Alarmstufe Rot – Wie die Wut mein inneres Team aufmischt

Ein kleiner Einblick in die Abläufe des inneren Teams vom Mausebären (td) in Zeiten der aggressiven Eskalation.

Manchmal habe ich Tage, da läuft mein inneres System auf Alarmstufe Rot.

Mein gesamtes inneres Team wuselt durcheinander, auf der Suche nach dem jeweiligen Platz, der im Sinne der inneren Sicherheit zu bemannen ist und prominente Teile meiner Persönlichkeit streiten sich darum, wer im Ausnahmefall der oberste Anführer ist.
Man könnte sagen, mein inneres Team ist ein ungeformter Chaoshaufen, der versucht, eine militärische Ordnung herzustellen und an den eigenen Befindlichkeiten scheitert.
Trotz des überall in meinem Kopf blinkenden roten Lichtes und der erhöhten Konzentration auf meine Sensoren, komme ich zu dem Schluss, dass mein inneres Team ungenügend für den Ernstfall ausgerüstet ist.
Dabei ist Alarmstufe Rot äußerst gefährlich, weil auch der rote Knopf meiner nuklearen Abwehr in diesem Falle offen steht und ein fröhliches junges Mädchen mit viel Naivität und Engagement darauf herum trommelt.
Dieses in eine luftige Variante der Notfalluniform gekleidete und äußerst attraktive Mädchen ist meine innere Personifizierung meiner Aggressionen und auch meiner Wut. Sie ist von Natur aus nicht böse, sondern wie ihre liebenswürdige Zwillingsschwester, die Kreativität, möchte sie nur spielen. Sie möchte einfach meine Aufmerksamkeit und meine Zuneigung.
Da ich aber zumeist mit anderen Sachen beschäftigt bin, setzt sie ihren wunderschönen Schmollmund auf und spielt das altbekannte Spiel „Er liebt mich – Er liebt mich nicht“ an der Schalttafel meines offensiven Waffenarsenals.
Das wiederum verunsichert meine innere Angst, die sich am Steuerungspult für die Sensoren verschanzt hat. Jedes Ausfahren eines der inneren Waffensysteme lässt sie, in paranoid Umsichtigkeit, sämtlichen externen Input prüfen, um externe Aggressoren zu bestimmen. Gleich einer selbst erfüllenden Prophezeiung wird sie auch sogleich fündig und erstellt umgehend Bericht.
Sofort wird die Bedrohungslage vom Generalstab analysiert.

Die Vernunft ist selten dabei, da diese damit Beschäftigt ist, zwischen den einzelnen Stationen herumzulaufen und Eskalationen zu verhindern. Dabei schafft diese liebenswürdige, aber etwas schusselige ältere Dame in meinem Kopf es treffsicher, jeden Eskalationsherd meilenweit zu umgehen – Alarmstufe Rot ist nicht ihr Ding.
Und während anderswo noch recherchiert, analysiert und diskutiert wird, löst die Wut erst mal eine volle Salve eines nuklear-verbalen Direktangriffs auf ein beliebiges Ziel aus.
Voller fasziniertem Schrecken beobachtet das ganze System den Einschlag, um dann sofort in die Krisenanalyse abzugleiten.
Zeitgleich bereitet mein inneres PR-Team sofort eine öffentliche Erklärung vor, um den Erstschlag als Verteidigungshandlung zu legitimieren. Zum Glück gibt es dafür einige dutzende Vorlagen, die gleich Grußkarten für jede Gelegenheit, in drehbaren Ständern warten und nur noch minimal ausgefüllt werden müssen.
Sofort kommt es zu einer Verteidigungshaltung. Die Angriffswaffen werden nachgeladen und es wird sich auf den Gegenschlag vorbereitet.
Sollte dieser nicht erfolgen, wird voller Erleichterung der innere Endsieg gefeiert, denn innere Krisen machen egoistisch.
Erfolgt ein Angriff, wird aus allen Rohren gefeuert.
Das Ziel ist die totale Vernichtung des gegnerischen Aggressors, um jede Spur meines Makels eines unberechtigten Angriffs zu vernichten. Sieg oder Niederlage sind die letzten verbliebenen Optionen…

Nach einiger Zeit kommt dann ein weiteres Teammitglied zum Vorschein, es ist eine Mitarbeiterin der Vernunft, die allseits beliebte Gelassenheit.
Fröhlich schlendert sie in der gemütlichen Variante der inneren Uniform (irgendwie macht da jeder daraus was er will) durch die Gänge der Kampfstationen, schwingt mit ihren langen Rastazöpfen von links nach rechts, unisono mit ihrem Hüftschwung und überreicht strahlend jedem der erfolgreichen Krieger einen fetten Joint aus dem Gras der körpereigenen Drogen.
Und während alle anderen berauscht die Siegesfeier begehen, versucht Team Vernunft, die Kampfstationen zu deaktivieren und den roten Alarm wieder zu beenden.

Leider entsteht aus der fröhlichen Drogenparty mit körpereigenen Wirkstoffen dennoch ein mieser Kater beim gesamtem Team. Und wenn der nicht gut ausgeschlafen wird, dann droht schon wieder die nächste Alarmstufe Rot.

Ich überlege gerade, ob ich noch etwas dazu schreiben will, aber ich habe das Gefühl, dass alle meine wichtigen Dinge bereits in dieser kleinen Exkursion drin stecken.
Vielleicht sollte ich erwähnen, dass die Designentscheidungen völlig abhängig von meinem derzeitigem Medienkonsum sind. Das heißt, wenn ich demnächst von Sci-Fi Serien wieder zu z. B. mittelalterlichen Inhalten abdrehe, werden auch die Beschreibungen meines inneren Teams sich entsprechend verändern. Das Konzept bleibt das Gleiche.
Solltet Ihr also jemals mit der gefährlichen Langeweile meines inneren Schätzchens, der Wut, konfrontiert sein, dann macht etwas originelles und lenkt sie ab. Mein inneres Team wird es Euch danken.

Euer, derzeit schon nicht mehr aggressiver, aber echt müder Mausebär (td), der sich jetzt noch ein wenig in seine Höhle kuschelt, um mit seinem inneren Team zu schmusen.

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