; </p>



<p class="wp-block-paragraph">Recovery ist das englische Wort für Erholung, Genesung aber auch für Wiederherstellung. Auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht, ist es der Prozess, der nach einem, wie auch immer gestalteten Vorfall, den Status von vor dem Prozess wieder herstellen soll. <br>Im Informatikbereich würde man von einer Systemwiederherstellung reden. Im sozialen Bereich verstehe ich darunter, nach einer Krise die vorherige Handlungsfähigkeit wieder zu erlangen. Das ist leider nicht so einfach wie bei einer Maschine, auch wenn der arbeitende Mensch gerne als eine solche von der Gesellschaft gesehen wird. <br>Den Prozess der Recovery im sozialen Bereich sehe ich eher wie das Aufbrechen eines Kokons. Das, was daraus entsteht, ist etwas anderes, als das, was den Kokon gesponnen hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Arbeit zu definieren ist ungemein schwierig. <br>Physikalisch gesehen ist Arbeit Kraft, die mit dem zurückgelegten Weg multipliziert wird. So habe ich es in der Schule gelernt.<br>Auch weiß ich, dass das tschechische Wort „Robota“, das für den Begriff des Roboters Pate stand und eigentlich eine Bezeichnung für Frondienstler und Zwangsarbeiter war, tatsächlich in der tieferen Vergangenheit der Sprachentstehung gemeinsame Wurzeln mit dem deutschen Wort „Arbeit“ hat. <br>In meiner kaufmännischen Ausbildung lernte ich wiederum die Arbeit als &#8222;nicht originären Faktor grundlegender Güter&#8220; in der Volkswirtschaft kennen und in der Betriebswirtschaft als &#8222;Produktionsfaktor&#8220;. <br>Es gibt auch den ominösen Unterschied zwischen Arbeitern und Angestellten. <br>Auch die Philosophie beschäftigt sich mit dem Begriff der Arbeit. <br>Fragt man übrigens beim Jobcenter nach, erfährt man sehr schnell, dass Arbeit lediglich eine vergütete Tätigkeit ist. Also sind nicht vergütete Tätigkeiten somit keine Arbeit. <br>Es ist also schwierig zu definieren, was Arbeit tatsächlich ist. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vielleicht liegt ja genau darin der erste Schritt zur Verbindung von Arbeit und Recovery. <br>Zu erkunden, was wir unter Arbeit verstehen und zu definieren, welche Bedeutung die Arbeit für uns hat. <br>Der erste Schritt bedeutet ja auch immer, sich einem Ziel zuzuwenden. <br>Daher denke ich, ein Recoveryprozess im Bezug auf den Begriff „Arbeit“ sollte sich mit folgenden Fragen, in festgelegter Reihenfolge, beschäftigen: </p>



<ul class="wp-block-list"><li>Was verstehe ich unter Arbeit? </li><li>Was bedeutet Arbeit für mich? </li><li>Was hat Arbeit für mich vor der Krise bedeutet und was bedeutet es jetzt?</li><li>Welche Art von Arbeit kann ich leisten? </li><li>Welche Art von Arbeit will ich leisten? </li><li>Wo setze ich Grenzen? </li><li>Wo sind Grenzen? </li><li>Wie kann ich meine gewünschte Arbeit erreichen? </li><li>Welche Umstände müssen geschaffen werden? </li><li>Wer kann mir, auf welche Art, helfen?</li><li>Was verspreche ich mir von der Arbeit?</li></ul>



<p class="wp-block-paragraph">Der logische Prozess wäre für mich eine Kette über das „Was“ zum „Warum“ hin zum „Wie“, also Definition, Bedeutung und Machbarkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Detaillierter gesagt, wäre das erste Segment eine Erforschung des Begriffes und der Motive, der wunderbar in einer Gruppenarbeit erfolgen kann. Es geht darum, den Begriff „Arbeit“ von verschiedenen Seiten zu betrachten und durch verschiedene Impulse eine erweiterte Sichtweise zu bekommen. <br>Das Ziel dieses Segments wäre es, dass jeder Teilnehmer seine eigene Definition für seine eigenen Zwecke hat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das zweite Segment beschäftigt sich dann mit der Bedeutungsebene. Auch hier können Gruppenprozesse dazu führen, die Motivation für „Arbeit“ zu klären und eine individuelle und vor allem gesunde Einstellung zur Arbeit zu fördern. <br>Hier ist auch die Gelegenheit, in der sich die Motivation der Teilnehmer herauskristallisiert. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im dritten Segment geht es dann ganz praktisch darum, Strategien zu entwickeln, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Hier bietet es sich dann an, gezielt Experten zu Wort kommen zu lassen. Auch eine individuelle Art der Betreuung wird hier nötig. <br>Viel Teamarbeit kann hier helfen, um sich gegenseitig mit Erfahrung zu stützen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein mögliches viertes Segment wäre dann eher ein regelmäßiges Gruppengespräch, bei dem sich die Teilnehmer über ihre neuesten Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig mit Tipps und Hilfestellungen unterstützen können. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich könnte dieses grundlegende Konzept auch vertiefter (in Form einer konkreten Projektplanung) darstellen, was aber den Rahmen hier sprengen würde.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gemeinsames Fazit</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aus unseren jeweiligen Beiträgen wird mehr als deutlich, wie vielschichtig das Thema &#8222;Arbeit und Recovery&#8220; sein kann. Eine Recovery Gruppe zu diesem Thema wird mit jedem Teilnehmer weitere individuelle Ansichten, Schicksale und Lösungsansätze aufdecken. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hoffen, dass wir mit unseren Beiträgen einen Keimling gesetzt haben, der in den Händen unserer befreundeten Genesungsbegleiterin die Chance haben wird, zu einem stattlichen Baum heranzuwachsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bitte &#8222;würzt&#8220; diesen Artikel mit Kommentaren über eure Meinungen und Gedanken. Sie können helfen, den Keimling mit weiterem Dünger auszustatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eure Erfahrungsexperten am Niederrhein</p>
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