Linkes und Wirtschafts(ge)flügel – wie passt das zusammen?

Der Mausebär als Unternehmer ist ja (vielleicht) ein Anwärter, irgendwann dem Mittelstand nahe zu kommen – wie passt das zu seiner linken Ideologie und dem linken Engagement?
Hallo liebe Mausebärfreunde,
Der Mausebär ist ja weitläufig umtriebig in seinen Interessen und wenn ich nun mal meine bunte und chaotische Hobbylandschaft zur Seite schieben, dann fällt mein Blick dann doch auf drei wichtige Säulen meines Alltags und auch meines Lebens…
Meine erste Säule ist mein berufliches Engagement, aufgeteilt in verschiedene Rollen, die ich einnehme.
So arbeite ich (leider unbezahlt) als Genesungsbegleiter, als Alltagshelfer (auf 450€-Basis) um mein schmales Bürgergeld (jetzt Grundsicherung) aufzustocken und somit eine Lebensgrundlage zu schaffen, als Content-Kreator für die Erfahrungsexperten am Niederrhein (wie zum Beispiel dieser Text zeigt), als Geschäftsführer der EaN UG (haftungsbeschränkt), deren Mitbegründer und Anteilseigner ich bin und für die ich als Genesungsbegleiter schaffe und gerne arbeite ich auch mal Kreativ (zum Beispiel als Autor oder als Entwickler von Konzepten für unser kleines Unternehmen.
Eigentlich insgesamt fünf Jobs, die ich jongliere und dabei nicht einmal annähernd das bekomme, was ich verdienen sollte. So viel zu den faulen Aufstockern…
Natürlich fände ich es gut, wenn sich unser Unternehmen so entwickeln würde, dass eine Gehaltszahlung für mich als Geschäftsführer möglich wäre, aber zur Zeit ist es halt nicht drin. Und als Miteigentümer ziehe ich auch keine Gelder raus, weil wir jeden Cent brauchen, um uns weiter zu entwickeln. das Geld, was ich investiert habe, arbeitet nur in der Form für mich, dass mir vielleicht irgendwann eine Gehaltszahlung ermöglicht wird. Gewinne erzielen wir zwar, aber nicht für die Eigentümer, sondern für die Idee und das Projekt.
Das ich deswegen aufstocken muss, finde ich völlig in Ordnung, denn der Grund, warum ich kein Gehalt bekomme, liegt daran, dass aus Gründen die in der Gesellschaft liegen, unsere Kunden, die unsere Leistungen brauchen, dafür weder das bezahlen können, was nötig wäre, noch unserer Meinung nach, das bezahlen müssen. Wir decken einen sozialen Bedarf ab und unsere einzige Förderung durch die Gesellschaft ist, dass mein Lebensunterhalt am Existenzminimum gesichert wird. ist in Ordnung, aber für einen Unternehmer eher etwas unspektakulär…
Das wir, weil wir kein Geld für Gehälter haben, alle arbeiten selber machen müssen und dürfen, einschließlich Kunden-Akquise, Kundenbetreuung, Geschäftsführung (Buchhaltung, Büro und so etwas), Planung und Durchführung von Workshops und Vorträgen, etc…, ist halt leider so, aber wir arbeiten fleißig daran, dass eines Tages zu ändern und zwar auf sichere, zuverlässige weise und ohne Fremdkapital, Förderungen oder andere Gelder, die uns abhängig machen würden.
Meine zweite Säule ist mein politisches Engagement. Ich bin aktiv im Vorstand des Ortsverbandes der Partei DIE LINKE in Kempen, sitze hier im Stadtrat als Stadtrat und Sprecher der Gruppe DIE LINKE im Stadtrat Kempen, bin für den Kreis Viersen als Delegierter In den Landesrat NRW entsandt (was ich auch gerne weiterhin mache), unterstütze nebenbei den Kreisverband Viersen, gerne immer wieder, engagiere mich in zwei Landesarbeitsgemeinschaften (und peile schon die nächste an) und bin dahingehend immer viel unterwegs und in der Netzwerkarbeit. Kommunale Politik ist spannend und macht zumeist Spaß, aber es ist auch viel Arbeit und viel lernen, verstehen und anpacken…
Meine dritte Säule ist das Ehrenamt, sowohl regional, als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Unabhängigen Beschwerdestelle des Gemeindepsychiatrischen Verbundes (GPV), als Teil des Qualitätszirkels für ein Selbsthilfefreundliches Krankenhaus in der LVR-Klinik Süchteln, aber auch überregional, als Landessprecher NRW für den Verein EX-IN Deutschland e.V. und als Moderator des Online-Forums EX-IN muVi. Das alles übrigens ohne eine Form der Aufwandsentschädigung (ich bekomme selten mal mein Fahrgeld erstattet – wenn überhaupt). ich mache das Gerne, finde es wichtig und bin dabei…
Nebenbei besuche ich noch die diversen Foren und Veranstaltungen der IHK linker Niederrhein und der Wirtschaftsförderung des Kreises Viersen. Auch da bin ich bereit mich zu engagieren und ehrenamtliches Engagement reinzupacken, gerade bei der IHK, wo ich mich bereits auf ein Amt beworben habe (mal schauen). Auch da geht viel zweit drauf, aber ich erhalte Einblicke, Informationen und Kontakte, um mir immer mehr ein bild machen zu können.
Quintessenz ist, ich bin gleichzeitig ein Links-politisch orientierter Kommunalpolitiker und ein sozial engagierter Unternehmer und habe mich schon oft gefragt, wie das zusammen passt.
Und es passt sehr gut, denn die linke Politik ist weder Unternehmerfeindlich noch der gefürchtete Zerstörer unserer Wirtschaftskultur. Gerade ich, der zwischen den beiden Welten wandert, sehe immer häufiger, dass die Probleme der mittelständigen Unternehmer gar nicht so abweichen, von den Sorgen der Arbeiterschaft oder den Leuten aus sozial prekären Verhältnissen.
Tatsächlich ist der klassische regionale Unternehmer näher an dem Abstieg zum Bezieher von Sozialleistungen, als an den Freuden der Oberschicht, rein von der Logik her (und vom Einkommen und den Ausgaben).
Der normale Unternehmer (aus dem Mittelstand) arbeitet genauso hart, wie jeder Arbeiter und genauso wird ihm ein großer happen von den Früchten seiner Arbeit weggenommen. Zum einen durch die Gesellschaft in Form von Steuern und Abgaben, zum Teil durch die steigenden Kosten von Lebensunterhalt und auch den Betriebskosten (weniger Gewinn durch mehr Kosten) aber und das vor allem durch die Verzinsung seines Fremdkapitals. Jeder mittelständige Unternehmer hat irgendwelches Fremdkapital, also entweder Investoren, die Anteile seines Unternehmens haben und daran mitverdienen (ohne Arbeit darein zu stecken, nur durch die Vermietung von kapital), oder Banken, die Kreditzinsen nehmen. Ein großer Teil des hart verdienten Umsatzes geht in die Deckung von Schulden, oder besser gesagt in die Deckung der Kosten der Schulden und in die Befriedigung stiller Teilhaber und Investoren, deren Leistung darin besteht, mal genug Geld gehabt zu haben, um es zur Verfügung zu stellen.
Doof ist nur, dass der Arbeiter seine Zeit und Kraft in das Unternehmen steckt und Staat und Wirtschaft heftig an seinem Lohn knabbern, der Unternehmer Zeit und Kraft in sein Unternehmen steckt und der Staat, die wirtschaft und die Geldgeber hart an seinem (Unternehmer-) Lohn knabbern, aber die Investoren halt verhältnismäßig wenig von ihren Erträgen abgeben müssen, dafür, dass sie weder Zeit, noch Kraft investieren, sondern nur ihr Eigentum vermieten. Und da will ich jetzt gar nicht auf Enteignungen und so was hinaus, aber auf die Verpflichtung von Eigentum im Sozialstaat. Denn wer statt Arbeit und Zeit einfach nur Geld in ein Unternehmen steckt, der sollte nicht mehr Lohn bekommen (also prozentual), als diejenigen, die ihre Lebenskraft darein stecken.
Jetzt könnte man sagen, die Gewinne sind ja schon besteuert, da kann man die Gelder, die ausgeschüttet werden nicht noch extra versteuern. Doch kann man, denn die Gewinne sind ja schon versteuert und doch wird der Anteil den diejenigen bekommen, die Arbeit investiert haben (also der Lohn) auch besteuert und zwar unverschämt hoch im Vergleich.
Es geht bei linker Wirtschaftspolitik nicht darum, an die Unternehmerlöhne zu gehen, oder den Mittelstand zu vergesellschaften (anderes Wort für staatliche Enteignung), sondern darum, die Verhältnisse wieder gerade zu rücken und die Verpflichtung des Eigentums einzufordern, bei denen, die den eigentlichen Gewinn aus der Arbeit und Produktion ziehen.
Und dieses Geld sollte reinvestiert werden in Infrastruktur, Bildung, Chancen um tatsächlich als Gesellschaft gemeinsam weiter zu kommen und nicht um 50% der Menschen abzuhängen, während 1% mehr Geld am Tag verdient, als ein normaler Mensch innerhalb seiner Lebenszeit ausgeben kann.
Denkt mal daran, lieber Mittelständer, das dieses eine Prozent in den letzten Jahren immer reicher geworden ist (und immer kleiner, so vom kreis der Personen) während der Mittelstand im rahmen von Verteuerung und Verlusten immer mehr in Richtung der 50 Prozent rutscht, die am Existenzminimum leben. Denkt daran, dass die 50 Prozent eher eure Kunden sind, als das eine Prozent und Jahr für Jahr eure Kunden weniger Finanzstark werden (vor allem die 49 Prozent dazwischen die absehbar eher zu einem Teil der 50%er werden, als zu den 1%ern kommen – die übrigens bei den Bikern die absolut skrupellosen Kriminellen kennzeichnen, mal drüber informieren, die Zusammenhänge sind lustig).
Gerne kann ich sowas auch live, mit Schaubild, Power Point und ähnlichem erklären und lasse mich gerne einladen zu sprechen. Ich verlange auch nichts dafür, bin sogar dankbar, sollte ich etwas zu speisen, trinken oder gar Fahrgeld bekommen.
Bis dann, dann,
Euer Mausebär
Autor

- Der Mausebär
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Thorsten Dürholt schreibt diesen Blog unter dem Pseudonym "Mausebär".
Zur Erklärung gibt es das Mausebären-Manifest unter dem WordPress Link.
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