Dick-Pics sind systemrelevant

Ein vom Schmusehamster angeregter Aufruf vom Mausebär.

Gerade hat es mich aus dem Bett geschmissen.
Erst war es die engagierte (sprich laute) Arbeit des Schornsteinfegers. Der Schornstein ist direkt neben meinem Schlafzimmer.
Kurz entschlossen wechselte ich meine Schlafstätte auf das Sofa.
Auch da fand ich keine Ruhe. Erst wurde ich durch meine Mitbewohnerschaft „informiert“, dann von meinem heißgeliebtem Schmusehamster aus den Träumen gerissen.
Den Rest gab mir das Gebimmel meines Handys, das mich zur Teilnahme an diversen sozialen Medien aufforderte.

Also ab an den Schreibtisch.

Während ich hier schreibe, sitze ich zeitgleich in der Redaktion. In Wahrheit sitze ich natürlich in meinem Homeoffice.
Google Duo mischt unser jeweiliges Homeoffice zu einem großen Redaktionstisch.
Meine Frage an den Schmusehamster, „Was wollte ich den heute schreiben?“, wurde ganz schlagfertig mit dem Titel „Dick-Pics sind systemrelevant“ beantwortet.
Kurzes Stoppen.
Dann eine Diskussion.
Würde das kurzzeitig entschuldigt abwesende Alphatier es erlauben?
Oder können wir als Team den „demokratischen Aufstand proben“?

Meine Gedanken kreisten um die Frage, ob Dick-Pics systemrelevant sind.
Tatsächlich kam sofort ein Medienbeitrag in meinen Kopf.
Das geniale Comedy- und Musikduo „Suchtpotential“ (absolute Empfehlung), spielte gestern, live auf Youtube, ihr zweites „Wunschkonzert“.
Mehrfach war dort der Einwand der beiden zu hören, sie wären jetzt einkommenslos, da sie ja nicht systemrelevant wären.
Trotzdem wurden ich (und hunderte andere Menschen) gestern, mehr als zwei Stunden mit Musik unterhalten.
Und das nicht zum ersten Mal, denn es war das zweite Online-Konzert der Beiden.
Ich bleibe mit Fragen zurück.
Was ist eigentlich systemrelevant?
Wer entscheidet, was Teil des Systems und was unrelevant ist?

Was ist für mich relevant?

Ich kann nur für mich sprechen, denn ich kenne nur das „System Mausebär“ hinreichend genug, um die Relevanz zu beurteilen.
Ja, auch ich habe ein System – Ich bin ein System.
Und gerade in Zeiten der Krise stelle ich fest, was für mich wichtig (somit relevant) ist.
Natürlich gibt es dutzende Sachen, die ich rein materiell brauche, wie die Versorgung mit Lebensmitteln und allen anderen Verbrauchsgütern, meine Kommunikationsausstattung, die Entsorgung meines Abfalls und dergleichen.
Eindeutig systemrelevant.
Auch medizinische Versorgung würde ich gerne weiterhin in Anspruch nehmen.
Also – Pflege ist eindeutig systemrelevant.
Jetzt geht es aber auch persönlich weiter, denn auch soziale Kontakte sind systemrelevant. Jedenfalls für mein System.
Und auch Unterhaltung.
So banal wie das klingt, aber in den Zeiten der Krise bedeutet die Unterhaltungsindustrie viel für mich.
Nicht nur die Gewissheit, dass trotz der Krise sich die Welt weiterdreht. Ein Stück weg von der Angst.

Mein System braucht Input!
Ideen und Gedanken sind für mich ebenso Nahrung, wie das tägliche Brot.
Ich brauche das tägliche Treffen mit anderen Geistern, damit mein eigener Geist nicht verhungert. Und die Medien sind Fast-Food für meinen Verstand.
Ich bin ein Junkie, ich liebe Fast-Food, real und auch geistig. Ohne diese Sünden gehe ich ein, wie eine Grünpflanze in meiner Wohnung (ich habe den braunen Daumen des Todes).
Also, für mein System ist Kultur (wie die Arbeit des besagten Comedyduos) eindeutig systemrelevant.
Kann es dann nicht sein, dass für jemanden da draußen das versenden von Genitalbildern (oder der Konsum davon) systemrelevant ist?

Das Fazit meines Gedankens

Mein Fazit ist, dass ich den Begriff „Systemrelevanz“ nicht mag.
Es ist ohne eine Definition des entsprechenden Systems eine Floskel. Eine Worthülse, die mich fragend stehen lässt…
Wer bestimmt, was Teil des Systems ist?
Und wer definiert, was relevant für das Bestehen des Systems ist?

Und die daraus folgende Predigt…

Ich wünsche mir, dass jeder mal selber für sich darüber nachdenkt – darüber nachdenkt, was für Ihn relevant ist und welche Teile für sein persönliches System wichtig sind.
Ich will nicht alle Worthülsen einfach so stehen lassen.
Große Worte sollen mich (und euch) nicht von der demokratischen Aufgabe abhalten, mit zu definieren, was für unser gemeinsames System relevant ist.
Ich möchte einen Beitrag leisten, damit aus unserer Demokratie keine Rhetorikratie (geile Wortschöpfung) zu machen.

Es fing an mit Penis und endet mit einer Predigt. Was ein Text…

Mit predigenden Grüßen,

Euer Mausebär

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