Speaker´s Corner: Wahrheit oder Pflicht ?!?

Ein Kommentar von Thorsten Dürholt

Was ist los in den Zeiten von Corona ?

Seit einigen Tagen finde ich mich in einem Wechselbad der Gefühle wieder. Ich pendele zwischen Wut, Sorge, Angst, Enttäuschung und auch Resignation. „Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht…“, schrieb Heinrich Heine 1844 in seinem Gedicht „Nachtgedanken“. Für mich wird es immer mehr zur Realität, denn kreisende Gedanken lassen mich nicht einschlafen und komische Bilder schleichen sich in meine Träume. Was ist Schuld daran, habe ich Angst vor Corona ? Nein, definitiv nicht, was mich mitnimmt sind, die Begleiterscheinungen, quasi die Nebenwirkungen…

Die Hölle, das sind die Anderen“

„Die Hölle, das sind die Anderen“ schrieb Jean-Paul Satré in seinem 1944 erschienenen Theaterstück „Geschlossene Gesellschaft“. Nie ging mir dieses Zitat näher als in diesen Zeiten. Mein Umfeld ergötzt sich in Extremen. Während die einen lustige Bilder über Klopapier-Hamsterkäufe posten und über die Hysterie und Angst ihrer Mitmenschen, machen sich die Anderen zu Moralaposteln, Katastrophenversteher oder einfach Angsthasen. Es gibt keine einfache Meinung mehr, sondern das Thema “ Corona“ wird zum Politikum oder sogar zum Glaubenssatz.

Was weiß ich über Corona ?

Es ist ein Virus der wohl die Atemwege befällt. Zu den Symptomen gehören laufende Nase, Halsschmerzen, Husten, Fieber und in schweren Fällen Atembeschwerden bis zur Lungenentzündung.
Während ich diesen Text schreibe (25.03.), sind in Deutschland angeblich 33.952 Menschen infiziert und auf 3.299 geheilte Patienten kommen 171 Todesfälle. Das bedeutet für 4,9% der Deutschen verlief die Krankheit tödlich (eine ungenaue Zahl). Weltweit gibt es 428.405 erkrankte und auf 109.926 genesene Fälle gibt es 19.120 Verstorbene. Dieses entspricht einer internationalen Quote von 14,1%. Klar gibt es riesige Dunkelziffern von Leuten, die den Virus bereits durch gestanden haben, ohne gemeldet worden zu sein. Das liegt wohl auch an dem teilweise sehr leichtem Verlauf, der einer Erkältung oder Grippe ähnelt, und das verfälscht die Zahlen.
Aber ich arbeite nur mit den Zahlen die ich habe.
Zuerst trat der Virus wohl in der chinesischen Region Wuhan auf und in Europa wütet es am stärksten in Italien (ich verzichte jetzt mal auf fast alle Zahlen und erwähne nur eine Sterblichkeitsrate von 45%). Laut Gerüchten ist die Krankheit für Kinder am ungefährlichsten und für Ältere Menschen oder Leute mit Erkrankungen der Atemwege am gefährlichsten. Angeblich werden Männer heftiger krank als Frauen und die Infektion erfolgt über Tröpfcheninfektion, wobei Infizierte auch in der Inkubationszeit von 3-14 Tagen selber andere infizieren können. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine einmalige Infektion vor weiteren Infektionen mit diesem speziellem Erreger schützt (obwohl man trotzdem in der Zeit die der Körper, braucht eine neue Erkrankung zu verhindern selbst Überträger sein kann).

Warum das Kontaktverbot ?

Scheinbar ist der Virus sehr ansteckend. Jetzt wäre eine Durchseuchung der Gesellschaft natürlich vorteilhaft, um einen Herdenschutz aufzubauen und möglichst viele an diese neue Art der Viren zu gewöhnen um eine Grundimmunität wie z.B. bei der Grippe herzustellen. Dieses käme der Gesellschaft bei kommenden Stämmen dieser Virusart zu Gute.
Was hält uns also davon ab?
Zum einem haben wir keine Impfstoffe um die Risikogruppen zu schützen. Diese Menschen mit dem Problem allein dastehen zu lassen, wäre durchaus zynisch und für unsere Gesellschaft unangebracht.
Ein wesentlich heikleres Problem ist die Überlastung des Gesundheitssystems. Wir sind einfach auf eine Pandemie (noch) nicht eingerichtet. Daher ist ein Kontaktverbot eine Möglichkeit, die Neuinfektionen möglichst klein zu halten und damit die gute Versorgung eines jeden Patienten zu sichern.
Solange die Zahl der Patienten überschaubar bleibt, bleibt es bei einer Sterbequote von unter 5%; statt einer Quote von 45% wie in Italien. Mir Persönlich ist eine Chance von 95% zu Überleben durchaus lieber als ein 50/50 Verhältnis.
Um die Zahl überschaubar zu halten geht es jetzt darum, die Verbreitung des Virus so gut wie möglich einzudämmen. Es geht dabei nicht um die Sicherheit des Einzelnen (für den die Infektion vielleicht überhaupt nicht schlimm verläuft), sondern um die Allgemeinheit.
Nicht zu vergessen ist auch, dass jeder Platz im Krankenhaus der mit Coronapatienten belegt, ist nicht für andere Notfälle zur Verfügung steht (und die Verschwinden nicht einfach in der Zeit von Corona).
Leider ist das manchen Leuten nicht ganz klar, oder sie denken halt nicht an die Konsequenzen für die Gesellschaft oder für ihre Mitmenschen. Schon Immanuel Kant sagte „Der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen“, aber leider benutzen viele diese Begabung nicht. Die Konsequenz ist das staatlich angeordnete Kontaktverbot.

Aber was regt mich jetzt so auf ?

Meine Gefühle basieren auf drei Problemen…

Erstens stört mich das Verhalten und die Unvernunft meiner Mitmenschen. Hysterie und Panik sind genauso schlechte Ratgeber wie Ignoranz und Zynismus. Menschen machen irrationale Dummheiten, wie z.B. Hamsterkäufe und das Bunkern von (teilweise sinnlosen) Gegenständen ohne dass ein Grund dafür besteht und zwingen somit die Läden zu schwierigen Entscheidungen (Nur ein Paket Klopapier pro Person). Und zusätzlich ihre Mitmenschen dazu, auch an den hysterischen Einkäufen teilzunehmen.
Wer früher einmal in der Woche seinen Einkauf macht, bekommt jetzt nicht mehr die Produkte die er will oder braucht und wird von den Hamsterkauf-Gegnern abfällig angeschaut.
Kein schönes Einkaufen mehr.
Online-Dienste sind überlastet, was die Menschen behindert, die echt darauf angewiesen sind. Der Egoismus des Einzelnen macht die Krisensituation erst zur Krise. Das Klopapier fehlt nicht, sondern gammelt in privaten Kellern.

Zweitens stört mich der Zwang der Regierung. Ich halte das Kontaktverbot für notwendig, aber lieber wäre es mir, wenn die Bundesbürger das selber aufrechterhalten würden.
Wir alle haben mit unserem Verhalten die Regierung gezwungen, ein Werkzeug zu nutzen und nun ist es aus dem Baumarkt der Pandora gekommen um im Werkzeugkoffer der Landesregierungen zu bleiben. Es kann und wird, jetzt und in Zukunft, benutzt und vielleicht irgendwann auch missbraucht werden.
Jede unpopuläre Entscheidung wird irgendwann zur Gewohnheit.

Drittens habe ich ein Problem mit Information und Desinformation. Die Presse berichtet ausschließlich über das eine Thema, und das weder informativ noch objektiv. Verschwörungstheorien schießen wie Pilze aus dem Boden und der öffentliche Umgang mit Informationen befeuert diese Auswüchse auch noch. Ich freue mich mittlerweile über jedes Gespräch, das sich nicht um Corona oder die Folgen dreht.

Was wünsche ich mir?

Macht doch bitte etwas Gutes aus der Krise. Nutzt das körperliche Kontaktverbot um neue Formen des Kontakts zu erproben und zu entdecken. Verhaltet euch fair und vielleicht sogar freundlich zu euren Mitmenschen und habt Geduld.
Wir haben gerade die Chance zur Entschleunigung, nutzen wir das und bringen nicht neuen Horror in Umlauf.
Ich will mich einfach nicht mehr über die Situation aufregen oder ärgern und vor allem nicht dran verzweifeln, sondern etwas Gutes daraus machen, um dem Chaos einen Sinn zu geben.
Ich freue mich über jeden Menschen, der mir dabei hilft und sich aus der eigenen Befangenheit löst, um aus der Krise etwas Sinnvolles zu machen.
Überlegt nicht, wer etwas von der Krise hat, sondern sorgt selber dafür, dass Ihr etwas etwas positives daraus mitnehmt.

In dem Sinne, seid Mensch, nutzt eure Begabungen und bleibt mir gewogen,

Euer

Mausebär (a.k.a Thorsten Dürholt)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben