Das Mausebären – Manifest
Was ist eigentlich ein Mausebär?
Ein Manifest (von lateinisch manifestus ‚handgreiflich gemacht‘, ‚offenbart‘) ist eine öffentliche Erklärung von Zielen und Absichten, oftmals politischer Natur. Der Begriff wird vielseitig verwendet, eine allgemein akzeptierte Definition existiert nicht. Manifeste sollen in der Regel eine breite Öffentlichkeit erreichen.
Quelle: Wikipedia [https://de.wikipedia.org/wiki/Manifest]
Nachdem ich gefragt wurde, warum ich in manchen Situationen als „Mausebär“ auftrete oder teilweise mich selbst (auch in der dritten Person), als „Der Mausebär“ bezeichne, ja sogar bei kreativen oder gestalterischen Aufgaben nahezu mit diesem Prädikat firmiere, ist es an der Zeit eine Erklärung, in Form eines Manifestes abzugeben, um die Mausebärigkeit meiner Selbst angemessen zu erklären.
Oder anders gesagt, ist es an der Zeit zu erklären, warum der Mausebär „der Mausebär“ ist und was dass bedeutet, also für die Menschen, die mit mir im Kontakt sind, aber auch für mich.
Es geht also darum, was ist der „Mausebär“, warum ist er es und was soll das für den Kontakt mit der Welt bedeuten.
Die Herkunft der Bezeichnung ist Geschichte, den am 28.März des Jahres 2020 erschien der Text „Speakers Corner: Wahrheit oder Pflicht“ auf der Website der Erfahrungsexperten am Niederrhein.
Dort unterschrieb ich zum ersten Mal mit „Mausebär“, ein Name, den mir der damals an der Seite und dem Projekt Erfahrungsexperten am Niederrhein mitschreibende Alex „Schmusehamster“ K. Gegeben hatte. Es war ein scherzhafter Kosename, der aus freundlicher Verbundenheit entstanden war, zu einer Zeit, als ich genau diese Form von distanzüberwindender Zuwendung brauchte, da mein Privatleben immer mehr in Trümmern vor mir lag, einfach Notwendig war, um wieder zu mir zu finden.
Damals hatte uns die gerade frische Pandemie (Korona) dazu gezwungen, unsere vorherigen gemeinsamen Arbeitstreffen, die auch eine Möglichkeit waren, aus meinem mich bedrückendem häuslichen Umfeld zu fliehen, genau dort wieder festgesetzt.
Unsere Kommunikation wurde digital, unser Kontakt darauf beschränkt und in solchen Zeiten sind solche kleinen Dinge, wie Spitznamen (oder Kosenamen) plötzlich so unendlich wichtig, um die Nähe zu schaffen, die sich sonst durch den direkten Kontakt ausdrückt.
Es brachte mich zum Lachen, zum Lächeln und setzte den Anfang einer neuen Identität, die ich aus den Trümmern meines Lebens aufbauen wollte.
Es ermöglichte mir, eine neue Unterschrift zu finden, um meinen Texten eine neue Perspektive zu geben. Ich konnte mich selber loslassen und gleichzeitig tiefer in mich selber gehen, mich beobachten und meine Ängste überwinden, denn im Gegensatz zu mir persönlich, darf der Mausebär Fehler machen, daneben liegen, unbequem und unangepasst sein.
Der Mausebär stand plötzlich für all die Dinge, die in mir waren und nach außen drängten. Die ganzen Ängste, Unsicherheiten, Fehler (der Mauseanteil, klein und piepsig – am liebsten immer verstecken) und diese Wut, der Drang mich zu befreien und für das einzustehen, was ich empfinde (der Bärenanteil, groß und brummelig – am liebsten immer direkt drauf zu) und ohne dass es geplant war, denn selbst diese Trennung der teile habe ich als Erklärung erst viel später für mich angenommen., war da dieses neue Ich.
Der Mausebär darf dass, der schreibt, was mich berührt und wurde zu meinem Sprachrohr.
Der zwei Jahre später mit dem ersten Eintrag „Mausebärenblog?!?“³ sein eigenes Medium, in Form eines eigenen Blogs bekam.
Ich hatte vorher schon viel veröffentlicht, aber nach diversen, auch zeitraubenden Projekten in unserer Online-Redaktion, war es an der Zeit, mich unabhängig zu machen und mich von der Notwendigkeit einer redaktionellen Bearbeitung und Absicherung zu lösen, noch heute findet man diese Erklärung der Unabhängigkeit in der Einleitung des Mausgebärblogs.
Doch schon vorher startetet Kategorien wie „Mausebärs Coronatagebuch“ und „Mausebärs Philosophien“ auf unserer Seite und sind auch heute dort noch zu finden.
Tägliches Schreiben wurde zum Ventil und der „Mausebär“, als Persona, der Katalysator, der es mir ermöglichte Gedanken zu formulieren, Texte zu schreiben, ja sogar (unter der liebevollen Mithilfe meiner Freunde) einen ganzen Roman zu verfassen (und zu veröffentlichen).
„Der Mausebär“ konnte soziale Medien, in die sich mein ängstliches Ich so nie rein getraut hätte.
Unter dem Namen habe ich mein ganzes Wesen neu definiert und eine neue Art zu kommunizieren gefunden, mir ein Sprachrohr geschaffen um mit der Welt, aber viel wichtiger, auch mit mir selber zu kommunizieren. Es hat sich seit dem viel verändert und der Mausebäranteil ist ein ständiger Begleiter geworden. Leute sprechen mich darauf an, fragen was dass soll, können damit umgehen oder nicht (es ist mir sogar erstmals im Leben egal) und die Kritik klebt nicht an mir, sondern wird zur Mausebärsache.
Macht es da leichter für mich?
Auf jeden Fall, denn es erlaubt mir Stellung zu beziehen und eine Rolle anzunehmen, deren Haltung klar definiert ist. Der Mausebär hat Ansichten, vertritt eine Meinung und darf das haben.
Ohne diese Möglichkeit hätte ich mich nicht engagieren können und weder in meine weiteren Rollen, als Geschäftsführer der EaN UG (haftungsbeschränkt), als Genesungsbegleiter, als Selbsthilfeaktivist, als Landessprecher und jetzt seit neuestem, als politische Person in einer Partei und im Stadtrat gefunden, noch hätte ich mich getraut, dass zu versuchen.
Der „Mausebär“ ist der Teil in mir, der mich heilt, therapiert und immer wieder aufrichtet.
Der Teil, den ich auch an andere Menschen weiter geben will.
„Der Mausebär“ ist etwas, was für viele Menschen befremdlich wirkt, auch wenn es ein Einzelstellungsmerkmal ist, etwas was halt nicht jeder hat.
Vielleicht stört es mein Vorankommen, also ernst genommen werden, Respekt und Achtung erhalten oder ähnliches, aber es hilft mir, persönlich weiter zu gehen und einen weg zu finden mit mir zu kommunizieren.
Vielleicht ist meine Mausebär-Identität eine Art Krücke, eine Notwendigkeit für einen Menschen, der sich nicht anders zu helfen weiß, vielleicht ist es vieles mehr.
Es hilft mir auf jeden Fall, ich selber zu sein und dass ist Inklusion in der reinsten Form.
Daher kann ich auch damit leben, wenn es manchmal verwirrend oder belustigend ist, denn nur dank dem Mausebären halte ich es aus, dass man mich nicht ernst nimmt (und auch nicht muss).
Egal wohin mein weg mich noch führt, wer mich dabei begleitet und was am Ende liegt, der Mausebär darf mein Begleiter sein, mein guter Geist, mein Totem, was übernimmt, wenn mein inneres ich sich ängstlich zusammen rollt.
Daher freue ich mich auf eine weitere Reise, als Mausebär, als Thorsten, als Herr Dürholt, als Sethomancer (mein Name in der Rollenspielszene), als dummes Arschloch und welche Namen die vielfältigen Rollen, die ich einnehme, eingenommen habe und einnehmen werde auch noch so bekommen werden. Letztendlich bleibe ich bei allem doch einfach nur ich und der Rest, der Rest ist Kommunikation…
…das Ganze Konglomerat meiner Identitäten, Rollen und Persönlichkeiten würde ja gerne unterschreiben, aber…
Thorsten M. Dürholt, Der Mausebär

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