Die innere Welt des Mausebären

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Der Mausebär erklärt

Nach dem proktopsychologischem Ansatz von Thorsten Dürholt (dem Mausebären), versuche ich kurz zu erklären, wie der Mausebär funktioniert

Kopf, Bauch und Herz

Die innere Welt des Mausebären funktioniert dank dreien Instanzen, die Sigmund Freud in seinem Seelenmodell beschrieben hat. Da wären die drei Instanzen Das Es, Das Ich und das Über-Ich, wobei bei Freud Das Es die Triebe und Bedürfnisse manifestiert, während Das Über-Ich die Moral und Wertvorstellungen darstellt. Beide stehen in einem ständigem Konflikt, dem durch die dritte Instanz,Das Ich, begegnet wird in dem Versuch, diesen Aufzulösen. Soweit einfach und kurz erläutert…
Ich persönlich verorte diese drei Instanzen in mir direkt und körperlich, als Kopf (oder Hirn), Bauch und Herz.
Wobei der Bauch (also das sogenannte Bauchgefühl) für mich Bedürfnisse und Triebe, allerdings auch Instinkte und Intuition ausmacht und somit Das Es repräsentiert. Es sind die unbewussten Bedürfnisse, Gedanken und Entscheidungen, die aus dem inneren Erleben ungefiltert in mein Bewusstsein strömen und mit Handlungsaufforderungen versehen sind. Sowohl die Erfüllung der Grundbedürfnisse und der Begierden, als auch das Alarmsystem meines Körpers funktionieren über diese Instanz.
Das Herz hingegen verkörpert für mich die höheren Emotionen und Bedürfnisse, die aus meinen Erfahrungen, angelerntem Verhalten, meinem Glaubenssätzen und ähnlichem erwachsen. Hier befindet sich der Ursprung des möglichen Perspektivwechels, meines inneren Glaubens an Richtig und Falsch und die Instanz, die aufgrund meiner inneren Wertvorstellungen Bedürfnisse, besonders im sozialem Feld einfordert.
Den Kopf sehe ich hingegen als den Sitz der Logik auf der einen Seite (der logischen Hirnhälfte), als auch als Wohnung meines kreativen Geistes, meiner Vorstellungskraft und ähnlichem (die kreative Hirnhälfte). Diese Instanz prüft die Bedürfnisse der anderen beiden Instanzen anhand des vorhandenen Archives an Wissen und Erfahrungen und generiert Möglichkeiten, den Bedürfnissen gerecht zu werden.
Im Gegensatz zu Freud sehe ich allerdings Das Ich nicht nur als reine Vermittlungsinstanz, sondern sehe sowohl in rationalität, als auch in Kreativität eine ganz eigene Bedürfniswelt, die ich weder im Es oder im Über-Ich beheimatet sehe.
Das heißt, auch der Kopf hat eigene Impulse und Anregungen, die in den Gesamtkomplex der Persönlichkeit des Mausebären einfließen.
Somit manifestiert sich die innere Persönlichkeit des Mausebären durch ein, nicht immer reibungsloses Zusammenspiel der drei Instanzen Kopf, Bauch und Herz.

Stimmen im Mausebären

Jede der drei Instanzen besteht nicht nur aus einer Stimme (das wäre ja viel zu einfach), sondern aus einer Sammlung verschiedener Perspektiven und Akteuren.
Das Innere Team, wie es zum Beispiel Friedemann Schulz von Thun definiert, verordne ich im Bereich des Herzens, wo die Diskussionen über die Rechtmäßigkeit meines Handelns, mein innerer Glaube und solche Dinge diskutiert werden, um jene Teile der Persönlichkeit einzubringen, die ich erlernt habe, die mir beigebracht wurden, die ich am Modell erfahren habe. es sind die Stimmen meiner Rollenmodelle, die aber auch die von mir erlebten Ansprüche an meine jeweiligen sozialen Rollen definieren. Mein Verhalten und meine inneren Zwänge werden hier verhandelt und letztendlich durch eine Reihe von Archetypen vertreten.
Dies können Teile meinen Glaubens sein, in Form von Legenden und Göttern, meine philosophischen Betrachtungen in form von weisen Meistern, erlernte Glaubenssätze von wichtigen Menschen in meinem Leben, den sogenannten Mentoren, aber auch die kritischen Stimmen der Gesellschaft wie ich sie erlebt habe (in Form von inneren Kritikern) und festgefahrene Lehrsätze, die ich schlecht loswerde, die von den ewigen alten Lehrern eingeprügelt werden.
Auch sehe ich den erworbenen Teil meiner Psychodivergenz, als Teil meines inneren Teams, gerade als Folge dessen, den falschen Lehrsätzen zu folgen und aus sozialem Druck heraus (den Willen zu genügen und „richtig“ zu sein).
Meine Sammlung an Instinkten und Bedürfnissen nenne ich liebevoll meine Monsterkommune, denn hier sitzen meine inneren Monster, die gerne zum spielen kommen würden und mir stetig ins Ohr flüstern (auch zum Guten – „Teufel“ und „Engel“). Diese Stimmen in mir erwachsen nicht aus realen Personen als Vorbild, sondern manifestieren sich als innere Kreaturen aus meiner Fantasie, so etwas wie der innere Schweinehund, zum Beispiel.
hier sehe ich auch die Basis meiner Neurodivergenz (also der Stimmen meines ADHS und Autismus – die auch Bedürfnisse äußern), als auch meiner angeborenen Psychodivergenz, wie zum Beispiel meiner Persönlichkeitsstörung (also mein innerer Narzisst ist da vorne mit dabei).
Die Triebhaftigkeit dieser Instanz ist natürlich häufig im Konflikt mit den eher bedachten Personen aus meinem inneren Team, die versuchen die Monster in artgerechter Haltung unter Kontrolle zu bringen (die Biester haben aber auch einen harten Fluchtinstinkt).

Währenddessen hat mein Verstand, im Kopf ansässig, bereits fünf Persönlichkeitsmodelle sogar ein paar mehr, aber die sind zu situativ) entwickelt, die bereits einige Verhandlungen in sich abgeschlossen habe, so dass ich mir diese Perönlichkeiten überstreifen kann, und so nicht wieder alles neu verhandeln muss. Quasi eine funktionale, oder teil-funktionale Sammlung an Abmachungen und Kompromissen, die dann funktionieren, wenn ich gerade nicht verhandeln kann oder will. Leider schlüpfe ich, unter Stress, automatisch in eines dieser Modelle und wähle manchmal nicht optimal. mein Kopf verwaltet diese Modelle, die weniger Stimmen, als mehr Rollen sind, die in meinem mentalem Kleiderschrank hängen.

Der Zusammenhang

Alle drei Instanzen formen den Mausebären, so wie er im inneren ist. Natürlich nicht als feste Masse, sondern fluide, situationsorientiert im ständigem Zweifel. Es gehört dazu, meine eigene Person zu definieren, sowohl meine inneren rollen, meine wilden Monster, aber auch mein inneres Team zu erkennen und als Teil eines gesamten Komplexes zu verstehen, der den Mausebären im Inneren ausmacht.
diese wilde Mischung zu verstehen ist schon (nahezu) unmöglich, doch um sie nach außen zu kommunizieren, sind wiederum weitere Grenzen gesetzt.
denn das Bild des Mausebären nach außen ist ja gefiltert durch die Kommunikation. Sowohl in der Sendung, wer bin ich, als auch im Empfang dessen, was der Andere wissen will oder zu erkennen meint, ist immer eine gewisse Störung, die Paul Watzlawick und Schulz von Thun gut erkannt haben, zum Beispiel im Kommunikationsmodell, unterworfen. Ich werde das hier nicht genau erklären, kann man gut nachlesen.
Kommunikation ist halt nicht perfekt.
Und Teile der Kommunikation umgehen auch das Kommunikationszentrum und dringen ungefiltert als Feedback zu den Monstern oder dem inneren Team vor, wo sie meist herbes Chaos auslösen.
so entsteht eine bestimmte Spannung zwischen dem Innern und dem äußeren Bild des Mausebären, welche spürbar, aber schwer erklärbar ist…

Fazit

Der Mausebär mag kompliziert sein, aber ich denke, dieses Modell kann auch für andere Menschen funktionieren und eine Hilfe sein, sein eigenes Inneres zu entdecken und zu „kartographieren“, so kann ein teil, einfach durch bewusstes Beschäftigung bereits „befriedet“ werden und ein achtsamer Umgang mit den eigenen Bedürfnissen angestrebt werden.

Autor

Thorsten Dürholt
Thorsten DürholtDer Mausebär
Thorsten Dürholt schreibt gerne unter dem Pseudonym Mausebär und engagiert sich in die Genesungsbegleitung, die Betroffenenbeteiligung aber auch in die politische Arbeit.
Er nimmt sich selbst häufig nicht wirklich ernst, aber seine Gegner sollten ihn ernst nehmen. Denn dieser Mensch hat eine Meinung

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