Fastenzeit – Tag 16

Gedanklich gibt es kaum was Neues beim Mausebären – oder vielleicht doch?
Hallo liebe Mausebärfreunde,
Darüber nachzudenken, worüber man nachdenkt, ist in gewisser weise, wie zwischen zwei Spiegel treten. Ein sinnloser Trip in die Unendlichkeit. Zu einem Punkt zu kommen ist dabei nahezu unmöglich – jedenfalls für einen Mausebären.
Daher habe ich mich heute, während des Trainings, ein Stück mentaler Zurückgezogenheit gegönnt, um meine Gedanken einfach mal so zu beobachten und mir viel auf, in welcher Denkfalle ich schon wieder sitze.
Gestern habe ich einen neuen menschen kennen gelernt und schon wieder denke ich darüber nach, wie ich auf ihn wirken könnte, wie ich im Vergleich abschneide und mit was ich seine Bewunderung verdienen kann.
Tatsächlich sieht da meine innere Bilanz nicht so gut aus, aber dass liegt auch an meiner negativen Einstellung zu mir selber.
Tatsächlich ist diese Einstellung aber nicht der Hauptpunkt (obwohl es dazu gehört), sondern ich frage mich, was zwischen Mittags und Abends passiert ist. Um das zu erklären, gestern Mittag, nach dem ich beim Zahnarzt war, bin ich ein Stück im Wald spazieren gegangen, so ganz allein, mit mir selbst. Eine schöne gemütliche Runde, etwas eine Stunde lang.
Dabei fiel mir auf, wie sehr meine Neigung, andere Menschen beeindrucken zu wollen, mir selbst auf den Zeiger geht.
Wenn ich dazu überlege, wie sehr es mir bei anderen Menschen auf den Zeiger geht, wenn sie dauernd bei jedem Thema eine eigene Expertise einbringen wollen (ob sie die haben oder nicht) und damit andere Menschen unterschwellig kleinreden oder das berühmte Rampenlicht stehlen, dann wird mir klar, wie unangenehm ich häufig auf andere Menschen wirken muss.
Aus dem Gedanken kam in mir die Frage, wen ich überhaupt beeindrucken muss. Unter rationalen Gesichtspunkten viel die Liste doch dann sehr kurz aus. Verblieben sind nur drei Punkte, nämlich Menschen, deren Anerkennung ich möchte, weil sie mir für meine Erfahrung und mein Wissen einen materiellen Wert geben, Menschen, die ich überzeugen möchte, dass sie ein Teil meines Netzwerkes werden wollen (was schon fast in Punkt 1 mit reinspielt – aber halt nur fast) und Menschen, deren Zuneigung (romantisch, erotisch oder so) erringen will.
Tatsächlich viel mir auf, dass die Anerkennung für Freundschaften nur mäßig sinnvoll ist, denn wahre Freunde (die, die man haben will), wissen selber, was sie an einem haben (und das kann man auch nicht erzwingen oder provozieren).
Tatsächlich denke ich, dass alle die Menschen, die ich zu meinen Freunden zähle, sich weder groß interessieren, was ich kann, noch was ich habe (außer dem üblichen höflichen Interesse oder im Bereich des Netzwerks, also wenn sie Unterstützung brauchen).
Ich weiß nicht, was die wenigen Menschen, die ich tatsächlich als Freunde bezeichne, an mir so freundeswert halten, muss es aber auch nicht wissen. Ich muss nur wissen, ob die Freundschaft mir gut bekommt, dann lohnt es sich, diese aufrecht zu erhalten.
Tatsächlich ist es doch relativ sinnbefreit, dauernd darüber nachzudenken und immer wieder um Freundschaft zu buhlen, statt die Zeit sinnstiftend zu verbringen und zwar dem Freund zugewandt.
Letztendlich ist es auch nicht gut, wenn ich menschen mit meinen Fähigkeiten überzeugen will, weil da kann ich zwar sehr überzeugend sein, ist aber auch eine Menge heißer Luft hinter. Zumindest empfinde ich das so, da ich meinen eigenen Ansprüchen selten genüge.
Leute von etwas zu überzeugen endet nur in zwei Varianten – Leistung oder Betrug…
Und da ich mich auch mein Leistung erbringen dann doch immer wieder wie ein Betrüger fühle, sollte ich wohl doch eher kleine Brötchen backen, um dann mit Taten zu überzeugen. denn zufriedene Kunden sind die beste Werbung.
Schlussendlich blieb mir nur der Gedanke (da ich auch keine amourösen Abenteuer suche), dass ich letztendlich nur mich selber mit Anerkennung versehen muss. Achtsam betrachten, was ich selber an mir gut finde und das in mein inneres Buch schreiben und nicht in Leuchtschrift auf meine Stirn. Wahrscheinlich finden andere Menschen es sowieso interessanter so etwas selber zu entdecken, statt brachialer Eigenwerbung ausgesetzt zu sein.
Wie gesagt, merkte ich dann gestern, dass ich nach all den klugen Ideen, doch wieder in alte Verhaltensmuster verfalle, die ich zwar ein wenig einbremsen konnte, dennoch nicht genug, um nicht heute mit mir ins Gericht zu gehen.
Letztendlich bleibt aber, dass ich es bemerkt habe, versucht habe die Kurve zu bekommen und es heute auch reflektiere, dass ist schon einmal ein guter Anfang, darauf kann man ja aufbauen…
Bis dann, dann,
Euer Mausebär
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