Internationaler Frauentag

Gedanken um den internationalen Frauentag, Feminismus, Gleichstellung und die Gesellschaft

Es ist mir ein Bedürfnis, heute ein paar Worte zu schreiben, zum Thema Gleichberechtigung, Gleichstellung, Feminismus (in welcher Form auch immer) und welche Gedanken mich heute am internationalen Frauentag bewegen.
Als Mann ist es natürlich eine gute Frage, was man(n) damit zu tun hat.
Ist es nur ein politisches Ansinnen, wenn ich wie gestern geschehen, auf der Straße mit den Parteigenossinnen und Genossen zusammen Blumen verteile, um auf den Tag aufmerksam zu machen?

Heute habe ich mich dass einfach mal selber gefragt und mich auch hinterfragt. Und weil wir bei den Erfahrungsexperten am Niederrhein ja sowieso für Gleichberechtigung (aller Menschen) eintreten, denke ich, dass meine Meinung hier auch durchaus einen Platz hat und haben darf.

Starke Frauen haben mich mein Leben lang begleitet, denn ich bin als Kind einer Alleinerziehenden und voll berufstätigen Frau aufgewachsen. Dass Ende der 70er und in den 80er Jahren, wo sowas eher die Ausnahme, als die Regel war. Ich weiß, wie sehr meine Mutter kämpfen musste, um alles unter einen Hut zu bekommen und ich war auch nicht einfach, sondern eher ein Problemkind. Trotz aller Sorgen, wegen Arbeit, Alltag und halt dem Stress, denn ein Kind so macht, hat mich meine Mutter immer mit Liebe und Zuneigung behandelt. Ich wurde unterstützt, gefördert und hatte ein schönes zuhause.
Einer meiner wichtigen Miterzieher war meine Großmutter, eine Frau, die nach der Trennung von ihrem Mann ebenfalls Berufstätig war und ein Haus in Schuss gehalten hat, trotzdem Zeit fand aktiv zu sein, ihrer Leidenschaft der Kunst nachging und immer zeit hatte, mich zu fördern, aber auch zu fordern. Meine gesamte Liebe zur Kunst und Kultur wurde mir von dieser starken Frau vererbt, die mir viele Dinge beigebracht hat, die ich erst jetzt verstehe und immer noch dankbar bin, für den Schatz, den sie mir ins Herz gepflanzt hat.
In der Grundschule gehörten Mädchen zu meinen besten Freunden und ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, warum auch…
Und selbst als es anfing, dass die Hormone bei mir verrückt spielten, war es für mich immer noch klar, dass ein Junge auch mit Mädchen befreundet sein darf, kann und in meinem Fall auch will.

Ich habe eine Frau geheiratet, die nebenbei und für über 20 Jahre meine beste Kumpel, eine gleichberechtigte Partnerin, eine Vertrauensperson und ein Fels in der Brandung in meinen dunkelsten Zeiten war.
Ferner habe ich eine längere Zeit beim Kraftsport mit einer Trainingspartnerin trainiert und wir haben uns gegenseitig zu Höchstleistungen gepusht.
Und jetzt habe ich ein Unternehmen, gemeinsam mit einer Partnerin und stelle fest, dass diese Frau eine der ersten Geschäftspartner ist, mit der ich auf Augenhöhe agieren kann.

Ich habe einen typischen „Frauenberuf“ erlernt, als Erzieher und war in einer Klasse mit mehr als 25 Mitschülerinnen (und nur vier Kerlen) und habe festgestellt, was viele Männer wahrscheinlich vergessen haben, nämlich dass es „die Frau“ gar nicht gibt, sondern dass Frauen genauso vielseitig sind, wie Männer auch.
All dieses macht mich so absolut immun gegen Feminismus, weil ich es nie gelernt habe, dass Frauen andere Menschen als Männer sein könnten. Darüber nachzudenken, dass es Männer gibt die das anders sehen, finde ich irgendwie befremdlich, weil ich doch weiß, dass es Unsinn ist.
Ich interessiere mich nicht dafür, ob ein Mensch, den ich cool finde oder bewundere Brüste hat oder nicht…

Es wird Zeit, dass sich die Gesellschaft endlich emanzipiert, dahingehend sich von der dummen Vorstellung zu lösen, dass Geschlecht oder geschlechtliche Identität irgendetwas über die Fähigkeiten, den Charakter oder die Persönlichkeit aussagt. Es ist etwas individuelles wie Hautfarbe, Augenfarbe oder Haarfarbe, eine biologische Eigenschaft, wie die Körpergröße oder das Alter und somit etwas, was uns nicht dazu verleiten sollte über die Fähigkeiten einer Person zu urteilen.
Und deshalb möchte ich als mein Fazit den Frauentag einfach als eine Erinnerung sehen, daran, dass wir Menschen sind, die gleiche Rechte, Chancen und Hoffnungen mehr als verdient haben.

Trotzdem darf ich immer noch Frauen die Tür aufhalten, nicht weil sie es brauchen, sondern weil ich ein Schleimer bin. Trotzdem werde ich weiter böse sexistische Witze machen und herb darüber lachen, wenn ich entsprechende Konter bekomme, von den vielen großartigen Frauen die ich kenne. Und was mich angeht, werde ich immer dafür stehen, dass Gleichberechtigung existiert, wenn wir endlich vergessen, dass es zählt wer wir sind, nicht welche Toilettentür wir durchschreiten.

Thorsten Dürholt
Der Mausebär

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