Meerschweinchen im Weltraum

Der Mausebär (td) versucht wieder, aus Hirngrütze Literatur zu stricken und schießt dafür Kleinnager in die unendlichen Weiten.

Einen, zugegeben, seltsamen Titel hat sich der Mausebär heute aus dem Gehirn gewrungen.
Hintergrund ist der, dass ich schon immer mal einen Text mit diesem obskuren Titel schreiben wollte.
Das ist jetzt natürlich absolut gelogen, sondern vielmehr überlegte ich, welche Art von Text ich heute schreiben wollte.
Plötzlich fäkalisierte mein innerer Witzbold genau jenen Titel, den die Welt über diesem Text bestaunen kann, in meine Synapsen. Innerlich drehte ich den Titel mehrfach um ungeahnte Grade, bevor ich entschied, die Herausforderung zu akzeptieren.
Heute zeige ich es dem inneren Witzbold und versuche, etwas vernünftiges aus „Meerschweinchen im Weltraum“ zu machen.

Ich durchforste kurz meine Assoziationskiste, und blicke auf Miss Piggy aus der Muppetshow, die ja oft in der Rubrik „Schweine im Weltall“ mitgespielt hat, aber da zuckt nichts in mir. Falsche Fährte…

Woher kommt die gedankliche Verknüpfung von Meerschweinchen und den endlosen Weiten des Weltalls?
Was machen die Viecher da oben?
Meine erste Assoziation sind Versuchstiere in gläsernen Käfigen, an Bord eines Forschungsschiffes.
Aber warum Meerschweinchen?

Meerschweinchen sind für mich die absolut perfekten Versuchstiere.
Der Grund dafür ist, dass Meerschweinchen zu den wenigen Säugetieren gehören, die ich nicht leiden kann.
Es gibt dafür sogar Gründe:

Als Kind war ich der unglückliche Besitzer von zwei Exemplaren dieser Tierart.
Im zarten Grundschulalter überredete mein Kinderpsychologe (ja, ich hatte so was luxuriöses) meine Mutter dazu, dass mir, um mein Verantwortungsgefühl und meine Empathie zu stärken, ein Haustier aufgedrängt werden sollte.
Im wahnhaften Rausch lieh sich meine Mutter deshalb das Meerschweinchen einer Kollegin aus, die zu dem Zeitpunkt sowieso eine Urlaubsvertretung für das Mistvieh suchte.
Plötzlich hatte ich so ein gluckerndes und quietschendes Fellbündel im Käfig in meinem Kinderzimmer stehen.
Ich versuchte, das Beste daraus zu machen, was meine Mutter als eine Art Hingabe ansah.

Bevor ich mich versah, war ich selbst im Besitz zweier stolzer Exemplare, weiblicher Art (um mich nicht mit dem Wunder des Lebens zu verwirren), aus der Zoohandlung.
Kurzentschlossen taufte meine Mutter sie mit peinlichen Namen und übergab die Tierchen in meine fürsorglichen Hände.
Und damit begann der Ärger.

Nicht nur, dass ich zweimal sehr wohl Anteil am Wunder des Lebens hatte, denn beide Viecher kamen schwanger zu mir. Kurz nach dem Kauf fand nicht nur eine wundersame Vermehrung statt, sondern es entbrannte ein regelrechter Krieg um die Versorgung der Pelztiere.
Und zwar nicht darum, wer durfte, sondern wer musste.
Nach dem Umzug ins Haus meiner Großmutter landeten die beiden Viecher in der Küche, wo sie bis zu ihrem Tode vor sich hin quietschten.

Meinen Freunden gegenüber waren die possierlichen Tierchen bereits in der Grundschule peinlich.
Ein Junge, schon fast ein Mann, mit Weiberhaustieren, lächerlich!
Ich hätte gerne eine Katze gehabt oder einen Hund. Sozusagen ein echtes Haustier und nicht eine hochfrequent quietschende Alarmanlage.

Auch das Streicheln wurde zeitig langweilig. Zum Spielen waren die Viecher nicht zu gebrauchen.
Nachdem sie die „Skeletor-“Figur aus meiner „Masters of the Universe“ Spielzeug-Kollektion angefressen hatten, war ich maximal sauer.
Auch meine selbstgebauten Legolabyrinthe durchquerten die dummen Fressmaschinen nicht ordnungsgemäß.
Man konnte sie bürsten und auf dem Arm halten und dann brummten sie entspannt. Wie eine fette, unförmige Barbiepuppe ohne Zubehör.
Keinerlei Unterhaltungswert.

Trotzdem wurden diese beiden Miststücke zum ständigen Streitthema bei uns im Hause. Es ging um die damit verbundene Arbeit, die ich ja zur „emotionalen Schulung“ machen sollte.
Ich lernte daraus eine wichtige Emotion, nämlich den Hass.
Und so wurden für mich Meerschweinchen zum Symbol für sinnlose Anstrengung, Langeweile und Peinlichkeit.
Schon fast ein Schimpfwort.

Kein Wunder, dass ich sie ins Weltall schießen würde. Die gesamte Gattung ist für mich entbehrlich.
Persönlich habe ich nichts gegen Meerschweinchenhalter, die meisten sind zwar etwas schräg, aber jedem seine Haustierfreuden.
In Südamerika werden die Tierchen übrigens geschlachtet und gegessen, so wie hier Kaninchen.
Das ist eine vernünftige Einstellung, denn als Snack oder Versuchstier kann auch diese, sonst sinnlose, Lebensform noch Bedeutung erhalten. Das jedenfalls meint mein innerer Hass.

Und schon habe ich wieder ein Detail aus meinem Leben enthüllt und bin in die Analyse gegangen, warum ich so denke.
Vielleicht eine gute Art, damit umzugehen, wenn einen seltsame Titel oder Bilder in den Kopf schießen.

Wer will, darf mir auch gerne mal einen Titelvorschlag zukommen lassen und ich versuche einen Text daraus zu machen. Einfach in die Kommentare stellen und ich probiere mich daran.

Der Mausebär verzieht sich jetzt in seine Wochenend-Höhle und wird sich mit fröhlichen Sachen beschäftigen. Montag komme ich gestärkt zurück und berichte Euch die neuesten Nachrichten aus der „Wunderbaren Welt des Mausebären“.

Fröhliches Wochenende wünscht der Mausebär (td)

Ein Kommentar

  • Meerschweinchen sind auch nicht meins.
    Aber kürzlich hörte ich Kindern beim spielen zu. Das war super schön.
    Völlig im Rollenspiel versunken waren die Kinder, sie gaben sich neue Namen und Rollen und sprachen: „Wir tun dann mal so als ob.“

    Antworten

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