Speaker’s Corner: Weißt Du wer ich war? Weißt Du wer ich bin?

Unser Gastautor Sascha Rück gibt uns eine kleine Kostprobe aus seiner Musikapotheke (editiert und präsentiert von Thorsten Dürholt)

Wieder mal ein Wort vorab.

Ein kleines Déjà-vu kommt bei mir auf, habe ich doch vorhin noch in der Redaktion den vorherigen Text von Sascha bearbeitet. Schwupps, fliegt uns ein neuer Beitrag in unser verwaistes Postfach. Und ich habe wieder die Ehre, ihn einzuleiten (auch – oder nur – weil ich ihn zuerst gesehen habe). Ehre meine ich in diesem Kontext nicht als Floskel, denn Sascha (mein Kommunikationstrainer) mag keine Floskeln – die sind zu unverbindlich. Die Ehre liegt für mich darin, dass er Zeuge unserer Arbeit als Redaktion wurde und uns einen weiteren Text anvertraut.
Dieses Vertrauen ehrt mich und unser gesamtes Team.
Es ist eine Wertschätzung, die unsere gemeinsame Arbeit definiert – und vielleicht sogar uns, als Erfahrungsexperten, ausmacht. Das ist ein Teil der Antwort auf die Frage:“Weißt Du wer ich bin?“

Und schon kann ich überleiten…

Prolog: Weißt Du wer ich bin? Weißt Du wer ich war? Weißt DU wer ICH war?

Nach der Redaktionssitzung mit Mausebär, Schmusehamster und Leonessa ergriff mich wieder der Drang zu schreiben.
Mein Körper lechzte nach einer Mütze Schlaf, da ich seit 6 Uhr früh wach war. Mein Geist übernahm kurz mit einem „Schnauze“ die Kontrolle und übergab an den „Autoschreiber“, der sich begierig vors Laptop setzte und anfing sich auszutoben.

Da ich beschlossen habe, meine Texte mit Musik zu unterlegen, widme ich mich heute dem Thema:
Wer war ich früher, wer bin ich heute?
Ich bin immer noch auf kaltem Entzug. Vielleicht mag das der Grund sein, dass mit einem mal Gedanken vom Hirn in die Außenwelt dringen, die ich zu lange und zu krampfhaft versucht habe zurückzuhalten.

Meine Musikapotheke geht heute seltsame Wege – zu der Überschrift wurde ich von Juliane Werding inspiriert.

Graue Wolken verhingen das Land
Ich wusste nicht wohin
Nah am Meer stand ein einsames Haus
Der Wind strich durch die Tür
Und ich sah einen riesigen Saal
Mit Spiegeln an der Wand
Doch in keinem hab ich mich erkannt…

Weißt Du wer ich war? Weißt Du wer ich bin?
Bettler oder Königin?
Weißt Du wer ich bin? Weißt DU wer ICH war?
Ich konnte gar nicht glauben was ich sah…
Die Spiegel zeigten mich mit anderem Gesicht…
Die Spiegel zeigten MICH…

Juliane Werding – Weißt Du wer ich bin?

Ich denke zurück an die Zeit, als es mir richtig mies ging.
Meine 15-jährige Beziehung war ein Scherbenhaufen, ich war überlastet von der Arbeit und funktionierte nur noch.
Meine damaligen Kollegen sahen eines Tages mein eingefallenes Gesicht, meine gebeugte Haltung und drängten darauf, einen Arzt aufzusuchen.
Mein Hausarzt tat das einzig Richtige: er zog mich aus dem Verkehr und gab mir die Adresse der Psychologischen Instituts Ambulanz (PIA).
Er sah mich vor einem Burnout und riet mir dringend die PIA aufzusuchen, um weiteres Unheil zu vermeiden.
Nach zwei Beratungsgesprächen und einigen Arbeitsunfähigkeitsverlängerungen später fand ich einen Therapieplatz in einer ambulanten Tagesklinik.
Nach meiner Vorstellung dort war ich nach 14 Tagen Wartezeit drin.

1. Akt: Dancing into Danger

Watching you waiting
Checking on every move that you make
If we could dancing into danger (I’m gonna get you now…)
You keep hesitating
Knowing you pay for any mistake
You won’t be dancing into danger (I’m gonna get you now…)

Inker & Hamilton – Dancing into Danger

Ich betrat die Tagesklinik und fragte mich: Was erwartet mich da? Können die mir helfen? WOLLEN die mir helfen oder mich nur ruhigstellen?
Eins hatte ich mir vorgenommen: Betäuben lasse ich mich nicht.
Und die Psychopharmaka, die mein Ex wie Smarties gefuttert hatte, wollte ich ganz bestimmt NICHT nehmen. Jedenfalls nicht freiwillig.
Glücklicherweise war die Oberärztin diesbezüglich verständnisvoll und erklärte mir, auf welches Medikament sie mich einstellen wollte und welche Nebenwirkungen es hatte.
Ich ließ es zu.
Ich tanzte in die Gefahr.

2. Akt: Brand New Day

I’ve stayed in one place for too long
Gotta get on the run again
I saw the one thing that I want
Hell bent, get outta bed
I’m throwing rocks at your window
You’re tying the bed sheets together
They say that we’re dreaming too big
I say this town’s too small …

Dream
Send me a sign
Turn back the clock
Give me some time
I need to break out
And make a new name
Let’s open our eyes
To the brand new day
It’s a brand new day

Ryan Starr – Brand New Day (Theme from „Lie to me“)

Mit der Zeit lernte ich in den Gruppentherapien über mich zu reden, meine Gefühle (wo ich als Aspi dachte ich habe keine – welch Irrtum…) zu äußern und wieder für mich selber einzustehen.
In den letzten Wochen vor meiner Entlassung lief mir dann der Mausebär über den Weg.
Wenige Stunden später merkte ich, dass offenbar das Schicksal mir jemand zur Seite gestellt hat, der mich lehrte, vieles auch aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Im Gegenzug revanchierte ich mich mit Kommunikationstraining.
Ich bin froh, dass es so gekommen war.
Mausebär half mir durch diese Zeit wie kein anderer und sorgte mit dafür, dass ich ein neues Heim bekam, mich von meinem alten Leben endgültig verabschiedete (wenn auch mit jeder Menge Schulden durch Neueinrichtung einer Wohnung und Umzug) und wieder stabil in den Gleisen lief.

3. Akt: The Promise you made

[…] Could I rely on your faith to be strong?
To pick me back up and to push me along?

Tell me
You’ll be there in my hour of need
You won’t turn me away
Help me out of the life I lead
Remember the promise you made
Remember the promise you made…

Cock Robin – The Promise you made

Rückblickend habe ich mich in den letzten drei Jahren, seit ich Mausebär kenne, sehr verändert.
Ich lasse nicht mehr zu, mich zu irgendetwas missbrauchen zu lassen.
Ich gebe meine Meinung kund.
Vorteil eines Aspis ist, dass er niemals lügt.
Er kann es nicht und er will es nicht, weil es zu anstrengend ist.
Der Nachteil davon ist, er geht damit (manchmal) Leuten tierisch(st) auf den Geist.
Die Erfahrung lehrt mich, nicht mehr in Geduld zu verharren wie ein Lamm, das zum Schlachter geführt wird.
Auch darum bin ich gespannt, wohin mich dieses „Autoschreiben“ führen wird.
In der Redaktionssitzung sagte das Team einstimmig: „Wenn Du solche Texte voll verpeilt raushaust, was kommt dann zum Vorschein wenn Du BEWUSST schreibst?“
Auweia, so weit denke ich erstmal noch nicht.

Epilog: Changes

Hier lasse ich einfach den Text für sich sprechen:


I’m moving through some changes
I’ll never be the same
Something you did touched me
There’s no one else to blame

The love we had has fallen
The love we used to share
We’ve given up pretending
As if you didn’t care

Change changing places
Root yourself to the ground
Capitalize on this good fortune
One word can bring you round
Changes

I look into the mirror
I see no happiness
All the warmth I gave you
Has turned to emptiness
The love we had has fallen
The love we used to share
You’ve left me here believing
In love that wasn’t there

Change changing places
Root yourself to the ground
Word to the wise – well you get what’s coming
One word can bring you round
Changes

When I look into your eyes and try to find out how
There’s no way to save it now
And everything I feel
Changes
Keep looking for
Changes
Changes

For some reason you’re questioning why
I always believe it gets better
One difference between you and i
Your heart is inside your head

One word from you
One word from me
A clear design on your liberty
Who could believe when love has gone
How we move on like everyone

Only such fools
Only such jealous hearts

Only through love changes come

Change changing places
Root yourself to the ground
Capitalize on this good fortune
One word can bring you round
Changes

One road to loneliness
It’s always the same
One road to happiness
It’s calling your name

Change changing places – changes
Root yourself to the ground
Capitalize on this good fortune
One word can bring you round
Changes

Change changing places
Changes
Root yourself to the ground
Word to the wise – well you get what’s coming
One word – one word can bring you round
Changes

Yes – Changes

Grüße vom Polarbär

Das letzte Wort dem Mausebär

Die Songauswahl löste bei mir gleich eine Assoziationskette aus.
Ich habe – ehrlich gesagt – einen anderen Musikgeschmack und landete geistig sofort bei dem Song „Changes“ von Black Sabbath (ich danke für den Ohrwurm).
Wahrscheinlich werde ich auch gleich mal meine „Musikapotheke“ aufsuchen. Nach einem „bewaffnetem Überfall“ (bei dem ich mir das harte Zeug hole), werde ich mich mit einer (annähernden) Überdosis gutem Hardrock abschießen.
Wenn ich alter Sack damit durch bin, werde ich in sanftere Gefilde gleiten.
Ich hoffe, die Musik überbrückt für Dich die unangenehme Zeit.

Liebe Grüße,

Thorsten Dürholt

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