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	<title>Selbstreflektion &#8211; Erfahrungsexperten am Niederrhein</title>
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	<description>Selbsthilfe, Genesungsbegleitung und Betroffenenbeteiligung</description>
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		<title>Brauche ich &#8222;verbale Fastenzeit&#8220;?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jun 2020 11:05:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Der heutige Beitrag vom Mausebär (td) beschäftigt sich mit einigen reflektiven Gedanken über das Diskussionsverhalten vom Mausebär.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Der heutige Beitrag vom Mausebär (td) beschäftigt sich mit einigen reflektiven Gedanken über das Diskussionsverhalten vom Mausebär.</p>



<p>Eigentlich hatte ich heute vor, wieder einen bedeutsamen und philosophischen Text mit Wortanalyse und Ähnlichem zu schreiben, doch während meiner kleinen Recherche befiel mich plötzlich ein herber Anfall von Unlust. <br>Es ist mir nicht einmal richtig klar warum, aber es fühlt sich nicht richtig an. <br>Irgendetwas blockiert mich heute vehement bei dem Versuch, den Pädagogen raushängen zu lassen und meinen Lesern zu neuen bahnbrechenden Erkenntnissen zu verhelfen. </p>



<p>Vielleicht ist es die Einsicht, dass nicht alle meine geistigen Konstrukte wirklich wichtig sind, denn, ehrlich betrachtet, ist viel davon einfach Spielerei. <br>So wie andere Menschen in ihrer Freizeit irgendwelche Automodelle zusammenkleben, so setze ich in meinem Gehirn Denkmodelle zusammen. Obwohl diese, dank langjähriger Erfahrung, relativ kunstfertig sind und ich sie in mühsamer geistiger Arbeit auch fast perfekt gestalte, bleiben es dennoch Spielzeuge. <br>Das würdigt meine Ideen nicht herunter, denn unter interessierten Hobbyisten kann ich diese prachtvoll gestalteten Objekte meiner Imagination durchaus zum gemeinschaftlichen Genuss präsentieren. </p>



<p>Es mag dem ein oder anderen Menschen Spaß machen, meine Sammlung interessanter Theorie und Ansichten zu bewundern und sich eine Zeitlang damit zu beschäftigen, aber was nicht wirklich fair gegenüber meinen Mitmenschen ist, beginnt dort, wo mein Eifer mich über die Stränge schlagen lässt. <br>Es ist mir schon oft in meinem Leben passiert, dass ich Menschen kennengelernt habe, die so ausschließlich von einer Sache eingenommen waren, dass sie sich in keinem Fall mit etwas anderem auseinandersetzen konnten. Egal über welches Thema man spricht, der Feuereifer desjenigen lenkt das Gespräch immer wieder auf das eine Thema &#8211; und dann wird wild drauflos erzählt, ohne Rücksicht auf Verluste. <br>So sehr ich es liebe, Menschen zu begegnen, die für ein Thema mit innerer Flamme brennen, es gibt immer wieder Zeiten, wo ich für diese Herzensthemen nicht offen bin. <br>Diese Tage, an denen ich es nicht mehr hören kann und mir eine Person echt zu viel wird. Oder die Situation, dass ich mich mit einer Person über sein „eines“ Thema nicht mehr unterhalten möchte, weil ich von den fanatischen Überzeugen, gepaart mit Expertenwissen, einfach erschlagen werde und mir eine Meinung aufgedrängt wird. </p>



<p>Schon immer war ich ein Mensch, der seinen eigenen Weg finden wollte. Indoktrination und feste Regeln waren mir immer ein Gräuel. <br>Das liegt wohl daran, dass ich schon immer ein Wesen war, das nach den Zusammenhängen suchte. <br>Auf meiner Suche nach den inneren Erleuchtungsmomenten habe ich aber etwas Wichtiges auf der Strecke gelassen. </p>



<p>Seit Jahrzehnten bin ich ein großer Verfechter der Freiheit von Gedanken, Meinung und Wort. Nicht etwa, weil ich ein guter Mensch bin, der sich eine bessere Welt wünscht, sondern weil ich ein Gedankenjunkie bin, der es braucht, in gewagten geistigen Konstrukten alles in Frage zu stellen. Es ist mir wichtig, dass ich hinterfragen darf, um mir meine eigene Meinung zu bilden. <br>Dabei vergesse ich aber, dass es Menschen gibt, die anders funktionieren. <br>Während ich es liebe, alles in Frage zu stellen und mich immer wieder auf die Suche nach einer „höheren Wahrheit“ begebe, haben andere diese entweder schon für sich gefunden und sind mit den Dingen einfach zufrieden, oder möchten an solchen Dingen einfach nicht rühren. Nach dem, was ich mal gelernt habe, aber bis jetzt häufig vergesse anzuwenden, braucht jeder Mensch ein festes Gerüst aus Gewohnheiten, Ritualen und Glaubenssätzen. <br>Dinge, an denen wir uns, in einer sich ständig verändernden Umwelt, orientieren können. <br>Egal, ob man von seinem „inneren Kompass“, der persönlichen „Ethik“, seiner „Moral“, dem „Gesunden Menschenverstand“ oder einem der anderen gefühlten tausend Begriffen spricht, gemeint ist im Kern das Gleiche: Ein Stück Verlässlichkeit und Sicherheit in unserem Leben. </p>



<p>Es fällt mir schwer, zu analysieren, was in meinem Leben schief gelaufen ist, aber mir fehlt dieser Anker. Im Prinzip besitze ich kein wirkliches Vertrauen und hinterfrage selbst die einzige Person, die mich eigentlich kennen sollte, nämlich mich selbst. <br>Während ich täglich versuche, mich erneut zu testen und immer wieder mit neuen Erkenntnissen und Ideen spiele, zerschmettere ich jede Menge Porzellan bei Anderen.<br>Meinen Drang, nichts zu akzeptieren, was nicht gründlich von mir geprüft wurde, sehen viele Leute als sowohl provokant wie arrogant an. Meist bin ich davon verwundert, weil ich nur die Dinge von verschiedenen Seiten ausprobieren möchte, aber zu leicht vergesse, dass, wenn ich einen Gedanken meinem Belastungstest aussetze, sich meistens der Urheber dieses Gedankens davon angegriffen fühlt. </p>



<p>Bis vor kurzem war ich davon überzeugt, dass meine solche Art einem gewissen Selbstschutz erwächst, aber nach einer hervorragenden Diskussion im Kreise wohlmeinender Menschen komme ich langsam auf einen anderen Gedanken. <br>Darauf hingewiesen, dass ein beständiger Angriff nur zur Eskalation führt und keine gute Verteidigung darstellt, musste ich ein ernsthaftes Wörtchen mit mir reden. <br>Mein inneres Verteidigungsministerium war davon nicht gerade begeistert, waren sich doch alle Beteiligten keiner Schuld bewusst. Mein Kurs lag in der Verantwortung zweier anderer Mitspieler meines inneren Teams. <br>Zum einen war da die unstillbare Neugier, die wie ein Safeknacker alle Schichten meines Gegenübers aufbrechen wollte, um einen Blick in das tiefste Innere meiner Mitmenschen zu erhaschen und das Mittel der Provokation als eine Art Ablenkung verwendete, zum anderen spielte auch die Eitelkeit eine große Rolle. </p>



<p>Schon als Kind konnte ich mit meinem Verhalten Menschen provozieren und manipulieren. Das brachte mir Aufmerksamkeit. <br>Dieses Verhalten wurde mir nie wirklich abtrainiert, da sich weder in meiner Kindheit noch Jugend jemals ein Mensch mit meinem Selbstwertgefühl beschäftigte. <br>Lange Jahre war ich Clown, Provokateur, Schauspieler und ähnliches, um Anerkennung zu bekommen &#8211; und sei es auch negative. <br>Tatsächlich suchte ich sogar verstärkt nach der negativen Anerkennung, da es meinem eigenem Weltbild entsprach. <br>Obwohl ich ein Narzisst bin, machen mir Komplimente Angst. Vor allem, weil sie in entscheidenden Momenten meiner Entwicklung immer mit einem „Aber“ verbunden waren. <br>Es ist noch heute so, dass ich mich als extrem untalentierten Menschen sehe und ständig eifersüchtig auf andere Menschen, sowie auf deren empfangene Anerkennung, bin.</p>



<p>Es ist mir klar, dass dieses Gedankenbild in erster Linie falsch ist und mir in zweiter Linie nur schadet, aber es ist schwer, aus Denkfehlern wieder auszusteigen, vor allem, wenn es mir schwer fällt, Fehler zu akzeptieren. <br>Mir wurde am Wochenende mal wieder klar, wie sehr ich auf dem Weg zu dem Menschen, der ich gerne wäre, noch am Anfang stehe. </p>



<p>In letzter Zeit habe ich viel nach hinten geblickt und war erstaunt, dass ich es geschafft habe, einen Hügel zu erklimmen, doch gestern sah ich mal wieder das Bergmassiv, das vor mir liegt. <br>Es ist nichts, was mich entmutigt oder aufhält, aber ein Anblick, der mich erneut Demut lehrt. <br>Mein eigener Weg zur letztendlichen Recovery liegt noch vor mir und zeigt mir deutlich eine neue Grenze, dahingehend, dass ich mich nicht als der Weisheit letzter Schluss, oder als der große Erklärer aufspielen sollte, wo ich doch nicht mehr weiß, als andere Menschen in meiner Umgebung. </p>



<p>Wahrscheinlich brauche ich jetzt erst mal eine Zeit der Verdauung und auch der Selbstbetrachtung, um mir zu überlegen, wie ich die nächsten Schritte angehe und wie ich es schaffe, meinen Mitmenschen jene Achtung und den Respekt entgegenzubringen, welchen sie auch verdienen. <br>Wahrscheinlich sollte ich mir selber eine Art „Diskussionsfasten“ auferlegen, um mich wieder darauf zu konzentrieren, was bei mir selber los ist. Nicht immer anderer Leute Probleme von allen Seiten betrachten und zerreden, sondern mich einfach mal zurückziehen, um das Zuhören wieder zu erlernen. </p>



<p>Um mit dieser klugen Idee gleich ganz literarisch zu beginnen, verabschiede ich mich für heute mit Shakespeares berühmten Worten:<em> „… und der Rest ist Schweigen.“</em></p>



<p>Euer Mausebär (td)</p>
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		<title>Vatertag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2020 11:11:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Mausebär (td) lässt anlässlich des heutigen Tages seinen Gedanken zum Thema Vaterschaft freien Lauf.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Der Mausebär (td) lässt anlässlich des heutigen Tages seinen Gedanken zum Thema Vaterschaft freien Lauf.</p>



<p>Da ich ja mit der Heimfahrt eines gewissen Herren aus dem Nahen Osten (oder dem mittleren Osten, wie unsere amerikanischen Freunde sagen), eher wenig zu tun habe, kann ich mich, anlässlich des heutigen Feiertages, mit etwas völlig anderem beschäftigen. </p>



<p>Ich spreche von der jährlichen Sauf-Eskalation, die, als Pendant zum lieblichen &#8222;Muttertag&#8220;, als &#8222;Vatertag&#8220; in die Annalen der menschheitsgeschichtlichen Abgründe eingeht. </p>



<p>Tatsächlich will ich mich aber nicht über die Rituale dieses, von mir so bezeichneten, &#8222;Männertages&#8220; auslassen, denn nicht jeder der mitsäuft, hat schon seiner entsprechenden Zeugungspflicht genüge getan. Sondern ich möchte die Gunst der Stunde, bzw. des Tages, nutzen, um mir über das Konzept der Vaterschaft Gedanken zu machen. </p>



<p>Das Thema Vaterschaft ist für mich seit jeher ein Reizthema. <br>Das liegt vor allem daran, dass ich weder aktiv noch passiv davon Ahnung habe. <br>Genauer gesagt, bin ich weder ein Vater, noch hatte ich jemals einen. <br>Das stimmt, biologisch betrachtet, natürlich nicht. Ich hatte eindeutig einen Erzeuger und dieser hat auch die ersten 1-2 Jahre meines Lebens scheinbar eine Rolle gespielt, nur habe ich daran keine bewusste Erinnerung. <br>Was ich von meinem Vater habe, sind eine Handvoll alter Bilder und eine Todesanzeige, was mir deutlich klar macht, dass ich die Person, die mit ihrem Samen zu meiner Entstehung beigetragen hat, niemals persönlich kennen lernen werde. <br>Das macht, für mich natürlich, auch die Frage unnütz, ob ich das überhaupt wollen würde. </p>



<p>Es ist ein Fakt, dass, zumindest soweit ich weiß, meine Mutter erst wieder eine feste Beziehung zu einem Mann hatte, als ich schon volljährig war. <br>Tatsächlich erinnere ich mich daran, dass sie fragte, ob es in Ordnung wäre, wenn ihr neuer Lebensgefährte als Gast zu meiner Hochzeit kommen dürfe, da er und ich uns ja noch nicht lange kannten. Natürlich durfte er. <br>Es war eine gute Entscheidung, da dieser Mann meine Mutter sehr glücklich gemacht hat und dieses sogar nach seinem Tod, durch sein geistiges Erbe, weiterhin tut. <br>Als Stiefvater habe ich ihn aber trotzdem nicht wirklich wahrgenommen. Ich war zu seinen Lebzeiten in so vielen anderen Konflikten, dass ich mir darüber keine Gedanken gemacht habe. Bevor sich dies ändern konnte, war seine Lebenszeit um. </p>



<p>Manchmal denke ich, dass es schwierig ist, mich auf dem Weg der Veränderung zu begleiten, denn jeweils in den signifikanten Zeiten des Umbruchs starben in meiner Gegenwart wichtige Menschen oder erlitten andere Schäden, wie zum Beispiel meine Frau ihren Schlaganfall. <br>Ich möchte das jetzt nicht zu einem Fluch hochstilisieren, aber es ist nun mal ein seltsamer Fakt, dass mein persönlicher Fortschritt immer unschuldige Opfer aus meiner nächsten Umgebung fordert. <br>Wäre eine prima Ausrede, mich nicht mehr zu entwickeln, gilt aber wahrscheinlich nicht, also Pech gehabt und zurück zum Thema. </p>



<p>Also, fest steht, dass ich von Vaterschaft soviel verstehe wie eine Kuh von Astrophysik. <br>Der ein oder andere weiß natürlich, dass ich gelernter Erzieher bin und damit zumindest etwas von Kindererziehung verstehen sollte, aber das ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. <br>Weder konnte mir die Ausbildung das Gefühl vermitteln, das ein Vater für seinen Sohn empfindet, oder ein Sohn gegenüber seinem Vater, noch mich darin ausbilden, ein Vater zu sein. </p>



<p>Wenn mir gute Freunde, die selbst Kinder gezeugt und auch aufgezogen haben, klar machen wollen, dass ich dieses Gefühl nicht verstehen kann, dann rennen sie bei mir offene Türen ein. <br>Klar habe ich Vorstellungen davon, aber das sind halt nur Vorstellungen. </p>



<p>Ein paar Sachen, die mir klar sind, bestehen aus dem Wissen, dass es mehr braucht, als seinen Samen zur Eizelle der Mutter zu transportieren, um ein Vater zu sein. Eigentlich weiß ich es nicht, aber ich habe da eine sehr feste Vermutung. <br>Es geht um eine Beziehung, ähnlich der Beziehung zur Mutter, aber doch ganz anders, glaube ich. <br>Wie gesagt, ich spreche nur aus Beobachtung, nicht aus Erfahrung. </p>



<p>Ich bin froh, kein Vater zu sein, jedenfalls soweit ich weiß. Nicht, weil mich der Gedanke stört, denn das tut er nicht. <br>Manchmal frage ich mich sogar, ob ich etwas verpasse, aber es ist eine Tatsache für mich, dass ich dazu nicht geeignet wäre. <br>Mir fehlt, mangels eines Vorbilds, eine Vorstellung davon, was meine Aufgaben und Pflichten sein könnten &#8211; keine Ahnung, was ein Vater so macht. <br>Außerdem ist die Anfangszeit extrem schwierig, denn ich bezweifle ganz ausdrücklich, dass ich mit der Problematik von Windelwechsel und anderen fiesen Details, die mit Kleinkindern verbunden sind, zurecht kommen würde. <br>Angeblich helfen die natürlichen Instinkte darüber hinweg, aber ich fürchte, bei mir würde das nicht funktionieren. <br>Ich finde ja noch nicht mal Babys niedlich. </p>



<p>Das einzige Mal, dass ich so ein kleines Leben auf dem Arm hatte, war scheinbar für das Kind eine genauso schlimme Erfahrung wie für mich. <br>Ja, eine mir bekannte Mutter hatte mir ihren Säugling in den Arm gedrückt, aus welchem fieberhaften Wahn auch immer. Ich kam mir extrem seltsam vor und war wesentlich unprofessioneller als alle anderen anwesenden Herren der Schöpfung. <br>Und das mir, als ausgebildetem Profi!</p>



<p>Niemals habe ich einen Hehl daraus gemacht, dass meine profunden Fähigkeiten in der Erziehung bei aufkommender Pubertät meiner Opfer, sprich Schutzbefohlenen, liegt. <br>Mit den sogenannten &#8222;Pubertieren&#8220; komme ich bestens klar, da schlägt mein erzieherisches Herz und meine Kompetenz, aber die frühkindliche Entwicklung ist mir ein Graus. <br>Meine praktische Zeit im Kindergarten, also die &#8222;vier Monate des Grauens&#8220;, haben mich davon überzeugt, dass dieses Arbeitsfeld, im gegenseitigen Einverständnis, seine Tore dauerhaft vor mir verschließt. <br>Wenn ich nicht einmal professionell mit Kleinkindern umgehen kann, wie soll ich das erst 24 Stunden am Tag aushalten?<br>Am Ende würde ich mir, nur aus Fluchtgründen, eine Arbeitsstelle suchen, egal was, nur nicht zu Hause sein. <br>Davon, dass ich ein schlechtes Vorbild bin und meine Lebensführung in keinster Weise als jugendfrei einzustufen ist, will ich nicht einmal reden. </p>



<p>Daher gönne ich den heutigen Tag ganz besonders jenen edlen Recken, die uns Männern alle Ehre machen und hervorragende Väter sind. Gönnt Euch heute etwas, bevor ihr wieder die Zukunft unserer Welt vorbereitet. <br>Sowohl meine Anerkennung, als auch mein Dank ist Euch sicher &#8211; und vielleicht spielt auch ein wenig Neid mit &#8218;rein.</p>



<p>Einen schönen Feiertag genießt heute auch der Mausebär (td)</p>
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		<title>Urlaub vom Ich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 May 2020 12:17:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Kreisende Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Probleme]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstreflektion]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein kleiner Vorfall bringt das ganze innere Gebäude des Mausebärs (td) ins wanken und er würde sich gern einen  Urlaub von sich selbst gönnen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Ein kleiner Vorfall bringt das ganze innere Gebäude des Mausebärs (td) ins wanken und er würde sich gern einen  Urlaub von sich selbst gönnen.</p>



<p>Manchmal in meinem Leben möchte ich einfach flüchten. Das ganze Chaos um mich herum einfach hinschmeißen und einfach weg. <br>Einfach mal mich ins Auto setzten und losfahren, ohne daran zu denken, zurück zukommen. <br>Losfahren, egal wohin und einfach was anderes zu machen. </p>



<p>Ich wusste gestern morgen noch nicht, dass es ein solcher Tag wird. Ich hatte einen guten Start in den Tag und ein angenehmes Gespräch am Mittag. Am Nachmittag hatte ich einen Zahnarzttermin und wider erwarten hat mich die neue Füllung kein Geld gekostet und auch nur wenige Schmerzen verursacht. Auf dem Rückweg fuhr ich noch eine bekannte Fast-Food-Kette an, um mir einen Snack zu gönnen. Ich kam mit einer braunen Papiertüte voller Leckereien zuhause an und holte einen Brief aus dem Briefkasten. <br>Als ich ihn dann im Wohnzimmer las, drehte sich mein Magen fast um. Ich konnte nicht mehr weiter essen. Ich las ein zweites Mal. Es war ein Schlag in die Weichteile. Ich will nicht auf die Einzelheiten eingehen, aber es war eine amtliche Bestätigung über einen absoluten Vertrauensbruch.<br>Es hat mich echt fertig gemacht. </p>



<p>Ich versuchte die Situation zu klären und stieß auf Taube Ohren und einen vorwurfsvollen Mund. <br>Zurückgelassen wurde ich mit Fragen, Zukunftsängsten und Selbstzweifel. <br>Und jeder Menge Wut. <br>Ich tat das einzig Richtige, ich suchte das Gespräch mit Freunden. <br>Das half, aber trotzdem lag eine Nacht voller Selbstvorwürfen und Grübeleien, wie ein dunkles Omen vor mir. <br>Die Erkenntnis, ein langes Wochenende lang nichts tun zu können, vielleicht sogar in den nächsten Wochen keinen Einfluss auf die Situation zu haben, macht mich fertig. <br>Ich katastrophiere in die Zukunft, schalte die Vernunft aus und meine Gefühle spielen Rugby mit meiner Seele als Ei. <br>Ich will so einen Mist nicht. </p>



<p>Scheiße, die meinen inneren Paranoiker weckt. <br>Welche Absicht liegt dahinter ? <br>Worauf muss ich mich vorbereiten?</p>



<p>Und nicht nur ich hänge darin, sondern auch meine Frau. <br>Unser gemeinsames Leben liegt mal wieder in der Willkür anderer Personen. <br>Und obwohl ich nicht mit Gewissheit sagen kann, ob hinter diesem Anschlag auf mein Vertrauen tatsächlich dunkelste Machenschaften liegen oder nur grenzenlose Dummheit, ist ein Teil in mir zerbrochen. <br>Vertrauen ist in mir zerbrochen, betreffend bestimmten Personen, meiner Weltsicht und auch meiner eigenen Wahrnehmung der Situation. </p>



<p>Da ich es nie richtig gelernt habe, kann ich mich gegen unangemessene Kritik nicht abgrenzen. Unweigerlich mache ich mir Gedanken, was für Fehler ich gemacht habe. <br>Dass mir im Versuch, die Situation zu klären, auch noch Uneinsichtigkeit und Schuldhaftes Verhalten vorgeworfen wurde, trägt nicht zur Aufheiterung meiner Stimmung bei. <br>Ich fühle mich zerdrückt zwischen Vorwürfen und Selbstkritik. </p>



<p>Vor der Tür steht mein Auto, ich könnte einfach losfahren.<br>Egal wohin, einfach nicht mehr da sein und so. <br>In meiner Nachttischschublade habe ich ein scharfes Messer, auch ein Weg abzuhauen. <br>Ich mache es nicht, denn ich habe mal einer bestimmten Person versprochen, beides nicht zu tun.</p>



<p>Ich halte meine Versprechen!</p>



<p>Ich versuche meine Versprechen zu halten!</p>



<p>Zur Zeit zweifele ich, ob dieses Versprechen zum Wohle der entsprechenden Person ist. <br>Natürlich rede ich über meine Frau. <br>Manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt gut für sie bin? <br>Ob es nicht fairer gewesen wäre, auf ihre Mutter zu hören und sie nach ihrem Schlaganfall<strong> </strong>sterben zu lassen? <br>Ob sie in einer professionellen Einrichtung, mit einem fähigem Betreuer nicht besser versorgt wäre? <br>Halt, ob es nicht einfach besser wäre, wenn ich verschwinden würde? </p>



<p>Sie kann mir diese Fragen nicht beantworten und ich traue mich auch nicht, sie zu stellen. <br>Ich glaube das wäre nicht fair. <br>Vielleicht fürchte ich auch die Reaktion? <br>Und meinen eigenes Versagen! </p>



<p>Jahrelang hat meine Frau zu mir gehalten und mir geholfen, mit der Welt klar zukommen und ich verzweifele schon nach 4-5 Jahren. <br>Ich weiß jetzt sogar tatsächlich nicht mehr, wie lange es her ist. Der Hirnschlag war im November, ziemlich gegen Ende. <br>Und im Februar war ich dann mit dem Umzug fertig, so dass sie im April, glaub ich, nach Hause kommen konnte. <br>Aber das Jahr weiß ich nicht mehr, in so etwas bin ich schlecht. </p>



<p>Seit ich in Kempen wohne und hier betreut werde, mache ich kontinuierlich Fortschritte, teilweise aus Zwang heraus, teilweise durch neue Möglichkeiten und Kontakte. <br>Hin und wieder ist es mir peinlich, dass sich mein Leben so drastisch verbessert, während die Situation meiner Frau stagniert. <br>Früher hat sie in depressiven Phasen oft behauptet, ich wäre ohne sie besser dran. <br>Ich traue mich nicht, ihr von meinen Fortschritten zu berichten, aus Angst, es würde ihr beweisen, dass es so wäre. <br>Mitnichten ist es so, selbst in ihrer Krankheit hat sie mich stärker gemacht, weil sie der Grund war, mich zu verbessern. <br>Mit ihrem Schlaganfall und seinen Spätfolgen hat sie mir den ultimativen Arschtritt verpasst, um mich aufzuraffen und neue Wege auszuprobieren. <br>Ich weiß nicht, wie ich ihr dafür danken kann. </p>



<p>Ich weiß auch nicht, wie ich mich verhalten soll. <br>Zurzeit habe ich Trauer, Wut und Angst in mir. Diese drei Monster toben gerade so schrecklich, dass sich selbst mein narzisstischer Persönlichkeitsanteil versteckt hat. <br>Jetzt muss ich abwarten, was passiert. <br>Mein Auto steht immer noch vor der Tür. Ich will weg, auf Urlaub von mir selbst &#8211; nein, noch mehr, ich möchte mich von Anteilen von meiner Persönlichkeit scheiden lassen. Ich will die einsame Insel oder die Berghöhle. <br>Ich möchte, dass die Probleme aufhören und ich mal ein Stück Glück genießen kann. <br>Ich möchte wieder richtig schlafen.</p>



<p>Langsam komme ich innerlich zur Ruhe. <br>Es ist wichtig für mich, den Mist aus mir rauszulassen. Obwohl ich ein guter Redner bin, fällt es mir schwer, über Gefühle zu reden.<br>Ich folge dem Rat, die Gedanken aufzuschreiben um sie loszuwerden. Ich stelle sie in die Öffentlichkeit als meine persönliche Urschrei-Therapie. </p>



<p>Ich werde nicht wegfahren, denn am Montag soll es einen neuen Text geben (ihr wisst, freies Wochenende). <br>Zeit, mir etwas zu überlegen. <br>Zeit, zu reflektieren und meine Optionen abzuwägen. <br>Tief in meinem Inneren bin ich froh, dass mich mehr hier hält, als wegdrängt. <br>Ich weiß, ich habe Freunde. <br>Ich habe Aufgaben und ich versage nicht in allen Teilen meines Lebens. <br>Vielleicht unterdrücke ich meinen inneren Narzissten viel zu stark? <br>Und nur, weil ich mich selbst nicht lobe, brauche ich die Anerkennung anderer wie ein Junkie &#8211; ich sollte das sein lassen. <br>Vielleicht wäre allen Beteiligten am besten gedient, nur die Selbstzweifel auf große Fahrt zu schicken? <br>Ein Versuch wäre es Wert.</p>



<p>Der Text war jetzt wirklich etwas konfus und sprang von Gedanken zu Gedanken. <br>Willkommen in meinem Kopf! <br>Ich nehme mir heute &#8211; und wahrscheinlich in der Zukunft auch noch öfters &#8211; raus, dieses Zeug einfach zu veröffentlichen. <br>Einfach so und für mich. <br>Wenn ihr den einen oder anderen Gedanken auch kennt, freue ich mich, von euch zu hören. Wenn ihr diese Gedanken nicht kennt, freue ich mich für Euch und bekunde Euch sowohl meinen Neid, als auch den Wunsch, dass sich Dies nicht<strong> </strong>ändern möge.</p>



<p>Ich wünsche euch allen ein schönes und vor allem sorgenfreies Wochenende,</p>



<p>Euer Mausebär (td)</p>
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		<title>Im falschem Film &#8211; Wie eine Komödie zur Tragödie wird</title>
		<link>https://erfahrungsexperten-niederrhein.de/im-falschem-film-wie-eine-komoedie-zur-tragoedie-wird/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Apr 2020 12:48:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstreflektion]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach einem eigentlich humorigen Film fährt der Mausebär (a.k.a. Thorsten Dürholt) einen ganz komischen Film und schreibt schnell darüber, um die Gedanken bloß loszuwerden (Pfui, Bäh)]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Nach einem eigentlich humorigen Film fährt der Mausebär (a.k.a. Thorsten Dürholt) einen ganz komischen Film und schreibt schnell darüber, um die Gedanken bloß loszuwerden (Pfui, Bäh)</p>



<p>Ich habe eben einen Film gesehen. <br>Ja, einen Film, dessen DVD mein eigenes Ostergeschenk war &#8211; jetzt habe ich ihn endlich in den Player gesteckt. <br>Welcher ist ziemlich egal, weil für den Kontext nur wichtig ist, dass er sich über die Reboot-Welle der letzten Jahre lustig macht. <br>Dutzende von Filmen aus meiner Kindheit und Jugend, werden seit einiger Zeit neu gedreht und aufpoliert wieder in die Kinos gejagt. Gerade vor Klassikern wird da kein Halt gemacht. Sehr zu meinem Leidwesen, obwohl die sogenannten &#8222;Klassiker&#8220;, bei erneuter Betrachtung, auch nicht mehr so toll sind, wie ich sie damals empfand. <br>Manch ein Reboot ist großartig und setzt meine geliebten Geschichten auf originelle Weise neu um. <br>Andere Reboots sind eher zum abgewöhnen, werden doch lieb gewonnene Erinnerungen abgeschlachtet und als Dreck neu verwurstet. <br>Dass niemand das Rad neu erfinden kann und die gleichen Geschichten im neuen Gewand erzählt werden, ist auch gar nicht mein Problem. Auch die, sagen wir, mal Qualität nicht, das ist und bleibt Geschmackssache und eine Diskussion über Geschmacksfragen ist wie einem wilden Bullen an die Testikel zu fassen – einfach nicht zielführend (und am Ende weint einer). <br>Deshalb will ich mich auch gar nicht solange bei dem Film aufhalten, sondern bei einem unangenehmen Gefühl. <br>Es wurde immer wieder darauf herumgeritten, dass die Quelle des Filmes bei einer Reihe von Filmen aus den 90er Jahren stammt. <br>Das war quasi meine Zeit. <br>Der größte Teil meines Geschmackes (wenn man das so nennen will/darf bei, einem bekennenden &#8222;Bad-Taste-Junkie&#8220;), entwickelte sich im Übergang von den 80er in die 90er Jahre. Damals war ich auf der Suche und fand literarische, musikalische und cineastische Vorbilder. Wobei &#8222;Vorbild&#8220; dabei ein recht großes Wort ist, wenn ich an manche meiner jugendlichen Geschmacksverirrungen zurückdenke.</p>



<p>Die Jahre flossen an mir vorbei und heute musste ich erschreckt feststellen, dass wir das Jahr 2020 haben. </p>



<p>In meiner Jugend gab es noch Science-Fiction-Geschichten, die in den 2020er Jahren spielten und, viel wichtiger auch eines meiner Lieblings-Rollenspiele aus den 80er Jahren. <br>Ganz still und heimlich sind einfach mehr als 20 Jahre an mir vorbei geflossen und ein Teil von mir klammert sich immer noch daran, der wilde Teenager aus den 90er Jahren zu sein (nur in fett, unattraktiv und unsportlich, wie  Bilder von mir beweisen). <br>Dann sehe ich einen Film mit den selben Köpfen von damals und erschrecke &#8211; gerade bei den schlechten Schönheitsoperationen von Sylvester Stallone und ähnlichen&#8230; </p>



<p>Dinge haben sich weiterentwickelt. <br>Junge coole Schauspieler von früher spielen jetzt als alte Säcke an der Seite ihrer ausgewachsenen Töchter. <br>Ein wenig hat mich das erschreckt, weil ich unweigerlich Bilanz zog. Ich suchte &#8211; und suche auch gerade &#8211; in meinen Erinnerungen nach den Highlights der letzten 20 Jahre. <br>Welche Spuren habe ich seit Anbeginn dieses Jahrtausends in der Welt hinterlassen? <br>Im Jahre 1999 vollendete ich mein 23. Lebensjahr. Alt genug, um als erwachsen zu gelten, Zeit genug sich zu orientieren. <br>Was hatte ich vorzuweisen? <br>Quasi nichts. <br>Eine junge Ehe, eine mildere Drogenkarriere, eine eher schlechte Hochschulreife und ein absolut ver-exkrementetes Sozialexperiment namens Bundeswehr. <br>Meine ersten Erfahrungen im Scheitern waren absolviert &#8211; wenigstens darin begann ich eine steile Profikarriere. <br>Aus diversen Gründen war ich Ende der 90er mit meiner Frau Untermieter ihres Ex-Freundes, der aufgrund seiner neuen Beziehung (mit eigener Wohnung) seine Wohnung lediglich als Lager benutzte. <br>Meine Frau hatte einen Job bei besagtem Ex-Freund, der gerade mit Freunden ein eigenes Unternehmen gegründet hatte. <br>Ich war, soweit ich mich erinnere, noch an der Universität in Essen eingeschrieben und verbrachte meine Tage mit Rauschmitteln und Fantasiegebilden in meinem eigenem Kokon. </p>



<p>Das Millennium kam. <br>Der Millenniumsvirus hätte alle meine inneren Uhren auf Null drehen sollen. Der Silvesterabend 1999 war erstaunlich nüchtern (im Gegensatz zu mir) und das Jahr begann exakt da, wo das Alte aufhörte. <br>Es folgten 20 Jahre meines Lebens, also ca. 7.300 Tage (ohne die ca. 4-5 Tage für die Schaltjahre). <br>7.300 Chancen, zu mindestens meine kleine Welt zu verändern. <br>Was habe ich mit der Zeit getan? <br>Früher gab es mal den Spruch, dass ein Mann drei Dinge in seinem Leben erledigen sollte: </p>



<ul class="wp-block-list"><li>Ein Haus bauen </li><li>Ein Kind zeugen </li><li>Ein Buch schreiben (oder auch einen Baum pflanzen) </li></ul>



<p>Davon habe ich schon einmal nichts erledigt. </p>



<p>Zum Glück für die Menschheit, habe ich meinen Samen nicht auf fruchtbare Äcker ergossen. <br>Folgerichtig musste auch kein Kind unter mir als Vater leiden. Das meine ich nicht zynisch, denn ich denke ich wäre kein guter Vater. <br>Mir fehlen essentielle Fähigkeiten, wie zum Beispiel ausreichend Empathie und Mitgefühl. Ich wäre auch zu ungeduldig und selbst bezogen. <br>Ich weiß nicht, wie ich mir einen Vater wünschen würde, da ich selber keinen hatte. <br>Aber ich bin mir sicher, mich hätte ich nicht gern als Vater gehabt. <br>Da ich keine Geschwister habe, geht mein Ast des Familienstammbaumes mit mir unter, unwiederbringlich. </p>



<p>Ich werde niemals ein Erbe hinterlassen, sondern die kapitalistischen Wölfe dürfen meinen Leichnam fleddernder Weise zerfleischen. Es gibt ja auch nicht viel Materielles zu vererben. <br>Mein Großvater hat das Haus erbaut, in dem ich wohne, meine Mutter hat den Umbau und Ausbau gestemmt und mein Stiefvater hat Zeit und Arbeit hineingesteckt. <br>Nach dem Tod meiner Mutter werde ich das Haus erben und wie ich mich kenne, wird es verfallen und langsam mit mir wegsterben, wenn ich den Besitz überhaupt solange halten kann. </p>



<p>Das bringt mich zum Punkt Hausbau. <br>Das wird wohl nichts. <br>Ich habe es innerhalb von mittlerweile mehr als zwei Jahren, in denen ich plane, nicht geschafft, den Anbau eines Aufzuges zu organisieren, um meine Frau aus der Wohnung bringen zu können. <br>Ich behaupte, dass ich meine Frau liebe und bringe nicht einmal zustande, mehr als eine Idee zu dem Projekt beizutragen. <br>Das macht mich nicht gerade zum guten Ehemann, noch nicht mal zu einem passablen Exemplar. <br>Dass ich selber nach fast zwei Jahren gerade erst begonnen habe mich häuslich einzurichten und etwas an der Ästhetik meiner Wohnsituation zu verbessern, ist einfach mein Problem. Ich darf mir selbst soviel Wert und Aufmerksamkeit zubilligen, wie ich will. <br>Aber meine Frau in einem Zustand von ständigen Improvisationen und “es wäre schön, wenn&#8230;“ zu halten, ist unfair und beschämt mich. </p>



<p>Das bringt mich auch zu der Zwischenfrage, ob ich ein guter Ehemann war, oder bin? <br>Die klare Antwort kann nur ein „Nein“ sein. <br>Ich bin ein egoistischer Drecksack, der weder zum Haushalt, noch zum Haushaltsgeld, irgendwas Größeres oder Regelmäßiges beigetragen hat. <br>Selbst als meine Frau arbeitete, war ich der schlechteste Hausmann, den man sich vorstellen kann. <br>Meine Frau war eine Göttin. Selbst zu Zeiten, als sie selber in der Psychiatrischen Klinik war, versuchte sie mich stets zu motivieren und zu unterstützen. Sie hat mich immer verteidigt, unterstützt und versorgt. <br>Wir hatten keine Symbiose, denn rückwirkend fühle ich mich wie ein Parasit. </p>



<p>Und jetzt schaffe ich es nicht mal, einen &#8222;verkoitusten&#8220; Aufzug zu organisieren, damit man sie im Rollstuhl mal in den Garten fahren kann. </p>



<p>Da wären wir auch gleich beim Baum. <br>Ich bin kein Pflanzenfreund. <br>Bei einem Schulprojekt haben wir mal Bäume gesetzt, um ein Areal aufzuforsten, aber ich glaube, das zählt nicht. <br>Ich bin eines von jenen Geschöpfen, die weder säen noch ernten und trotzdem von einer höheren Macht ernährt werden, um mal ein sehr beliebtes Buch recht frei zu zitieren. <br>Gartenarbeit ist nicht meine Welt. <br>Der Garten, der zum Haus gehört, wird nach dem Tod meiner Mutter zum Mausebär-Gedenk-Biotop verkommen. <br>Die Nachbarn werden mich hassen. </p>



<p>Das alternative Buch ist auch eine ferne Utopie. <br>Natürlich kann ich schreiben, jedenfalls ein wenig. <br>Aber ich schaffe keine andauernden Projekte und bin zu ungeduldig mit mir selbst. <br>Außerdem würde mir der Masochist fehlen, der einen tatsächlich längeren und möglicherweise fiktionalen Text von mir lektorieren soll. Eine Aufgabe, die augenscheinlich gegen die Menschenwürde verstoßen würde. <br>Und selbst wenn, wer würde einen Roman aus dem Hause Mausebär lesen wollen? <br>Jeder, der mich kennt, würde gleich einen mehrere hundert Seiten starken „Penis-Witz“ befürchten. <br>Und wahrscheinlich sogar zu recht. </p>



<p>Ich werde wohl nie ein richtiger Mann werden.</p>



<p>Aber zurück zu meiner Bilanz. <br>Nachdem ich die „großen Drei“ in den letzten 20 Jahren offensichtlich nicht erreicht habe, was habe ich an Erfolgen vorzuweisen? <br>Glück bei den Frauen? &#8211; Ich bin seit über 20 Jahren verheiratet, da war nur selten Zeit, mich als Weiberheld zu versuchen.<br>Erfolg im Beruf? &#8211; Ich habe zwei abgeschlossene Berufsausbildungen mit jeweils minimaler Berufserfahrung.<br>Karriere? &#8211;  Die Zahlen auf meiner Rentenprognose sind im zweistelligem Bereich und noch nicht mal im hohen. Grundsicherung bis Grabstein ist die Devise. <br>Irgendwelche großen Taten? &#8211; Nicht, dass ich wüsste, ich habe keine Menschenleben gerettet, keine großen Projekte angestoßen und keine Veränderung in der Welt erzeugt. <br>Tiefe Freundschaften? &#8211; Ich habe kaum Beziehungen zu Leuten, die ich länger als 5-6 Jahre kenne. Alle Beziehungen von früher sind vom Winde verweht.</p>



<p>Es ist wie es ist, wenn ich morgen sterben sollte, hätte ich keine Spuren in der Welt hinterlassen. </p>



<p>Gerade bringt mich das auf schlechte Gedanken. <br>Manchmal finde ich es schade, dass ich so einfach vergehen werde und in nicht mal 20 Jahren nach meinem Tod kein Beweisstück meiner Existenz mehr da sein wird. <br>Andererseits werde ich das auch nicht erleben &#8211; also nur halb so schlimm. </p>



<p>Als Jugendlicher wollte ich berühmt werden, als junger Mann wollte ich zumindest berüchtigt werden, als „erwachsener“ Mann wollte ich wenigstens in einem Gebiet erfolgreich sein und ich bin noch nicht alt genug, um zu wissen, was ich als „alter Sack“ sein will. <br>Zurzeit bin ich im Umbruch zwischen Resignation und Neuorientierung, was immer das als Floskeln heißen mag. <br>Aber ich werde auch nicht aufgeben, weiter jeden Tag ein Stück voran schreiten und vielleicht finde ich irgendwann zurück auf den Weg, den ich vor über 20 Jahren verlassen habe, um mich im Dickicht diverser Ablenkungen zu verlaufen. <br>Hin und wieder werde ich hier von meinen Schritten berichten. <br>Vielleicht hilft es ja auch anderen Menschen, die sich verlaufen haben? <br>Wenn wir alle mal laut rufen, können wir uns vielleicht erreichen und sind dann im tiefem dunklen Wald unserer Probleme nicht mehr allein. <br>Laut einer alten Pfadfinderregel, sollten sich beim durchqueren einer Wüste, ohne Navigationsmittel, möglichst ein Linkshänder und ein Rechtshänder händchenhaltenderweise zusammenfinden. <br>Rechtshänder zieht es beim Gehen nach rechts und Linkshänder nach links, darum gehen Leute in der Wüste meist im Kreis, ohne es zu bemerken. Zusammen können sich Beide ausgleichen und einen Weg geradeaus finden. <br>Und so können wir vielleicht auch gemeinsam einen Pfad zurück auf den geraden Lebensweg finden, wenn wir zusammenarbeiten. <br>Oder zumindest in der Gemeinschaft mehr Spaß und weniger Angst beim Suchen haben.</p>



<p>Wahrscheinlich bleibe ich nur aus einem Grund stets der erfolglose Mausebär, weil ich meine Erfolge nicht erkennen kann. </p>



<p>Trotzdem gibt es da draußen den einen oder anderen, der mich nicht wie einen Loser behandelt und allen diesen Menschen sage ich jetzt und hiermit mal ausdrücklich Danke.</p>



<p>Danke!</p>



<p>Euer selbstkritischer, aber unreflektierter Mausebär (a.k.a. Thorsten Dürholt)</p>
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		<title>Lange Sätze &#8211; Kurzer Sinn</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Apr 2020 11:49:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstreflektion]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein entsetzlich langsatziger Text, übermütig herausgepurzelt aus dem Kopf vom Mausebär (a.k.a. Thorsten Dürholt), der nicht nur eine Entschuldigung, sondern auch eine Moral enthält. (Allergiker-Hinweis: Kann Spuren von Satire enthalten)]]></description>
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<p>Ein entsetzlich langsatziger Text, übermütig herausgepurzelt aus dem Kopf vom Mausebär (a.k.a. Thorsten Dürholt), der nicht nur eine Entschuldigung, sondern auch eine Moral enthält. (Allergiker-Hinweis: Kann Spuren von Satire enthalten)</p>



<p>Wieder einmal sitze ich vor einem leeren Papier. <br>Nachdem ich heute den ganzen Abend damit verbracht habe, leckere Pizza zu essen, die zweite Hälfte der sechsten Staffel einer meiner liebsten Kriminalserien zu verzehren und auch tatsächlich noch die Zeit hatte, ein angenehmes Entspannungsbad samt kompletter Körperpflege in mein Wellnessprogramm zu integrieren, war ich gerade auf den Weg in mein kuscheliges Bettchen, wo zum einen mein Lieblingsplüschtier, eine kleine schnuffige Stoffratte &#8211; eigentlich eine Handpuppe &#8211; und seit meinem ersten Besuch auf der Spielwarenmesse in Essen ein treuer Freund und Begleiter, der mich sogar auf meiner Reise nach Indien begleitet hat und quasi schon fast  länger als meine Ehefrau mein Bett mit mir teilt, sowie einige kuschelige Kissen, natürlich samt Schmusedecke, auf mich warteten, als auch ein spannender Krimi aus dem englischsprachigen Raum, in den ich mich die letzten Tage hinein geschmökert habe. </p>



<p>Auf diesem Weg traf ich auf meinen Computer und sogleich hatte ich zwei Missionen, die sich mir nahezu aufdrängten. Erstens wollte ich meinen Text für heute schon einmal schreiben, um morgen ganz ausgiebig ausschlafen zu können. Zweitens wollte ich einen Bandwurmsatz bauen, der Alex ehrfürchtig niederknien lässt. Die zweite Mission hoffe ich ja schon mit dem zweiten Satz des ersten Absatzes meines Textes zu bewerkstelligen, aber ich fürchte, da ist noch Luft nach oben.</p>



<p>Die Kunst ist es, ein Thema zu finden, bei dem mir so viele Rand- und Seiteninformationen auf einmal in den Kopf schießen, dass ich nicht anders kann und versuche, diese alle in ein Satzkonstrukt zu verwickeln. <br>Ich müsste quasi einen dreifachen Gedankensprung, mit eingefügter, passender Selbstreferenz und eingestreuten Hinweisen, die auf Fußnoten schließen lassen, zu einem artistischen Konstrukt verschmelzen, so dass weder Sonja noch Alex sich zutrauen, diesen Moloch in seiner reinen, ehrfurchtsgebietenden Schönheit, in redaktionellem Übermut, in kleinere Passagen zu teilen. <br>Ist es eigentlich gut, wenn ich dermaßen mit der Sprache spiele, gerade und wenn es sogar zum Zweck des sportlich-fairen Wettstreites unter Männern ist, oder gebe ich mich nicht vielmehr einem schnöden Klischee hin und versuche, meine unersättliche Eitelkeit zu stillen, indem ich Alex derart schnöde den literarischen Fehdehandschuh hinschleudere, ohne an den Mehrwert für meine Leserschaft zu denken, die sich diese Satzkonstrukte auch noch auseinanderbauen müssen, in der wagen Hoffnung, dort einen Funken von Sinn in den Fragmenten zu entdecken. </p>



<p>Ich denke, dieser Text ist reine Spielerei &#8211; und doch ein legitimer Bestandteil der „mausebärischen Philosophie“. <br>Wer sich bis hierhin vorgekämpft hat, ist entweder ein Literatur-Freak wie ich, oder ein intellektueller Masochist – oder auch ein sehr neugieriger und/oder sehr mutiger Mensch. Und wenn es sich um solch einen Menschen handelt, dann wäre es einfach unverantwortlich von mir, meiner künstlerischen Arbeit nicht ein wenig Anspruch zu verleihen und den ganzen Text mit einem bedeutungsschweren Inhalt zu füllen. <br>Doch welch tieferer Sinn könnte im Konstruieren möglichst langer und vielschichtiger Sätze &#8211; ineinander verdreht wie die Lagen Eisens, unterschiedlicher Härtegrade, im Zopf einer Klinge aus Damaszenerstahl – die aus der reinen Freude des Spieles mit dem Wort und Gedanken entstehen, begraben sein? <br>Wende ich mich gerade auf satirische Weise der Problematik zu, dass ich zumeist zu viel, zu schnell und zu besitzergreifend rede? <br>Es ist wohl wahr, dass ich oft, sobald ein Thema mich erreicht hat, den Redestein fest umklammert halte und ihn nicht wieder abgebe. <br>Frei nach dem Schauspieler und NRA (National Rifle Association) Aktivisten Charlton Heston: „From my cold, dead hands!“, also aus meinen kalten, toten Händen, sehe ich das ebenso  – anders bekommt ihr den Redestein nicht von mir, auf keinen Fall &#8211; ich beiße zur Not…<br>Aber warum? <br>Habe ich etwa Angst, dass mir jemand die Butter vom Brot nimmt? <br>Vielleicht ist es die Angst, dass jeder Punkt genutzt werden kann, um mir das Rederecht zu entziehen? <br>So mäandre ich in langen Vorträgen und setze die selben Sachen in immer neuen Bildern wieder zusammen, um meinem Zuhörer auf jeden Fall begreiflich zu machen, was ich meine. </p>



<p>Trotzdem verliere ich dann den Zuhörer auf dem Weg, da ich vergesse, dass manchmal weniger einfach mehr ist. <br>Beim letzten Gruppengespräch mit den Phönixen habe ich es deutlich bemerkt &#8211; erst war ich noch müde, überhaupt nicht redefreudig und wollte so gar nicht in Gang kommen, doch dann packte mich das Thema und ein Feuer loderte in mir auf. <br>Wie ein Feuer aus Thermit (eine Substanz aus Eisenoxid und Magnesium, die bei sehr hohen Temperaturen verbrennt und im Verbrennungsprozess seine eigene Sauerstoffquelle erzeugt und damit faktisch nicht löschbar ist – ja, auch ich kann naturwissenschaftlich klugscheißen, vor allem wenn es mit Waffen- oder Sprengstofftechnik zu tun hat), brenne ich mich nicht löschbar in das Gespräch ein und zerfresse meinen Weg durch die Diskussion. <br>Ich reiße das Gespräch an mich und doziere, statt zu moderieren und nur mit etwas Glück, bietet mir jemand die Stirn und es entwickelt sich ein Disput. <br>Nichtsdestotrotz muss ich mich mehr am inneren Riemen reißen, mehr moderieren und nicht den Unterhalter spielen. <br>Ein wenig mehr Rücksicht auf meine Gesprächspartner würde mir gut zu Gesicht stehen. </p>



<p>Vielleicht lerne ich ja noch, bei meinen Meinungsäußerungen den Fragen der Zuhörer nicht immer vorzugreifen – denn auch das ist übergriffig – sondern erst mal auf die Fragen zu warten. Manchmal ist weniger doch mehr…</p>



<p>Lange Sätze &#8211; kurzer Text – knapper Sinn…</p>



<p>&#8230;ich entschuldige mich heute mal öffentlich bei allen Personen, denen ich über den Mund gefahren bin, denen ich ins Wort gefallen bin und die ich gar nicht erst zu Worte habe kommen lassen. <br>Ich gelobe keine Besserung, aber ich verspreche den Versuch, mich zu bessern.</p>



<p>Mit wortgewaltigem Gruß,</p>



<p>Euer kleinlauter Mausebär (a.k.a. Thorsten Dürholt)</p>
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		<title>Einer dieser Tage</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Thorsten Dürholt]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2020 08:43:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Erfahrungsberichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Coronatagebuch]]></category>
		<category><![CDATA[Mausebärs Philosophien]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrungen]]></category>
		<category><![CDATA[Guerilla-Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstreflektion]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine, kaum hilfreiche Selbstbetrachtung, lieblos hingeschmiert vom unmotiviertem Mausebär (a.k.a. Thorsten Dürholt).]]></description>
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<p>Eine kaum hilfreiche Selbstbetrachtung, lieblos hingeschmiert vom unmotiviertem Mausebär (a.k.a. Thorsten Dürholt)</p>



<p>[Gelesen und nur geringfügig redigiert von su, die heute auch einen dieser beschriebenen Tage hat &#8211; mit Halsweh und Erschöpfung]</p>



<p>Mal wieder ist es Freitag. Und es ist einer dieser Tage&#8230;<br>Ich weiß nicht, ob ihr es schon wusstet, aber manchmal habe ich diese Tage. <br>Also, ich meine jetzt nicht so in dem Sinne wie das holde Geschlecht. <br>Es sind diese doofen Tage, an denen man morgens schon merkt: „Das wird heute einer dieser Tage“ <br>Wenn ich morgens aufwache, auf Klo gehen muss und im Badezimmer wieder diesem komischen Mann begegne, der sein Fenster direkt an meinem Fenster hat und die Unverschämtheit besitzt, sein Badezimmer haargenau wie meines einzurichten, ist es schon zu spät. <br>Er schaut mich mit diesem lustlosen und müden Augen an. Ich schaue zurück und lasse mich von der Apathie anstecken. <br>Ab ins Wohnzimmer, meine tägliche Anbetung der Götter der Pharmazie durch ein Schluckopfer durchführen, grob mit Wasser nachspülen und ab zurück ins Bett. Möglichst ohne ein Gespräch aufgedrängt zu bekommen. <br>Dann wieder ins Bett kuscheln. Jetzt kommt der kritische Moment. Die Spannung steigt. <br>Und ja, ich mache den kritischen Fehler, ich schaue auf mein Handy-Display. <br>Damit ist die Entscheidung unwiderruflich &#8211; es wird einer dieser Tage. <br>Ich stelle fest, dass ich wieder mal schneller als mein Wecker war. Ich hätte noch eine Stunde voll sanftem Schlaf. Trotzdem mal die Mails checken. Dann die Messenger-Dienste, What‘s App, Threema und Telegram, alles wird gecheckt. Nachrichten mal eben beantworten und zack, plötzlich sitze ich vor meinem Rechner und haue in die Tasten. <br>Im Hinterkopf sortiere ich meine Termine für heute. Lust habe ich keine… <br>Aber es geht ja nicht nach dem Lust-Prinzip, das Leben ist kein „Ponyschlecken“. <br>Aber warum eigentlich nicht? <br>Darf ich mir mein Leben nicht so gestalten wie ich will?<br>Nein, ich habe heute Termine, Verpflichtungen und ähnliches. Ich könnte mich zwar krank melden, aber ich bin ja nicht krank. <br>Warum ist Unlust eigentlich keine anerkannte Krankheit? <br>Ich meine nicht die vorgeschobene Unlust, weil man eigentlich was ganz anderes machen möchte, sondern diese echte Unlust. <br>Wo ich mich den ganzen Tag zusammenreißen muss, um nicht unfair und verletzend zu meinen Mitmenschen zu werden. <br>Wo jede Tätigkeit mit der Option des Scheiterns beginnt. <br>Wo ich das geistige „Ach, Nö&#8230;“ im internem „Spar-Abo“ gleich fünfmal abonniert habe. <br>Tatsächlich habe ich an diesen Tagen auch immer die gleichen Sorgen und Ängste. <br>Ich mache den ganzen Mist, weil ich mich der Konfrontation nicht stellen will. Ich habe versprochen etwas zu tun und dann tue ich es auch.<br>Klar, wäre ein verschieben durchaus eine Möglichkeit, aber wer immer die Idee hat weiß nicht mit welchen infernalischen Mächten ich es in meinem Leben zu tun habe. Ich zitiere da mal die Comicfigur Werner von Brösel:“ Auweia, das gibt Mecker&#8230;“. <br>Ich möchte mich auch nicht auf meine Diagnosen zurückziehen. Ich habe keinen depressiven Schub, ich habe Unlust. Das hat doch jeder mal. <br>Eigentlich will ich jetzt auch gar nicht schreiben. <br>Gut, das Schreiben macht mir Spaß. Ich setze meine eigenen Regeln, habe freie Auswahl der Themen und kann über meine Unlust meckern. Ich kann auch selbst bestimmen wie viel ich heute schreibe und vor allem wann. <br>Moment, das Wann kann ich gar nicht bestimmen. Ich sitze ja schon dran. <br>Hatte ich nicht noch vor kurzer Zeit den Gedanken: “Na gut, dann mache ich das mal eben, dann ist fertig und ich kann mich wieder in meiner Grütze suhlen!“ <br>Fairerweise muss ich das zugeben. Selbst die Dinge die mir Spaß machen, sind mir an einem dieser Tage irgendwie lästig. <br>Und Aufmunterung ist keine Option. Ich hasse motivierende und aufmunternde Dinge, jedenfalls an diesen Tagen. <br>Mein innerer Zyniker verwandelt sich in einen Werwolf und zerreißt alles, was nur im Ansatz positiv oder motivierend ist. Blut spritzt, Knochen splittern. Ein Blutbad der guten Laune. Mein innerer Sadist jauchzt vor Freude. <br>Ja, an diesen Tagen könnte ich anderen Menschen mit Freude wehtun, wäre ich nicht so unmotiviert. <br>Mein innerer Narzisst will zwar bespaßt werden, wie ein römischer Imperator thront er auf einem Diwan in meinem Palast und lässt sich von den drei Grazien, Faulheit, Zynismus und Selbstsucht mit Weintrauben füttern. Mit eiskaltem Daumen entscheidet er, dass der Sadist ihn nicht bespaßt und die Wachen zerren in zurück in seinen Kerker. <br>Ja, an diesen Tagen gibt es keine Demokratie in meinem Kopf, da herrscht „spätrömische Dekadenz“. <br>Die Logik hängt noch schlaftrunken im Vomitorium ab (schlagt es nach, es lohnt sich) &#8211; ich meine das Legendäre nicht das „Areniale“(das ist jetzt eine neue Wortschöpfung, befürchte ich). </p>



<p>Und weil heute einer dieser Tage ist, wird mein Text heute kurz.<br> Habe ich eine Lösung für mein Problem? <br>Nein, habe ich nicht! <br>Heute gibt es keinen Ratschlag am Ende. <br>Die einzige Moral ist, das ich manchmal diese Tage habe. <br>Ich glaube, das hat nichts mit krank oder gesund zu tun. Wahrscheinlich kennt jeder dieses Phänomen. <br>Und vielleicht hat es auch was Gutes. <br>Vielleicht gönne ich mir heute auch einen dieser Tage. <br>Einfach mal in meiner inneren Unzufriedenheit rumsuhlen. <br>Wir alle kenne wahrscheinlich den tiefen See unserer Melancholie, aber es ist unsere Entscheidung, ob wir darin versinken, oder pfeifend auf unserem Rücken darauf herumzuschwimmen und uns die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Oder mit unsere Liebsten darauf eine Bootstour machen. Oder…</p>



<p>Ich schaue jetzt mal was ich aus „diesem“ Tag so machen lässt, und gebe zurück in die Redaktion.</p>



<p>Heute mal mit missmutigen, ja sogar pampigen Grüßen (aber doch viel Liebe),</p>



<p>Euer Mausebär (a.k.a Thorsten Dürholt)</p>
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