Tankpause

Alle machen jetzt nochmal Pipi, bekommen ein Eis und dann geht’s ab ins Auto und weiter.

Zum ersten Mal schreibt der vor Vorfreude ganz kribbelige Mausebär (td) eine Antwort auf einen Kommentar, als Beitrag.

Gerade wollte ich ein paar Zeilen, als Antwort auf einen Kommentar von Gandalf, zu meinem letzten Beitrag schreiben. Aber meine Gedanken uferten dermaßen aus, dass ich diese Antwort als heutigen Beitrag verwende.
Auch, und gerade, weil der sehr ausführliche Kommentar mich sehr berührt hat.

Zum einen wurde endlich meine oft ausgesprochene Einladung zur Diskussion angenommen und zum anderen war es eine sehr ausführliche Kritik an meinem letztem Beitrag.
Den Beitrag findet man unter dem Titel „Textament wider traditioneller Feiertage“ und den entsprechenden Kommentar gleich darunter.
Beides werde ich, wenn überhaupt, nur auszugsweise zitieren und überlasse dem geschätzten Leser selbst die Arbeit der Recherche, denn es lohnt sich, Beides vollständig zu konsumieren. Daher will ich Niemanden dieser Freude durch schnödes Vorkauen berauben.

Eigentlich geht es bei der Kritik um die benötigten Ruhepausen.
Das wir Ruhepausen brauchen, wage ich nicht zu bestreiten, kenne ich das Problem doch selbst hinreichend genug.

Doch was sind Ruhepausen?

Gandalf, der Kommentator, malt das schöne Bild von Tankstellen an der Straße unseres Lebens.
Ein Bild, dem ich mich völlig anschließen kann.
Nur sollte man vier Faktoren bei diesem Bild nicht unterschätzen. Es gibt nämlich vier Variablen in diesem Gleichnis (nicht Gleichung).

Die erste Variable ist die Straße.

Obwohl Gandalf sehr eindeutig, in Bezug auf unsere schnelllebige Zeit, das Bild der Autobahn gewählt hat, so sehe ich doch verschiedene Möglichkeiten, seine Straße des Lebens zu definieren. Nicht jeder Mensch fährt Autobahn. Es gibt auch:

  • Landstraßen,
  • Schnellstraßen,
  • Umgehungsstraßen,
  • Forst- und Landwirtschaftliche Wege,
  • Privatstraßen,
  • Einbahnstraßen,
  • Wasserstraßen,
  • Sackgassen,
  • und vieles mehr…

Nicht immer können wir selbst bestimmen, auf welchem dieser Wege wir unterwegs sind.
Halten wir uns dabei nicht an die allgemeinen Verkehrsregeln, provozieren wir Stress und Konsequenzen.
Interessanterweise stelle ich beim Autofahren fest, dass eine gewisse Ignoranz gegenüber der Straßenverkehrsordnung immer mehr gebräuchlich wird und frage mich, ob dieses Phänomen ebenfalls auf das Bild der Straße, als Lebensweg, übertragbar ist.
Ich fürchte, leider ist die Antwort auf negative Weise positiv.

Die zweite Variable ist das Fahrzeug.

Ja, wir sind von Natur aus mit verschiedenen Modellen ausgestattet. Während das eine Auto problemlos im „High-End- Bereich performt“, hat der andere Fahrer das Problem, seine „Nuckelpinne“ verkehrstauglich zu halten.
Im Gegensatz zum wahren Leben können wir unser Auto nicht so einfach wechseln. Wir müssen mit unserem „Lebensmodell“ klar kommen.
Was wir allerdings können, ist unser Fahrzeug liebevoll pflegen, warten und „tunen“.
Wir können uns mit jahreszeitlichen Besonderheiten ausrüsten, ähnlich der Winterreifen beim realen Wagen und zusehen, dass Verschleißteile ausgewechselt werden, sowie Verbrauchsgüter, wie Öl und Benzin, aufgefüllt werden.
Wir können uns durch Training, Bildung und Erfahrungen verbessern und somit unser Fahrzeug tunen und, ganz wichtig, die persönliche Ausstattung, die wir uns angedeihen lassen, bestimmen.

Die dritte Variable ist der Sprit, den wir tanken.

Nicht jedes Auto läuft mit Benzin, sondern es gibt auch andere Kraftstoffe, die ein Fahrzeug bewegen können.
Viele unserer persönlichen Fahrzeuge haben sogar mehr als nur einen Tank. Somit können sie auf verschiedenen Kraftstoffen laufen, obwohl ich glaube, dass die meisten Menschen einen speziellen Kraftstoff bevorzugen.
Jeder dieser Kraftstoffe hat seine eigene Art und Dynamik und während der eine Mitmensch halt gerne „vollverbleiten Schlaf“ tankt, hat der andere lieber „Super-Unterhaltung“, oder seinen „Hobby-Diesel“.
Mittlerweile auch gerne gesehen sind „Gesellschafts-Gas“ und „Engagement-Strom“ .
Manche dieser Kraftstoffe sind gesellschaftlich besser gelitten, andere weniger – das ist eine Frage des Zeitgeistes und der Mode.
Wenn wir den falschen Kraftstoff tanken, kann das Ganze nichts werden, denn der Motor gibt den Geist auf und bedarf einer gründlichen Reparatur.

Die vierte und auch letzte Variable ist die Art der Tankstelle.

Je nach Marke und Betreiber gibt es bei der Wahl der „Tanke“ signifikante Unterschiede, sowohl im Angebot, als auch in der Preisgestaltung.
Während der eine Fahrer seiner „Lieblingskette“ treu bleibt, sucht der Nächste immer wieder nach „Schnäppchen“.
Manch einer ist Stammkunde bei „seiner Tanke“, ein anderer nimmt, was gerade da ist.
Auch andere Möglichkeiten der zusätzlichen Angebote variieren stark und manchmal suchen wir auch unsere Tankstelle danach aus, ob sie gute heiße Bockwürstchen im Programm hat.
Was ich damit sagen will ist, dass Tankstellen zwar an festen Orten stehen, aber dadurch keine Fixpunkte sind.
Je nach Tankverhalten und Verbrauch haben wir da extreme Auswahl.
Nur die Möglichkeit einer Tankstelle heißt noch lange nicht, dass ich diese auch anfahre, vorher kommt der Check des Tankanzeigers, ob ich sie benötige und die Einschätzung der Tankstelle, ob sie mein Produkt hat.
Die meisten Autofahren tanken nur im absoluten Notfall an einer x-beliebigen Tankstelle.

Ich könnte jetzt auch noch etwas über die Finanzierung von Fahrzeug und Kraftstoff sagen, sowie über den Straßenbau, aber beides kann ruhig einen gesonderten Beitrag vertragen – daher werde ich es vertagen.

Die freien Tage

Worauf ich noch eingehen wollte, ist, wie ich diese Tage, die nicht zu unserem (Berufs-) Alltag gehören, definiere, um meinen vorherigen Beitrag verständlicher werden zu lassen.

  • Ruhetage – Sind die regelmäßigen Pausen, üblicherweise alle sieben Tage, wie z.B. der Sonntag. Diese Tage sehe ich als den von Gandalf verordneten Fixpunkt zur Regeneration. Auch, wenn ich mich selber viel zu selten daran halte, ist das der Tag, an dem man seine Kommunikationskanäle stark einschränken sollte und auch darf, um sich seinem Selbst zu widmen.
  • Privattage – In Deutschland oftmals der Samstag, sollte das der Tag für unsere privaten Erledigungen sein. Diese Tage sollten Freunden, Familie, Haushalt und Freizeitvergnügen gehören.
  • Urlaubstage – Das möglichst frei verfügbare Kontingent an Tagen, um dem Alltag zu entfliehen und etwas anderes zu machen. Was einen da am besten hilft aufzutanken, sollte jeder selber herausfinden.
  • Krankentage – Besser auch Rekonvaleszenz-Tage genannt, sind die Tage, die wir brauchen, um uns von Krankheit, Verletzung und ähnlichem zu erholen. Tage, die man nehmen sollte, ohne schlechtes Gewissen zu haben.
  • Feiertage – Tage, an denen man mit Freunden, Familie und/oder Gleichgesinnten, im Sinne eines höheren Gutes, zusammen kommt, um dieses, wie der Name schon sagt, festlich zu begehen. Zeit für Rituale, Feste und Geselligkeit.
Ich behaupte mal, damit ein Tag auch wirklich ein freier Tag ist, sollte auch der Zeitpunkt so frei wie möglich zu wählen sein.

Das Problem mit der „bösen Gesellschaft“

Ich denke ein Hauptproblem der Gesellschaft ist, dass wir verlernt haben, alle diese Pausen vom Alltag zu nutzen.
In unserer heutigen Gesellschaft der „Performer“ ist es halt nicht gut angesehen, wenn man sein Recht auf Ruhe nutzt.
In der Hinsicht bin ich ganz bei meinem Kritiker, wir brauchen diese Zeiten und sollten nicht zulassen, dass unsere Leistungsgesellschaft uns diese vorenthält.

Würden wir allerdings endlich die anderen Möglichkeiten der Pausen einfach mal konsequent nutzen und Urlaubstage antreten, Wochenenden einhalten und uns unsere Krankentage gönnen, auch unter Einhaltung von Kommunikationsdisziplin (also Handy aus), dann könnten wir tatsächlich Feiertage für das nutzen, wozu sie gemacht sind, nämlich zum Feiern und Gedenken.
Viele Probleme sind hausgemacht, wie z.B., dass wir die wichtigste Möglichkeit unserer digitalen Kommunikation nicht nutzen – ich meine das Ausschalten.

Die vielen Möglichkeiten der Erreichbarkeit haben einen Vorteil. Da zitiere ich eine Filmfigur von Dieter Hallervorden: „Schreiben Sie es auf – ich beschäftige mich später damit!“.

Mein Fazit

Wenn wir die Feiertage nicht zurück erobern, verschenken wir unsere anderen freien Tage früher oder später an die Gesellschaft.
Daher verweigere ich mich, auch diese Tage, wie von Gandalf gefordert, als Ruhetage zu sehen.
Das sind sie in meinen Augen nicht, und sollten es auch nicht sein!

Wenn wir zulassen, dass unsere gesellschaftlichen und religiös-moralischen Pflichten sich einen Tag mit unserer benötigten Erholung teilen, dann haben wir ein Problem.

Ich habe nichts gegen fixe Ruhetage, davon sollten wir jede Woche ein- bis zwei haben, aber Feiertage sollten an einen Anlass gebunden sein und der sollte dem individuellen Sinn entspringen (So könnten auch Familienfeste darunter fallen). Genauso sollten der Urlaub oder Krankentage (auch wenn da der Bedarf nicht positiv ist) individuell angelegt werden.
Das muss, meiner Meinung nach, eine bedarfsorientierte Verteilung bleiben, bzw. werden.

Dann könnte man Urlaub, sowie auch Sonderurlaub, also Tage für außerordentliche Erledigungen halt (Gerichtstermine, Umzüge,etc…) oder individuelle Feiertage (Religiöse Feiern, Familienfeiern, Politische Aktivitäten), mit einem jeweiligem Kontingent an Tagen ausstatten.

Eine beispielhafte Lösung wäre:

  • Ein freier Tag, als Ruhetag, pro Woche (z.B. Sonntag)
  • Ein Verfügungstag, für persönliche Verpflichtungen, pro Woche (z.B. Samstag)
  • 42 Tage Urlaub, pro Jahr (Ohne Einrechnung von freien Tagen und Verfügungstagen, sondern Brutto)
  • 21 Feiertage, pro Jahr (nach Individuellen Maßstäben und Absprache)
  • Benötigte Krankentage, pro Erkrankung (nach ärztlichem Ermessen)

Ich hoffe, dieser Beitrag erklärt meine Position etwas besser.
Ich freue mich auf weitere Diskussion und Fragen und denke, dieses Thema hat auch noch viel zu bieten.

Ich danke Gandalf für seine Anregungen, Ideen und Kritiken, denn lernen kann ich nur durch Austausch.

Euer begeisterter Mausebär (td)

3 Kommentare

  • )td)
    Landstraßen,
    • Schnellstraßen,
    • Umgehungsstraßen,
    • Forst- und Landwirtschaftliche Wege,
    • Privatstraßen,
    • Einbahnstraßen,
    • Wasserstraßen,
    • Sackgassen,
    • und vieles mehr…
    (G)
    Ja die gibst. Aber egal welche Strecke ich nehme, Ich muss hin und wider Rasten.

    (td)
    Ich fürchte, leider ist die Antwort auf negative Weise positiv.

    (G)
    Da muss ich dir leider zustimmen.

    (td)
    Feiertage – Tage, an denen man mit Freunden, Familie und/oder Gleichgesinnten, im Sinne eines höheren Gutes, zusammen kommt, um dieses, wie der Name schon sagt, festlich zu begehen. Zeit für Rituale, Feste und Geselligkeit.

    (G)
    Zeit für Rituale, Feste und Geselligkeit.
    Ja. Das sind wichtige dinge.Man sollte sie nicht vergessen.
    Denn bei diesen Gelegenheiten Tanken wir Kraft.
    Wie du schon im vorherigen Beitrag richtig bemerkt hast,sind die meisten Feiertage Religiöse-Christliche Feiertage.
    Wir wollen jedoch keine Religiös Basierte Diskussion führen,wir würden uns nur gegenseitig die offenen Scheunentore ein rennen.
    Im laufe der letzten mindestens 50 Jahre,hat sich das Verhältnis der Bevölkerung zu diesen Religiösen Ritualen Sehr,sehr Stark verändert,so das die meisten Leute nicht mehr wissen was da gefeiert wird.(Pfingsten ist übrigens der Tag an dem der Heilige Geist sich auf die Jünger Jesu/Apostel übertrug und sie mit allem ausstattete das sie zur Missionierung brauchten)
    Also ist man dazu über gegangen so ziemlich jeden Feiertag Zweck zu entfremden. Wodurch sich „neue“ oder stark veränderte Rituale heraus gebildet haben,die jedoch nicht weniger Wichtig geworden sind,auch und besonders in Wirtschaftlicher Hinsicht. Gastronomie und 😉 Tankstellen,Profitieren besonders davon.
    So hat sich die Bevölkerung neue Möglichkeiten geschaffen die Feiertage zu genießen und somit Kraft und Ruhe zu Tanken.
    Denn wenn ich von Ruhe gesprochen/ geschrieben hab ,dann ist es genau das was ich gemeint hab.Kraft Tanken. Ob durch Ruhe oder gemeinsame Unternehmungen spielt dabei keine Rolle.
    Durch die Kalendarische Fixierung dieser Tage sind sie leichter Planbar,und können wenn gewünscht in größerem Rahmen( ich mein mehr Leute) satt finden.
    DAS. Ist es was ich zum Ausdruck bringen wollte.

    (td)
    42 Tage Urlaub, pro Jahr (Ohne Einrechnung von freien Tagen und Verfügungstagen, sondern Brutto)

    (G)
    HÄ?Kann das sein das du Brutto mit Netto verwechselst?

    (td)
    21 Feiertage, pro Jahr (nach Individuellen Maßstäben und Absprache

    (G)
    Nö. Dann wird es fast unmöglich mit großen Gruppen einen gemeinsamen Termin für Feierlichkeiten zu Organisieren.

    Hoffe du bis nicht zu Kribbelig geworden. 🙂

    Dich und alle Leser grüßt der
    Gandalf.

    Antworten
    • Ich meine tatsächlich Brutto, also inklusive der zwei freien Tage in der Woche. Also eine Woche Urlaub kostet damit 7 Tage aus der Urlaubskasse. Somit wären 42 Tage genau 6 Wochen, soviel bekommen angeblich auch Schulkinder an Sommerferien.
      Zu dem Argument der Planbarkeit schreibe ich einen Beitrag, der wahrscheinlich aber erst am Donnerstag kommt, denn ich habe noch was dazwischen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
      Grüße vom Mausebären

      Antworten
      • Mach dir keine Hektik, ich weiß das wir Pausen Brauchen und nich nur Ackern könen. 😉

        Antworten

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