Freie Fahrt für freie Fahrer

Ein humorvolles Kabinettstückchen, welches Euer Schmusehamster (ak) genauso und nicht anders erlebt hat.

Letzten Samstag in der Galerie am Rathausmarkt

Meine Einkäufe aus der Drogerie (Instant-Roggen-Sauerteig, fünfmal) im Jute-Beutel, spaziere ich, nichts Böses ahnend, in die Tiefgarage unter dem Rathausmarkt und gehe vor dem Kassenautomat in Wartestellung.
Nach dem Einführen der Parkkarte werde ich gebeten, einen Euro Parkgebühr zu entrichten. Beim Blick ins Portmonee fällt mir auf, dass ich nur noch wenige Cent Kleingeld bei mir trage; seit längerem dieselben Münzen, weil ich, Corona-bedingt, brav kontaktlos zahle.
Eine Kartenzahlung ist aber bei dem Kassenautomat nicht möglich.

Ich studiere die gedruckten Kassenzeiten – vielleicht ist gar keine Gebührenphase mehr. Manche Parkhäuser lassen die Ausfahrt am Wochenende frei, um ihren Kunden einen kleinen Extra-Anreiz für Konsum zu geben. Doch Fehlanzeige – Kassenzeit ist auch am Samstag bis 21:30.

Gut, denke ich mir, also Plan B: Maske wieder an und hoch zur Postbank. Im Eingangsbereich der Passage, zwischen den Schiebetüren, laufe ich zum mittlerweile dritten mal an den austrainierten jungen Herren vorbei, die agressiv Werbung für ihr Fitnessstudio machen – wenigstens lassen sie mich beim zweiten und dritten mal unbehelligt.
An der Postbank hebe ich den Mindestbetrag von Zehn Euro ab und trete den Rückweg in die Tiefgarage an.

Erneut vor dem Kassenautomat angekommen, führe ich die Parkkarte in Schlitz A ein und schiebe den Geldschein sanft in Schlitz B.
Nichts tut sich.
Vielleicht halte ich den Schein verkehrt herum?
Abermals straft der Geldscheineinzug meinen Schein mit Ingnoranz.
Sanft nestelnd versuche ich, mit dem vorher nun sorgfältig geglätteten Zehner, ein drittes mal mein Glück.
Doch nichts geschieht.
Ein kritischer Blick offenbart mir, dass auch die sonst aktiven LED’s an der Schein-Eingabe nicht leuchten. Also ist diese Funktion kaputt, folgert mein inneres Technikverständnis scharfsinnig.

Unwillig grummelnd ziehe ich mir aufs Neue meine Maske über Mund und Nase und gehe wiegenden Schrittes gen Tageslicht, Geld wechseln.
Auf dem Weg konfrontiere ich die jungen muskulösen Werbeträger ein mittlerweile fünftes mal mit meiner Erscheinung: Wallende blonde Mähne, Bart verhängt durch meine selbstgebastelte rote Maske mit Logo und Wappentier des einzig wahren Fußballvereins, schwarze Shorts und orangefarbenes Lieblings-T-Shirt mit Wappentier der Florida Gators. Ich frage mich, ob ich ihnen bereits unheimlich bin.

Beim Bäcker neben der Postbank, wo ich, der geneigte Leser erinnert sich sicherlich, nur Minuten vorher war, erstehe ich eine Vortagestüte zum Preis von einem Euro. Inhalt: eine Rosinenschnecke und ein Erdbeerplunder, welchen ich, garniert durch eine gute Tasse Kaffee, genüsslich im Garten verputzt habe, bevor meine Muse mich mit einem ganz und gar nicht jugendfreien Zungenkuss zum Tippen dieser Zeilen veranlasst hat.

Bewaffnet mit insgesamt neun Euro Wechselgeld, vier davon in zwei Zwo-Euro-Münzen, baue ich mich zum dritten mal vor dem Kassenautomaten auf.
Das Vorspiel bleibt das gleiche: Bitte führen Sie die Parkkarte in Schlitz A ein.
Es folgt Schritt 2: Werfen Sie einen Euro oder mehr in den Münzschlitz ein.
Triumphierend komme ich der Aufforderung nach, lausche dem kurzen wohlwollenden Zirpen, mit dem der Automat meine Handlung wertschätzt und stehe eine Sekunde später mit meiner Fahrkarte nach Draußen da.

Klingelnd fällt mein Wechselgeld ins Münzfach. Als ich meine Hand suchend hineinschiebe, stutze ich. Erwartet hatte ich einen Euro, in der Hand halte ich deren Drei!
Also hätte ich mir das Geldziehen Sparen können.

Kopfschüttelnd trete ich den Weg zum Auto an und denke, in mich hineingrinsend, dass Gott tatsächlich ein humorvolles Wesen sein muss.

Ich starte den Motor, die Maske habe ich vorher im Handschuhfach verstaut und erstmal tiiiieeeeffff durchgeatmet.
Langsam rolle ich durch die fast leere Tiefgarage der Ausfahrt „Lindenstr“ entgegen.

Dort trifft mich fast der Schlag – im positiven Sinne – !
Die Schranke ist offen!!
Unter schallendem Gelächter und mit Lachttränen im Bart trete ich den Heimweg an.

Manchmal liegt die Lösung näher, als vorher gedacht und ja, Gott muss Humor haben.

So long & allseits gute Fahrt wünscht Euch Euer Schmusehamster (ak)

Ein Kommentar

  • Es ist schön zu lesen das du die dinge mit soviel Humor betrachtest.
    Ich kann mir gut vostellen,wie sich dein gesicht jedesmal erehllte,wenn du von dem Automaten wieder „weg geschickt “ wurdest um seine Wünsche zu erfüllen.

    Es grüßt der von Mittleid erfüllte Gandalf (hihihi)

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