Zärtliche Cousinen und andere Hobbys -Teil 5

Die plötzlich auftauchende Vespa blieb nur wenige Zentimeter vor dem muskulösen Skinhead stehen.
Beide jungen Männer waren erschreckt zur Seite gesprungen. Marc-André starrte voller beleidigter Eitelkeit auf das Mädchen auf dem schwarz lackierten Roller. Der Skinhead betrachtete sie mit unverhohlenem Hass, aber als er sich der Rollerfahrerin wütend näherte, schien er das Mädchen plötzlich zu erkennen, denn er entspannte sich in resignierter Verachtung.
Teddy beobachtete, wie der Skinhead noch etwas Eindringliches zu Marc-André sagte und ihm dabei drohend seinen Finger auf seine Brust stupste, um sich dann umzudrehen und durch die selbe Tür zu verschwinden, aus der er erschienen war.
Wieder einmal bereute Teddy, dass er die Kunst des Lippenlesens nicht beherrschte. Marc-André wandte sich der Rollerfahrerin zu, die gerade ihren Helm vom Kopf nahm. Teddy musterte sie ausführlich.

Sie hatte lange athletische Beine, die in eine schwarze Lederhose gehüllt waren. Als Oberteil trug sie eines dieser enganliegenden schwarzen Tanktops aus geripptem Stoff, die die gesamten Schultern frei ließen. Scheinbar trug sie darunter eines dieser fast durchsichtigen Stoffteile, deren Bemalungen Tätowierungen vorgaukelten, denn der dem Laden zugewandte Oberarm war mit schwarzen Zeichnungen verziert, die sich über die Schulter fast bis zum Hals zogen.
Das Oberteil saß ansonsten fest über ihren kleinen Brüsten.
Ihre Haare waren von dem schwärzesten Schwarz, das Teddy je gesehen hatte. Auf der einen Seite fielen sie ihr bis zum Kinn ins Gesicht und zogen eine scharfe Kante zu ihrem ausrasierten Nacken, auf der anderen Seite trug sie das Haar noch kürzer, fast wie bei einem Jungenhaarschnitt.
Ein silberner Ring in ihrer süßen Stupsnase glitzerte leicht im Zwielicht der überdachten Hofeinfahrt.
Ihre Augen hatten etwas katzenhaft Mysteriöses, welches von der asiatischen Augenform noch betont wurde und sowohl ihr zarter, heller Teint, als auch ihre schmalen wohlgeformten Lippen, erweckten den Eindruck einer meisterhaft bemalten Porzellanpuppe. Als sie ihr Gesicht ein wenig drehte, bemerkte Teddy, dass ihre Unterlippe auf der Gesichtsseite, an der sie die Haare länger trug, eine Narbe aufwies, die ihn unweigerlich an einen Sprung in der perfekten Keramikarbeit erinnerte, die das ansonsten so perfekte Gesicht nur umso interessanter gestaltete.
Sie schien sich dessen bewusst zu sein, denn sie betonte die Narbe noch mit einem ebenfalls silbernen glänzenden kleinen Piercingring der ziemlich perfekt genau in der Kerbe saß.
auch ihr rechtes Ohr war mit mehreren Piercings durchstochen.

Teddy begann unwillkürlich, eine der auf dem Tisch liegenden Servietten zu nutzen, um das Mädchen mit seinem Kugelschreiber zu skizzieren.
Er beobachtete, wie sich das Mädchen mit Marc-André unterhielt. Aus der Körperhaltung schloss er, dass sich die Beiden nicht fremd waren. Offensichtlich versuchte er, ihr irgendwelche Vorschriften zu machen, die sie mit einem süßen Lachen bedachte. Sie wirkte wild und selbstbewusst und Teddy konnte die Augen nicht von ihr nehmen.
Es war ihm durchaus bewusst, dass es bei vielen jungen asiatischen Frauen schwer war, das wahre Alter zu schätzen und obwohl vieles an ihr auf einen vierzehn oder vielleicht fünfzehn Jahre alten Teenager schließen ließ, war sich Teddy sicher, dass sie doch schon einiges älter war.
Aufgrund der vielen Piercings schätzte er, das sie vielleicht noch knapp im Teenageralter war. Aber ein Mädchen wie sie würde wahrscheinlich noch im mittleren Alter wie ein minderjähriges Schulmädchen wirken.

Im Prinzip war Teddy das Alter sowieso egal, schlimmer war, das er es realistisch sah.
Diese Schönheit war mindestens drei Kategorien über seinem Niveau. Selbst seine unerreichbare Angebetete, samt ihrer Zwillingsschwester, spielten nicht in dieser Liga.
Teddy war ein wenig frustriert, aber beschloss, einfach den Augenblick zu genießen.

Er beobachtete, wie sie den geifernden Marc-André stehen ließ und in Richtung des Imbisses ging. Ihr Gang war elegant, irgendwas zwischen Raubkatze und Elfe, so dass Teddy unwillkürlich den Atem anhielt, während sein Herz einen beängstigend harten Beat spielte.
Er vergaß völlig, Marc-André zu beobachten, während er krampfhaft versuchte, das Mädchen nicht auf die selbe plumpe Art zu begaffen, wie Marc-André die Minirockträgerin in der Straßenbahn.

Das Windspiel klimperte, als sie den Imbiss betrat. Locker hielt sie ihren Helm in der Hand und einen kleinen schwarzen Rucksack über der Schulter. Sie verneigte sich leicht und grüßte den älteren Mann mit einer wohlklingenden Stimme.
„Ni hao.“
„Ni hao ma?“, entgegnete der alte Mann und der jüngere Mann winkte ihr fröhlich zu, während er gerade die Wokgerichte für die Bauarbeiter auf Tellern anrichtete.
Teddy war ein wenig enttäuscht, da die Schönheit sehr offensichtlich die Freundin des attraktiven asiatischen Rockers war. Trotzdem hörte er genussvoll ihrer schönen Stimme zu, während sie mit dem alten Mann sprach. Schnell war ihm klar, dass es sich sehr wahrscheinlich um einen chinesischen Dialekt handelte, obwohl er die genaue Herkunft nicht bestimmen konnte.

Bevor er die Situation einschätzen konnte, kam sie mit einem Teller in der Hand auf ihn zu.
Sie lächelte ihn entzückend an und sagte: „Ich möchte Dir deine Vorspeiseplatte servieren und mich entschuldigen, dass der Koch solange gebraucht hat. Ich hoffe, Du bist deswegen nicht verärgert.
Teddy konnte vor Aufregung nichts sagen, da es ihm den Atem verschlug, während sie das Essen vor ihn stellte und ein süßer schwerer Duft aus Jasmin, Lotus und Patschuli, gemischt zu einem äußerst anziehenden erotischen Geruch, ihn verzauberte.
Sie blickte über den Tisch und er bemerkte ihre exotischen Augen. Nicht nur, das ihre Augenfarbe viel zu hell für eine Asiatin war, sondern sehr offensichtlich hatte sie eine leichte Iris-Heterochromie, denn ihre türkis wirkende Augenfarbe tendierte in dem einem Auge eher zum grünen und in dem anderen zu einem höheren Blauanteil. Es war einer dieser mystischen Augenfarben, die in verschiedenen Lichtverhältnissen ihre Farbe zu wechseln schienen, und das, in Einheit mit diesem leichten Farbunterschied, ließ es nicht zu, dass Teddy seine Augen abwenden konnte.
Scheinbar war sie es gewohnt, dass ihre Augen auffielen, denn sie gestand ihm einen längeren Blick zu, ohne sich abzuwenden.

Als sie den Blick wieder löste, sah sie auf die bemalte Serviette, die vor Teddy lag.
Bin ich das?“, fragte sie neugierig.
Teddy nickte, immer noch sprachlos.
Du scheinst talentiert zu sein“, stellte sie mit einer nüchternen Sachlichkeit fest, die keinen Zweifel zuließ, dass sie das Gesagte auch genauso meinte.
Der ältere Mann rief etwas für Teddy nicht verständliches rüber.
Ah, mein Essen ist fertig“, sagte sie lächelnd.
Teddy schluckte leicht. Das Ganze kam zu seiner Schande zu einem Ende, ohne dass er ein Wort herausbekommen hatte.
Sie würde mit ihrem, wahrscheinlich vorbestellten, Essen auf ihrem Roller verschwinden und nur als süß-schwüler Traum in seinem weiteren Leben bleiben.

Stört es Dich, wenn ich hier bei Dir esse“, fragte sie zu Teddys Überraschung.
Teddy versuchte, seinen ganzen Mut zusammenzureißen und antwortete unter Aufwendung seiner ganzen Selbstbeherrschung: „Nicht im geringsten.
Sie lächelte ihn an und zeigte auf seine leere Eisteedose. „Willst Du noch einen?
Ähm, Gerne“ presste Teddy raus.
Ein wenig Flüssigkeit würde seiner Kehle jetzt bestimmt gut tun. Elegant schlenderte sie zum Tresen und kehrte mit einem Teller zurück, nicht ohne kurz am Kühlschrank halt zu machen, aus dem sie zwei Getränkedosen mitbrachte. Sie stellte eine davon vor Teddy.
Kurz grübelte Teddy und nahm sich eine Mini-Frühlingsrolle von seinem Teller um darauf nachdenklich herumzukauen. Obwohl er eigentlich mit anderen Dingen beschäftigt war, registrierte er, dass die kleine Köstlichkeit sehr wohlschmeckend war.

Teddy nahm seinen ganzen Mut zusammen.
Entschuldigung, aber mir fällt im Moment kein wirklich passender Vorwand ein und auch kein schlagfertiger Spruch, aber ich würde Dich gerne kennenlernen“.
Sie sah im direkt in die Augen.
Ich werde Dich davon nicht abhalten“, antwortete sie mit einem süß-frechen Lächeln auf ihrem schmalen Puppenmund.
Heißt das, ich darf Dich ein wenig ausfragen?
Genau das heißt es. Aber ich beantworte nur die Fragen, die ich beantworten möchte, denn ich mag es nicht, zu lügen.
Das ist doch ein Deal“, antwortete Teddy.
Und ich befrage Dich dann natürlich auch“, stellte sie fest.
Selbe Konditionen, aus den selben Gründen“ , erwiderte Teddy und verdiente sich damit das nächste Lächeln.
Ein Teil seiner Anspannung löste sich und während er die köstlichen Speisen auf seinem Teller genoss, gab er sich dem Gespräch hin.

Die Popmusik hier, was ist das?“, versuchte er das Eis zu brechen.
Chinesischer Pop“, antwortete sie lächelnd.
Ich dachte, die Partei mag so etwas nicht?“ fragte Teddy verwundert.
Das gilt für die Volksrepublik und nicht für das wahre China.
Teddy zählte eins und eins zusammen.
Also, genauer gesagt taiwanesischer Pop.
Sie lächelte und nickte.
Stammst Du auch aus Taiwan?
Nein, ich stamme aus dem Ruhrgebiet.
Teddy musste leicht lachen.
Sag mal, es ist schwer das zu schätzen, wie alt bist Du?
Eigentlich fragt man so etwas eine Dame nicht. Ich bin alt genug um einen Roller zufahren, aber nicht alt genug für ein Motorrad.
Das grenzt es ein“, stellte Teddy zufrieden fest.

Hmm, Du scheinst mich ja interessant zu finden, aber die drei wichtigsten Fragen stellst Du mir komischerweise nicht.
Und die wären?
Wie ich heiße, ob ich Dir meine Telefonnummer gebe und ob ich einen festen Freund habe?
Und, was wäre deine Antwort darauf?
Ich heiße Theresa, aber meine Freunde nennen mich Tessa, Ja und Nein.
Ich freue mich deine Bekanntschaft zu machen, Tessa
Und wie würdest Du diese Fragen beantworten?
Ich heiße Michael, aber meine Freunde nennen mich aus diversen Gründen Teddy. Meine Telefonnummer bekommst Zug um Zug, wenn ich Deine bekomme und ich habe so etwas wie einen festen Freund, allerdings keine feste Freundin
So etwas, wie einen festen Freund?“ , fragte Tessa erstaunt.
Ja, mein Cousin Sunny, bei dem ich meine Ferien verbringe, ist zeitgleich mein fester Freund und Buddy in allen Lebenslagen
Du hast es gut! Mein Cousin und auch meine Cousine, bei denen ich gezwungenermaßen meine Ferien verbringe, sind echt nicht mein Fall.
Das klingt ja tragisch.“
Geht, meine Eltern sind auf Familienbesuch und wollten mich nicht allein zuhause lassen. Daher haben sie mich zur Familie meiner Mutter in die Vorstadt verbannt. Weil die Schwester meines Vaters Probleme hat, wird es einige Zeit dauern, bis die Beiden wieder da sind.
Taiwan?“, fragte Teddy interessierter.
Nein, Thüringen.“.
Das erklärt, warum du nicht mitfahren wolltest.
Ja, das Programm hier vor Ort reicht mir vollkommen“, sagte Tessa mit einem Nicken in Richtung des gegenüberliegenden Ladens.
Machen die Dir Ärger?“, fragte Teddy entschlossen.
Eigentlich nicht, ich bin mit einem der Inhaber verwandt.
Ein Asiat als Teilhaber eines solchen Szeneladens?“, rutschte es Teddy völlig überrascht aus dem Mund.
Nein, ich bin nur eine halbe Frühlingsrolle“, lachte Tessa.
Die beiden Vögel, die eben draußen standen, sind beides Cousins von mir.
Teddy lächelte in sich hinein, denn plötzlich schien das Gespräch in mehr als nur einer Hinsicht sehr erfolgreich zu verlaufen.

Mehr erfahrt ihr im nächsten Teil, der bald an gewohnter Stelle erscheint..

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